Artenwandel, Artenneuentstehung und Artentod II

Vor- und Frühgeschichte, Megalithikum

 

1 Entwicklung von Urmensch und Mensch

 

1.1  Aufstieg und Ende der Menschheit

 

Herbert Kühn

"Wenn Steine reden", F.A. Brockhaus Verlag 1966

Hans Baumann

"Die Höhlen der großen Jäger", Ravensburger Taschenbücher - Otto Maier Verlag Ravensburg 1972

Rudolf Drößler

"Kunst der Eiszeit", Koehler & Amelang Verlag 1980

Ernst Probst

"Deutschland in der Urzeit", Bertelsmann Verlag 1986

Wilhelm Gieseler

"Die Fossilgeschichte des Menschen", Gustav Fischer Verlag 1974

John A.J. Gowlett

"Auf Adams Spuren", Herder Verlag 1985 (1984)

David Lambert

"Alles über die Frühmenschen", Arena-Verlag 1988 (1987)

Hansjürgen Müller-Beck u.a.

"Urgeschichte in Baden-Württemberg", Konrad Theiss Verlag 1983

Jean-Pierre Mohen

"Megalithkulturen in Europa", Belser Verlag 1989

Hermann Müller-Karpe

"Geschichte der Steinzeit", C.H. Beck Verlag 1976

Jean McMann

"Rätsel der Steinzeit", Gustav Lübbe Verlag 1980

Henri J. Hugot/Maximilian Bruggmann

"Zehntausend Jahre Sahara", Verlag C.J. Bucher 1976

Franz Haller

"Die Welt der Felsbilder in Südtirol", Hornung Verlag 1978

Edith Ebers/Franz Wollenik

"Felsbilder der Alpen", Burgfried-Verlag 1980

 

Geschichtsbücher dürfen nicht mit einigen Seiten "Vorgeschichte" anfangen - in der Art einiger Wilder mit groben Steingeräten und plumpen Tonurnen - und dann schon bald darauf bei Sumer, Ägypten und Hellas mit Sargon, Ramses II und Solon sein. Dieses überalterte Bild von der Vor- und Frühgeschichte der Menschen ist grundlegend zu wandeln und der wahren Entwicklung der Menschheit anzupassen. Die Geschichte des Menschen beginnt nicht mit Sumer und Ägypten, nicht mit den wunderbaren Höhlenmalereien des Magdalenien, nicht einmal mit den kunstvollen retuschierten Schabern des Perigordien, und auch nicht mit der Würmeiszeit, deren Beginn auf etwa 75000 v.Chr. angesetzt wird. Richard Leakey hat anscheinend nachgewiesen, daß es dem heutigen Menschen sehr ähnliche Hominidien schon vor 130000 Jahren in Ostafrika am Omoo-Fluß gegeben hat.

Nach dem vermuteten Klimaoptimum in der Eem-Warmzeit, die von 125000 bis 75000 v.Chr. dauerte (und etliche kleinere Eis- oder nur Kaltzeiten enthielt), kam wieder eine Klimaverschlechterung, die in Eurasien und Nordamerika zu 2 Vereisungen führte: Würm I hatte um 47000 v.Chr. sein Maximum und Würm II um 18500 v.Chr., aber beide Hauptglaziale dauerten viele Jahrtausende und waren in viele kurzfristigere Klimazyklen (Klimazyklus = Folge von Glazial und Interstadial) unterteilt.

Zu Beginn der Würmeiszeit um 75000 v.Chr. lebte in Europa und Nordafrika als Unterart des Homo sapiens der Homo sapiens neanderthalensis (Neandertaler, Urmensch, Altmensch), und nach heutiger Kenntnis auch die andere Unterart, der Homo sapiens sapiens (Mensch) in Ostafrika mit einem Entstehungszentrum am Omo-Fluß vor 130000 Jahren.

Um 75000 v.Chr. wohnten in der Petershöhle bei Hartenstein (Velden) in Franken schon klassische Neandertaler. Früheste Belege für den Menschen – aus der Zeit um 30000 v.Chr. - gibt es aus Baden-Württemberg aus den Höhlen des Lonetals (Vogelherdhöhle).

Zur Entwicklung der Hominiden in vorheriger Zeit siehe Modul G in AIONIK VI, Bücher von G.H.R. von Koenigswald, Davidson Black, Eugene Dubois, Franz Weidenreich, Robert Broom, Raymond Dart, L.S.B. + M. + R. Leakey, Donald Johanson, ...) und ihre geistigen Väter wie Charles Darwin und Ernst Haeckel.

Das ist der Anfang der Menschheit, ihren Aufstieg kennen wir, der bis heute zum Stand einer Technischen Zivilisation (TZ) auf der Erde bei einer Erdbevölkerung von mehr als 6 Milliarden Menschen geführt hat. Die Menschheit verdankt ihre Entstehung dem Gesetz von Artenwandel, Artenneuentstehung und Artentod, das auch bei der Gattung Homo, die vor etwa 2,4 Millionen Jahren entstand, seine völlige Gültigkeit hat. Davon wird auch die Zukunft der Menschheit bestimmt werden, ihr Übergehen in höher entwickelten Arten der Gattung Homo. Die Geschichte der Menschheit ist zu Ende, wenn der Übergang des Menschen zu höheren, vollkommeneren Vertretern der Gattung Homo vollzogen ist und der Aufstieg neuer, sehr viel höher entwickelter Vertreter der Gattung Homo begonnen hat, wobei diese sehr viel vollkommeneren Hominiden die TZ in unserem Sonnensystem übernommen haben und vorantreiben mit einem Geschick und Sachverstand, einer Ethik und Paradiesformung, wie das dem Menschen mit dem Bösen in sich und seiner geistigen und sonstigen körperlichen Beschränktheit nie möglich gewesen wäre. Während durch das weitere Wirken des Menschen mit dem Bösen in sich in unserem Sonnensystem nur völlige Vernichtung von Leben und Zivilisation drohen, gibt es bei den höher entwickelten Nachfolgern der Menschen, die frei vom Bösen sind, Hoffnung auf ein Sonnensystem voller Leben mit ewigen Paradiesen.

 

 

1.2  Eem-Warmzeit (125000 bis 75000 v.Chr.)

 

Sowohl der Neandertaler als auch der Mensch sind bis vor 130000 Jahren in der Riß- oder Saale-Eiszeit entstanden, der Neandertaler in Westeuropa bis Asien, der Mensch in Ostafrika in der Ungebung des Omo-Flusses. Die Riß- oder Saale-Eiszeit hatte eine viel größere Vergletscherung Europas und Asiens bewirkt als die Würm-Eiszeit. Zu Beginn der Eem-Warmzeit stieß das Nordmeer nach Süden vor und überflutete die Becken von Nord- und Ostsee, die bis dahin Festland gewesen waren. Die neue Ostsee war bedeutend größer als die Ostsee in heutiger Zeit, und sie trennte durch einen Meeresarm Skandinavien vom europäischen Festland. Nach dem Rückzug der Gletscher der Rißeiszeit entstanden Birken- und Kiefernwälder, die später von Eichenmischwäldern mit Ulmen, Hasel, Linde und Eibe verdrängt wurden. Darauf folgten Hainbuchenwälder, und beim Übergang zur Würmeiszeit kamen erneut die Birken- und Kiefernwälder auf, bis sie ihrerseits von der Kältesteppe (Tundra) abgelöst wurden. Funde fossiler Pflanzen bei Stuttgart-Cannstadt, Weimar-Ehringsdorf und Zeifen am Waginger See, Oberbayern, belegen ein mildes Klima durch wärmeliebende Pflanzen in der Eem-Warmzeit: Stein-, Traubeneiche, Sommer-, Winterlinde, Efeu, Lebensbaum, südeuropäische Schwarzkiefer, Buchs, Stechplame und thüringischer Flieder. Wahrscheinlich sind auch die Warmzeiten (Thermale) in viele Klimazyklen (Folge von echter Warmzeit und kälterer Zeit) aufgeteilt.

