Primaten- und Genieforschung, Tierschutz

 

Literatur:

Bernhard Grzimek

"Tiere, mein Leben"

Harnack Verlag 1984

Volker Sommer

"Die Affen"

GEO im Verlag Gruner + Jahr AG & Co. 1989

Stella Brewer

"Die Affenschule"

Paul Zsolnay Verlag 1978

Ellen Wolf

"Zwockel, Bono & Co"

Carl Ueberreuter 1990

Erich Tylinek, Gotthart Berger

"Das große Affenbuch"

Landbuch-Verlag GmbH Hannover 1984

Walter Baumgärtel

"Unter Gorillas"

Universitas Verlag 1977

Farley Mowat

"Das Ende der Fährte"

SV international/Schweizer Verlagshaus AG 1988 (1987)

Jane Goodall

"The Chimpanzees of Gombe"

The Belknap Press of Harvard University Press 1986

Dian Fossey

"Gorillas im Nebel"

Kindler Verlag 1989 (1983)

Alison Jolly

"Die Entwicklung des Primatenverhaltens"

Gustav Fischer Verlag 1975

Donald C. Johanson, Maitland A. Edey

"LUCY"

R. Piper & Co. Verlag München 1982 (1981)

Eugene Linden

"Affen"

Meyster Verlag 1980

 

Weitere Literatur:

Die Berichte und Bücher der Forscher Kay und George Schaller über Berggorillas von 1959 und 1964, Wolfgang Köhler über Schimpansenstudien auf den Kanarischen Inseln von 1912 bis 1925, Robert Yerkes ab 1925 generell über Primatenforschung, Clarence Ray Carpenter über Brüllaffen und Gibbons, Adriaan Kortlandt über Schimpansen im Ost-Kongo in den 1960er Jahren, Roger Fouts im Primatenzentrum von Oklahoma, der Primatenadoptiveltern ab den 1950er Jahren Keith Hayes, Maury und Jane Temerlin, R. Allen und Beatrice Gardner ... Nicht zu vergessen Louis S.B. Leakey und die Dritte seiner Trimaten, Birute Galdikas, die das Verhalten von Orang Utans studierte und sich um ihre Resozialisierung in der Freiheit bemüht.

 

Weitere Literatur zur Genieforschung:

Die Bücher von und über Johannes Kepler, Galileo Galilei, Isaac Newton, Carl Friedrich Gauß, Bernhard Riemann, Alexander von Humboldt, Heinreich Hertz, Wilhelm Conrad Röntgen, Max Planck, Albert Einstein, Werner Heisenberg, Francis Crick, Manfred Eigen, Steven Weinberg, Stephen W. Hawking, Martin Rees ... 

 

Bedeutung der Primatenforschung - Ursprünge der Kultur

Spätestens im Pliozän und Pleistozän beginnt die Entwicklung der Hominiden, gewissermaßen von den Füßen her aufwärts. Zuletzt entwickelt sich das große Gehirn. Was trennt uns Menschen vom Tier bzw. von den Tiermenschen (Gorilla, Schimpanse, Oran Utan) in Wirklichkeit ? Einen wichtigen Schlüssel zum vorurteilslosen Verständnis des Menschen von sich selbst und von seiner Entwicklung bietet die Primatenforschung.

Zum vorurteilslosen Verständnis des Menschen von sich selber: Ein vorurteilsloses Verständnis des Menschen von sich selber ist dann nicht möglich, wenn der Mensch in Artennarzißmus gefangen ist, sich wie ein eitler Pfau gibt und sich für die Krone der Schöpfung hält, wenn für den Menschen eine ewige Formenkonstanz in der Zukunft annimmt, wenn er das Böse in sich hat ...

→ Ein vorurteilsloses Verständnis des Menschen von sich selber ist kaum, nur in den seltensten Fällen möglich.

Das wirft ein eigenartiges und bezeichnendes Licht auf die Verhaltensforschung, insbesondere auf den Behaviorismus. Artennarzißmus, artenspezifische Eitelkeit, der Species Homo sapiens sapiens anzugehören ... – solche atavistischen Psychosen sind kaum eine vernünftige Basis für eine vernünftige Verhaltensforschung.

Man beachte, daß viele heutige zentrale geistige Systeme noch immer die Entstehung des Menschen als (Tier-)Art in mythisch-mystische, archaische Schleier hüllen. Man beachte auch, daß auch beim heutigen Menschen Nahrungsbeschaffung, -aufnahme, Fortpflanzung und Familie sehr wesentliche Elemente seines Lebens und seiner Lebenszielsetzung sind.

 

Ab welcher Intelligenz, vielleicht gemessen in Kubikzentimetern Gehirnsubstanz und hinreichender Gehirnorganisation, verspürt ein Geschöpf das rein von innen her kommende Bedürfnis zu bewußter und gewollter, kultureller und künstlerischer Betätigung, zu einem Weltmodell und "vernünftigen" Realitätsvorstellungen ?

Wenden wir die Vorstellungen des Behaviorismus auf den Menschen an: Auch die heutigen Menschen sind sehr oft an dem o.g. Vorhaben und Denken nicht interessiert und widmen sich lieber der Befriedigung ihrer elementaren Bedürfnisse.

In dem Bestreben zu einer vernünftigen Verhaltensforschung, geprägt von der Demut vor der Schöpfung im Größten und Kleinsten, können wir Menschen lernen, uns angemessen in den Ablauf von Artenwandel, Artenneuentstehung und Artentod einzufügen. Die Evolution geht nämlich weiter.

 

Beim Homo sapiens sapiens der Jetztzeit schwankt das Gehirnvolumen zwischen 1000 und 1800 ccm. Aber das heißt nicht, daß z.B. Archimedes von Syrakus, das größte bekannt gewordene Genie der Antike, 1800 ccm Gehirn gehabt hätte und seine Durchschnittszeitgenossen nur 1400, also den arithmetischen Mittelwert. Von einer bestimmten kritischen Gehirngröße an, die man bei den Hominiden auf 350 bis 750 ccm ansetzen muß, nimmt die Bedeutung der Gehirnorganisation für höhere geistige Leistungen sehr stark zu. Es ist andererseits aber richtig, daß ein größeres Gehirn bei einer nur wenig über die Individuen variierenden Gehirnorganisation auf größere Intelligenz hindeutet.

Rechnet man nach Wahrscheinlichkeiten, kann man annehmen, daß Archimedes ein Gehirnvolumen von 1500 ccm hatte, der Mittelwert bei der männlichen Bevölkerung bei 1400 ccm lag und daß es dennoch viele Zeitgenossen von Archimedes mit einem Gehirnvolumen um 1700 ccm gab, die bedeutend dümmer, triebhafter und primitiver waren.

Die intelligentesten rezenten Gorillas erreichen 700 ccm Gehirnvolumen, der Mittelwert liegt etwas unter 500, bei den Schimpansen knapp unter 400 ccm. Was kann man bei ihnen an Intelligenzleistungen und höheren inneren Antrieben erwarten ? Die Beantwortung wirft Licht auf das, was man von den frühen Vormenschen erwarten kann und was nach dem Menschen kommt.

 

C. und K. Hayes zogen von 1947 bis 1954 das Schimpansenmädchen "Vicki" von früher Kindheit an auf und ließen es frei im Haushalt mitleben, in vielem ähnlich wie ein eigenes Kind. Sie versuchten, Vicki das akustische Sprechen beizubringen, erreichten das aber nur für wenige Worte. Dem Schimpansen wie dem Gorilla fehlt die biologische Veranlagung für das akustische Sprechen bei Kehlkopf, Zunge, Gaumen, Lippen und neuronaler Ansteuerbarkeit.

B. und R. Gardner zogen von 1966 bis 1970 die junge Schimpansin "Washoe" in derselben Weise auf, lehrten sie aber die Taubstummen-Zeichensprache Ameslan (American Sign Language), die in Nordamerika verbreitet ist. Washoe vermochte über 100 Zeichen richtig zu deuten und zu geben. Sie zeigte dabei ein Grundvermögen zu syntaktischem Verständnis bei Mehrfachzeichen.

Ähnliches zeigte sich bei anderen Schimpansen. Das Gorillamädchen "Koko" lernte über 600 Ameslan-Zeichen (bis 1978) unter ihrer Betreuerin Penny Paterson bei San Francisco. Z.Z. werden viele - humane - Versuche mit Bonobo-Schimpansen im Yerkes Regional Primate Research Center in Atlanta (USA) durchgeführt, wobei man die Primatensprache "Yerkisch" verwendet. Setzt man versuchsweise für Koko ein Gehirnvolumen von 450 ccm an, so zeigt sich damit, daß ein Primat mit diesem Gehirnvolumen seine Gedanken/Empfindungen zumindest zu einem großen Teil über eine Sprache ausdrücken kann. Es ist ganz belanglos, daß das keine akustische Sprache ist. Hinreichend ist, daß sich ein Mensch mit ihm in einem gewissen minimalen Ausmaß unterhalten kann.

Was sagt das über die frühen Hominiden aus ? Die Gehirne der frühen Australopithecinen, die Donald Johanson und Maurice Taieb in den 1970er Jahren in der Afarwüste bei Hadar in Äthiopien nahe dem Awash-Fluß fanden, schätzten sie auf gut 400 ccm. Der Unterschied zu den anderen Primaten ist der, daß diese Primaten aus Afar schon vor 3,5 Millionen Jahren fast vollendet aufrecht gingen.

Die erste Steinzeit-Kultur kann man aber nur für die letzten 2,5 Millionen Jahre nachweisen. Diese etwas über einen Meter großen Geschöpfe besaßen zwar noch die Affenlücke im Gebiß und erkennbare Eckzähne, aber ihr Gebiß wies auch hominide Merkmale auf. Lebend wirkten sie weithin wie aufrecht gehende Schimpansen, und ihr Gehirn war mit etwa 400 ccm genau so groß wie das der heutigen (rezenten) Schimpansen.

Ab wann begannen diese Geschöpfe und ihre Nachfahren in den verschiedenen Entwicklungsstadien, sich Gedanken über ihr Innen und Außen zu machen ?

War der Australopithecus afarensis, wie er von Johanson und Tim White genannt wurde, intelligenter als ein rezenter Schimpanse oder Gorilla ?

Die Vermutung liegt nahe, daß man sich mit dem A. afarensis in Ameslan hätte unterhalten können. Man kann sogar vermuten, daß dieser Primat schon etwas mehr akustisch artikulieren konnte als ein rezenter Pongide - gleichgültig, ob er wirklich zu den Vorfahren der Menschen gehörte oder nicht.

Vielleicht gab es vor 2 Millionen Jahren auf der Erde Primaten, die auch in akustischer Sprache etwas sprechen konnten. Man hat hier 2 Möglichkeiten, darüber Informationen aus Fossilien zu erhalten:

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Das Gehirn drückt sich an der Innenseite des Schädels (der Schädelkalotte) ab und somit kann man an der Innenwand etwas die Gehirnwindungen zurückerrechnen.

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Aus Teilen der Fossilien des Schädels im Unterkiefer- und Nasen-Gaumendach-Bereich kann man auf Eigenheiten des sprachlichen Könnens des betreffenden Geschöpfes schließen.

Man glaubt bestätigen zu können, daß die Gehirnorganisation des Australopithecus afarensis weiter entwickelt war als die der heutigen Schimpansen das ist, und das bezieht sich auch auf das Sprachzentrum (nach de Broca). Das andere Extrem vertreten die Paläoanthropologen, die nachgewiesen haben wollen, daß sie aus den Fossilien des Neandertalers errechnet haben, daß der nur hat quielen, grunzen und knurren können.

 

Richard Leakey präsentierte in den 1970er Jahren einen Hominiden mit etwa 800 ccm Gehirnvolumen, den er als Homo habilis klassifizierte. Diesen Schädel fand er 1600 km entfernt von der Fundstelle des A. afarensis, am Turkana-See bei Koobi Fora. Dieser Schädel mit der Nummer 1470 erhielt seine eigene Geschichte und wurde weithin in der Fachwelt bekannt.

Koobi Fora, Olduvai-Schlucht und Laetoli (fast 3 Millionen Jahre alte Fußspuren von Hominiden auf frisch ausgeworfener vulkanischer Asche) wurden durch die "Leakeys" zu berühmten Fundorten von Hominiden und ihrer begleitenden Tierwelt.

Man kann annehmen, daß die Entwicklung der akustisch artikulierten Sprache und der manuellen Geschicklichkeit etwa zur Herstellung von Steinwerkzeugen gleichzeitig vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann.

Wenn das stimmt, gilt: Seit dieser Zeit entwickelten sich in vielerlei Weise Sprachen und Mythen, Wortschatz und Grammatik, Abschlagtechnik an Steinen sowie Geräte- und Waffenherstellung in sorgfältiger Handarbeit aus Holz, Gehörn und Stein.

Wie Studien an rezenten Schimpansen zeigen, ist die Verwendung von unbehauenen Steinwerkzeugen auch ohne eine akustische Sprache zur Weitergabe der Traditionen und Techniken möglich.

Es ist denkbar, daß sowohl die Weitergabe der Traditionen der guten Werkzeug- und Geräteherstellung als auch die Vorplanung für Jagden einen großen Entwicklungsdruck zu einer akustisch artikulierten Sprache ausübten. Die Weitergabe von Mythen und Stammeslegenden mochte erst einige Jahrhunderttausende später dazugekommen sein.

Mit dem Homo erectus, der etwa vor 1,9 (?) Millionen Jahren auftauchte ab einem Gehirnvolumen von 800 ccm, das sich im Zeitraum von 1,7 Millionen Jahren auf 1300 ccm ganz allmählich vergrößerte, kann man sich einen frühen Menschen vorstellen, der versuchte, über Mythen und Animismus die Welt zu begreifen. Vielleicht ist die akustische Sprache beim Menschen wirklich das Ergebnis des Bemühens, Stammestraditionen, Erfindungen, Werkzeug- und Geräteherstellung, Erlebnisse, Gefühle, Pläne, Mythen und "Weltvorstellungen" in einer günstigeren Sprache wiederzugeben als in den über Millionen Jahre verwendeten Körper-, Zeichen- und Gebärdensprachen.

Schon für den frühen Homo erectus vor 1,5 Millionen Jahren kann man annehmen, daß z.B. der Anführer der Gruppe einem anderen erwachsenen Mann sagte, er solle auf die Pirsch gehen und Wildbret holen. Dann mochte der Jäger auf der Jagd Erfolg oder Mißerfolg haben. Vielleicht eilte er zu seiner Gruppe zurück und meldete, daß es dahinten ein Schlaraffenland mit vielen Früchten und jagdbaren Tieren gab, einen Jungbrunnen oder ewiges Leben gebende Pflanzen, einen gewaltigen Jäger oder einen Drachen. So entstanden aus wahren Begebenheiten und aus Phantasie die ersten Mythen, Legenden und Märchen, die zur überlieferten Stammestradition wurden. Sicher ist, daß Magie und Animismus für die frühen Hominiden lebensnotwendige Hilfsvorstellungen waren in einer rational unbegreiflichen Welt.

Sicher haben frühe "Genies" unter den Hominiden schon vor 1 Million Jahren so etwas wie Weltsysteme entwickelt, aber sie fanden keinen dauerhaften Eingang in die Stammestraditionen, weil sie für den Durchschnitt der damaligen Menschen zu kompliziert und schwierig waren. Starb ihr Entwickler, starben mit ihm seine genialen Leistungen. Jahrhunderttausende später mochte es immer öfter geeignete Schüler für gute Schamanen und frühe Denker geben, aber Hungersnot, Krankheit, Unfälle oder Kriege löschten diese häufig aus, und damit auch alle Erinnerungen an ehemals geleistete geistige Großtaten.

Die Epoche der archaischen Weltsysteme dauerte somit knapp 1,5 (?) Millionen Jahre und damit fast so lange wie die Steinzeit. Archaische Weltsysteme sind alle die Vorstellungen, wo magische tier- oder menschenähnliche Mächte die "Welt" erschaffen oder lenken. Dazu gehören also auch noch die Religionen bis in unsere Zeit. Die Epoche von Animismus und Magie ist auch zu unserer Zeit noch nicht vorbei. Es ist gleichermaßen archaisch, ob man annimmt, daß

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die "Welt" auf Elefanten oder Schildkröten steht,

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sie von der Vierdeckenfrau an 4 Zipfeln gehalten wird,

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eine Kuh am Beginn der Welt einen Mann aus dem Eis leckt,

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ein übermächtiges Wesen Erdscheibe, Himmelsgewölbe, Meere sowie Tier- und Pflanzenwelt mit den Menschen erschaffen hat usw.

Noch heute läuft der Homo sapiens sapiens meistens unter der Software des Homo erectus und des Homo sapiens neanderthalensis, des Urmenschen, und das bei einer mittleren Gehirngröße von 1350 bis 1450 Kubikzentimeter.

Die Primatenforschung kann uns direkt sagen, wie die frühen Hominiden gedacht und empfunden haben. Intelligenz, Werkzeugherstellung, -benutzung und Sprache sind auf unserer Erde nicht nur beim Homo sapiens sapiens vertreten, sondern gab es auch bei seinen Vorgängern unter den Hominiden schon vor etlichen Millionen Jahren. Aber in bedeutend geringerem Ausmaß findet man sie auch bei anderen Tieren, besonders unter den Primaten. Eine Frage ist, ob humanoide Formen auf vielen Wegen konvergent angestrebt wird, worauf die folgenden Ausführungen eingehen.