 

Tierwelt

Wichtige Fossilien wurden unter Travertin verwahrt, der eine schützende, sehr feste Kalksinterschicht darüber legte. Das war um 350000 v.Chr. in Thüringen bei Bilzingsleben der Fall, wo ein Jagdplatz des Homo erectus von einer festen Travertinschicht bedeckt wurde, bei Weimar-Ehringsdorf oder bei Stuttgart-Untertürkheim, wo man im früheren Biedermannschen Steinbruch in Kalksinter eingeschlossen viele Fossilien fand. Man kann beim Travertin mehrere Schichten unterscheiden, die verschiedenen Klimaepochen angehören:

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Unterer Travertin: Fossilien von Eichenmischwald, Waldelefant, Wildkatze, Riesen-, Rothirsch, Reh - Hinweis auf mildes Klima.

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Oberer Travertin: Steppennagerschicht, Mammut, Wollnashorn, Ren, Rothirsch

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Hinweis auf kaltes Klima. In den langdauernden warmen Abschnitten der Eem-Warmzeit gab es in Mitteleuropa Löwen, Waldelefanten, Waldnashorn, Wildschwein und Damhirsch. Große Flußpferde lebten in der Oberrheinebene und in England. Bei Weimar gab es Leoparden - eine afrikanische Fauna.

 

Hominiden der Eem-Warmzeit

Der Sapientierungsprozeß vom Homo erectus zum Homo sapiens begann etwa vor 400000 Jahren und führte über Stufen, die vermutlich den gefundenen Fossilien entsprechen (Auswahl von Funden, Daten öfters noch unsicher):

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Swanscombe an der Themse bei London (350000 v.Chr., 1300 ccm Gehirnvolumen, Begleitfauna einer Warmzeit mit Elefant und Nashorn),

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Steinheim an der Murr (300000 v.Chr., 1150 ccm Gehirnvolumen, Begleitfauna einer Warmzeit),

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Montmaurin bei Toulouse (300000 v.Chr.),

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Höhle von Arago bei Tautavel (200000 v.Chr.),

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Höhle von Fontechevade (110000 v.Chr., 1400 ccm Gehirnvolumen, Begleitfauna mit Hirsch, Nashorn und Bär), ähnliche hominide Fossilien gefunden bei Ehringsdorf bei Weimar sowie Saccopastore und Quinzano in Italien,

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Broken Hill (Kabwe), Sambia (125000 v.Chr., 1300 ccm),

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Hopefield bei Saldanha Bay in Transvaal,

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Höhlen im Makapantal, Unterkiefer von Kanam,

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Omo I (130000 v.Chr., 1400 ccm), sehr ähnlich dem Menschen,

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Omo II (130000 v.Chr., 1400 ccm), mit vielen Merkmalen des H. erectus,

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Border-Höhle in Südafrika (60000 v.Chr.),

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Niah-Höhle bei Sarawak, Malaysia (40000 v.Chr.),

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Florisbad, Fish Hoek, Südafrika (40000-36000 v.Chr.).

Zu Beginn der Würmeiszeit war der klassische Neandertaler bereits voll entwickelt. Richard Leakey meldete 1967 den Fund von Fossilien am Omo-Fluß in Ostafrika, die er zwei verschiedenen Typen zuordnete (beide mit 1400 ccm Gehirnvolumen aus der Zeit um 130000 v.Chr.):

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Omo I: Sehr dem Homo sapiens sapiens ähnlich, Kinn, dünnere Knochen als beim Homo erectus, gewölbte Schädelseiten, mit Überaugenwülsten, aber insgesamt modern.

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Omo II: Breite Basis, Hinterhauptsknochen gewinkelt, große Ansatzflächen für Halsmuskeln, dicke Schädelknochen, sehr ähnlich dem Homo erectus.

Beide Schädel stammten aus derselben Schicht und wurden 1 km voneinander gefunden. Ist das auf eine reine statistische Schwankung des Knochenbaus derselben lokalen Bevölkerung zurückzuführen ? Trotz der großen Unsicherheit der Gehirnschädelinhalte und zeitlichen Einstufungen (siehe die Flops um Piltdown-Mensch und den Homo-Schädel 1470) ist damit recht wahrscheinlich geworden, daß auch der Mensch bis zum Beginn der Würm-Eiszeit die Bühne des Lebens betreten hatte. Sicher ist, daß er sämtliche Angehörigen anderer hominider Populationen ausgelöscht hat, durch Tötung und Assimilation. Nur in Australien hielten sich noch einige Hominiden vom Typ Homo erectus bis z.Z. um 8000 v.Chr. bei Kow Swamp, 3000 km von Mungo. 1968 fand man dort 17 Skelette mit ganz deutlichen Homo erectus-Merkmalen. Man kann darum nicht allzu falsch liegen, wenn man die Epoche des Menschen – das Anthropozoikum - auf der Erde um 100000 v.Chr. nominell beginnen läßt. Man kann für eine bessere Sicht auf langfristigere Prozesse eine Zeitskala einführen wie 100000 v.Chr. = 1 n.M. (Jahr 1 nach Auftreten des Menschen), die den nominellen Beginn des Anthropozoikums als Zeitnullpunkt besitzt. Das ist nur als Denkanstoß zu sehen. Für die jüngere Geschichte ist der bisherige Zeitnullpunkt "n.Chr." natürlich viel bequemer und nützlicher. Seit mindestens 100000 Jahren gibt es auf der Erde Lebewesen, die denken und fühlen wie Sie und ich. Das entspricht einer Folge von 4000 Generationen, mit Leben, Erkennen, Fragen, Irren, Lieben, Leiden und Sterben.

 

Das sehr gebrochene Verhältnis vom Menschen zum Neandertaler (Urmenschen)

Es wird hier auf die zahlreichen Schmähschriften über den Neandertaler seit seiner Entdeckung in der Mitte des 19. Jahrhunderts verwiesen. Sie können in Büchern über Paläoanthropologie, Vor- und Urgeschichte nachgelesen werden. Vermutlich waren sie etwas voreilig ausgesprochen. Die ersten Zeugnisse höherer geistiger Regungen sind merkwürdigerweise nicht vom Menschen (Homo sapiens sapiens), sondern vom Urmenschen oder Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis) aus der Zeit um 75000 v.Chr. bekannt. Erst als die Menschen mit Neandertalern oder Kälte und Eis konfrontiert wurden, setzte ihre geistige Entwicklung explosionsartig ein. Das war ab 40000 v.Chr. der Fall, innerhalb von 10000 Jahren von Ost- nach Mitteleuropa fortschreitend. Nachweislich lebten Urmenschen und Menschen für mindestens 10000 Jahre zur selben Zeit in denselben Gebieten. Das war im Nahen Osten und auch in Mähren der Fall - und gerade dort entwickelten sich auch die ersten Kulturzentren der Menschen vor mehr als 25000 Jahren - ein Zufall ? Man hat den Neandertaler als einen stumpfsinnigen Trottel der letzten Eiszeit bezeichnet, muskelbepackt und völlig an die Kälte angepaßt. Der Neandertaler lebte aber nicht nur in Europa und Asien, sondern auch in Nordafrika, und dort waren z.Z. der Glaziale Regenzeiten (Pluviale). Man kann als gegensätzliche Arbeitshypothese annehmen, daß der Neandertaler mit seinem um 10% größeren Gehirn als das des Jetztmenschen recht intelligent war, vermutlich sprachlich und manuell weniger geschickt als der Mensch, sehr viel mehr dem Mystischen und Animalischen verhaftet als der Mensch, kalten Regionen und sehr schweren Lebens- und Witterungsbedingungen angepaßt. Aus den Ansatzflächen an den gebogenen Langknochen konnten die Paläoanthropologen ziemlich sicher zurückschließen, daß der Neandertaler als muskelbepackte Gestalt sehr viel kräftiger war als der Mensch. Wie die Begräbnisfunde zeigen, hatte der Neandertaler die Fähigkeit, eine entsprechende Tradition und Kultur zu entwickeln, was nicht ohne eine gewisse Intelligenz und akustische Sprachfähigkeit geht. Schon der Neandertaler besaß vor 70000 Jahren eine Vorstellung von einem Leben nach dem Tode, von einem "Andern Land", den "Glücklichen Jagdgründen", dem Jenseits ... Vor 40000 bis 30000 Jahren ist der Zeitraum, in dem die Neandertaler aussterben. So wie wir den Menschen seit Jahrtausenden selber erleben, gab es gewiß zwischen diesen beiden Unterarten der Species Homo sapiens einen permanenten Rassenkrieg, den der Mensch als der vermutlich rücksichtslosere und bösartigere Hominide gewann. Das Unbehagen darüber kann man an den vielen Schmähschriften gegen den Neandertaler seit seiner Entdeckung 1856 ersehen, und dieses Unbehagen ähnelt sehr dem über das heutige Verschwinden der uns am nächsten stehenden Primaten, der Menschenaffen. Je geringschätziger man über die eigenen Opfer redet, um so geringer erscheint einem die eigene Schuld und um so größer die Berechtigung, selber so gehandelt zu haben.

 

 

1.3  Die Würmeiszeit (75000 bis 8300 v.Chr.)

 

Der Beginn der Würmeiszeit wird auf 75000 v.Chr. festgesetzt, ihr Ende auf 8300 v.Chr mit dem Ende von Dryas III, dem letzten Gletschervorstoß im Spätglazial von Würm II (2. Hauptvergletscherung der Würm-Eiszeit). Die Würm-Eiszeit brachte geringere Gletschervorstöße als die Riß-Saale-Eiszeit zuvor. Die weiter auseinanderliegenden Gletscherfronten der von Norden nach Süden vorstoßenden nordischen Gletscher und der von Süden nach Norden vorstoßenden alpinen Gletscher ermöglichten deshalb einen größeren eisfreien Lebensraum für die eiszeitliche Flora und Fauna. Ob das für die Neandertaler (Mousterien-Kultur in Würm I mit Kältemaximum um 47000 v.Chr.) und die Cro Magnon-Menschen (Solutreen, Aurignacien und Magdalenien in Würm II mit Kältemaximum um 18500 v.Chr.) eine große Bedeutung hatte, ist noch unklar. Bis 38000 v.Chr. war die Neandertalerpopulation in Westeuropa zumindest sehr ausgedünnt, aber im Nahen Osten lebten noch um 15000 v.Chr. Neandertaloide mit Mousterien-Industrie (Definition der Begriffe siehe H.J. Müller-Beck). Wäre die Würm-Eiszeit genauso streng gewesen wie die Riß-Eiszeit, hätte der Neandertaler nicht in Mittel- und Westeuropa bis 35000 v.Chr. (?) ausharren und der Cro Magnon nicht um diese Zeit nach Westeuropa einwandern können. Das nicht so strengkalte Klima und die größeren Tundraflächen ermöglichten das Bestehen einer reichen Eiszeitfauna als Basis für das Überleben von Urmenschen und Menschen. In der Phase des Hochglazials von 18000 bis 16000 v. Chr. stießen aber dennoch die nordischen und alpinen Gletscher so weit vor, daß nur ein um 600 km breiter Korridor mit Tundrabewuchs zwischen ihnen verblieb. Die nordischen Gletscher stießen bis Brandenburg vor. Beim Rückzug der Gletscher nach dem Hochglazial gab es noch 3 kleinere Eiszeiten, Älteste Dryas, Ältere Dryas und Jüngere Dryas im Spätglazial, wo nach Gletscherrückzügen und Haltephasen auch wieder Gletschervorstöße auftraten. Im Spätglazial bildeten sich dem Rückzug und den Haltephasen der Gletscher entsprechend aus den Gletschern Schmelzwasser, die bei den Endmoränen aus Gletschertoren hervorströmten und die Urstromtäler schufen: Glogau-Baruther, Warschau-Berliner und Thorn-Eberswalde Urstromtäler. Die Nordsee zog sich in der Würm-Eiszeit um mehrere Hundert Kilometer nach Norden zurück, wodurch England mit dem Kontinent verbunden wurde. Die Elbe floß bei der Doggerbank in die Nordsee, Themse und Rhein mündeten in einen Fluß, der etwa in der Mitte des Gebiets des späteren Ärmelkanals nach Westen floß und in den Atlantik mündete. Die Flußtäler der ehemaligen Flüsse können heute auf dem Grunde der Nordsee verfolgt werden.

 

Übersicht Würmeiszeit

 

Frühglazial

75000 bis 18000 v.Chr.

Hochglazial

18000 bis 16000 v.Chr.

Spätglazial

16000 bis 8300 v.Chr.

 

Zuordnungen zu Kulturstufen von Homo sapiens:

Frühglazial

(Mousterien)

75000 bis 35000 v.Chr.

 

(Perigordien, Aurignacien)

35000 bis 18000 v.Chr.

Hochglazial

(etwa Solutreen)

18000 bis 16000 v.Chr.

Spätglazial

(insbesondere Magdalenien, aber auch ins Azilien reichend)

16000 bis 8300 v.Chr.

                                  

 

Genauere Einteilung der Würmeiszeit

 

Beginn

(Zeitangaben in Jahren v.Chr.)

Bezeichnung

Bemerkungen zu Epochen der Würmeiszeit

75000 v.Chr.

Frühglazial

Beginn der Würmeiszeit und des Auftretens des klassischen Neandertalers in Europa, Nahem Osten und Nordafrika

Beginn des Mousterien

66000 v.Chr.

Amersfoort-Interstadial

Warmphase, Blütezeit der Höhlenbären beginnt

64000

 

Kaltphase

62000

Broerup-Komplex

Warmphase

60000

 

Kaltphase

58000

Odderade-Interstadial

Warmphase

- - - - - - - -   Auftreten des Homo sapiens sapiens im Nahen Osten   - - - - - - -

47000

 

Kaltphase, Maximum von Würm I, der ersten Vergletscherung Nordeurasiens

42000

Moershoofd-Interstadial

Warmphase

- - - - - - - -   Auftreten des Homo sapiens sapiens in Osteuropa   - - - - - - -

40000

 

Kaltphase, Tundra mit üppiger Krautvegetation, viele Eiszeittiere

- - - - - - - -   Aussterben des klassischen Neandertalers   - - - - - - - - -

in Europa und Nordafrika

37000

Hengelo-Interstadial

Warmphase, Einwanderung des CroMagnon-Menschen nach Europa

- - - - - - - - - -   Neandertaler in Europa ausgestorben   - - - - - - - - -

Auftreten des Homo sapiens sapiens in Westeuropa

Mittelglazial-Aurignacien

35000

 

Kaltphase

30000

Denekamp-Interstadial

Warmphase, Tierplastiken aus Höhlen im Lonetal, Baden-Württemberg

27000

 

Kaltphase Beginn von Würm II

Tierplastiken und Frauenstatuetten aus Elfenbein in ganz Europa, Ausbildung eines großen Kulturbereiches in Osteuropa (Ukraine, Mähren)

18500 bis 16500

Hochglazial-Gravettien

Extreme Kaltphase, Gletscher erreichen ihre maximale Ausdehnung

16000

Spätglazial-Magdalenien

 

13500

Älteste Dryas

Kaltphase, Silberwurz-Flora

Höhepunkt der Höhlenmalerei

11000

Bölling

Warmphase

10000

Ältere Dryas

Kaltphase, Beginn der Felsenmalerei ?

9800

Alleröd

Warmphase

9000

Jüngere Dryas

Kaltphase mit Gletschervorstoß

8300

Beginn des Holozän

Warmphase, Beginn der Felsengravuren ?

                                                   

Tierwelt in Mitteleuropa bis Würm II:

Mit dem Vordringen der Gletscher bildeten sich wieder Tundren mit der zugehörigen Kaltzeitfauna aus. Zuerst kamen Steppennager wie der Graulemming und andere Lemmingarten, dann folgten Mammut, Wollnashorn, Ren, Moschusochse und Saiga-Antilope (Paarhufer, bis 1,45 m lang). Nachgewiesen sind weiter: Biber, Wolf, Höhlenlöwe, Höhlenbär, Höhlenhyäne, Riesen-, Rothirsch, Elch, Auerochse, Steppenbison, Braunbär, Gemse, Steinbock und Pferd.

 

Fundorte

Besonders ergiebige Fundorte für Vielfraß, Luchs, Höhlenbär, Höhlenlöwe, Schneeleopard und andere Tiere sind:

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Zoolithenhöhle bei Burggailenreuth, Muggendorf, etwa ab 68000 v.Chr.,

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Petershöhle bei Velden, etwa ab 80000 v.Chr.

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Rabenstein bei Waischenfeld,

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Geißenklösterle und Vogelherdhöhle sowie andere Höhlen in Lonetal und Umgebung in der Schwäbischen Alb mit Fossilien von Wildpferd und Ren sowie von Artefakten vom Mensch (30000 - 25000 v.Chr.). Weitere Fundorte:

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Bärenhöhle bei Erpfingen (Blütezeit der Höhlenbären von 65000 bis 12000 v.Chr. ?)