 

Konvergenzen in der Evolution zu humanoiden Formen ?

Ist die Entwicklung humanoider Merkmale eine Folge des Primatenbauplans, der Struktur der DNS, der Biomoleküle allgemein, ... ?

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Die Entwicklung zum Orang-Utan soll schon vor 25 Millionen Jahren (früher wurden sogar 35 Millionen Jahre für möglich gehalten) von der zu den rezenten Menschenaffen führenden Linie getrennt worden sein. Der Orang-Utan hat heute noch einen richtigen Greiffuß. Insgesamt ist aber der Orang-Utan den Menschenaffen Schimpanse und Gorilla sehr ähnlich geworden (oder geblieben ?). Er soll sogar eine sehr große Werkzeugintelligenz besitzen.

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Der Schimpanse, vor allem der Bonobo, soll bestimmten Proteinen nach, etwa dem Hämoglobin, dem Menschen näher stehen als dem Gorilla. Das Erbgut des Schimpansen, dargestellt durch die DNS in seinen 46 Chromosomen, soll sich nur 1% von dem des Menschen unterscheiden. Biochemische Untersuchungen in neuerer Zeit - diese Forschungen sind noch im Fluß und noch nicht sehr zuverlässig - ließen die Vermutung aufkommen, daß sich die Linie zum Schimpansen nicht schon vor 20 Millionen Jahren, sondern erst vor 8 bis 6 Millionen Jahren von der Linie zu den Hominiden (Menschenartigen) trennte. Es ist dabei zu beachten, daß sich die Definition der Hominiden mit dem Fortgang der Forschung öfters wandelte: Mal zählten die Menschenaffen dazu, mal nicht.

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Menschliche Züge von Schimpansen:

 

 

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Die Föten von Mensch und Schimpanse sehen fast identisch aus.

 

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Beim Sozialverhalten zeigen Schimpansen typisch menschliche Eigenheiten wie Schulterklopfen und Küssen.

 

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Schimpansen sind nicht nur intelligent, sozial, schöpferisch, anhänglich und verspielt, sondern auch boshaft und grausam untereinander und bei der Jagd auf Tiere.

 

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Schimpansen führen untereinander jahrelange Kriege um Territorien.

 

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Begattung erfolgt bei den Bonobos von vorne und im Liegen, u.U. mit "Belohnung" danach.

 

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Schimpanse und Gorilla haben sehr ähnliche Füße, aber recht verschiedene Hände. Bedeutet das, daß ihre Füße denen der Urväter von Pongiden und Hominiden noch gleichen, oder sind das konvergente Entwicklungen ? Ihre Füße sind denen der anderen Affen sehr unähnlich, auch denen des Orang-Utans vom "Lemuria" Ernst Haeckels, aber denen des Menschen recht ähnlich.

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Das sehr urmenschenähnliche Gesicht mancher Gorillaweibchen bei geeigneter Kopfansicht und Beleuchtung.

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Die Hand des Kapuzineräffchens gleicht sehr einer menschlichen Hand, ähnlich wie bei Meerkatze und Gorilla.

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Das menschenähnliche Gesicht und die menschenartigen Augen und Ohren der Mantelmangabe (Cercocebus albigena). Die Gattungen der Mangaben bzw. der Meerkatzen (Cercopithecus) gehören zur Familie der Meerkatzenartigen und sind damit weit von den Menschenaffen und Hominiden entfernt (Aufspaltung in Cercopithecoide und Anthropoide vor etwa 37 Millionen Jahren). Um diese Zeit entstanden die ersten Affenarten. Die höheren Primaten hatten damals noch viel vom Aussehen der Halbaffen (Prosimier). Die humanoiden Gesichter von Mangaben und Languren müssen also im Verlauf einer eigenen Evolution zu humanoiden Formen entstanden sein.

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Die menschenähnliche Gestalt und das menschenähnliche Gesicht des NilgiriLangurs (Presbytis johni).

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Die menschenähnliche Gestalt des vor 300 Jahren ausgestorbenen Riesenlemurs Megaladapis auf Madagaskar, ein Halbaffe oder Prosimier. Dabei war sein Gesicht ziemlich menschenunähnlich und erinnerte an das eines Schafes mit großen seitlichen Ohren.

 

Die von den Primaten so ähnlich entwickelten

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Hände (Kapuzineräffchen, Gorillas und Menschen),

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Gesichter (höhere Menschenaffen, Mantelmangabe, Mensch)

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Intelligenz, Anhänglichkeit, Zuneigung, Verspieltheit, Bosheit, Lüge,

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Zeichensprachen, akustischen Äußerungen,

legen nahe, daß viele dieser humanoiden Eigenschaften nicht nur rein zufällige Entwicklungsgrößen sind, sondern einen konvergenten Charakter haben. Es können biologische Größen sein, basierend auf Eigenschaften der Primaten, Sauriervorfahren, Lungenfische, Chordatiere ... Eine kausale Entkopplung von den chemischen Eigenschaften der DNS und anderer organischer Makromoleküle ist aber wahrscheinlich.

 

Lernen von Haustieren

Forscher, die viel mit Menschenaffen zusammenleben, erkennen in ihnen oft humanoide Persönlichkeiten. B. Grzimek nannte die Menschenaffen Tiermenschen zur Kennzeichnung ihrer psychischen Nähe zum Menschen. Leichter erreichbar als Primaten oder gar Menschenaffen sind für den Bürger Katzen, Hunde, ... Die Anfänge einer Sprache bei Haustieren wie Katzen (bis 67 g Gehirn) und Hunden (bis 97 g Gehirn) kann jeder feststellen. Das Haustier lernt nicht nur vom Menschen bestimmte Verhaltens- und Kommunikationsformen, sondern erfindet selber welche, und der Mensch vermag diese auch oft bei hinreichender Achtung vor dem Tier und Tierliebe ohne Schwierigkeit zu deuten. Dabei überwiegt bei vielen Tieren die Körpersprache.

Beispiele für selbst erfundenes Verhalten einer Katze:

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Wenn eine Katze will, daß man ihr Essen gibt, kommt sie zum Menschen und rennt dann zum Futterplatz, wobei sie sich laufend nach dem Menschen umsieht.

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Wenn eine Katze will, daß man sie ausführt, geht sie zur Tür, miaut und schaut den Menschen an.

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Wenn eine Katze hinaus will, springt sie auf die Türklinke und macht so die Tür auf.

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Katzen lieben zwar die Wohnung "ihres" Menschen, aber sie wollen ab und zu etwas anderes sehen. Läßt man seine Katze vor die Tür und sich dort in der Sonne aalen, ist ihr Wohlbefinden direkt abzulesen. Ruft man sie in die Wohnung, springt sie zwar auf und kommt, aber widerstrebend und unter erheblichem akustischem Protest.

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Eine große Anzahl von Tönen, die eine Katze von sich geben kann, drücken Stimmungen aus, die der Mensch direkt verstehen kann, weil ähnliche Töne in seiner Kommunikation auch vorkommen, mit ähnlicher Bedeutung.

 

Entwicklungen zu intelligentem Verhalten bei Elefanten

Cynthia Moss

"Die Elefanten vom Kilimandscharo",

Rasch und Röhring Verlag 1990

Im Amboseli-Park war von Wilderern eine Elefantenkuh angeschossen worden. Als sie starb, bemühten sich die anderen Elefanten emsig um sie, versuchten sie zu stützen und wieder aufzurichten. Ein Elefant versuchte, der Toten ein Grasbüschel in den Mund zu stopfen. Sie lockerten mit Stoßzähnen und Füßen Erde und streuten sie mit ihren Rüsseln auf die tote Elefantenkuh. Sie brachen mit ihren Rüsseln Äste und Zweige von Bäumen und legten auch diese über die Tote. Dabei wurde der Leichnam fast ganz zugedeckt. Sie standen fast die ganze Nacht bei ihr Wache und gingen dann im Morgengrauen zum Park zurück.

 

Um 1985 konnte man in der Zeitung lesen, daß ein Elefantenpfleger - sein Spitzname wurde mit "Pfeife" angegeben - vermutlich versehentlich von seinen Pfleglingen in der Nacht zu Tode getrampelt worden war. Als die Elefanten seine Regungslosigkeit bemerkten, versuchten sie ihn aufzurichten und bliesen ihm mit ihren Rüsseln Luft ins Gesicht. Sie bemühten sich augenscheinlich sehr um ihn. Bernhard Grzimek (s.u.): Elefanten sind richtig raffiniert und haben strategische Fähigkeiten. Insgesamt haben sie viel Ähnlichkeit mit Menschen.

 

Beobachtung des Verhaltens von Primaten

Bernhard Grzimek, bekannter Direktor vom Frankfurter Zoo (verfaßte Bücher und drehte Filme zur Rettung der Tierwelt Afrikas), zog öfters in seinem Hause Menschenaffenkinder (er nannte sie Tiermenschen) auf. Er schilderte seine Erlebnisse mit Kleinkindern von Gorillas und bezeichnete sie als sehr anhänglich und liebebedürftig, in Aussehen und Verhalten sehr an Menschenkinder erinnernd. Erwachsene Gorillamännchen sind trotz ihrer Größe und Schwere - bis 325 kg, 185 cm Brustumfang, 3 m Spannweite der Arme, aufgerichtet 2,30 m hoch - im Gegensatz zum Menschen sehr friedfertig und greifen Menschen nur an, wenn sie sehr bedrängt oder angeschossen werden.

Berichte über die menschenartigen Waldteufel früherer Zeiten sind anscheinend erlogen, schon seit der Antike. Grzimek schilderte sehr eindrucksvolle Erlebnisse mit seinen Affenkindern, die auf Raffinesse und Denkfähigkeit dieser Tiermenschen schließen lassen.

Höhere Affen können überlegt und einsichtsvoll handeln und sind in mancherlei Hinsicht den Menschen überaus ähnlich. Vom Schimpansen sind Jagd auf kleinere Tiere, gemeinschaftliches Essen der Jagdbeute, Schadenfreude und Bosheit bekannt, was ihn sehr nahe zum Menschen stellt. Dasselbe wurde von Stella Brewer, die eine Resozialisierungsstation für Schimpansen in Gambia unterhielt, und von Jane Goodall, die jahrzehntelang das Verhalten von wild lebenden Schimpansen erforschte, berichtet. Grzimek und Dian Fossey wiesen beide ausdrücklich auf das Lächeln von Gorillakindern und Gorillajugendlichen hin.

 

Ellen Wolf (Tierkinder-Pflegerin im Frankfurter Zoo)

Kleinkinder der 3 großen Menschenaffenarten werden wie Menschenkinder aufgezogen, mit Wickeln und Flasche. Sie benötigen sehr viel mütterliche Liebe und Aufmerksamkeit. Nach der Entwöhnung von der Flasche essen sie ihren Brei mit Löffeln und trinken aus Tassen.

Einige Angaben von E. Wolf:

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Wiedererkennen der Pflegemutter nach einigen Wochen Urlaub.

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Lassen sich gerne in der Badewanne in warmem Wasser baden.

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Versuchen die Stube zu kehren und mit dem Tuch aufzuwischen.

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Empfinden Trennung von Pflegern oder anderen Tierkindern schmerzhaft.

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Kleine Menschenaffen haben bei Eingewöhnung in eine Gruppe von erwachsenen Menschenaffen viel Angst.

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Zeigen viel Hilfsbereitschaft und Zuneigung, können sie gut ausdrücken.

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Wie bei Kindern viel Streitereien um Kleinigkeiten.

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Viel bewußter Schabernack, Schadenfreude, Boshaftigkeit gegenüber Menschen und Tieren.

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Bonobos sind dem Menschen am ähnlichsten, mit hoher körperlicher und geistiger Gewandtheit und Beweglichkeit. Sie sind rastlos.

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Entwickeln gegenüber bestimmten Tieren und Menschen besondere Sympathien und Antipathien.

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Spielen gerne mit Kinderspielzeug wie Bällen und größeren Wagen.

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Klettern gerne auf Bäume und Klettergerüste.

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Viele Gruppenspiele mit viel Einsatz, Intelligenz, Erfindungsreichtum.

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Enormes Sehvermögen, viel besser als beim Menschen.

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Mit zunehmendem Alter selbstbewußter, stellen Dominanz der Pfleger in Frage, Konkurrenz- und Machtkämpfe mit anderen Tieren, besonders untereinander, aber auch mit ihren Pflegern.

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Bei Pärchen wird Eifersucht auf Pfleger oder den Tierpartner gezeigt.

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Strategische Planung im sozialen Verband, Opportunismus und "Politik".

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Eingehen von Konzessionen, um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, und

Annahme der früheren Gewohnheiten, wenn diese Schwierigkeiten vorbei sind.

Es gibt Schimpansen mit schwarzer, weißer oder rosafarbener Gesichtshaut, anscheinend auch innerhalb einer Schimpansengruppe. Schimpansenfamilien gibt es selten, da sie in Gruppen in Promiskuität leben. Dagegen leben die Gorillas in Familien mit einem Silberrücken, einigen Weibchen und Jungen. In Gruppen von erwachsenen Menschenaffen treten ähnliche Probleme wie bei Menschengruppen auf.

 

Traditionsbildungen bei Affen

Volker Sommer "Die Affen" GEO im Verlag Gruner + Jahr AG & Co. 1989

Es gibt auf der Erde z.Z. nahezu 200 Primatenarten. Davon sind nur 18% monogam. Bei den Primaten gibt es oft gemäßigte Vielweiberei wie beim Menschen und Gorilla. Männchen mancher Primatenarten legen sich aber auch einen recht großen Harem zu. Volker Sommer berichtet über seine Erfahrungen bei einer großen Anzahl von freilebenden Langur-Affen bei Jodhpur, Indien.

Diese Affen leben in sozialen Verbänden von 20 bis 50 Tieren, wobei 2 Typen von Verbänden vorkommen:

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ein gestandenes Männchen hält und verteidigt einen stattlichen Harem,

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viele Jungmännchen schließen sich zu Männergruppen zusammen und setzen dann den Haremsinhabern zu.

Einen wesentlichen Aspekt seiner Studien widmete er dem Thema Kindesmord unter Primaten. In den 1950er Jahren begannen japanische Forscher das Traditionsverhalten von Rotgesichtsmakaken auf der Insel Koshima zu testen. Sie streuten Süßkartoffeln (Bataten) am Strand der Insel aus und beobachteten die Tiere. Nach einem Jahr kam die Sensation, daß sich bei den Tieren allmählich die Tradition des Kartoffelwaschens ausbreitete, was ein Weibchen angefangen hatte. Andere Weibchen machten es nach, und von ihnen lernten die Jungtiere. Die erwachsenen Männchen lernten kaum hinzu.

Ein anderes Mal testete man mit Getreide, das man in den Sand schüttete. Zuerst klaubten die Tiere die Getreidekörner einzeln aus dem Sand, und dann fing eines an, den getreidehaltigen Sand ins Wasser zu werfen, worauf der Sand nach unten fiel und das Getreide oben schwamm und leichter zugreifbar war. Auch dieses Beispiel machte Schule und wurde als Tradition aufgenommen und weiter gegeben.

Eine ähnliche Traditionsbildung wurde beobachtet beim Muschelknacken, Tauchen und Schwimmen. Schon früher hatte man beobachtet, daß in verschiedenen Gruppen derselben Makakenart unterschiedliche Traditionen in Ernährung und Nahrungsbeschaffung vorlagen, auch in sonstigem Verhalten.

Jane Goodall berichtete über Traditionen wildlebender Schimpansen am Tanganyika-See. Junge Schimpansen bekommen recht genau von ihren Müttern gesagt, was sie essen dürfen, und alte Männchen jagen oft Jugendliche von unbekannten Gegenständen fort. Schimpansen benutzen nicht nur Zweige, um Termiten aus ihrem Bau zu angeln und Honig aus den Waben zu ziehen, sondern auch auf andere Weise. Blätter werden als Schwamm zum Trinken oder zum Säubern verwendet. Steine dienen als Geräte zum Knacken von Nüssen, aber auch bevorzugt als Waffen. Äste werden meistens als Waffen verwendet.

Nicht wenige Schimpansen achten auf Sauberkeit, wischen mit Blättern Schmutz von ihrem Fell. Sie zeigen also in freier Wildbahn Körperpflege, was allerdings bei vielen höheren Tierarten der Fall ist. Bekannte Beispiele sind Lemuren - mit extra Putzkralle zur Fellpflege - oder Katzen. Schimpansen zeigen beim Aufspleißen von Zweigen eine sehr hohe Fingerfertigkeit und große Geschicklichkeit, um diese dann auch für das Termitenangeln zu benutzen.

Beobachtungen von Gibbons (Schwinghangler) in einem Park von 120 qkm Größe im Regenwald von Khao-Yai in Thailand von Warren Brockelman über Jahrzehnte ergaben: Sie leben in 20 bis 30 m Höhe in den Ästen der Bäume, jede Familie in ihrem genau abgegrenzten Territorium. Sie verraten ihren Standort durch ihre morgendlichen Gesänge. Dabei singen Männchen und Weibchen im Duett. Diese Primaten leben in geordneten Familien: 1 Männchen, 1 Weibchen und mehrere Jungtiere. Ihre Reviere sind relativ klein mit etwa 500x500 qm. Im Khao-Yai-Park leben 2 Unterarten: Weißhand- und Kappengibbons (einkreuzungsfähig). Die Gesänge dienen vermutlich der Revierabgrenzung und -behauptung. Jungtiere machen sich mit 6 Jahren selbständig und versuchen, selber ein Revier zu erobern.