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Emscher Tal bei Bottrop.

Wie im rezenten Sibirien und Alaska gab es Permafrostboden, der im Sommer oberflächlich auftaute, aber doch eine für die Eiszeittiere reichliche Vegetation ermöglichte: Gräser, Riedgräser, Wegerich, Sonnenröschen, Gänse-, Hahnenfuß, Kreuzblütler, Moose und Flechten. Zu Zeiten von Warmphasen gab es wärmeliebende Tiere wie den Leopard (Fundort: Baumannshöhle bei Rübeland, Harz), der dem rezenten Leoparden im Kaukasus ähnelte. Während wärmerer Phasen gab es in Süddeutschland Fichtenwälder, die zu der Schwefelkohle des Alpenvorlandes fossilierten. Beresowska-Mammut in Sibiren im Jahre 1900 n.Chr. gefunden, am Ufer der Beresowska: Schulterhöhe 3 m, um 3,50 m lange, gebogene Stoßzähne, das Gewicht um 6 t. Im Magen befanden sich etwa 12 kg Futterreste sommerlicher Pflanzennahrung (5 Arten von Gräsern, 2 Riedgrasarten, Thymian, Alpenmöhre, Scharfer Hahnenfuß). Das Mammut benötigte jeden Tag um 300 kg Futter. Im Dauerfrostboden Sibiriens wurden bis in rezente Zeit die Kadaver von 37 Mammuts gefunden, in Alaska immerhin 6 Mammutleichen. Es wurden auch Leichen von Wollnashörnern (bis 1,60 m hoch und 3,60 m lang) gefunden. Die Tiere fielen gewiß keiner globalen Katastrophe zum Opfer wie einer rapiden Klimaänderung, sondern einer persönlichen Katastrophe, als sie während einer Kaltphase (Mageninhalt !) etwa im Eis eines Flusses einbrachen oder in eine Toteisblockfalle im Boden stürzten. Die Höhlenbären, deren Skelette man zu vielen Tausenden in manchen Höhlen fand, fielen keinen globalen Katastrophen zum Opfer, sondern starben dort an Sauerstoffmangel, Entkräftung oder eines natürlichen Todes, wobei sich die Skelette über die Jahrzehntausende anreicherten. Ständige Begleiter der Hominiden waren ab 600000 v.Chr. Elefantenähnliche oder schon echte Elefanten oder Mammuts, Nashörner oder Wollnashörner, Bären und später besonders Höhlenbären, Löwen und Höhlenlöwen, Pferde und andere Tiere. Beispiele für Menschenfunde mit Begleitfauna (s. = sapiens):

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600000 v.Chr.: Homo erectus von Mauer bei Heidelberg

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350000 v.Chr.: Homo erectus von Bilzingsleben, Thüringen

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250000 v.Chr.: Homo s. anteneanderthalensis von Steinheim an der Murr

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75000 v.Chr.:Homo s. neanderthalensis, Europa und Nordafrika

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30000 v.Chr.:Homo s. sapiens, Vogelherdhöhle im Lonetal.

 

Verwendung von Fossilien durch die frühen Menschen

Etwa vor 28000 Jahren begannen die Schnitzereien von Perlen aus Elfenbein und fossilem Holz (Gagat) und das Interesse an Versteinerungen wie Ammoniten. Vor über 30000 Jahren begannen die Schnitzereien aus Elfenbein. Jahrhunderttausende früher waren Flint oder vulkanisches Glas bevorzugte Rohmaterialien zur Herstellung von Waffen und Geräten. Es folgen einige geologische Erläuterungen zu Hauptwerkstoffen der Steinzeit.

 

Einige Mechanismen der Versteinerung und Fossilierung

Definitionen: Inkohlung: Pflanzen werden zu Braun- oder Steinkohle. Verkieselung: Kalkschalen, Knochen oder Holz werden abgebaut und durch Kieselsäure Molekül für Molekül ersetzt (Pseudomorphose). Verkiesung: Kalkschalen, Knochen oder Holz werden durch Schwefelkies (Pyrit) oder Markasit ersetzt. Einkieselung: Hohlräume werden durch Kieselsäure aufgefüllt, was Steinkerne von fossilen Muscheln und Schnecken ergibt. Füllung von Hohlräumen von Organismen kann auch durch andere Sedimente erfolgen. Entkalkung: Bei Moorleichen z.B. werden die Knochen aufgelöst, die Haut gegerbt und bleibt dadurch erhalten.

 

Silikatgesteine (Baumaterial für Waffen und Geräte der Steinzeit)

Ein großer Teil des Erdmantels besteht aus Silizium, Magnesium und Aluminium in oxidierter Form. Das sind die Gesteine des plastischen bis flüssigen Magmas, darunter ist der glutflüssige Nickel-Eisen-Kern der Erde. Wasserarme Oxide des Siliziums (Verbindungen von Silizium mit Sauerstoff) in Form von Sand und Quarz findet man in großen Mengen auf der Erdoberfläche. Die Kieselsäure ist eine wasserhaltige Verbindung von Silizium und Sauerstoff (Sauerstoffsäure des Siliziums). Die Kieselsäure bildet Gesteine, die je nach zusätzlichen chemischen Bestandteilen und nach Wasseranteil und Art der Molekülketten unterschiedlich amorph, strukturiert, gefärbt, durchsichtig oder hart sind. Ihnen allen ist gemein, daß sie bei Schlag vorzugsweise nadel-, muschel- und scheibenförmig splittern. Das machte sie für die Steinzeitmenschen als Rohstoff für Steinmesser, Klingen, Schaber, Bohrer usw. interessant.

Kiesel ist eine alte Bezeichnung für Silizium oder siliziumhaltige Verbindungen. Das häufig in der Industrie zum Aufsaugen von flüssigen Stoffen verwendete Kieselgel (oder Kieselgur) ist eine fast reine, amorphe Kieselsäure mit vielen Poren und Hohlräumen.

Viele Silikatgesteine fallen in die Gruppen von Chalcedon und Jaspis (derber Chalcedon), die auch sehr viele Halbedelsteine wie Karneol und Achate in ihren vielen Spielarten enthalten (Achat = Onyx).

Derber Chalcedon (Jaspis), durch Manganoxyd bräunlich gefärbt, heißt Silex (auch gelb und braunrot gestreift). Alle diese Gesteine fallen in die allgemeine Gruppe der Quarze, das sind aus Siliziumdioxid aufgebaute Gesteine.

Darunter fallen auch

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Feuerstein oder Flint und

-

Hornstein, die beliebtesten Rohstoffe der Steinzeitmenschen.

Feuerstein und Hornstein sind öfters in Gesteinsformen ausgebildet, die einen organischen Ursprung haben (fossilierter Diatomeenschlamm, fossilierte Kieselschwämme usw.).

Frühe Lebewesen vor 1,4 Milliarden Jahren, Einzeller, begannen damit, sich einen Schutzpanzer aus Kieselsäure (Kieselalgen wie Diatomeen) oder aus anderen festeren Substanzen zuzulegen. Vor 900 Millionen Jahren begannen Mehrzeller damit, sich harte Schutzpanzer oder Stützskelette aus Silikat, Kalk, Phosphat oder anderen Materialien zuzulegen. Auf diese Weise wurden große Mengen an kieselhaltigen Sedimenten abgelagert, die einen organischen Bildungsprozeß durchgemacht hatten (= organischen Ursprung hatten) wie beim Kieselschiefer, der aus verfestigtem Radiolarienschlamm entstand.

Aus der Zeit des Kambriums (vor 570 Millionen Jahren) sind zahlreiche Sedimente mit vielen fossilen Kieselschwämmen bekannt. Die Schwämme stellen das Stützgerüst (Skelett oder seine Sklerite) von Tierkolonien dar, die im Meer leben und allmählich die Schwämme als ihre kollektive Wohnung aufbauen. Die winzigen Tiere leben in den Hohlräumen der Schwämme und filtern aus dem Meerwasser ihre Nahrung und Baumaterialien aus. Diese Schwämme fossilierten und wurden oft mit Kieselsäure ausgefüllt, so daß sie die bekannten Feuersteinknollen bildeten.