 

Beobachtungen an Bonobos in Zaire haben gezeigt, daß Bonobo-Weibchen nahezu dauernd sexuell empfänglich sind und von Bonobo-Männchen nach Kopulationen oft Nahrung im Sinne einer Belohnung erhalten. Bonobos paaren sich oft Gesicht zu Gesicht. Das Weibchen lockt öfters, indem es sich auf den Rücken legt und das Männchen umarmt. Die Paarung Gesicht zu Gesicht gibt es auch bei Gorillas und Orang Utans.

 

Beobachtungen im Arnheimer Freigehege mit wechselnden Koalitionen zwischen bestimmten Schimpansenmännchen inmitten eines Harems von 9 Weibchen offenbaren sehr viele Züge politischen Verhaltens, politischer Tugenden und Verbrechen von Menschen. Jane Goodall schilderte ihre Erfahrungen mit Schimpansen, die wie eine Gruppe erfahrener Krieger in das Gebiet einer anderen Schimpansengruppe eindrang und sorgfältig alle Geräusche vermied.

Schimpansengruppen führen richtige Kriege und Ausrottungskämpfe gegeneinander. Die Auseinandersetzungen der beobachteten 4 Gruppen der benachbarten Gebiete Mitumba, Kasakela, Kahama, Kalande am Tanganyika-See sind echte Spiegelbilder von Gruppenkämpfen von Menschen.

Schimpansen haben besonders gute Kundschafter und Krieger, und vor allem haben sie ein ausgeprägtes Gefühl für ihr Territorium und eine starke Neigung, ihr Gebiet auf Kosten benachbarter Gruppen zu erweitern. Schlagen, Steine und Stöcke Werfen und besonders Beißen sind geläufige Kriegshandlungen, werden aber auch innerhalb desselben sozialen Verbandes eingesetzt.

 

Schimpansen sind in ihrem Charakter menschenähnlich, und auch bei ihnen sind so verschiedene Regungen wie Grausamkeit und Zärtlichkeit stark ausgebildet. Schimpansen zeigen ein koordiniertes Verhalten auf der Jagd nach lebender Beute und fressen die erbeuteten Tiere gemeinsam. Auf dem Affenberg Salem im nördlichen Bodenseegebiet leben im Sommer einige Hundert Berberaffen (Magots), dieselbe Makakenart wie auf Gibraltar.

 

In den 1980er Jahren studierten u.a. Jutta Küster und Andreas Paul das Sozialverhalten der Berberaffen. Ihre Beobachtungen umfaßten Babysitting, Vorausbestimmung des Geschlechts erwünschten Nachwuchses, Konkurrenzverhalten und gemeinhin soziales Verhalten, auch das von Affenkindern. Tiere begrüßten sich in Kenntnis ihrer persönlichen Beziehungen zum anderen und in Kenntnis der persönlichen Beziehungen der anderen Tiere zu anderen Gruppenmitgliedern.

 

Die Berggorillas im Gebiet der Virunga-Vulkane in Ostafrika

Ihre wissenschaftliche Beobachtung durch Feldstudien erfolgte durch Kay und George Schaller zu Ende der 1950er Jahre sowie Dian Fossey einige Jahre danach. Aber Walter Baumgärtel scheint die systematische Beobachtung der Berggorillas im Grenzgebiet von Zaire (Kongo), Uganda und Ruanda zuerst betrieben zu haben, so daß seine Arbeiten zuerst anzuführen sind. Eigentlich Gastwirt von seinem Hotel Travellers Rest, entwickelte er sich zum Wildwart und guten Tierbeobachter. Er korrespondierte mit Louis S.B. Leakey und Raymond Dart und erarbeitete sich ein erstaunliches Wissen auf den Gebieten der Paläoanthropologie und Primatenforschung - an der Entwicklung der letzteren war er sogar sehr beteiligt.

Darts Nachfolger P.V. Tobias unterstützte Walter Baumgärtel finanziell. Baumgärtel schildert in seinem Buch, wie er mit seinem Führer Ruben seine erste Gorillabegegnung hatte: Sie gingen einen Pfad den Berg hoch, als aus dem Wald neben ihnen ein Gorilla heraustrat und im gegenüberliegenden Wald verschwand. Ihm folgte eine Gorillamutter mit Kind. Das Kind war neugierig wie Menschenkinder und blieb stehen, um die beiden Menschen zu begutachten. Die Mutter, die dem Gorilla zuerst nachgegangen war, kam sofort zurück, nahm ihr Kind bei der Hand, "gab ihm einen Klaps hinten drauf" und zog ihn in den Wald, dem Papa nach. Baumgärtel dazu: "Diese Familienszene, so rührend menschlich, änderte mein Verhalten zu den Gorillas von Grund auf: Sie waren nicht mehr Tiere für mich, sondern Verwandte." So mancher akademischer Behaviorist, vom Artennarzißmus geblendet, hat dagegen alle Intelligenzleistungen und menschenähnlichen Verhaltensformen bei den Menschenaffen geleugnet.

 

Baumgärtels Bemühungen, weitere Beobachter für Gorillas heranzuziehen, hatten bald Erfolg:

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Es kam zuerst Rosalie Osborn durch Vermittlung von L.S.B. Leakey.

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Als sie gegangen war, meldete sich auf eine Annonce hin Jill Donisthorpe.

Mit Robert Ardrey - zuerst Dramatiker, dann begabter Wissenschaftsjournalist - begann spätestens die Publizität von Travellers Rest als inoffizielles Gorillahauptquartier (so Baumgärtel). Leakey und Dart schickten Wissenschaftler zur Beobachtung der Gorillas oder es kamen Beobachter aus eigenem Interesse, weil sie vom wachsenden Ruhm Kisoros erfahren hatten.

 

Eine der Forschergruppen bestand aus John Emlen, Professor für Zoologie in Wisconsin, und seinem Studenten George B. Schaller, der später mit seiner Frau Kay die ersten systematischen Beobachtungen an Berggorillas im Kongo durchführte und ihre angebliche Brutalität und Wildheit bereits als Märchen erkannte. Er schrieb darüber das Buch "Unsere nächsten Verwandten" in den frühen 1960er Jahren. Damals waren die Berggorillas noch auf viele kleine Gebiete in Kongo (Zaire), Burundi, Ruanda und Uganda verteilt. Von den Tieflandgorillas Westafrikas waren sie einige Tausend Kilometer entfernt.

Damals gab es in den Virunga-Bergen mit ihren 8 Vulkanen noch viele zusammenhängende Berggorillagebiete. Die Schallers hatten ihr Lager in etwa 3000 m Höhe am Hang des Mikeno. Wegen des Vordringens der Menschenpopulationen verzogen sich die Berggorillas in immer größere Höhen. Auch japanische Wissenschaftler fanden den Weg zu Baumgärtel in Kisoro, um Gorillas zu beobachten. Interessant ist die Wirkung der Persönlichkeit und der persönlichen Beziehung von interessierten Menschen mit Gorillas, Schimpansen oder Orang-Utans.

Nicht nur, daß Forscher - nach ihrer Beobachtungszeit in die Zivilisation zurückgekehrt - sich zu den großen Affen zurücksehnten und laufend von ihnen träumten, sondern die Forscher bauten auch recht tiefe Gefühle zu einzelnen Affen auf und nahmen sehr an ihrem Schicksal teil. Viele Passagen der Schilderungen von Baumgärtel und Dian Fossey über das, was sie beim Tod ihrer am meisten "geliebten" Affen empfanden, sind sehr ähnlich. Auf jeden Fall ist eine sehr tiefe innere Anteilnahme und Bewegung zu erkennen, die den Affen auf die Stufe eines homininen Kameraden hoben.

Ähnliches berichtet Jane Goodall von ihrem ersten persönlich bekannt gewordenen Schimpansen im Park von Gombe 1960, den sie David Greybeard nannte.

Es ist offensichtlich, daß für hinreichend intelligente Menschen das gilt, was der Primatenforscher Roger Fouts formulierte: "Wenn man mit diesen "Tieren" zusammenarbeitet, verwischen sich die Grenzen zwischen Mensch und Affe." Man gewöhnt sich nach einigen Monaten an ihr etwas anderes Aussehen und Verhalten und akzeptiert sie gefühlsmäßig immer mehr als hominine Partner. Der Unterschied zwischen Mensch und Tiermensch verwischt sich, weil Menschen intelligente Tiere sind, deren Lebensinhalt auch heute noch in den Bedürfnissen des höheren Tieres besteht.

Affen sind nicht "anders". Die zivilisatorische Tünche, mit der sich der wuchernde Neokortex zu umgeben pflegt, ist anscheinend bei den meisten Menschen sehr dünn aufgetragen, so daß das Animalische sehr dicht an der psychischen Oberfläche der Menschen liegt und somit hauptsächlich ihr Verhaltensmuster bestimmt. Beim Zusammenleben mit Menschenaffen erkennt man dann immer mehr das Menschenartige an ihnen.

 

Binnen einem Jahrzehnt verschwanden die Gorillas aus den Bergen um Kisoro, durch offizielle Jagd, Wilderei und laufend neu angelegte Pflanzungen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Verlauf von Stammeskämpfen und Unabhängigkeitskriegen von Ost- bis Westafrika brachten ebenfalls vielen Gorillas den Tod - nicht durch alte Gewehre, sondern Maschinengewehre.

Als dann 1967 Dian Fossey mit den Beobachtungen im Kongo begann, waren die Gorillas um Kisoro schon am Verschwinden. Ein Jahr vorher hatte sie Joan und Alan Root am ehemaligen Beobachtungsplatz Schallers im Kongo besucht und war von ihnen zu einer Gorillabeobachtung mitgenommen worden. 1967 kam sie im Auftrag Leakeys als "Gorillamädchen". Bis zu ihrem Tode 1985 führte sie mit wenigen Unterbrechungen ihre Gorillabeobachtungen durch, wobei sie sich besonders eng an einige Gorillas anschloß - bzw. sich diese ihr anschlossen.

 

Baumgärtel erwähnt auch die Affäre Pucker Puss und Coco, die für den Oberbürgermeister von Köln und dessen Zoo eingefangen worden waren, unter Massenmord der Erwachsenen der betreffenden Gorillagruppen.

Auch der Direktor des Frankfurter Zoos, Bernhard Grzimek, versuchte die Auslieferung der beiden Gorillakinder, die zu D. Fossey im erbärmlichen Zustand nach Kisoro gebracht worden waren, an den Kölner Zoo zu verhindern. Aber umsonst. Nach 67 Tagen Pflege mußte Fossey ihre Pfleglinge an den Kölner Zoo abgeben, wo sie nach 9 Jahren im selben Monat an Lungenentzündung starben.

 

Dian Fossey, Stella Brewer und Ellen Wolf (Tierkinderpflegerin im Frankfurter Zoo) schildern ebenfalls die überaus starke Menschenähnlichkeit der Menschenaffen. Der Vorwurf der Menschenbezogenheit oder einer zu vermenschlichenden Sicht (Anthropomorphismus genannt) wird durch folgendes Argument zurückgewiesen: Man schildert das Verhalten dieser Geschöpfe menschlich, weil sie eben menschlich sind. Man kann argumentieren, daß die Tierbeobachterinnen Dian Fossey, Jane Goodall und Birute Galdikas (die drei Trimaten von L.S.B. Leakey) zu sehr für diese Affen eingenommen sind oder waren, aber die neuere Primatenforschung - besonders in den Primatenzentren in den USA - hat ihre enorme Menschenähnlichkeit bewiesen (s. das Buch von Eugene Linden "Affen"). Im Gegenteil muß man fragen, ob nicht die Kritiker dieser Forscher ihren eigenen Vorurteilen und einem Wahn erliegen, der sie in der Art von Rassenwahn dazu treibt, ihre Verwandtschaft mit den höheren Affen zu leugnen. Man muß sich ernstlich die Mühe machen, die Berichte der Trimaten und aller Affenbeobachter gründlich zu studieren.

Dann sollte ein vernünftiger Mensch - ohne "Rassen"-Wahn - erkennen, daß die höheren Affen keine Tiere und keine Menschen sind, sondern Tiermenschen, und die Kinder der am höchsten entwickelten Tiermenschen sind dem alten Primatengesetz über die starke Ähnlichkeit der Jungtiere nach dem Menschen am ähnlichsten.

Es ist befremdlich, daß in Europa so wenig qualifizierte Primatenforschung mit Aufnahme von Affenkindern in Pflegefamilien oder Einrichtung von Primatenzentren zur Unterrichtung von Menschenaffen in Ameslan usw. betrieben wird. Statt dessen mehren sich die Berichte über äußerst grausame und höchst überflüssige Versuche mit Halbaffen und Affen, insbesondere Makaken.

 

Das Drama um Dian Fossey und ihre Berggorillas

Dian Fossey:

Gorillas im Nebel

Kindler Verlag GmbH 1989 (1983)

Dian Fossey (1932-1985) war von Beruf her Bewegungstherapeutin und arbeitete in Louisville, Kentucky. Auf einer Safari hatte sie eine Begegnung mit Berggorillas, und von da an war sie von diesen Tiermenschen (so der berühmte Bernhard Grzimek) gefesselt. Im Alter von 35 Jahren verließ sie die USA und widmete ihr weiteres Leben als "Gorillamädchen" von Dr. L.S.B. Leakey der Beobachtung und dem Schutz der Berggorillas in den Virunga-Bergen im Grenzgebiet von Ruanda, Uganda und Zaire (Kongo).

Die Virunga-Berge entstanden hauptsächlich durch Vulkanismus innerhalb der letzten 1 Million Jahren. Von den 8 Kratern sind 2 noch heute aktiv. Sie werden wegen ihrer Form auch Kochtöpfe genannt. Die Berggorillas meiden die aktiven Vulkane. Diese Vulkanberge sind bis 4500 m hoch und ihre Bewaldung geht - so nahe am Äquator bei reichlich Regen - bis in sehr große Höhen hinauf. Ein Maßstab dafür ist, daß die Beobachtungsstationen sowohl von Schaller als auch von Fossey um 3300 m hoch waren, von wo aus sie zu den Regenwald- und Bambuszonen der Gorillas noch weiter aufsteigen mußten. Die zu immer größeren Höhen vordringenden Pflanzungen der umliegenden Siedlungen zwingen die Gorillas, immer größere Höhen aufzusuchen.

Die Berggorillas sind erst 1902 als eigene Unterart wissenschaftlich bekannt geworden. Sie leben 1600 km von ihren Verwandten entfernt, den Flachlandgorillas in Westafrika. 1959/1960 beobachtete George B. Schaller Berggorillas bei seiner Forschungsstation auf der Kabara-Wiese am Hang des Mt. Mikeno im Gebiet der Virungas in Zaire (damals noch Kongo unter belgischer Regierung). Seine Forschungsstation (zuerst kaum mehr als ein Zelt) befand sich neben dem Grab von Carl Akeley, einem ehemaligen Gorillajäger, der dann die Einrichtung eines großen Gorillaschutzgebietes erwirkte (1925).

Schallers späteres Buch über Berggorillas ermunterte Fossey dazu, ebenfalls Gorillas zu beobachten. Mit wenigen - oft durch sehr widrige Umstände und Verhältnisse erzwungene Unterbrechungen arbeitete Fossey von 1967 bis 1985 in den Virungabergen. Wie Jane Goodall promovierte sie bei Robert Hinde in Cambridge/England.

Fossey war eigentlich durch Louis Leakey zur Primatenforscherin geworden. Sie erfuhr von Leakey auch über die Forschungen von Jane Goodall in Gombe/ Tansania. 1971 kam als dritte Forscherin die Kanadierin Birute Galdikas hinzu, die sich der Beobachtung der Orang Utans im Lemuria von Ernst Haeckel verschrieb. Von da an galt ihre Bezeichnung als Leakey's Trimaten.

 

Fossey begann im September 1963 ihre 7-wöchige Safari, die wesentlich ihr weiteres Leben bestimmen sollte. Sie besuchte die damals schon legendären Leakeys bei ihren Ausgrabungen in der Olduvai-Schlucht. Von dort fuhr sie weiter nach Kisoro, machte kurzen Aufenthalt in Travellers Rest bei Walter Baumgärtel (der das alles so erzählt wie Fossey selber) und eilte dann weiter über die Grenze in den Kongo, um von dieser Seite her zur Kabara-Bergwiese in 3400 m Höhe aufzusteigen.

Joan und Alan Root, Tierfotographen und oft mit Bernhard Grzimek zusammen an der Arbeit, nahmen Fossey auf eine Gorillabeobachtung mit. Im Dezember 1966 kam sie dann als Leakeys Gorillamädchen und Forscherin nach Kabara. Alan Root half bei der Einrichtung ihres Lagers. Mit ihren eingeborenen Helfern, die sie zu Fachkräften ausgebildet hatte, kam sie sehr gut zurecht.