Feuerstein (Flint)

Er gehört zur Quarzgruppe, ist meistens blaugrau, manchmal bräunlich verfärbt, eine dichte Abart des Jaspis. Er ist häufig mit Opal vermengt, der ihm sehr ähnlich ist. Feuerstein und Opal unterscheiden sich nur geringfügig (durch Wasseranteil, geringe Beimengungen anderer chemischer Substanzen, Entstehungsursachen sowie Form der Molekülketten, was einen etwas anderen Aufbau des Gesteins bewirkt). Man findet den Feuerstein meistens in Gesteinen der Kreide, wo er schon vor dem Mesolithikum in Bergwerken abgebaut wurde.

Der Feuerstein ist gut zur Herstellung von Klingen geeignet, da er flachmuschelig bricht und retuschierte Kanten erzeugt werden können. Hornstein Er ist eine Form des Jaspis wie der Feuerstein. Seine Farbe ist grau bis gelblich, seltener grün, rot oder braun. Er ist dicht und undurchsichtig. Auch er ist in Knollenform in Ton- oder Kreidegesteine eingelagert und kann biologischen Ursprungs sein.

 

Die Herstellung der Faustkeile, Schaber, Bohrer, Splitter usw.

Während der Steinzeit, die vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann, bearbeiteten die Hominiden sehr unterschiedliche Gesteinsarten. Sie fanden heraus, daß sich bestimmte Gesteine besonders gut für die Herstellung von Waffen eigneten, und dazu gehörte vor allem der Feuerstein. Nach den verschiedenen Herstellungstechniken für Waffen und Geräte sowie nach den Waffen und Geräten selbst teilt man die Steinzeit in bestimmte Kulturstufen ein (siehe dort). Techniken der Steinbearbeitung wie die Levallois-Technik sind in der Literatur beschrieben. Es wird nachfolgend eine kurze Übersicht gegeben. Die zeitlichen Daten sind immer mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Als grobe Richtwerte sind sie heute aber wohl hinreichend.

 

Kulturstufen von Homo erectus, Praeneandertaler, Neandertaler und Mensch Pre-Chelleen,

Geröllgeräteindustrie vor mehr als 2,5 Millionen Jahren ?

Chelleen (nach dem Ort Chelles an der Marne im Norden von Brie, Frankreich, diese Kulturstufe wird auch Abbevillien genannt)

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Früheste Artefakte, zubehauene Faustkeile

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Älteste Steinwerkzeuge in Afrika vor 2,5 Millionen Jahren

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Älteste Steinwerkzeuge in Eurasien vor 2 (?) Millionen Jahren

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Unbehauene und zubehauene Geröllsteine, Werkzeuge, Geräte und Waffen aus

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Holz, Knochen und Zähnen. Kugelförmige, 5 bis 8 cm durchmessende Steine (Sphäroide) mit sehr vollkommener Kugelgestalt, häufig aus Quarzit.

Die Kugeln dienten als Waffen (Bolas) oder als Schmuck, Hersteller besaßen hohes technisches und künstlerisches Können.

Die ältesten, noch unvollkommenen sollen um 2 Millionen Jahre alt sein, die vollommenen um 1 Million Jahre. Ihr wahres Alter könnte aber auch weniger als 100000 Jahre betragen. Noch fraglich.

 

Acheuleen-Kultur (nach der Fundstelle Saint-Acheul bei Amiens in Frankreich, etwa 600000 bis 90000 v.Chr.), Kultur der Frühmenschen (Homo erectus):

Faustkeilindustrie (Clacton-on-Sea-Technik - direkter Schlag, Clactonien)

Steinwerkzeuge mit zwei 10 bis 15 cm langen Arbeits-Schnitt-Kanten.

Flache und ovale Form.

Klassischer Faustkeil, zum Schneiden, Schaben, Schlagen und Bohren.

Weiterhin kleinere scharfe Abschläge als Werkzeuge (Klingen).

Darunter mandelförmige, 15 cm lange und 2 cm dicke retuschierte Lanzenspitzen.

Die ältesten sollen aus der Zeit um 300000 v.Chr. stammen, ihr wahres Alter könnte aber auch weniger als 100000 Jahre betragen und sie könnten sogar erst vom Cro Magnon hergestellt worden sein.

Noch fraglich. Die Rindenzentren im Gehirn der Menschen für Schreiben und Lesen entwickelten sich nicht durch das Schreiben und Lesen von Buchstaben, sondern über handwerkliche Arbeiten wie bei der Herstellung retuschierter Steingeräte.

 

Mousterien-Kultur (nach der Fundstelle Le Moustier, etwa von 90000 bis 40000 v.Chr.), typische Kultur des klassischen Neandertalers:

Faustkeilindustrie mit Levallois-Technik (indirekter Schlag, Levalloisien)

Die Methode der retuschierten Abschläge, deren scharfe Kanten oder sägeähnlichen Schnittflächen ganz unterschiedlichen Verwendungszwecken angepaßt wurden, wurde bis 50000 v.Chr. zu hoher Vollkommenheit entwickelt.

Enormer Aufschwung der Klingenindustrie. Die hohe handwerkliche Fertigkeit der Steingeräteherstellung macht eine Arbeitsteilung im sozialen Verbund wahrscheinlich, der um die 30 Individuen umfaßte.

Es konnte nicht erwartet werden, daß jeder Neandertaler gleich gut Geräte und Waffen herstellen konnte. Die Verfahren zur Steingeräteherstellung erforderten eine sorgfältige Ausbildung mit Vorexerzieren und akustischer Informationsübermittlung und Kommunikation. Ähnliches gilt für die Jagd auf wehrhaftes Großwild.

 

Perigordien 35000-29000 v.Chr., teilweise überlappend mit Aurignacien und Lonetalien (lokal).

Aurignacien ab 33000 bis 19000 v.Chr., Frühes Kulturzentrum bei Sungir nahe Moskau, von hier an vermehrte Ost-West-Verbindung der Kulturen mit Blattspitzen, Plastiken, Begräbnissen, Malereien und Gravuren vom Atlantik bis Sibirien

 

Lonetalien ab 30000 bis 26000 (?) v.Chr., 1. Höhepunkt der Kunst des Menschen, Plastiken hoher Vollkommenheit aus Elfenbein, gefunden in Höhlen im Lonetal in Baden-Württemberg und benachbarten Tälern.

 

Pawlowien ab 25000 v.Chr., 2. Höhepunkt von Technik und Kunst des Menschen bei Pawlow, Osteuropa (Mähren), erste sonnengetrocknete Tonfiguren, möglicherweise auch Brennöfen zur Herstellung von Keramikfiguren (keine Keramiktöpfe !), Venusstatuetten.

Mehr als die Hälfte aller Venusstatuetten wurde in Rußland gefunden.

 

Solutreen 20000-17000 v.Chr., nur Westeuropa, aus Mitteleuropa kaum Funde menschlicher Anwesenheit, hauptsächlich Pferdejagd

 

Magdalenien ab 17000 bis 10000 v.Chr., Übergang zu Mikrolithen wegen Schäftung

Dordognien ab 15000 bis 10000 v.Chr.,

3. Höhepunkt der Kunst des Menschen.

Malereien in den Höhlen von Südfrankreich und Nordspanien (Franko-Kantabrischer Kreis), vielleicht zeitgleich mit den Fresko- und Felsmalereien in Südafrika in verschiedenen Kulturzentren.

Um 15000 v.Chr. war der Höhepunkt des Magdalenien, dargestellt durch die Eiszeitmalerei sowie die vollendete Klingen-, Mandel- und Lamellentechnik.

Schnelle Zunahme der Erfindungen: Malerei, Farbenherstellung, -auswahl, Gestaltung der Tierformen und Szenen, erste Bilderschriften wie die in der Höhle La Pasiega in Spanien.

Nach Leo Frobenius ("Madsimu Dsangara", Atlantis-Verlag 1931) gab es z.Z. des ausgehenden Würm II, also fast zeitgleich mit der Franko-Kantabrischen Kunst, in Südrhodesien und Nordtransvaal ein Kulturzentrum mit Felsenmalereien, ausgehend von Freskomalereien im Zusammenhang mit dem Totenkult, und in Südafrika die Buschmannskunst (ausgeprägt schamanistisch). Die oft sehr große Ähnlichkeit dieser Bilder mit denen der Levante-Kunst in Ostspanien und der nördlichen Sahara eröffnet die Möglichkeit, daß zur ausgehenden Eiszeit zeitweilig ein Kulturkreis von Südfrankreich bis Südafrika reichte, mit wechselnden lokalen Schwerpunkten.