Fossey war von Persönlichkeit und Friedfertigkeit ("Sanftheit") der Gorillas sehr beeindruckt. Wie schon Schaller vorher, entlarvte sie die früheren Berichte über Gorillas - als massenmordende menschliche Urwaldteufel - als Lügen. Sie beobachtete ihr geregeltes Familienleben, meistens mit einem Männchen (Silberrücken) und mehreren Weibchen und Jungtieren. Sie aßen fast nur pflanzliche Kost.

Ihr Lieblingsgorilla wurde zuerst Peanuts, mit dem sie zuerst vertraut wurde, und dann Digit. Aber auch mit vielen anderen Gorillas wie Onkel Bert, Macho, Kweli u.a. kam sie persönlich sehr gut zurecht. Ähnliches ist bekannt von Baumgärtel mit seinem Saza Chief oder von Goodall mit ihrem ersten Lieblingsschimpansen, bei dem sie zum ersten Mal mit einem Schimpansen in freier Wildbahn vertraut wurde.

Gorillas bauen für jede Nacht ein neues Nest und schlafen ausschließlich in ihren selbstgemachten Nestern aus zusammengebogenen und -gelegten Zweigen, Blättern und Kräutern. Sie benutzen keine Werkzeuge, können ihre Finger aber gut ansteuern, z.B. um den Fuß aus einer Wildererschlinge zu befreien (was nur erfahrene Gorillas können). Die Männchen zeigen starkes Imponiergehabe mit Brusttrommeln im aufrechten Stand, Schreien und Zähnefletschen, Scheinangriffen im Laufen (wobei sie bis auf wenige Meter herankommen). Sie meiden aber nach Möglichkeit die Menschen und versuchen zu fliehen, da sie von Menschen gejagt werden.

 

Schon bald mußte Fossey wegen politischer Unruhen im Kongo die Arbeit in Kabara abbrechen. Die Fortsetzung war im Gebiet um Karisimbi und Visoke möglich, in Ruanda. Hier gründete sie ihre 2. Forschungsstation mit Namen Karisoke - abgeleitet aus den Namen der beiden Vulkane - am 24.9.1967. Karisoke liegt wieder auf einer Bergwiese in 3300 m Höhe. Dieser Teil des Gorillaschutzgebietes in Ruanda hieß Parc des Volcans. Es gab viele Elefanten, Büffel, Antilopen, Wilderer und Viehherden.

Fossey führte 13 Jahre lang bei kurzen Unterbrechungen ihre Beobachtungen an Gorillas durch mit laufendem Kampf gegen die Wilderer. Am 25.12.1985 wurde sie - vermutlich deswegen - getötet, wie ihre Lieblinge Digit und Onkel Bert vor ihr.

 

Allgemeine Primatenforschung

Carl von Linné packte 1735 Menschen und Affen in die Klasse der Primaten (Herrentiere).

Die Schimpansen (Pan), Gorillas (Gorilla) und Orang-Utans (Pongo) bilden die Familie der Pongiden, die Menschen und ihre Vorformen bis zu den Australopithecinen (mindestens) bilden die Familie der Hominiden.

Die Familien der Hominiden, Pongiden, Gibbons und Siamangs gehören in die Unterordnung der Affen (Simiae).

Die Halbaffen (wie Lemuren und Makis) bilden die Unterordnung Prosimiae.

Simiae und Prosimiae sind wichtige Unterordnungen der Ordnung der Primaten.

Dieses Schema mit den lateinischen Doppelnamen wurde von Carl von Linne (Linnaeus) eingeführt und wird laufend aktualisiert. Z.B. ändert sich laufend die Ansicht über das, was man alles zu den Hominiden zu rechnen hat. Definition und Einordnung der Hominiden änderten sich nicht nur in den letzten beiden Jahrhunderten, sondern auch in den letzten Jahrzehnten.

 

Charles Darwin lieferte durch seine beiden Bücher über die Evolution der Arten durch natürliche Zuchtwahl 1859 und die Abstammung des Menschen 1870 die Grundlage für die heutige wissenschaftliche Vorstellung von der Abstammung von Mensch und Affe aus gemeinsamen Vorfahren. T.H. Huxley zeichnete 1863 eine Anatomie von Menschen und Menschenaffen.

Zu dieser Zeit formulierte Ernst Haeckel, ein anderer Mitstreiter Darwins, sein biogenetisches Grundgesetz mit der Aussage, daß der Embryo in seiner ontogenetischen Entwicklung wichtige Stadien der phylogenetischen Entwicklung der betreffenden Art durchmacht. Diese Entwicklung ist beim Menschenbaby sogar nach der Geburt noch nicht abgeschlossen, so daß es seinem Bauplan und seinen Funktionen nach ein nichtmenschliches Wesen ist. In wenigen Jahren wird aber aus dem Baby ein menschliches Wesen.

Heute gilt das Paradigma der Evolution, in das jede neue Erkenntnis paßt (siehe dazu Thomas Kuhn). Nach wegweisenden Arbeiten von Wolfgang Köhler ab 1912 und Robert Yerkes ab 1925 in der Primatenforschung an gefangenen Schimpansen kam das Interesse an der Beobachtung von Primaten in Freiheit auf. Diese wurde besonders von Adriaan Kortlandt und im Auftrag von Louis S.B. Leakey durchgeführt.

Jane Goodall begann 1960 ihre Studien an freilebenden Schimpansen im Stromgebiet des Gombe-Flusses in Ost-Tanganyika. Dieses Gebiet war 1960 das Gombe Stream Reserve, 1968 wurde es umbenannt in Gombe National Park. 1975 konnte Goodall ihr Gebiet als Gombe Stream Research bezeichnen und bildete viele Studenten aus vielen Nationen aus. Weitere grundlegend neue Erkenntnisse über Primaten brachten die Adoptionen von Schimpansen- oder Gorillakindern durch Menschen und die Zentren für Primatenforschung (viele davon in den USA).

Erwachsene Schimpansen wiegen zwischen 40 und 80 kg bei einem Gehirnvolumen um 400 ccm. Sie werden bis 50 Jahre alt. Erwachsene Gorillas wiegen zwischen 100 und 300 kg bei einem Gehirnvolumen um 500 ccm.

Die Forschung an jungen Schimpansen wird durch ihr kindähnliches Verhalten und ihre Ungefährlichkeit rein aus psychischer Sicht vom Forscher her sehr begünstigt, die Forschung an erwachsenen Gorillas durch ihre enorme Größe und Kraft extrem behindert. Um so mehr ist der Mut zu bewundern, mit dem die ersten Gorillaforscher - Walter Baumgärtel, George Schaller und Dian Fossey - an ihre Freilandbeobachtungen dieser riesigen Tier(menschen) herangingen, den Kopf voll mit Berichten und Erzählungen über diese grausamen, bösartigen und ungeheuer starken Urwaldteufel, die seit der Antike bestehen. Schließlich kam die Wahrheit heraus durch die persönlichen Erfahrungen von Schaller und Fossey mit ihren sanften Riesen.

 

Einige Beobachtungen von 1967 bis 1985 über Gorillas:

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Ein Gorillajunge blätterte eine Zeitschrift mit vielen farbigen Bildern durch, was eine halbe Stunde dauerte.

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Ein Gorillaweibchen bluffte ihre Gruppenmitglieder, um sich unbemerkt eine gute Mahlzeit zu sichern.

 

Einige Beobachtungen von Jane Goodall über das soziale Verhalten von Schimpansen in Freiheit:

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Es gibt Freundschaften zwischen Menschen und bestimmten Schimpansen, wie auch Schimpansen untereinander ganz spezielle Freundschaften pflegen. Ihr nächststehendes Tier hieß David Greybeard.

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Es gibt Politik und Allianzen in den Gruppen. Als Beispiel gab sie die Aktionen von Figan an.

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Bestimmte Tiere neigen zum Werfen von Steinen wie Hugo.

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Gorillas und Schimpansen können Malaria, Schnupfen, Kinderlähmung (Polio) und Masern bekommen, also typisch menschliche Krankheiten.

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Eine Schimpansengruppe ändert laufend durch Zu- und Abwanderung von einzelnen Tieren (besonders Weibchen) ihre Zusammensetzung, durch Führungskämpfe und neue Freundschaften (auch als politische Allianzen geführt) ihre soziale Struktur.

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Zwischen Mitgliedern verschiedener Gruppen sowie zwischen ganzen Gruppen gibt es friedliche Kontakte, aber auch richtige Kämpfe (mit Vorliebe mehrere Schimpansen gegen einen) und Ausrottungskriege.

 

Manche Forscher hatten schon früh die mögliche große Bedeutung der natürlichen Zeichen- und Gebärdensprache der höheren Primaten erkannt, wie Robert Yerkes um 1925. Aber ihren Ansichten standen Eitelkeit, Herrenwahn und die Angst davor entgegen, daß der Mensch doch nicht das einzige "Tier" ist, das zur Sprache fähig ist. Wissenschaftliche Vorurteile sind häufig („Weltsysteme“, Neandertaler, Piltdown-Mensch !). Adriaan Kortlandt befürwortete um 1960 Studien der Gebärdensprache höherer Primaten. Den Durchbruch bewirkten "Pflegeeltern" für Affen und

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Jane Goodall 1970: Zeichensprache und Verhalten wilder Schimpansen,

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Dian Fossey 1980: Gebärden und Kommunikation von Berggorillas. Wilde Schimpansen benutzen danach eine Art von Geräusch- und Zeichensprache, die z.B. bestimmte Grunzlaute für gutes Essen und Bettelgebärden umfaßt, die den Handzeichen in Ameslan ähnlich sind.

 

Am William Lemmons Institut für Primatenforschung in Oklahoma wurde eine Schimpansenschule eingerichtet. Am bekanntesten wurden die Schimpansen Lucy und Ally mit ihren Betreuern oder Pflegern Roger Fouts, dem Ehepaar Gardner, Maurice und Jane Temerlin usw. Dieses Institut für Primatenforschung hat als wichtigste Ziele,

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die Primatenintelligenz zu studieren und

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das Überleben der Primaten zu sichern.

Neben Schimpansen sind Kapuzineraffen, Gibbons, Schweinsaffen und Bärenmakaken Studienobjekte.

Weitere Ziele:

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Affen sollen Zeichensprache lernen, und sich dann untereinander darin unterhalten und ihre Kinder von sich aus diese Zeichensprache lehren,

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nachträgliches Studium von Zügen der Evolution früher Hominiden an den die Zeichensprache verwendenden Schimpansen.

 

Um 1972 wurde dort etwa ein Dutzend Schimpansen in Ameslan unterrichtet. Roger Fouts 1972: "Die Unterschiede zwischen Mensch und Schimpanse verflüchtigen sich, wenn man mit ihnen arbeitet." Alle Bemühungen, Menschenaffen menschliches Sprechen beizubringen, waren gescheitert. Sie können ihre vokalen Äußerungen wegen mangelnder Ausstattung im Kehlkopfbereich nicht hinreichend steuern und ausführen. Das hatte man schon 1916 erkannt: Wilhelm Furness hatte versucht, einem jungen Orang-Utan das akustische Sprechen beizubringen, aber er lernte nur, die englischen Worte für Papa und Tasse (cup) zu sagen. In dieselbe Richtung zeigten die Versuche mit der Schimpansin Vicki. Vicki wurde in den 1950er Jahren von Keith Hayes und Catherine Nissam in der Familie als Pflegekind aufgezogen und unterrichtet. Trotz vieler Mühen vermochte sie nicht das akustische Sprechen zu lernen.

Das alles stützte für einige Jahre den Behaviorismus, daß die Schimpansen unfähig zu jeder Art von Sprache seien.

Aber Vicki zeigte große geistige Fähigkeiten auf anderen Gebieten (sie lernte nur 7 akustische Worte, 4 konnte sie aussprechen):

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Sie zeigte sehr großes Geschick, Schnappschlösser zu öffnen,

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lernte 6 Sequenzen beim Ziehen von 3 Fäden, um einen Ball zurückzuholen,

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konnte begriffliche Kategorien wie Farbe, Form, Alter, Vollständigkeit bei Bildserien unterscheiden,

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konnte bis 4 zählen,

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begleitete Worte mit charakteristischen Gebärden von sich aus, was aber nicht beachtet wurde (diese Gebärdensprache von Vicki machte die Gardners aufmerksam),

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stufte sich selbst als menschlich, ihren Vater als nichtmenschlich ein.

 

Im Juni 1966 erwarb das Ehepaar R. Allen und Beatrice Gardner ein weibliches Schimpansenkind (Alter etwa 1 Jahr). Es lebte bei ihnen in Reno/Nevada wie ein Kind, wurde aber nicht in einer akustischen Sprache unterrichtet, sondern in der amerikanischen Taubstummensprache Ameslan. Ihr Name war Washoe. Sie lernte im direkten Unterricht und durch eigene Beobachtung des Gesprächs Erwachsener. 1971 konnte sie 160 Taubstummenzeichen einzeln oder in Kombinationen verwenden. Sie zeigte ein Gefühl für die Bedeutung der Wortstellung im Satz, das angeboren oder erlernt sein konnte. Im selben Jahr kam sie an die Universität von Oklahama, ihre Betreuung erhielt sie durch Dr. Roger Fouts, der frühere Assistent der Gardners. Ihr neues Heim wurde das Institut für Primatenforschung.

Leistungen von Washoe. Sie

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begann selber mit der Kombination einzelner Ameslan-Zeichen wie "Gib Bonbon" oder "Komm öffnen",

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benutzte aus eigenem Antrieb heraus das Zeichen für Kot, Dreck und Schmutz in Zusammenhang mit anderen Zeichen, etwa Eigennamen von unbeliebten Personen: Fluchen,

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hielt sich selber zuerst für einen Menschen und bezeichnete Schimpansen in Natur oder auf Photographien als "schwarze Käfer",

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konnte sich selber auf Photographien erkennen, auch ihren Vater,

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vermochte bei einer Vielzahl von Photographien diese nach verschiedenen Kriterien in Gruppen einzuordnen.

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erfand Spiele wie Verstecken,

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verwendete Pronomen wie du und ich,

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zeigte später ihrem Sohn Louis aus eigenem Antrieb einige Dutzend Ameslan-Zeichen

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Weitergabe der Sprache als Tradition.

 

Maury und Jane Temerlin adoptierten als Pflegeeltern die Schimpansin Lucy. Lucy wurde am 18. Januar 1966 geboren und 4 Tage danach von ihrer Mutter getrennt. Man hielt sie in der Wohnung in Oklahoma wie ein Kind.

Einige Leistungen von Lucy:

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Gefühl für Bedeutung der Wortstellung: "Roger kitzeln Lucy" gegenüber "Lucy kitzeln Roger".

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1972 konnte sie um 100 Ameslan-Zeichen.

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Kritzeleien mit Stift auf Papier (rechtshändig).

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Sie machte gerne das "Schluckspiel" (scheinbares Verschlucken von Gegenständen).

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Sie konnte Bilder in Illustrierten erkennen. Dasselbe berichtete Dian Fossey von Gorillas, die ohne Vortraining aus eigenem Antrieb die Zeitschrift GEO richtig durchblätterten und die Bilder betrachteten.

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Sie konnte sich selber im Spiegel erkennen.

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Fähigkeit zur Kategorienbildung und Einordnung von auf Dias gezeigten Gegenständen.

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Sie erfand selbständig Ameslan-Zeichen für Leine und Lätzchen.

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Sie drückte spontan ihre Gefühle aus oder ihre Ansichten über Gegenstände, wobei sie Ameslan-Zeichen zu neuen Bezeichnungen für Gegenstände kombinierte.

 

Der Schimpanse Ally wurde als Sohn von Pan, dem Alphatier der Schimpansenkolonie, und seiner Mutter Caroline geboren. Seine Pflegemutter wurde Sheri Roush um 1970. Ally lernte von Geburt an Ameslan.

Leistungen von Ally:

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Sehr guter Schüler, klare Zeichenbildung. Im Alter von 3 Jahren konnte er 90 Ameslan-Zeichen.

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Ally lernte auch etwas Englisch (nicht sprechen). Im Umweg über die Zuordnung vom englischem Wort zu seinem damit bezeichneten Gegenstand oder Sinn konnte er das zugehörige Zeichen in Ameslan lernen:

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Man lehrt Ally für 5 Urbilder die 5 Worte in Englisch (akustisch). Man lehrt Ally für diese 5 Worte in Englisch die entsprechenden 5 Ameslan-Zeichen. → Dann weiß Ally diese 5 Ameslan-Zeichen den 5 Urbildern für die 5 Worte der englischen Sprache zuzuordnen.

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Ally malte Bilder mit Ölfarben, die von Kunstkritikern als gut bezeichnet worden sein sollen.

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Er gab freiwillig von seinem eigenen Essen an Katzen ab.

 

Am Yerkes Regional Primate Center in Georgia entwickelte Duane Rumbaugh die Primatensprache Yerkisch und unterrichtete darin und damit die Schimpansen Lana, Sherman und Austin. Die Schimpansen lernten, Mitteilungen in der Sprache Yerkisch auf der Tastatur einer Schreibmaschine mit Computer- und Bildschirmanschluß einzutippen.

 

Das Tieflandgorillaweibchen Koko wurde ab 1972 von Francine Patterson in Stanford, Kalifornien, als Kind ab dem Alter von 6 Monaten aufgezogen und u. a. in Ameslan unterrichtet. Später kam der Gorilla Michael dazu.

Leistungen von Koko:

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Sie vermochte im Alter von 6 Jahren mehr als 400 Ameslan-Zeichen richtig zu verstehen und zu geben. Ihre Zeichen gab sie präzise und selbstbewußt.

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Sie benutzte die Sprache auch aus eigenem Antrieb für Fluchen, Schmähungen und "Lügen".

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Sie verwendete Wortfolgen mit bis zu 4 Worten mit großer Präzision.

 

Damit war das Paradigma des Behaviorismus widerlegt, daß die höheren Primaten zur sprachlichen Kommunikation nicht fähig sind. Es wurde sogar gezeigt, daß sie ein angeborenes Gefühl für einfache Syntax haben.

Schlußfolgerung: Wenn man Tiere in Käfigen dahinvegetieren läßt, können sie ihre geistigen Fähigkeiten nicht so gut unter Beweis stellen. Dasselbe wird aber auch von Menschen in Gefängnissen und Konzentrationslagern berichtet.

 

Zur Geschichte der Hominiden- und Primatenforschung

Eine gute Übersicht über die Primatenforschung ist in den Büchern von Volker Sommer und Jane Goodall gegeben.

Einige wichtige Daten (Auswahl):

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Im 5. Jahrhundert v.Chr. bereist eine Flotte unter Leitung des Karthagers Hanno die Westküste Afrikas von Marokko bis vermutlich Gabun. Sie dringen in einen großen Fluß ein und sehen riesige menschenartige Wesen. Sie töten einige und ziehen ihnen das Fell ab. Das ist die erste historisch belegte Begegnung von Menschen mit Gorillas.

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Spätestens bis zur Zeitenwende, also noch in der Antike, kamen die ersten Berichte über menschenartige Urwaldungeheuer aus den Urwäldern des Sudan und noch südlicheren Gegenden nach Ägypten.

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Die aufkommende Seefahrt über weite Strecken im 17. Jahrhundert führt weitere Wagemutige nach westafrikanischen Urwäldern, wo Gorillas und Schimpansen Staunen und meistens negative Gefühle auslösen. Man entdeckte auch die Orang Utans in Indonesien als 3. Menschenaffenart. Es wurden die seltsamsten und absonderlichsten Erzählungen über die großen Menschenaffen in Umlauf gesetzt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich das Zerrbild vom Gorilla als entsetzlichem, brutalem Urwaldteufel gefestigt.

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Man führte schon im 17. Jahrhundert Sezierungen an Menschen und Menschenaffen aus und erkannte ihre Verwandtschaft. Oftmals wurden Menschenaffen mit primitiven Völkern oder Phantasiegeschöpfen zusammengeworfen.

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1735 verfaßte Carl von Linné seine Systema Naturae, in der er Pflanzen und Tiere nach einer binären Nomenklatur in Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten einteilte. 1758 erschien die 10. Auflage dieses Buches. Bis dahin hatten sich die Vorstellungen von Linne durchgesetzt. In dieser 10. Auflage der Systema Naturae faßte er die 4 Gattungen Homo (Mensch), Simia (Affen), Lemur (Halbaffen) und Vespertilio (Fledermäuse) in der Ordnung Primates (Herrentiere, Primaten) zusammen. Man zählt die Gattungen Homo, Gorilla und Pan (mit beiden Schimpansenarten) zu den Anthropoiden. Der Orang Utan gilt als letzter Vertreter der Pongidae. Weitere Menschenaffen sind nur noch Gibbon und Siamang.

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1859 erschien Charles Darwins Buch über die Entstehung der Arten durch natürliche Auslese, das einen weiteren Meilenstein im biologischen Wissen darstellte. 1871 erschien sein Buch über die Abstammung des Menschen mit der These, daß Menschen und Affen gemeinsame Vorfahren haben. Er wurde darin von Thomas Henry Huxley (1825-1895) und Ernst Haeckel (1834-1919) sehr unterstützt.

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1891 fand Eugene Dubois auf Java Knochen von Hominiden, die er als dem von Haeckel postulierten Pithecanthropus (alalus) zuordnete, dem schon damals fehlenden Glied zwischen vorzeitlichen Affen und heutigen Menschen.

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Freilandbeobachtungen von Eugene Marais an Pavianen um 1900. Er verfaßte das Buch "The Soul of the Ape". Er erkannte die Primatenforschung als guten Schlüssel zum Verstehen menschlichen Verhaltens.

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Wolfgang Köhler führte 1912 auf Teneriffa bahnbrechende Experimente mit gefangenen Schimpansen aus. Er führte grundsätzliche Intelligenzprüfungen durch und erkannte ihre geistigen Fähigkeiten wie etwa beim Aufstapeln von Kisten oder Ineinanderstecken von Stäben, um Bananen zu holen. Er publizierte einige Ergebnisse in seinem Buch über die geistigen Fähigkeiten der Schimpansen 1925.

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1925 gründete Robert Yerkes sein Schimpansenlaboratorium als Vorläufer der späteren nach ihm benannten Primatenzentren in den USA. Er begann mit wenigen Schimpansen bei den Yale Laboratories of Primate Biology. Es erfolgte ein Umzug in das Yerkes Primate Laboratory nach Orange Park in Florida. Von dort wurde die Forschung in das Yerkes Regional Primate Research Center in Atlanta, Georgia, verlegt. Er erkannte die mögliche Bedeutung der Gebärdensprache bei Schimpansen und vermutete, daß man sie eine Zeichensprache für die Kommunikation mit Menschen lehren könnte.

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Raymond Dart publizierte 1924 seinen Australopithecus, das Kind von Taung. Es gelang ihm nicht, die Fachwelt von ihm als Menschenvorläufer zu überzeugen, weil diese dem Piltdown-Menschen zu Füßen lag. Bald darauf wurde Dart von Robert Broom unterstützt.

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Davidson Black brachte 1926 den Pekingmenschen in das Blickfeld der interessierten Öffentlichkeit. Heute werden die Funde von Dubois, Black und v. Koenigswald als Homo erectus bezeichnet (nach Koenigswald und Franz Weidenreich).

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1932 veröffentlichte Solly Zuckerman ein Buch über das soziale und das geschlechtliche Verhalten von Affen in Zoos.

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Clarence Ray Carpenter führte in den 1930er Jahren Freilandbeobachtungen an Brüllaffen, Gibbons und Rhesusaffen durch.

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1959 fanden die Leakeys in der Olduvai-Schlucht einen robusten Australopithecus, den L.S.B. Leakey als Zinjanthropus boisei bezeichnete.

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George B. Schaller führte 1959/1960 Freilandbeobachtungen an Berggorillas im Kongo in den Virungabergen aus. Sie waren 1902 als Unterart der Gorillas entdeckt worden.

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Jane Goodall begann im Auftrag von L.S.B. Leakey 1960 ihre Freilandstudien an Schimpansen im Gombe-Gebiet am Ostufer des Tanganyika-Sees, im Kasakelatal und benachbarten Tälern.

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Dian Fossey begann 1967 ihre Berggorillastudien in den Virungabergen, von Schaller und Leakey inspiriert. Es folgte ihr Birute Galdikas als 3. der Trimaten von Louis Leakey 1971 für die Beobachtung von Orang Utans in Indonesien. Schaller und Fossey entlarvten die wilden Gerüchte über Gorillas als Lügen und erkannten sie als "sanfte Riesen".

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Seit den ausgehenden 1950er Jahren wurden Gorillas und Schimpansen in Menschenfamilien aufgenommen (adoptiert), wodurch ihre Fähigkeit zur sprachlichen Kommunikation (durch Gebärden und Zeichen) erkannt wurde.

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Weitere Feldbeobachtungen durch Adriaan Kortlandt im Ostkongo, Clarence Ray Carpenter an Brüllaffen und Gibbons in Südostasien und viele japanische Primatenforscher.

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1974 setzten Donald Johanson und Maurice Taieb mit dem Fund von Lucy einen vorläufigen Höhepunkt. Johanson und Tim White bezeichneten diesen Hominiden als Australopithecus afarensis und verlegten ihn in die Zeit vor 3,8 bis 3,6 Millionen Jahren. Aus dieser Zeit stammen auch die Fußspuren von Laetoli nahe der Olduvai-Schlucht, die Mary Leakey noch etwas berühmter machten.

 

Heute gilt als erwiesen: Als Vorfahre der heutigen Menschen schritt der A. afarensis schon vor 3,5 Millionen Jahren aufrecht durch die Savannenlandschaft, mit einem beinahe vollständig entwickelten aufrechten Gang und nahezu menschlichen Armen und Händen. Aber sein Kopf und Gesicht war fast wie das eines heutigen Schimpansen. Das zeigt die enorme Bedeutung der Primatenforschung für das bessere Verständnis der Entwicklung der Hominiden.

 

Primaten- und Genieforschung: Kanzi

Sue Savage-Rumbaugh/Roger Lewin

"Kanzi, der sprechende Schimpanse"

Droemersche Verlagsanstalt 1995 (1994)

 

Schimpansen

Die dem Menschen nächsten Verwandten im Tierreich. Ihr Genom ist zu 99% identisch mit dem des Menschen. Bezeichnung: Pan troglodytes Vorkommen: Westafrikanischer Regenwald Gewicht: Männchen bis 90 kg, Weibchen deutlich kleiner (ausgeprägter Dimorphismus). Lebensweise: In der Gruppe; es gilt die Promiskuität. Kulturstufen: Werkzeuggebrauchend je nach Region; Weitergabe von Traditionen (z.B. in der Unterrichtung von Werkzeugen und Gewohnheiten).

 

Bonobos

Eine anscheinend höher entwickelte Unterart der Schimpansen; etwas kleiner als die gewöhnlichen Schimpansen. Einige Kennzeichen: Höhere Geistigkeit, Leben in größeren Gruppen bis zu 100 (!) Individuen, in vielen Eigenheiten verblüffend menschlich. Bezeichnung: Pan paniscus, auch Zwergschimpanse (aber nur etwa um 15% leichter als ein gewöhnlicher Schimpanse).

 

Hominide

Damit wird öfters die Linie der Menschenaffen, Vormenschen, Frühmenschen ... bezeichnet, die sich etwa vor 7.5 Millionen Jahren vom Stamm der Schimpansen abspaltete (mit der gleichzeitigen Umstellung von 48 auf 46 diploide Chromosomen ?).

Es gibt aber auch in der Literatur die Einteilung, daß zu den Hominiden auch die Gorillas und Schimpansen gerechnet werden. Diese werden hier gemäß der älteren Nomenklatur als Hominine bezeichnet. Im o.g. Buch werden Fragen zur Geistigkeit der Bonobos aufgeworfen, wie sie Louis S.B. Leakey erwartet hatte: Wir scheinen vom Studium der Bonobos die letzten Phasen vor Entwicklung der Gattung Homo zu erfahren.

 

Sue Savage-Rumbaugh arbeitet seit über 10 Jahren am Language Research Center (LRC) in Georgia. Die Finanzierung der Primatenforschung erfolgte vor allem in der Hoffnung, daraus Kenntnisse zur Unterrichtung geistig behinderter Menschen zu erlangen. Ihre wissenschaftliche Einführung in die Primatenforschung erhielt sie von Roger Fouts (und dem Schimpansen Booee) an der Universität von Oklahoma 1970.

Roger Fouts hatte als Assistent einen Teil seiner Ausbildung bei Allen und Beatrice Gardner in Nevada bei deren Schimpansin Washoe in den späten 1960er Jahren erhalten. Im weiteren Unterricht brachte es Washoe auf einen Wortschatz von 150 Zeichen in der amerikanischen Taubstummensprache Ameslan (oder ASL). Sie hatte ein Gefühl für Syntax bei der Satzbildung.

 

Sue Savage-Rumbaugh fing auf Anfrage von Roger Fouts mit der praktischen Affensprachforschung auf der Schimpansenfarm von Bill Lemmon nahe Norman in Oklahoma an, wo auch Washoe lebte.

 

Roger Lewin ist Wissenschaftsjournalist, der in Primatenforschung und Paläoanthropologie eine ähnliche Rolle spielt wie John Gribbin in Kosmologie und Hochenergiephysik. Es ist interessant, zu ermitteln, warum das Phänomen des journalistisch arbeitenden Koautors für einen Forscher im angelsächsischen Sprachraum so eine große Bedeutung hat - und in anderen Sprachräumen nicht, die insbesondere durch einen Rückzug aus der internationalen Spitzenforschung gekennzeichnet sind.

 

Im Buch von Savage-Rumbaugh und Lewin wird häufig Bezug genommen auf Arbeiten von Charles Darwin, insbesondere

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"Über die Evolution der Arten durch natürliche Auslese", 1859 und

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"Die Abstammung des Menschen", 1871.

Weiterhin erfolgt viel Bezug auf die Arbeiten von Louis S.B. Leakey und Jane Goodall.

 

Im Hintergrund stehen auch immer die Fragen von Louis Leakey und Roger Lewin in ihrem Buch "Über den Ursprung des Menschen" von 1991:

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Was geschah genau vor 10 bis 5 Millionen Jahren, als mindestens eine Linie der Schimpansen zum aufrechten Gang überging und den Weg zu den Hominiden eingeschlagen hatte ?

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Was wird in den nächsten Jahrmillionen auf der Erde und in unserem Sonnensystem geschehen ?

 

Louis S.B. Leakey vermutete, daß ein wesentlicher Schlüssel zum Verstehen des Menschen in genauen Studien seiner nächsten Verwandten verborgen liegt. Jane Goodall, Dian Fossey und Birute Galdikas arbeiteten zu diesem Zweck und in seinem Auftrag in Gombe, Ruanda bzw. Borneo. Sein Sohn Richard Leakey fügte der Frage nach dem Ursprung des Menschen die Frage zu seiner weiteren Entwicklung in den nächsten Jahrmillionen Jahren hinzu.

Donald Johanson und Richard Leakey versuchten mit vielen anderen Forschern, Beiträge zu diesem Problem von der Paläoanthropologie her zu erbringen.

Das Ehepaar Gardner verfolgte eine ganz andere Linie, sie versuchten nämlich Schimpansen wie ein Kind in ihrer Wohnung zu halten, es zu lehren und seine Befähigung zu studieren.

Von diesem letzten Weg wurde die moderne Primatenforschung entscheidend mitgeformt.

 

Der Primatenforschung etwa ab 1960 gingen Arbeiten anderer Forscher voraus, und zwar u.a. von

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Wolfgang Köhler 1912 auf Teneriffa und

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Robert Yerkes 1925 (er schrieb das Buch "Fast ein Mensch" (Almost Human).

Bedeutende deutsche Paläoanthropologen wie Gustav H.R. Königswald und Franz Weidenreich bestimmten bis 1945 das wissenschaftliche Bild der Vor-Menschen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Forschungen deutscher Wissenschaftler im Ausland erst mal unmöglich und das Schwergewicht der wissenschaftlichen Arbeit verlagerte sich auf umfassende Datensammlung. Das kann man leicht verifizieren, wenn man die Arbeiten von Hans-Jürgen Müller-Beck und Hermann Müller-Carpe studiert und dann die Arbeiten von Louis, Mary oder Richard Leakey.

Es scheint ein Gesetz zu sein, daß Paläoanthropologen selber Ausgrabungen machen müssen, um sich ihren eigenen Fähigkeiten nach entfalten zu können. So kann man in dem Buch von Dietrich Mania und Adelheim Dietzel "Begegnung mit dem Urmenschen" über die Ausgrabungen bei Bilzingsleben in den 1970er Jahren den alten Forschergeist wiederfinden, der ja auch schon im Buchtitel anklingt.

In Deutschland wurden nach dem 2. Weltkrieg u.a. international wieder bekannt:

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Konrad Lorenz mit seiner Verhaltensforschung bei Graugänsen.

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Irenäus Eibl-Eibesfeld aus der Schule von Konrad Lorenz.

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Bernhard Grzimek, der berühmte Direktor des Frankfurter Zoos in den 1970er Jahren, der sogar auch schon junge Gorillas und Schimpansen in seiner Wohnung hielt.

Diese Forscher werden in der angelsächsischen Literatur zitiert, wie die großen Forscher vor dem 2. Weltkrieg. Aktuelle deutsche Forscher sind u.a.

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Volker Sommer mit seinen Studien an Makaken in Indien und

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Christiane Knechtel, die ab 1992 im Stile der Trimaten von Louis S.B. Leakey ganz alleine Kaffernbüffel in einem Büffelreservat westlich des Krüger-Nationalpark beobachtet.

 

Zu Tierschutz und Forschung: Deutschland zeichnet sich durch ein hohes Maß an Verständnis für Tierschutz aus (man betrachte nur die erbärmliche Behandlung der Tiere in vielen "südlichen" Ländern), aber es gibt auch Zustände, gegen die scharf zu protestieren ist, und das ist im Fall von überflüssigen und grausamen Tierexperimenten, zumal noch in den frühen 1990er Jahren ein Aufholbedarf für Deutschland in Paläoanthropologie und Primatenforschung bestand. Anstatt humaner Studien in Verhaltensforschung machte man aber dann so äußerst grausame Experimente mit Makaken, die zudem schon von anderen durchgeführt worden waren und keinen wissenschaftlichen Wert mehr besaßen. Die Sache wurde bis in den bayerischen Landtag hineingetragen und dieser gab seine Zustimmung. In Anbetracht der Tatsache, daß in Deutschland soviel Aufholbedarf in der Forschung auf ganz anderen Gebieten besteht, wo man auf solche grausamen Tierversuche verzichten kann, war es eine riesige Schuftigkeit, diese grausamen Tierversuche an Makaken überhaupt in die engere Wahl zu fassen. Die Forscher haben gegenüber der angelsächsischen Forschung einen solchen Rückstand - sollen sie sich aus diesem großen Gebiet das aussuchen, wo der Forscher keine Schuld auf sich und seine Gemeinschaft lädt !