Felsmalereien sind aus der Zeit um 10000 v.Chr. auch aus Sibirien und Brasilien bekannt.

Die in Australien sollen bis zu 10000 Jahre älter sein.

Ab 13000 v.Chr. weitere Erfindungen:

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Beziehungen Mensch-Tier, besonders wurde zuerst der Hund ein Jagdgefährte des Menschen, Haltung von Rentierherden,

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Handel mit Feuerstein, Geräten, Schmuck, Nahrungsmitteln,

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Speerschleuder, Pfeil und Bogen, Keramikbehälter um 11000 v.Chr.

 

Mesolithikum 8300-4500 v.Chr., Mikrolithen für Kampf Mensch gegen Mensch

Nordische Felswandgravuren mit Motiven, die auch in der Nordsahara auftreten, erste Entwicklungen in Richtung des Megalithikums in Westeuropa

 

Azilien 10000-2500 v.Chr., mikrolithische Pfeilspitzen für Krieg unter Menschen, ab 8000 v.Chr.

Spanien und Nordafrika kulturell führend ?

Entwicklung der europiden Völker nach Aussehen, Sprache und Kultur im Gebiet von Ukraine-Südrußland bis West- und Nordeuropa ?

4. Höhepunkt der Kunst des Menschen, bemalte Kiesel, bemalte Felswände in Spanien, Nord- und Südafrika

 

Die Jungsteinzeit (Neolithikum) begann regional unterschiedlich, zuerst aber im Nahen Osten um 8500 v.Chr. mit den Kennzeichen Ackerbau, Viehzucht, Hausbau, Dörfer mit Dorfleben und Einteilung in Berufe, Geräte aus Keramik und Metall (Kupfer, Bronze).

Vermutlich eigenständige neolithische Entwicklungen in den Andengebieten Südamerikas durch eingewanderte Indianer ab 5000 v.Chr., z.B. Kultivierung der Maispflanze und der Kartoffel.

Beginn der Stadtstaaten ab 3300 v.Chr. in Ägypten, Mesopotamien und Südspanien.

In Südspanien gingen die befestigten Stadtbauten aus dem megalithischen Kulturkreis (5. Höhepunkt der Kultur) hervor.

 

 

1.4  Entwicklung des Homo sapiens praeneanderthalensis und H.s. neanderthalensis

 

Frühformen des Homo sapiens kann es schon um 250000 v.Chr. gegeben haben, wie die Funde von Swanscombe und Steinheim an der Murr darlegen könnten. Als die Epoche des klassischen Neandertalers oder Urmenschen um 75000 v.Chr. in Europa und Nordafrika begann, gab es schon Frühformen des Homo sapiens sapiens im Bereich von Ost- bis Südafrika.

In der Fontechevade-Höhle fand man den Schädel eines präsapienten Menschen unter einer Neandertaler-Schicht, getrennt durch eine sterile Schicht. Annahmen: Die Entwicklung der Art Homo sapiens begann vor etwa 400000 Jahren überall auf der Erde aus dem Homo erectus. Die Entwicklung der beiden bekannten Unterarten H.s. neanderthalensis (Urmensch) und H.s. sapiens (Mensch) fand etwa gleichzeitig schon zu Ende der Riß-Saale-Eiszeit statt.

Aus der Eem-Warmzeit (Beginn vor etwa 125000 Jahren) sind nur wenige fossile Knochenreste von Hominiden bekannt. Bei Lehringen bei Verden an der Aller (Niedersachsen) fand man das Skelett eines Waldelefanten, in dem ein 2,15 m langer Speer aus Eibenholz steckte. Die Spitze des Speers war im Feuer gehärtet worden.

Der Praeneandertaler erschien nach der Rißeiszeit (250000-125000 v.Chr.), der klassische Neandertaler nach der Eem-Warmzeit (125000-75000 v.Chr.). Die Epoche des klassischen Neandertalers war von 75000 bis 35000 v.Chr., wobei schon der 1. große Gletschervorstoß der Würmeiszeit um 50000 v.Chr. die Neandertaler in West- und Mitteleuropa sehr dezimierte, so daß die ab 35000 v. Chr. nach Westeuropa ziehenden Menschenpopulationen dort nur noch kleine Neandertalerpopulationen vorfanden.

Bis zum Beginn der Eem-Warmzeit hatte sich vermutlich aus dem Homo sapiens anteneanderthalensis der Homo sapiens praeneanderthalensis entwickelt, aus dem sich im Zeitraum der Eem-Warmzeit von 130000 bis 75000 v.Chr. der Homo sapiens neanderthalensis, der klassische Neandertaler (Urmensch), der letzte Paläanthropine, entwickelte.

Möglicherweise lebten noch bis 100000 v.Chr. Populationen des Homo erectus in Südostasien.

Der klassische Neandertaler lebte etwa von 75000 bis 35000 v.Chr. in Europa und Nordafrika. Vom Homo sapiens sapiens wurde er um 35000 v.Chr. abgelöst - vermutlich gewaltsam wie üblich dort, wo Neandertalerpopulationen mit Menschenhorden zusammenstießen.

Da die Urmenschen viel stärker als die Menschen waren, konnte das nur durch

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höhere Intelligenz (soziale und technische),

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bessere manuelle Geschicklichkeit,

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bedeutend größere Bösartigkeit und Rücksichtslosigkeit

... der Menschen erfolgen, wobei aber die Neandertaler auf gewissen künstlerischen oder technischen Gebieten den Menschen überlegen gewesen sein konnten.

Frühformen der Neandertaler traten vielleicht vor 100000 Jahren in Europa auf, was die hominiden Fossilien von Fontechevade, Ehringsdorf bei Weimar, Saccopastore und Quinzano in Italien nahelegen könnten. Neandertaler aber traten in Europa erst vor 90000 Jahren auf. Man fand seine Fossilien auch in Nahem Osten, Vorderasien und Nordafrika. In Asien traten ab dieser Zeit Hominiden mit deutlichen Neandertaler-Merkmalen auf.

Die Entwicklung des Urmenschen brachte die Herausbildung der typischen Neandertaler-Merkmaler:

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Robuster Körperbau mit sehr massiven Knochen und viel stärkeren Muskeln als beim Menschen, Langknochen viel stärker gekrümmt als beim Menschen,

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körperlich kleiner als der Mensch, aber untersetzt und viel kräftiger,

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großer Schädel mit kräftigen Überaugenwülsten, massive Vorderzähne,

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weit nach vorn gerücktes Gebiß (ergab Spitzgesicht), mit einer Lücke zwischen Weisheitszahn und dem aufsteigenden Ast des Unterkiefers,

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fliehende Stirn, lang nach hinten gezogener Schädel mit einem Gehirnvolumen von 1350 bis 1750 ccm, im Mittel 1500 ccm (damit größeres Gehirn als der heutige Mensch), das große Gehirn nach hinten gelagert,

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kein Kinn, andere Lagerung von Gaumen, Kehlkopf und Zunge als beim Menschen (geringere akustische Sprachfähigkeit),

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kegelförmige Ausbuchtung unten am Hinterhaupt,

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ovaler Hirnschädelumriß bei Sicht von hinten,

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keine Wangenbeingrube im Gegensatz zum vorhergehenden Anteneandertaler.

 

 

1.5  Urmensch oder Neandertaler (Homo sapiens neanderthalensis)

 

Erstes Auftreten des klassischen Neandertalers an den Orten:

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Bei Ehringsdorf (Deutschland),

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am Tiber (Italien),

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in Rhodesien (Südafrika) und

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in Java (Südostasien). Eigentümlich ist, daß manche Orte, wie

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Dordogne, besonders Tal der Vezere, Frankreich,

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Combe-Grenal, 23 km von Les Eyzies (viele Werkzeuge vom Neandertaler),

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Massif Central, Frankreich (dort ab 500000 v.Chr. der Homo erectus ?),

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Klausennische (Höhle) bei Neuessing im Altmühltal bei Kelheim, Bayern,

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Lonetal in Baden-Württemberg, erst vom Neandertaler und dann vom Cro Magnon eindeutig bevorzugt wurden.