 

Affensprachforschung am Yerkes Regional Primate Center und ihre Ergebnisse

Robert Yerkes in seinem Buch "Almost Human" von 1925 über Menschenaffen: "Zweifellos gibt es Genies unter den Menschenaffen."

Wie Sue Savage-Rumbaugh in ihrem o.g. Buch betont, setzte sie in ihren Arbeiten auf Forschungsarbeiten von Duane Rumbaugh auf, den sie 1974 auf einer Tagung kennengelernt hatte.

Duane Rumbaugh von der Georgia State University in Atlanta begann am Yerkes Regional Primate Research Center mit dem Projekt LANA (LANguage Analogue) für die Affensprachforschung mit der nach diesem Projekt so genannten Schimpansin Lana, wo er die Technik mit Lexigrammen entwickelte, die Sue Savage-Rumbaugh ab 1974 ebenfalls für ihre Schimpansen und Bonobos verwendete.

Ihr erster Schützling war Lucy, eine schon ältere Schimpansin, die bei Morris und Jane Temerlin wie ein Menschenkind aufgezogen worden war. Ihr Name hatte seinen Ursprung in Lucy, den Donald Johanson dem Australopithecus afarensis gegeben hatte, einem Weibchen, dessen Skelett er mit seinen Mitarbeitern in Afar, im südlichsten Äthiopien, ausgegraben hatte.

Ihr nächster "Mitarbeiter" war Pancho, ein mutmaßlicher Mischling von Schimpanse und Bonobo.

Sue Savage-Rumbaugh legt in ihrem Buch Wert auf die Feststellung, daß sie das Verhalten ihrer Schützlinge mit dem ihres eigenen jungen Kindes verglich und dabei schwerwiegende Unterschiede im Umfeld von Verständnis und Verstehen ausmachte. Sie stellt sich als kritischer hin als Roger Fouts (was hier betont wird in Hinsicht ihrer Probleme mit Behavioristen und Linguisten, die noch dem alten Homo sapiens sapiens-Eigendünkel verfallen waren und Tieren überhaupt keine Leistung wie Verstehen, Bewußtsein usw. zubilligten, oftmals noch über das Jahr 1990 hinaus).

Ihr Forschungshintergrund: Verstehen und nicht die Fähigkeit zum Sprechen ist das Entscheidende; das Zuhören und Verstehen ist also das eigentlich Wichtige, das ein Schimpanse aufweisen muß, wenn man behauptet, daß er mittels Gesten, Zeichensprache ... sprechen kann.

 

Als sie ab 1997 am o.g. Yerkes Primate Center begann, wollte sie eben aus diesen Gründen nicht am LANA-Projekt mitarbeiten: Sie war daran interessiert, was Schimpansen und Bonobos von sich selbst heraus an Verstehen und Verständnis in Sprache und Kommunikation aufweisen. Auch gegenüber Duane Rumbaugh stellte sie ihre Kritik an der zu schnellen Gutgläubigkeit in die gängige Deutung der Experimente in den Vordergrund, aber diese Kritik war ganz anderer Art als die der Behavioristen und Linguisten, von denen sie meinte, daß sie nicht wüßten, wovon sie reden.

Sue Savage-Rumbaugh und Robert Lewin widmen ihrem Buch über Kanzi sehr viel Raum der Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Forschergruppen mit ihren sehr verschiedenen Meinungen über die Fähigkeit der Schimpansen zur Geistigkeit nach menschlicher Art.

 

Der Leser sollte sich das im o.g. Buch selber anschauen, hier wird nur das dazu angeführt, welchen Eindruck diese Diskussionen unter Wissenschaftlern auf einen Journalisten gemacht hatten, der seinen Kommentar zu einer Konferenz in der Zeitung "Tne New Yorker" vom 26. Mai 1980 begann mit den Worten: "Können Wissenschaftler mit Affen sprechen ? Können Affen mit Wissenschaftlern sprechen ? Können Wissenschaftler mit Wissenschaftlern sprechen ?"

 

Ab 1975 begann sie die echte Affensprachforschung mit den jungen Schimpansen Sherman und Austin, und ab 1976 fand die Ausbildung dieser Tiermenschen (so Bernhard Grzimek) im hautnahen Kindergartenverhältnis.

Einige Aussagen von Sue Savage-Rumbaugh über Schimpansen:

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Bei Affen und Menschen sind Erfahrungen in der Kindheit von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung ihrer Geistigkeit und geistigen Fähigkeiten im Erwachsenenalter.

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Wenn junge Schimpansen in einer Menschenfamilie aufwachsen und mit den verschiedenen Möglichkeiten zu einer Sprache konfrontiert werden, können sie im Erwachsenenalter geistige und sprachliche Leistungen erreichen, die sie in einer geistig weniger anregenden Umgebung niemals erreicht hätten. Damit werden in der frühen Kindheit nicht nur Meinungen, Ansichten usw. festgelegt, sondern auch das prinzipielle Erreichen von bestimmten geistigen Fähigkeiten wie das Auflösen eines Geräuschstromes aus dem Munde eines Menschen als eine Folge von Worten mit bestimmten Bedeutungen.

 

Zu erreichende Leistungen von Menschenaffen bei Unterricht durch qualifizierte menschliche Ausbilder und Betreuer:

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Höheres Denkvermögen, besseres Durchdenken der Folgen der eigenen Handlungen.

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Besseres Erkennen der Absichten anderer über Verwendung verschiedener Kommunikationssysteme, die sich gegenseitig ergänzen können und wobei Signale ganz unterschiedlicher Kommunikationssysteme (wie Gesten und gelernte Zeichensprache) gleichzeitig verwendet werden.

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Unterscheiden von farbigen, geometrischen Formen genauso leicht wie das Unterscheiden verschiedener Futtersorten.

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Unterscheidung in der akustischen Sprache von Menschen auf einzelne Worte und Befolgung von Anweisungen in gesprochenen Sätzen.

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Wahrnehmen von Fernsehfilmen in der menschlichen Weise, daß also Handlungen zwischen Tieren und Menschen stattfinden.

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Bevorzugen von bestimmten Fernsehgeschichten, die ihn nach Inhalt und Darstellung am meisten interessieren.

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Erkennen von z.B. bestimmten Orten in einem ihm vertrauten Wald und erfolgreiches Aufsuchen danach im Wald.

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Sie verfolgen genau die Handlungen und psychischen Signale bis Spannungen zwischen anderen Affen oder Menschen.

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Eigenwilligkeit bis hin zur eigenen Persönlichkeit: Verweigerung von gelernten Leistungen und Fähigkeiten, wenn Besucher kommen und das vorgeführt bekommen sollen.

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Versuch, die Besucher gezielt zu ärgern und zu frustrieren.

 

Sue Savaga-Rumbaugh begann Ende 1975 mit ihrer Arbeit mit Bonobos am Yerkes Regional Primate Research Center. Die 5 Tiermenschen waren gerade aus Zaire angekommen. Sie beschreibt ihre Mühen, mit den verängstigten Tiermenschen zu einem vertrauensvollen Verhältnis zu kommen (siehe auch Takayoshi Kano).

 

Einige Aussagen von Robert Yerkes über seinen Schimpansen Prinz Chim, von dem man erst viel später erkannte, daß es ein Bonobo gewesen war:

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Er scheint ein intellektuelles Genie zu sein und neigt zum Nachdenken.

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Er ist temperamentvoll, abenteuerlustig, vertrauensselig, freundlich und energisch. Er neigt zum ausgeprägten Lachen als Ausdruck von Zufriedenheit und Freude.

 

Einige Aussagen von Sue Savage-Rumbaugh über Bonobos:

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Sie sind eigentlich nicht kleinere Formen von Schimpansen, sondern ähneln eher Menschen mit kleinem Gehirn und langer Körperbehaarung. Diesen Ausspruch macht sie nach vielen Jahren hautnaher Zusammenarbeit mit Bonobos im Kindergartenverhältnis.

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In Anatomie, Sozialverhalten, Lautäußerungen, sexuellen Vorlieben, Kinderfürsorge und geistigen Fähigkeiten zeigen sie stark menschliche Züge.

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Bonobos sind nur geringfügig kleiner als Schimpansen (um 85% des Körpergewichts der Schimpansen), aber ihr wesentlicher Unterschied zu ihnen liegt in der Gestalt der Bonobos:

 

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zartgliedriger,

 

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im Verhältnis zur Körpergröße längere Beine,

 

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kleinerer Schädel mit hoher Stirn,

 

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sehr ausdrucksvolles dunkles Gesicht,

 

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höherer Körperschwerpunkt,

 

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schmalerer Brustkorb,

 

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stärker senkrecht orientierter Kopf,

 

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können leichter auf 2 Beinen gehen, sogar mit Baby auf dem Rücken (das sieht dann aus wie ein Vormensch).

 

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Weibchen und Junge bilden den Kern der Gruppe. Männchen haben nur in dem Maße Zutritt, wie sie kooperativ und hilfsbereit sind. Hochrangige Männchen sind solche, die von den Weibchen akzeptiert werden. Männliche Aggression gegen Weibchen kommt nur selten vor (man vergleiche das mit dem "modernen" Menschen !).

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Wie bei den Menschen hat sich die Sexualität zu einer Art von vielschichtigem Bindungsverhalten entwickelt, bei den Bonobos aber noch stärker in der Richtung, daß die Bildung größerer Gruppen (bis zu 100 Individuen) sind Sexualität als Mittel zur Lösung von Konflikten und Beseitigung von Aggressionen).

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Bei der Paarung sehen sich die beiden Paarungspartner in die Augen und erleben ihre eigenen Gefühle und erkennen die des anderen. Erfahrungen von Takayoshi Kano von der Universität Kyoto in Japan, der 1973 mit dem Studium der Bonobos in ihrem Verbreitungsgebiet begann:

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Die Art des Nahrungsangebots ermöglicht die Bildung größerer Gruppen (bis zu 100 Individuen).

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Bei den Bonobos hat sich die Sexualität als das Mittel entwickelt, mit dem Konflikte in größeren Gruppen entschärft werden.

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Der Dimorphismus ist bedeutend weniger ausgeprägt als bei Schimpansen, und die Anzahl von Männchen ist in einer Gruppe etwa gleich der Anzahl der Weibchen.

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Die Sozialverbände der Bonobos sind viel enger und stabiler als die der Schimpansen.

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Die Beobachtung und korrekte Beurteilung der Bonobos als Individuen und als Gruppenmitglieder ist so komplex, daß sie große Anforderungen an die Forscher stellt: Man neigt eben wegen der großen Menschenähnlichkeit in ihrem Verhalten zur Fehleinschätzung ihrer Motivationen, Denkvorgänge usw. Ein großer Fehler ist die Sicht auf die Tiermenschen aus der Sicht des Menschen.

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Bonobos haben nur ein kleines Verbreitungsgebiet in Zaire zwischen den beiden Flüssen Zaire und Kasai, ein Waldgebiet mit der typischen afrikanischen Fauna.

 

Bis 1980 lebten die Bonobos ziemlich ungestört von Menschen (man schätzte den Bestand auf 50000 Tiermenschen).

Von 1980 an drangen Menschen zunehmend in dieses Gebiet ein, als Wilderer und Holzfäller. Sie jagten auch Bonobos. Dadurch nahm der Bestand an Bonobos von Jahr zu Jahr rapide ab. Kano erreichte durch Appelle an die Regierung von Zaire, daß für die Bonobos 1987 ein Naturschutzgebiet eingerichtet wurde.

Man vergleiche das Schicksal dieses Naturschutzgebiets mit den Schicksalen der Naturschutzgebiete oder sonstigen Beobachtungsgebieten für Menschenaffen:

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Karisoke, von Dian Fossey gegründet und betrieben, zum Schutz der Berggorillas im Länderdreieck Ruanda, Zaire und Burundi.

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Gombe an der afrikanischen Westküste, von Jane Goodall geründet, zur Beobachtung der Schimpansen.

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Tanjung-Putin-Nationalpark auf Borneo, in dem Birute Galdikas mit ihrer Beobachtung von Orang Utans begann.

Dian Fossey wurde in ihrer Forschungsstation auf der Höhe bei Karisoke in Ruanda mit einem Panga erschlagen, als bekannt wurde, daß sie von der Regierung die Erlaubnis zu einem weiteren längeren Aufenthalt bekommen hatte. Zwar wurde nach ihrem Tod die Forschung an Berggorillas weiter betrieben, aber es wurden immer mehr Berggorillas von Menschen erschossen oder in Schlingen lebensgefährlich verletzt.

Der 1997 in Zaire ausgetragene Bürgerkrieg, der gleichzeitig ein Kampf verschiedener Populationen und verschiedener Potentaten ist, hat für Hunderttausende von Menschen das Schicksal als Flüchtling vor marodierenden Banden gebracht, und so wurden in den Wäldern von Zaire bis Ruanda zahlreiche Wildtiere eine Beute der Hungernden.

Jane Goodall hatte zeitweilig extreme Schwierigkeiten, in die von ihr gegründete Forschungsstation von Gombe zu kommen. Was in den 1960er Jahren Urwald war, ist heute ein immer kleiner werdender Naturpark, der von allen Seiten von expandierenden Farmern bedrängt wird.

Birute Galdikas hat in zeitlicher Hinsicht mehr Glück gehabt. Hier ist zumindest ein Erfolg zu verzeichnen mit der Resozialisierungsstation für Orang Utans, die wieder in die Freiheit gebracht werden. Aber in dem Lemuria von Ernst Häckel brennen immer häufiger die Wälder und dringen Siedler in die abgebrannte Wildnis vor. Der Lebensraum von Orang Utans und Siamangs wird immer kleiner, und bald werden diese Tiermenschen wohl nur noch in der Erinnerung der Menschen weiter leben.

Offensichtlich ist - auch in Hinsicht auf die brennenden Regenwälder auf Madagaskar und in Südmerika -, daß die natürliche lebendige Schöpfung in ihrer jeweiligen eigenen Heimat nicht mehr vor dem vernichtenden Zugriff der Menschen sicher ist und daß alle Kulturnationen dafür sorgen müssen, daß auf ihrem Hoheitsgebiet große Naturparks entstehen, in denen heimische und exotische Tiere und Pflanzen eine letzte und sichere Bleibe finden.

 

Kanzi, der Bonobo

Kanzi wurde am 28.10.1980 als Sohn des Bonobo-Weibchens Lorel geboren, die vom Zoo in San Diego zu Zuchtzwecken an das Yerkes Primate Center ausgeliehen worden war. Lorel war selber mit der Flasche großgezogen worden. Schon wenige Minuten nach der Geburt von Kanzi wurde er von Matata, einem der im Yerkes Primate Center ansässigen Bonobo-Weibchen, mit List geraubt und nicht wieder an seine eigene Mutter zurückgegeben. Fortan blieb er bei Matata, die ihn als eigenes Baby behandelte und aufzog.

Das Affensprachforschungsprojekt setzte auf den Erfahrungen auf, die Sue Savage-Rumbaugh schon mit den Schimpansen Sherman und Austin hatte machen können, nach der Methode der Lexigramme von Duane Rumbaugh. Vorerst wurde nur Matata unterrichtet, während Kanzi sich selbst überlassen wurde. Sue Savage-Rumbaugh war bemerkt, daß Kanzi von sich selbst heraus mitlernte, also ohne eigenen Unterricht, nur durch Zusehen im Spiel.

Während Kanzi enorme Fortschritte machte, wirkte der Unterricht bei Matata - die ja nicht seine leibliche Mutter war - eher enttäuschend. Sie zeigte viel schlechtere Leistungen als die Schimpansen Austin und Sherman (natürlich bezogen auf die Unterrichtsmethode).

Die Beschreibung der geistigen, schöpferischen Leistungen von Kanzi beginnt Sue Savage-Rumbaugh zu der Zeit, als Kanzi 18 Monate alt geworden war.

Jetzt erfand er Gesten, um seinen Willen kund zu tun:

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Wenn er herumgetragen wurde, wies er mit einer Hand oder durch Verlagerung des Körpergewichts in die gewünschte Richtung.

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Wenn er eine Dose geöffnet haben wollte, machte er mit der Hand eine Drehbewegung und zeigte auf die Dose.

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Wenn er Nüsse geknackt haben wollte, machte er mit der Hand Schlagbewegungen und zeigte auf die Nüsse.

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Wenn er wollte, daß ihm ein Mensch einen Gegenstand gab, zeigte er zuerst auf den Menschen und dann gestikulierte er in Richtung des Gegenstands, oft zusammen mit Lautäußerungen.

 

Als der gezielte Unterricht an der Tastatur mit den Lexigrammen mit Kanzi begann, verwendete er sie ohne jeden ihm selbst geltenden Unterricht. Allein durch Zusehen bei seiner nur wenig verstehenden "Mutter" hatte er von sich heraus alles verstanden und verwendete schon am ersten Tag die Tastatur 120-mal. Er benutzte die Tasten mit den Lexigrammen darauf nicht nur zum Fordern, sondern um auch seine Absicht kund zu tun, wie etwa die, daß er jetzt Fangen spielen will.

Er war aber zu systematischen Tests noch nicht bereit, bei denen er passiv still sitzen und auf die Vorgaben der Prüfer reagieren sollte. Er war zu quirlig und zu eigenwillig - eine ernste Mahnung an alle Erzieher von Primaten (inklusive Menschen), Willfährigkeit als Intelligenz und Einsichtsfähigkeit zu nehmen, eben weil sie für den Prüfer, Lehrer, Erzieher, Beamten, Politiker ... so willkommen ist.

 

Für Sue Savage-Rumbaugh fiel eine weitere Schranke zwischen Tier und Mensch, die sich der Mensch aus Eitelkeit selber errichtet hatte: Es gab keine Einzigartigkeit des menschlichen Geistes, und Tiermenschen können Sprache genauso lernen wie Menschen, d.h. ohne besonderen Unterricht. Das entscheidende Kriterium ist das Verstehen, nicht aber das eigene Hervorbringen von Sprache: "Spracherwerb ist zuerst und vor allem eine Frage des Verstehens."

 

Aus den ersten Erfahrungen beim Zusammenleben mit Kanzi im Kindergartenverhältnis zog sie folgende Schlüsse:

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Kein systematischer Unterricht mit erzwungenem Stillsitzen und Zuhören (Upanischaden !), sondern Anbieten eines Umfeldes, in dem er soviel wie möglich von sich selbst heraus lernen konnte.

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Vergrößerung der Tasten mit Lexigrammen auf der Tastatur nach artgerechten Themen (z.B. Namen von Lebensmitteln und Orten in einem nahen Wald).

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Einrichtung von 17 Futterplätzen in einem nahen Wald von 250000 qm, an denen unterschiedliche Futtersorten versteckt wurden, die dann für diesen Ort im Wald spezifisch waren.

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Entschiedenes Eingehen auf seine (!) Wünsche und Vorschläge für Kommunikation und Spiel (zum Beispiel seine Versionen und Mogeleien beim Versteckenspielen).

 

Sue Savage-Rumbaugh: "Kanzis Kommunikation kreiste schon bald um seine täglichen Aktivitäten,

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wohin wir im Wald gehen würden,

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was es zu essen gab,

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was wir spielen würden,

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welches Spielzeug er mochte,

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was wir im Rucksack mitnahmen,

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welche Fernsehsendungen er sich gerne ansah und

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ob er Sherman und Austin besuchen konnte."

 

Eine interessante Version von Waldausflügen war, daß man Kanzi Photographien von Futterplätzen im Wald zeigte oder daß er über die Tastatur erfuhr/sagte, welches Futter er im Wald suchen wollte. Dabei fand er die entsprechenden Futterplätze und Futtersorten (spezifisch für den Futterplatz) mit Sicherheit.

Eine Bestätigung der schon bekannten Liebe zwischen Mutter und Kind bei den höheren Primaten ergab sich, als Kanzi wieder mit seiner Ziehmutter zusammentraf, die zeitweilig in ein anderes Labor gebracht worden war. Sie zeigten dabei Gefühlsäußerungen, die im erheblichen Ausmaß auch bei den Menschen zu finden sind.

Im Laufe der Zeit wurde die Tastatur in Verbindung mit gesprochener englischer Sprache verwendet, und wie andere Schimpansen vor ihm lernte er auch, gesprochene englische Worte zu verstehen, und später auch gesprochene englische Sätze.

Bei Verwendung der Tastatur alleine (ohne Lautäußerungen) hatte er schon früh Wortkombinationen hervorgebracht. In diesem Zusammenhang geht Sue Savage-Rumbaugh auf Fehler ein, die ein Forscher machen kann, wenn er glaubt, daß sein Schimpanse gesprochene Worte und Sätze versteht.

 

Als Sue Savage-Rumbaugh die Zeit gekommen sah, verfaßte sie 1984 einen Artikel über ihre Ergebnisse der Primatenforschung und bekam durch die Ablehnung angesehener wissenschaftlicher Zeitschriftenverlage das bekannte Ziolkowski-Gefühl: Man kann nur das publizieren, was in die epochal-regionale Meinung paßt. Sie mußte Jahre lang versuchen und korrigieren, bis sie zusammen mit Patricia Greenfield ihre Publikation in einem schlichten Tagungsbericht 1990 unterbringen konnte - mit dem zu erwartenden Echo bei den Linguisten und anderen, die vom Einzigartigkeitswahn des Menschen besessen waren. Allerdings hatte sie das Bewußtsein, 2 Geistesgrößen hinter sich zu haben: Charles Darwin und Robert Yerkes.

 

Sue Savage-Rumbaugh:

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Zu dieser Zeit (1990) wog Kanzi 75 kg und war mindestens 3-mal so stark wie ein Mann desselben Gewichts.

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Er hatte einen stets wachen, fragenden Geist mit einer "Seele in Affengestalt". Er hatte die Schwelle zum Bewußtsein überschritten.

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Zu Frauen war er freundlich bis galant, zu Männern aggressiv.

Das zeigte sich besonders, als er mit Nick Toth, einem Spezialisten für die Herstellung von Steinwerkzeugen, zusammenarbeiten sollte. Nick Toth machte den Vorschlag, Kanzis Fähigkeiten als Hersteller von Steinwerkzeugen zu ermitteln. Besonders wollte er wissen, inwieweit Kanzi in der Lage war, Werkzeuge herzustellen, die selber der Herstellung von Werkzeugen dienen sollten. Hierbei wollte er Vergleiche mit dem Oldowan herstellen.

Die Leakeys hatten in der Oldoway-Schlucht und Umgebung Steinwerkzeuge (pebble tools) gefunden, die sie der Kulturstufe des Oldowan zurechneten, weit vor der Zeit des frühen Homo erectus (Acheuleen). Die Werkzeugmacher des Oldowan wurden auf die Schwelle zwischen Vormensch und Vertreter der Gattung Homo gesetzt, also lange auf mehr als 1 Million Jahre später als die Zeit von Australopithecus afarensis, der als bereits aufrecht gehender "Schimpanse" mit stark menschenähnlichem Rumpf und Schimpansenkopf durch Wälder und Steppen des damaligen Ostafrikas streifte. Dieser aufrecht gehende Vormensch verwendete vor 3,7 Millionen Jahren vielleicht noch keine Werkzeuge - und Kanzi hatte seine Stufe wohl sicher noch nicht erreicht. Australopithecus africanus, der intelligenteste der bekannten Australopithecinen, könnte Werkzeuge hergestellt haben, die frühen Vertreter der Gattung Homo - Louis S.B. Leakey nannte die Homo habilis - konnten das vor 2,5 Millionen Jahren sicher (allerdings auch mit einem Gehirnvolumen von über 550 ccm gegenüber knapp 400 ccm bei Schimpansen, die zudem noch ein größeres Körpergewicht haben).

 

Kanzi zeigte sich wie üblich als sehr gelehrig. Er verstand sofort, was man von ihm wollte. Aber es fiel ihm zu schwer, Steinsplitter gezielt abzuschlagen, indem er die Steine - in den Händen haltend - zusammenschlägt. Durch Nachdenken kam er darauf, den Stein zu zerschmettern, indem er ihn mit Gewalt auf den Steinboden warf. Legte man einen Teppich auf den Steinboden, zog er ihn weg und schleuderte den Stein dann auf den Steinboden.

Nick Toth - zu dem Kanzi sehr unfreundlich war - gab Sue Savage-Rumbaugh zahlreiche Tips, aber Kanzi erreichte in seinen Leistungen nicht die Stufe der Werkzeuge des Oldowan.

So ist es sicher richtig, Schimpansen als Tiermenschen zu bezeichnen, wie das Bernhard Grzimek getan hat: Sie haben Eigenbewußtsein, eigene Persönlichkeit, Lern- und Spieltrieb, erhebliche kognitive Fähigkeiten, die Fähigkeit zu Verstehen und Spracherwerb, aber sie haben nicht die Stufe der späten, intelligentesten Arten der Australopithecinen oder der frühesten Vertreter der Gattung Homo vor 2,5 Millionen Jahren erreicht. Sie stehen zwischen Tier und Mensch, d.h. sie befinden sich im Tier-Mensch-Übergangsfeld von Gerhard Heberer.

Stimmt das, hat das die merkwürdige Konsequenz, daß sich die Fähigkeit zur höheren Geistigkeit der Schimpansenlinie zwischen der Zeit vor 7,5 Millionen Jahren bis vor 4 Millionen Jahren nicht geändert haben soll - wenn man davon ausgeht, daß vor 7,5 Millionen Jahren "Schimpansen" lebten, die wie heutige Schimpansen sind.

Aber schon Charles Darwin hatte davor gewarnt, zu glauben, daß heutige Menschenaffen leben, die den Menschenaffen von damals gleichen, aus denen die zu den Menschen führende Seitenlinie hervorging.

Dann ist anzunehmen, daß die "Schimpansen" vor 7,5 Millionen Jahren primitiver gewesen sein mußten als heutige Schimpansen, und daß alle Seitenlinien dieser "Schimpansen" eine Evolution zu höherer Geistigkeit durchmachten, also gleichzeitig in Richtung heutiger Schimpansen, Bonobos und Menschen.

Hier bleiben dann noch die Fragen:

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Wann geschah der Übergang von 48 diploiden Chromosomen bei den Schimpansen auf die 46 diploiden Chromosomen bei der Gattung Homo ?

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Wann und wie geschah der Übergang vom 4-beinigen auf das 2-beinige Laufen ? War das ein Prozeß über 1 bis 2 Millionen Jahre oder einer binnen "weniger" Hunderttausend Jahre ?

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Wieso kann ein Bonobo-Weibchen mit einem Jungen auf dem Rücken aufrecht gehen wie ein Mensch und noch dabei gemütlich essen ?

 

Die Primatenforschung im Yerkes Regional Primate Center dient besonders der Entwicklung von besseren Lehrmethoden für behinderte Kinder und Erwachsene. Hierauf geht Sue Savage-Rumbach zum Schluß des Buches genauer ein. Sie stellt z.B. fest, daß man heute noch gar nicht verstanden hat, weshalb "zurückgebliebene" Kinder zwar irgendwelche Lücken in dem von ihnen geforderten Leistungs- und Wissensbereich haben, aber dafür viele Dutzend von Arten von Dinosauriern kennen usw., also ein nicht erwünschtes Spezialwissen haben.

Hier kommt wieder der Verdacht, daß man Kinder gerne als intelligent und aufgeweckt bezeichnet, wenn sie besondere Leistungen darin zeigen, gerade die Wissens- und Verhaltensformen aufzuweisen, die von ihrer personalen Umgebung gefordert werden. Und das setzt sich dann ins Erwachsenenalter fort und erzeugt die Gesellschaft, die Opportunisten, Rezeptive, Intuitionslose, Korrupte ... in die Schaltstellen der Macht automatisch hineinzieht.

 

Sue Savage-Rumbaugh und Roger Lewin schließen ihr Buch mit einem Appell zur Erhaltung der letzten überlebenden, nächsten Verwandten des Menschen im Tierreich.

Dieser Aufruf wird hier aufgegriffen: Forderung: Bevor der Mensch alle Freiräume der Tiere und Pflanzen zerstört hat, sind von allen Tieren und Pflanzen Depots für ihren Genom anzulegen und in die Staaten der Menschen sind Reservate für Tiere und Pflanzen einzubauen.

Wir Menschen sind höher entwickelte Lungenfische, Saurier, Säugetiere, Menschenaffen, "Schimpansen" ...

Wir Menschen sehen die Welt mit Augen und Gehirn der phylogenetischen Nachfolger von Lungenfischen bis "Schimpansen".

Das erhellt die Sicht auf die Notwendigkeit zu breitester Grundlagenforschung und zur Aufhebung der trennenden Grenzen zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen, zum lebenlangen Lernen und Denken und zur Betrachtung der globalen Realität vor dem Hintergrund immer größerer Zeiträume. Grundlagenforschung muß betrieben werden, auch wenn sie für Jahrzehnte keine Erfolge liefert.

 

Menschen- und Genieforschung: Stephen W. Hawking

Letztlich sind also die großen genies der menschheit wie Archimedes von Syrakus, Isaac Newton und Carl Friedrich Gauß besonders hoch entwickelte Hominide, hervorgegangen aus Vormenschen, Frühmenschen ... Also lesen Sie die Bücher von und Biographien über die Genies der Menschheit, von der Antike bis heute.

 

Literatur:

Johannes Kepler „Weltharmonik“ 1609

Isaac Newton „Prinzipia ...“ 1687

Alexander von Humboldt „Reisen in die Äquinoktialgegenden“ 1812

Carl Friedrich Gauß „Disquisitiones ...“ 1813

Manfred Eigen „Stufen zum Leben“ 1986

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Steven Weinberg "Die ersten drei Minuten" (1977) dtv Verlag 1994

Stephen W. Hawking "Eine kurze Geschichte der Zeit" (1988) (weltweit mehr als zehnmillionenmal verkauft)

Steven Weinberg "Der Traum von der Einheit des Universums" (1992) Goldmann-Verlag 1993

Michael White, John Gribbin "Stephen Hawking" (1992) Rowohlt GmbH 1994

John A. Wheeler "Gravitation und Raumzeit", 1990

Martin Rees "Ein Universum nach Maß ?" Birkhäuser Verlag 1991 (1989)

 

→ Schnittstelle zum Ethischen:

     Aufruf gegen Mißbrauch und Vernichtung von Tieren durch den Menschen

Der Schutz der Tiere und Pflanzen muß auf die tiefsten Wesenheiten und die Struktur von Chemie und Physik selber gegründet werden. Nicht nur erst aus Paläontologie und Paläoanthropologie, sondern schon aus Biochemie und sogar Kosmologie muß sich der Tierschutz, der Schutz der lebendigen Schöpfung, zwingend ergeben.

Das "Große Geheimnis" (Wakan Tanka) beginnt nicht mit der Entstehung der Erde und des Menschen, sondern spätestens mit der Entstehung der spezifischen Eigenschaften unseres Universums, die die Entwicklung von Leben und Zivilisation in geeigneten Sonnensystemen erzwingen, ähnlich funktionierend wie bei einem Baukasten, dessen Teile sich selbständig zu einem technischen Gerät zusammenbauen.

Es ist das gesamte Wissen der Menschheit - insbesondere Naturwissenschaften und höchst entwickelte Technik - daraufhin zu überprüfen, wie sich alle unsere Handlungen bei Sicht auf beliebig große Zeiträume auswirken.

Der Mensch hat ein Verantwortungsgefühl für das gesamte Leben auf der Erde und in unserem Sonnensystem zu entwickeln. Es ist zu ermitteln, was bei Verwendung multidimensionaler Realitätsvorstellungen und Weltsysteme für Zukunftsaussichten für Realität, Leben, Vernunft und Zivilisation allgemein bestehen.

Wenn man die nihilistischen, religiösen oder parteiideologischen Weltvorstellungen verwendet, werden Pessimismus und Nihilismus überwiegen und die Menschen zu unsinnigen politischen Aktionen führen, wie wir sie ja laufend im politischen Alltag zu unserem Leidwesen miterleben müssen.

Was ist schon von Leuten zu erwarten, die für das "Jenseits" leben oder der Meinung sind, daß im Prinzip doch alles Leben, Hoffen und Streben sinnlos ist.

 

Aus Kosmologie, Physik, Chemie, Molekularbiologie, Paläontologie und Hirnforschung ergibt sich ein Band um die lebendige Schöpfung, das zu einem Panbioismus berechtigt mit dem wesentlichsten Ziel, den Strom von Leben und Lebensformen, der vor 4 Milliarden Jahren auf der Erde begann, in der Zukunft nicht mehr abbrechen zu lassen, wie tiefgreifend auch zukünftige Wandlungen physikalischer Gegebenheiten sein mögen.

Aus Kosmologie, Astrophysik, Hochenergie- und Elementarteilchenphysik kennen wir die riesigen öden Weiten unseres Universums, die durch das auf der Erde und möglicherweise auch woanders entwickelte Leben unendlich hoffnungsvoller, schöner und reicher werden können.

Man kann die Gesamtheit der Lebensformen auf der Erde als eine neue und höhere Art von Lebewesen ansehen, das sich in den riesigen toten Weiten unseres Universums vor 4 Milliarden Jahren über die Technik von Biochemie und Molekularbiologie zu entwickeln begann.

Es ist eine neue Sicht unter vielen anderen Sichtweisen möglich: Alle Lebensformen der Erde bilden zusammen ein Lebewesen höherer Art, das die Möglichkeit besitzt, sich in der Ewigkeit zu behaupten und zu heute noch ganz ungeahnten Hochleistungen und Wirkungen zu kommen.

Alle Kampfhandlungen von Menschen untereinander oder von Menschen gegen Tiere und Pflanzen sind wie eine Krankheit in einem Organismus, die zu seinem vorzeitigen Tod führen kann. Folgerung: Der Schutz der Tiere und Pflanzen schützt - bei Sicht auf große Zeiträume - am meisten die Menschen.

Daraus ergeben sich Forderungen an die rezenten geistigen Systeme:

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Beendigung der unbedingten Herrschaft des Menschen über Tiere und Pflanzen mit dem zwangsläufigen Ergebnis deren vollständiger Vernichtung.