Das mittlere Gehirnvolumen des Neandertalers war 1550 ccm und damit um 10% größer als beim heutigen Menschen und etwa gleich dem des Jungpaläolithikers, aber er besaß einen plumperen und viel kräftigeren Körper. Besondere Kennzeichen des klassischen Neandertalers sind oben aufgeführt. Das große Gehirn läßt nur den Schluß zu, daß der Neandertaler recht intelligent war. Mochte auch seine Lautformung gegenüber dem Menschen stark eingeschränkt gewesen sein, so besaß er sicher schon die Fähigkeit zum artikulierten Sprechen und zu ausführlicher sozialer Kommunikation, besonders auf den Gebieten der Stammestraditionen, Mythen, Jagdplanung und Werkzeugherstellung.

 

Der Fund des Urmenschen im Neandertal

Im Jahre 1856 wurde im Neandertal bei Düsseldorf-Mettmann Kalkstein abgebaut. Dabei wurden bei Sprengungen Höhlen geöffnet oder ihre Eingänge erweitert. Das war auch bei der Höhle "Felddorfer Kirche" (oder "Kleine Feldhofer Grotte") in der Nähe der alten Feldhofschen Waldmühle der Fall, deren Eingang 18 m über der Talsohle lag. Das Tal war nach dem Kirchenliederdichter Johannes Neander benannt worden. Zum Abbau des Kalksteins wurde der Höhlenlehm der Höhlen hinausgeworfen.

In dem Abraum der "Felddorfer Kirche" fand man hominide Knochen. Bei Nachforschungen entdeckte man im restlichen Lehm in der "Felddorfer Kirche" weitere Knochen. Man stellte fest, daß ein Skelett in 0,6 m Tiefe im Höhlenlehm gelegen hatte, von dem man einige Teile nicht mehr finden konnte.

Die Rekonstruktion ergab das Bild eines 1,60 m großen Menschen mit kurzen Armen und Beinen, großen Überaugenwülsten, gekrümmten Langknochen, fliehender Stirn und fliehendem Kinn, lang nach hinten gezogenem Schädel mit einem Gehirnvolumen von 1400 ccm.

Der Naturkundelehrer Johann Carl Fuhlrott erkannte es als Skelett eines urtümlichen Menschen. Später wurde er besonders von Ernst Haeckel (geboren 1834) unterstützt.

Man vermutete, daß dieser Urmensch um 75000 v.Chr. gelebt hatte. Schon vorher hatte man in Westeuropa Knochen altertümlicher Menschen entdeckt, z.B. in einer Höhle von Gibraltar 1848. Diese Fossilien wurden aber auch von der wissenschaftlichen Welt nicht beachtet, weil sie in das Weltbild nicht paßten. Man glaubte damals noch an die Schöpfungsgeschichte in der Bibel und deren apokalyptische und apokryphe Auslegungen, mit der Erschaffung der Welt um 4004 v.Chr. innerhalb von 6 Tagen durch "Gott", alle Arten von Tieren und Pflanzen (den Menschen eingeschlossen) auf Ewigkeit festgelegt. Eine Evolution gab es für Wissenschaftler damals nicht.

 

Um die vielen Funde fossiler Knochen nicht mehr existierender Tierarten zu erklären, hatte Georges Cuvier die Katastrophentheorie entwickelt: Es gab mehrere Schöpfungen, die nacheinander stattfanden und jeweils von Katastrophen vernichtet wurden. Die Menschen und die neuzeitlichen Tiere stammten aus der letzten Schöpfung.

Um 1835 bewies der Geologe C. Lyell durch geologische Untersuchungen, daß die Erde mindestens einige Millionen Jahre alt ist.

Zur gleichen Zeit erkannte B. de Perthes, daß seine im Somme-Tal gefundenen Steinwerkzeuge (grobe und feine Faustkeile) von Menschenhand erzeugt worden waren. Seine Thesen wurden 1858 durch englische Wissenschaftler bestätigt.

Im Jahre 1859 publizierte Charles Darwin sein Buch über die Abstammung der Arten über eine zeitlich weiträumige Evolution. Seine besten Verfechter wurden Thomas Huxley und Ernst Haeckel.

Gustav Schwalbe kämpfte ebenfalls für die Anerkennung einer evolutionären Entwicklung vom Urmenschen zum Menschen.

Die Vorstellung, vom Neandertaler abzustammen, erschien den meisten gebildeten Menschen fürchterlich und sie widersprachen heftig der Evolutionstheorie Darwins und den Vorstellungen Fuhlrotts über die Knochenfunde im Neandertal, sofort nach der Publikation 1859 bzw. 1856 und z.T. noch heute.

1886 wurden in einer Höhle bei Spy in Belgien wieder altertümliche menschenähnliche Knochen gefunden, bei ihnen lagen Steinwerkzeuge und Knochenreste längst ausgestorbener Tiere.

1899 fand man in der Höhle Krapina in Jugoslawien eine große Anzahl hominider Fossilien (Mensch und Urmensch).

1891 fand man auf Java einen noch urtümlicheren Schädel vom Pithecanthropus (Terminologie von Ernst Haeckel). Später bekam er den Namen Homo erectus. Sein Hirnvolumen wurde von seinem Entdecker Eugene Dubois auf 1200 ccm geschätzt.

Ab 1908 fand man in Frankreich, hauptsächlich in der Dordogne, laufend die Skelette von Neandertalern: La Chapelle-aux-Saints (1908), Le Moustier, La Ferrassie (1909), La Quina (1911).

Man fand auch Neandertalerfossilien 1939 bei Monte Circeo in Italien.

Eigentümlich ist wieder, daß gerade die Gegend um Carnac in der Bretagne zur Namengebung der Neandertaler-Industrie führte (Mousterien nach dem Fundort Le Moustier bei Carnac), und daß gerade dort angeblich auch die ersten megalithischen Entwicklungen ab 5500 v.Chr. stattgefunden haben.

Viele Neandertalerknochen fand man in Höhlen, mit ihnen oft auch Stein- und Knochenwerkzeuge.

 

Kulturmerkmale des Neandertalers:

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Abschläge von vorbereiteten Feuersteinkernen ergaben Spitzen, Schaber, Messer (vermutlich Schäftung mit Holzgriff), keine großen Werkzeuge mehr wie beim Homo erectus, jetzt sehr feine Spitzen und scharfe Messer.

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Leben oder auch nur Rituale in Höhlen, darin vielleicht Behausungen aus Holz und Häuten (?).

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Möglicherweise lebte er nicht nur in Höhlen, sondern schuf sich Freilandstationen, aus kuppelförmigen Hütten, mit Mammutknochen erbaut, mit Fellen gedeckt.

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Kleidung in Tierfelle (Werkzeuge für Fellbearbeitung !).

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Bemalung (von sich selber oder von Häuten) mit Ocker und schwarzer Manganerde.

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Bestattung von Toten in ausgehobenen flachen Mulden, von Steinen und Tierschädeln umgeben, mit Schmuckbeigaben, vermutliche Mitgabe von Nahrungsmitteln für das "Andere Land".

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Anordnungen von Bärenschädeln, Jagdrituale, Bärenkult.

 

Der Ortsname Le Moustier gab der Kulturstufe des Neandertalers seinen Namen: Mousterien. Da die betreffende Wissenschaft zuerst in Frankreich zur Blüte kam, wurde die französische Nomenklatur für die Kulturstufen übernommen.

Ähnliche Knochen fand man auch in Afrika und Asien:

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1921 bei Broken Hill, Zambia (Nordrhodesien), in der Nähe des Sambesi, neandertaloide Fossilen mit stärkerem Überaugenwulst, aber geraderen Langknochen.

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Eyasi-See in Tansania.

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1931 am Ufer des Soloflusses bei Ngandong auf Java.

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In der Höhle Teschik Tasch im Altaigebirge.

 

Der Neandertaler bzw. verwandte Formen von ihm waren über die ganze Alte Welt verbreitet gewesen mit sehr deutlicher Konzentrierung auf Europa, Nahen Osten und Nordafrika.

Die Neandertaler lebten vielleicht in Höhlen, Grotten, Halbgrotten und unter Felsüberhängen (Abris).

Lebten fortgeschrittene Gruppen schon in zeltartigen Behausungen mit einem Stützskelett aus Knochen oder Holz und einer Beschichtung aus Fellen und Lehm ? Hierfür sprechen die Funde von Neandertalersiedlungen (vermutlich Mammutjäger) bei Lehringen in Niedersachsen und von Salzgitter-Lebenstadt in Braunschweig (vielleicht waren es dieselben), wo sich fossile Merkmale einstiger zeltartiger Behausungen fanden. Dort fand man auch Steinspitzen, die sich für das Einsetzen in Keulen und Lanzen eignen.