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Beendigung der laufenden Vermehrung der Menschen auf der Erde und Abwendung der drohenden Überbevölkerung der Erde mit Menschen mit allen ihren entsetzlichen Folgen für Mensch und Tier.

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Bürgerrechte auf der Erde nicht nur für Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen.

 

Jede Handlung von Menschen, die sich gegen die lebendige Schöpfung richtet, unterminiert die Achtung des Menschen vor dem anderen Menschen. Zuerst Versuche mit Tieren, dann auch mit Menschen; zuerst Mißbrauch von Tieren, dann auch von Menschen; zuerst Massenmord an Tieren, dann auch an Menschen ...

Durch Geschichte und Alltag nachweisbar haben sehr viele Menschen ein Triebspektrum, in dem viele sittlich minderwertige und kulturell feindliche Triebe in erheblicher Stärke vorhanden sind, wie Grausamkeit, Vernichtungssucht mit Haß, Gier nach Macht und jeglicher Trieberfüllung, so daß die meisten Menschen nicht dazu geeignet sind, wirklich wissenschaftlich Experimente mit Tieren durchzuführen.

Solange viele Menschen so sittlich minderwertig sind, wie wir das laufend im Alltag erleben - und dazu muß man sich nicht auf Kriege und Bürgerkriege beziehen -, müssen die Menschen, die Versuche mit Tieren machen dürfen, sehr gut überprüft und laufend überwacht werden. Aber wer soll das tun ? Sehr oft macht man da den Bock zum Gärtner.

 

Keine Versuche an höheren Tieren durch unreife Menschen bei unreifer Technik

Es ist sehr zu bedauern, daß noch heute bei vielen Wissenschaftlern die Neigung besteht, lieber mit unvollkommen beherrschten klinischen Eingriffen z. B. an Makaken zu operieren, die mit abscheulichsten und gemeinsten Tierquälereien und Grausamkeiten verbunden sind, anstatt zu versuchen, solche Tiere in gute Pflegefamilien aufzunehmen und ihre geistigen, kommunikativen und sonstigen Leistungen so zu ermitteln, wie die Pflegeeltern (z.B. die Gardners in den USA) an ihren Schimpansenkindern.

Allein schon die Rückwirkungen grausamer Tierversuche auf die Experimentatoren sind so unkalkulierbar, daß man befürchten muß, daß sie solche Versuche am liebsten mit Menschen machen würden - und eine solche Haltung an ihre Medizinstudenten weitergeben. Dann ist es kein Wunder, daß vielen Ärzten Pfusch, Kunstfehler und Finanzmogeleien vorgeworfen werden - für sie sind die Patienten nur Versuchskaninchen.

Die grausamen Tierversuche unterminieren die sittliche Würde der Experimentatoren und ihrer Gesellschaft.

Außerdem ist der heutige Stand in der Medizintechnik viel zu mangelhaft, um wirklichen wissenschaftlichen Nutzen aus solchen Experimenten zu ziehen.

In späteren Zeiten, im Besitz einer vollkommenen Medizintechnik, kann man das in einem bedeutend größeren Ausmaß verantworten.

Vor allem ist aber der experimentierende Mensch selber in seiner sittlichen und geistigen Reife auch heute noch viel zu fragwürdig.

Wer garantiert, daß die Tierversuche wirklich in wissenschaftlicher Gesinnung durchgeführt werden und nicht nur deshalb, um

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der Erlangung eines akademischen Grades zu dienen,

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eine "wissenschaftliche" Veröffentlichung herausgeben zu können,

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irgendwo mitreden zu können,

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eigene innere Verklemmungen und triebhafte Abirrungen zu befriedigen usw. ?

 

Wie oft sagen und erleben wir in Geschichte und Alltag, daß Menschen fehlerhaft sind und sich leicht irren können. Ist es nicht äußerst verwerflich und unsittlich, unter diesen Bedingungen Versuche an höheren Tieren anzustellen ?

Zuerst einmal ist zu fordern, daß bei allen Anträgen auf Tierversuche von internationalen Kommissionen geprüft wird:

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Ist der betreffende Versuch bereits gemacht worden und hat er also überhaupt singulären wissenschaftlichen Wert ? Es muß verboten werden, daß Tierversuche gemacht werden, nur um einen akademischen Grad zu erwerben, etwas publizieren zu können oder um Kosmetika zu überprüfen.

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Läßt sich der beantragte Versuch nicht durch Computerprogramme oder über hochkomplexe Zellkulturexperimente an Pro- und Eukaryonten überprüfen ?

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Wie groß ist die durch den großen Grad der Grausamkeit zu befürchtende negative Rückwirkung auf die Psyche des Experimentators und auf die ganze Gesellschaft ?

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Wie werden Ärzte ihren Patienten gegenübertreten, wenn diese Ärzte bei solchen Experimenten mitgewirkt haben oder sie auch nur passiv bei der Ausbildung mitbekamen ?

Insbesondere ist zu prüfen, ob nicht gewisse Menschen, die so sehr auf Experimente an höheren Tieren pochen, nicht einfach nur geistesgestört sind oder auf billige Weise "wissenschaftlich" dort absahnen wollen, wo andere, sittlich höherstehendere Menschen zurückschrecken.

 

Experimente an Tieren, die oberhalb einer Maus stehen, dürfen bei den heutigen unvollkommenen und fehlerhaften Menschen und technisch-wissenschaftlichen Verfahren nicht zugelassen werden.

Viele Experimente sind ohne wissenschaftlichen Wert und Nutzen, und keiner kann garantieren, daß diese Grausamkeiten nicht auf die betreffenden Menschen und die Gesellschaft zurückwirken.

Eine Kopplung zwischen Bereitschaft zu Tierversuchen und Menschenverachtung zeigte die chinesische Regierung: Wegen der Tierschutzbewegungen in Europa ließ die chinesische Regierung das Angebot an die westliche Welt abgeben, daß alle Tierexperimente ohne Kontrolle durch Tierschützer usw. in China durchgeführt werden können. Gerade China ist ja wegen seiner Verstöße gegen die Menschenrechte bekannt. Daraus kann man leicht sehen, wie zwingend wichtig es ist, Tierquälereien und Massenmorde an Tieren zu verbieten, um Quälereien von Menschen in Gefängnissen und Massenmorde an Menschen zu vermindern.

Das zeigt auch, daß der Tierschutz unbedingt international zu organisieren ist. Was nützt es, wenn in dem einen Land mit größten Mühen die Tierexperimente verboten werden, und in den anderen Ländern werden sie dann ohne jede Kontrolle und Hemmung durchgeführt.

 

Es muß viel mehr mit internationalen Organisationen und Massenprotesten beim Tierschutz operiert werden. Die Meinung von Bernhard Grzimek dazu: Die Mühen um die Erhaltung der Wisente in Europa ab 1914 beweisen, daß der Tierschutz nur international erfolgreich sein kann.

Dian Fossey meldete ein Primatendrama aus Ruanda, in das ein deutscher Zoo verstrickt war: 1974 ließ die Regierung von Ruanda 2 Gorillakinder für den Kölner Zoo fangen, wobei nicht klar wurde, ob als Geschenk oder im Auftrag dieses Zoos. Beim Fang wurden 10 erwachsene Gorillas getötet. Fossey bekam die beiden Kinder im Alter von 1,5 und 2 Jahren auf ihre Forschungstation in Karisoke und päppelte sie mühsam wieder hoch. Aber nach 67 Tagen wurden die beiden Berggorillakinder - trotz zahlreicher internationaler Proteste - nicht wieder in Freiheit gesetzt, sondern an den Kölner Zoo ausgeliefert und starben 9 Jahre später im Kölner Zoo im selben Monat an Lungenentzündung. Die Namen der beiden Kinder waren Coco und Pucker Puss. Das wurde bestätigt durch Walter Baumgärtel, Wirt vom Hotel Travellers Rest in Kisoro und Ehrenwildwart.

Während sehr gute Zoodirektoren wie Bernhard Grzimek sich mit allen Kräften für die Erhaltung der Tierwelt einsetzen und in ihren Tiergärten Tierkinder von liebevollen Pflegerinnen wie Frau Ellen Wolf - beide im Frankfurter Zoo - aufgepäppelt werden, damit sie in Freiheit gesetzt werden können, tragen andere Leiter zoologischer Gärten zum Tiermord bei.

 

Menschenaffenkinder werden in der Natur mit sehr viel mütterlicher Liebe aufgezogen. Unter Einsatz ihres Lebens beschützen alle erwachsenen Familienmitglieder gemeinsam ihren Nachwuchs. Ganze Familien werden getötet, um wenige Affenkinder zu bekommen. Und dann sterben weit über 50% der gefangenen Affenkinder bei Tierhändlern und auf dem Transport zu den Zoos.

 

1993 war das Jahr der Aufdeckung unredlichen und bestechlichen Verhaltens von Politikern von Italien bis Japan.

Ein einschlägig bekannter deutscher Tierhändler soll am 3.9.1988 europäischen Zoos westafrikanische Gorillas mit Ausfuhrpapieren angeboten haben. Es ist zu untersuchen, ob das stimmt und wie er die Genehmigungen erhielt und von wem. Es wird berichtet, daß es unlautere Beziehungen zwischen diesem international tätigen Tierhändler und deutschen Ministerpräsidenten gab.

Es zeigt sich die Möglichkeit folgender Komplizenschaft: "Du treibst mir in Afrika einen Kudu vor das Gewehr, und dafür vermindern wir Deine Steuerschuld."

Frühere Prozesse in diesem Umfeld - über die eigenartige Begebenheiten erzählt werden - sind unter dem Aspekt der möglichen Regierungskriminalität mit verbotener Einflußnahme von Politikern auf Justiz und Staatsorgane wieder aufzurollen.

 

Umweltschutz auf dem Wege zur Paradiesformung

In Deutschland ist der Umweltschutz gewaltig gewachsen, aber dieser - schon wieder konventionelle - Umweltschutz reicht zum Schutz der Erde nicht aus. Die Völker und Staaten der Erde müssen aufhören, in den Tag hinein zu leben und zu glauben, daß die gegenwärtigen lebensfreundlichen physikalischen Gegebenheiten immer so bleiben werden. Wir müssen uns wissenschaftlich, technisch und sittlich dazu rüsten, Naturkatastrophen wie Einschläge großer Meteoriten und Asteroiden auf der Erde, Dürrezeiten, Eiszeiten usw. technisch abzuwenden und zu beherrschen. Die Menschen müssen zu Hütern des Lebens werden. Hier ist der Vereinigung Green Peace ein großer Dank für ihren Einsatz für Tier- und Umweltschutz auszusprechen. Wichtig ist, daß Tier- und Umweltschutz eine solide theoretische Gründung erhalten.

Wir müssen den Umweltschutz, Tier- und Pflanzenschutz begreifen als Vorformen der Erdenformung aller geeigneten Welten in unserem Sonnensystem und der Paradiesformung im weitesten Sinne durch unsere genveredelten, vom Bösen befreiten Nachkommen.

 

Laßt die heute noch lebenden nächsten Verwandten der Menschen überleben !

Noch zu Lebzeiten Fosseys wurden Touristen nach Karisoke geholt, um Devisen ins Land zu bringen. Auf diese Weise konnte die eingeborene Bevölkerung davon überzeugt werden, daß Gorillas und Regenwald nicht nutzlos sind, sondern Geld bringen. Vielleicht können sie dadurch überleben.

Die ehemalige Forschungsstation von Jane Goodall, einst weitläufig mit der freien Savanne verbunden, ist heute eine kleine Insel in wirtschaftlich genutztem Gebiet. Vielleicht können die Schimpansen darin überleben.

Auf Java, Sumatra und Borneo, im gesamten Südostasien, das heute in den Rang einer Industriemacht aufsteigen will, werden laufend Wälder und Dschungelgebiete gerodet. Nur noch an wenigen Orten haben sich Orang Utans in freier Wildbahn gehalten. Auch hier hat man Wildschutzgebiete eingerichtet, in denen sie vielleicht überleben können. Das macht Birute Galdikas.

Äußerst bedenklich ist: Ausrottung der phylogenetisch nahestehendsten Formen wurde dem Menschen über seine Evolution in das Triebspektrum geschrieben. Darum gibt es heute auch nur noch den Homo sapiens sapiens und sonst keine andere Menschenart oder -unterart mehr.

 

Tierschutzbestrebungen

Vitus Dröscher (Hrsg.) "Rettet die Elefanten Afrikas" Rsch und Röhring Verlag 1990

M. und M. Reardon "Etoscha" Landbuch-Verlag 1982

Die Etoscha-Pfanne, ein riesiger ausgetrockneter See, liegt in Namibia, im Südwesten von Afrika. Dieses Gebiet ist ein Rückzugsgebiet vieler Tierarten und wird wie viele ähnliche Gebiete in Afrika von politischen Unruhen mit militärischen Exzessen bedroht. Das ausgetrocknete Seengebiet, das nach ausgiebigen Regenfällen wieder zu einem großen, flachen Wassergebiet wird, umfaßt 6000 qkm. Noch heute leben dort große Herden von Elefanten, Zebras, Gnus, Oryxantilopen, Springböcken, Kuh- und Elenantilopen. Es gibt viele Vögel, auch die großen Strauße. Zahlreiche Raubtiere wie Löwen und Geparden leben von den großen Tierherden, die durch Kriege und Stammeskämpfe benachbarter Länder - Zimbabwe, Ovamboland, Angola - extrem bedroht sind. Weiter gibt es Nashörner, Giraffen, Kudus, Warzenschweine, Erdhörnchen, Warane, an Raubtieren noch Mangusten, Marabus, Schakale, Hyänen und Geier.

Das Drama des Tiersterbens im heutigen Afrika ist bekannt, aber was kann man wirklich dagegen tun ? Das fragte schon B. Grzimek in seinem Film "Afrika Adieu". Elefanten werden zu Tausenden von Wilderern mit Maschinenwaffen getötet. Die Schätzung beläuft sich auf etwa 100000 gewilderte Elefanten pro Jahr. Hauptabnehmer für gewildertes Elfenbein: Ostasien bis China, Japan, Hongkong, Südkorea und Taiwan. Dort werden ebenso bevorzugt die Horntrophäen von Nashörnern verkauft.

Aber Europa und USA nehmen auch zusammen um 30% der gesamten Elfenbeinbeute pro Jahr ab.

Kann man nicht zumindest den Verkauf von Elfenbein nach USA und Europa verhindern, auch aller daraus gefertigter Gegenstände ?

In Kenia, Tsavo, Somalia und anderen afrikanischen Staaten wurden Elefanten zu Zehntausenden von marodierenden Soldaten hingemäht. Nach den Bürgerkriegen dringen mit Maschinenwaffen ausgerüstete Wildererbanden weit auf Gebiete anderer afrikanischer Staaten vor und veranstalten dort Gemetzel und Räubereien.

Während der politischen Wirren um Idi Amins Vertreibung wurden die Nashörner in Uganda von marodierenden Soldaten ausgerottet. Ähnlich lagen übrigens die Verhältnisse bei der Ausrottung der Wisente in Osteuropa in der Zeit des 1. Weltkriegs.

Früher waren schießwütige Europäer für die Großtiere Afrikas eine Bedrohung, heute stellen Wildererbanden mit modernen Waffen eine vielfach größere Bedrohung dar. Nicht nur Afrika ist Schauplatz von Massenmorden an Tieren.

Der Weltumsegler Rollo Gebhard protestierte gegen die großen Fangnetze, mit denen japanische und andere ostasiatische Fischereiflotten den Pazifik leerfischen und viele Tiere töten, die gar nicht zur Nahrungsmittelherstellung verwertet werden - Delphine und Kleinjungfische. In diesen hauchdünnen Netzen verfängt sich und stirbt alles Leben im Meer.

 

Internationale Tierschutzversuche

Tierschutz muß international organisiert werden, aber alle Bestrebungen zum Tier- und Menschenschutz sind langfristig zum Scheitern verurteilt, wenn die Menschen sich auf der Erde weiterhin unkontrolliert vermehren. Die drohende Überbevölkerung der Erde mit Menschen wird jeden für Tiere noch verfügbaren Lebensraum zerstören und damit die Basis der freilebenden Tiere. Aber die drohende Überbevölkerung wird auch die Menschen und ihre Kulturwerte zerstören. Internationale Tierschutzvereinigungen und -abkommen:

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Seit den 1960er Jahren sind die Affenforscher in der "International Primatological Society" zusammengschlossen.

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Die International Primate Protextion League (IPPL) versucht den Mißbrauch von Primaten in Forschungszentren und Labors zu verhindern.

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Washingtoner Artenschutzabkommen (WA). In Anhang I des WA ist eine Liste der Tiere angegeben, die nicht getötet und nicht gehandelt werden dürfen. Der afrikanische Elefant ist ab dem 18.1.1990 in WA Anhang I aufgenommen worden.

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Convention on International Trade of Endangered Species of Fauna and Flora (CITES). Angeblich sollen Mitarbeiter nationaler Vertretungen der CItes in verbotenen Elfenbeinhandel verwickelt sein ...

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Internationale Tierschutz-Fond (IFAW)

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Gesellschaft zum Schutz der Meerestiere (GSM).

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Die International Union for the Conservation of Nature (IUCN) und der bekanntere World Wildlife Fond (WWF) widmen sich dem Tierschutz generell.