Als Waffen kannten sie geschickt behauene Faustkeile, Lanzen und Wurfspeere, und besonders wohl Keulen in vielerlei Weise, die zu Schäftung und Beilen führten. Sie waren gewiß ausgezeichnete, kühne und erfahrene Großwildjäger. Sie jagten u.a. in Europa Mammut, Elefant, Nashorn, Pferd, Hirsch, Bär und Ren. Im Nahen Osten jagten sie Damhirsche, auf der Krim Saiga-Antilope und Wildesel, in den Kaukasus-Steppen und an der Wolga Wisente, am Dnjestr Mammute und in den Gebirgen bis 2000 m Höhe Höhlenbären.

Kann man sagen, daß der Neandertaler die Schäftung erfand, wie bei Wurfhammer oder Beil ?

Die Genieforschung zeigt, daß dieselben Erfindungen über größere Zeiträume hin von fortschrittlicheren Individuen immer wieder neu gemacht werden. So kannten bestimmt schon Gruppen des Homo erectus, Ante- und Präneandertalers, die von fortschrittlicheren Individuen geleitet oder beraten wurden, Geräte, Verfahren und Waffen, die rückständigere Gruppen erst nach Jahrzehntausenden besaßen. Die höheren Kenntnisse progressiver Gruppen gingen oftmals wieder verloren, durch Fehlen geeigneten Nachwuchses, Krankheit, Unfälle, Krieg mit anderen Stämmen oder Naturkatastrophen.

Kenntnisse wie Kleidung, Schäftung und Levallois-Technik bei der Bearbeitung der Steine waren sicher schon lange vor der Zeit der Neandertaler oftmals erfunden worden, aber spätestens bei den Neandertalern bürgerten sie sich in größeren Populationen ein.

 

Kultur, Kommunikation, Traditionen ...: Bestattungen von Neandertalern in sorgfältig angelegten Gräbern, eventuell sogar mit Blumenschmuck, sowie deutliche Hinweise auf den Glauben an ein Leben nach dem persönlichen Tode, der nur mit Hilfe entsprechend leistungsfähiger sozialer Kommunikation überliefert werden konnte, deuten auf eine rege geistige Tätigkeit und soziale Kommunikation hin.

Es wird hier angenommen, daß bei Berücksichtigung einer geringeren Sprachfähigkeit sowie einer geringeren Werkzeug- und sozialen Intelligenz der Urmenschen gegenüber den Menschen eine ganz normale Kommunikation zwischen Urmenschen und Menschen möglich gewesen wäre.

Die Entwicklung und Verbreitung der Neandertaler hauptsächlich in Europa, Nahem Osten und Nordafrika und die der Menschen in Ost- bis Südafrika wurde vielleicht rein durch permanente Rassenkriege zwischen Menschen und Neandertalern schon vor 50000 Jahren bewirkt. Als dann die Neandertaler durch die starken Gletschervorstöße und Kälteeinbrüche von Würm I sehr geschwächt worden waren, drangen die Menschen im nachfolgenden Interstadial nach Europa vor (ab 45000 v.Chr.). Das würde bedeuten, daß die Menschen vor 50000 Jahren in Ostafrika wußten, daß da oben im Norden ihre starken Vettern hausten, die wegen ihrer Körperkraft aber unangreifbar waren.

 

 

1.6  Präsapiente Formen - Entwicklung von Urmenschen und Menschen - Mischformen

 

Mögliche Stufen der Entwicklung:

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350000 v.Chr.Swanscombe an der Themse, England

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300000 v.Chr.Steinheim an der Murr, Deutschland

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110000 v.Chr. (?)Fontechevade, Charente, Dordogne, Frankreich

Starben die präsapienten Formen in Europa nachfolgerlos aus ?

In welcher genetischen und geistigen Beziehung standen Ante- und Präneandertaler zueinander ?

Während der Entwicklungszeit der Neandertaler aus den Präneandertalern (150000 bis 90000 v.Chr. ?) verschwanden die Anteneandertaler (die präsapienten Formen) aus Europa.

Ab 50000 v.Chr. wanderten - vermutlich aus Süd- bis Ostafrika - sapiente Frühformen in den Nahen Osten ein. Ab 35000 v.Chr. wanderte der Cro Magnon-Mensch nach Westeuropa ein. Es sind zwar kaum Zeugnisse von Kriegen zwischen Rassen hominider Formen vor dem Menschen erhalten, aber die Psyche des Menschen selber verrät mit

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deutlicher Ablehnung anderer Rassen oder des Fremden,

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Mord- und Raublust, Beutegier, Grausamkeit, Herrschsucht sowie

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Neid, Haß, Gier und Sucht jeder Art

das feindliche Miteinander vieler Vertreter der Hominiden schon in frühen Zeiten, auf der Stufe von Homo erectus, Homo habilis, der Australopithecinen oder noch früherer Hominiden und Primaten.

Ablehnung anderer Rassen oder sozialer Dünkel sind im genetischen Erbe der Primaten sicher sehr alt, aber sie haben sich auf Grund von Evolution mit Zuchtwahl im Erbgut der Hominiden zusätzlich verfestigt. Die Anfänge gehen sicher auf die ersten Säugetierformen und deren Vorgänger zurück, aber der entscheidende Entwicklungsschub in dieser Richtung kam erst auf der Stufe eozäner Halbaffen, als ihre Artenvielfalt, Individuenanzahl und Intelligenz entsprechend angewachsen waren. Die verhängnisvolle Selektion des Bösen als Zuchtwahlfaktor begann im Erbgut der Hominiden durch die Großwildjagd. Man muß dem anderen Geschöpf den Speer in den Leib stoßen, die Keule auf den Körper schlagen ..., trotz seiner Schmerzen, Schmerzlaute und ängstlichen Augen. Das war vermutlich zunehmend vor 400000 Jahren der Fall, als der Homo erectus zur Großwildjagd überging. Das war der Motor der Sapientierung.

 

Fossile Funde von Neandertalern gab es auch bei Oran, Marokko und Ternifine. Bei dem Fund von Marokko, 60 km südlich Sati, war der Neandertaler leicht in sapiente Richtung entwickelt. Fundorte präsapienter oder neandertaloider Formen:

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Galiläa, Palästina

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Skhul, Palästina

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Herkules-Höhle bei Tanger

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Höhle Haua Feteah, Kyrenaika, Neandertaler um 30000 v.Chr.

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Höhle Krapina bei Zagreb, verschiedene Formen des Neandertalers

 

Mischformen zwischen Neandertalern und Homo sapiens sapiens

Gegenwärtig versucht man eher, mittels gentechnischer Verfahren zu beweisen, daß Mensch und Urmensch so weit genetisch verschieden waren, daß aus Verbindungen zwischen ihnen keine Kinder hervorgehen konnten.

Die archäologischen Funde besagen aber genau das Gegenteil. Mischformen zwischen Urmenschen und Menschen aus der Zeit von 50000 bis 25000 v.Chr. deuten in ihrer regionalen und zeitlichen Verteilung an, daß spätestens ab 47000 v.Chr. Menschen in den Nahen Osten einwanderten.

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Combe Capelle, Frankreich: Neandertaler und Frühformen des Cro Magnon, 38000 v.Chr. ?

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Dschebel Irhoud, Nordafrika: Mousterien-Industrie, aber hominider Schädel mit rezenter Gesichtspartie, Schädeldach wie beim Neandertaler

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Berg Karmel, Haifa, Israel, Höhle Mugharet es-Skhul: Überreste von 10 Menschen oder Urmenschen mit unterschiedlichen Schädelmerkmalen, reine Neandertalertypen, sodann modernere Typen mit höherer Stirn und Überaugenwulst in unterschiedlichen Entwicklungsstufen, auch mit Kinnausbildung. Aus der Zeit um 43000 v.Chr. oder 30000 v.Chr. ?

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Berg Karmel, Israel, Höhle Mugharet et-Tabun: Skelett einer Frau mit einem Schädel, der eine etwas höhere Stirn aufwies wie die früheren Neandertaler, mit geraden Langknochen wie beim Menschen, dem Neandertaler ähnlich, aber zum Menschen fortgeschritten. Aus der Zeit um 43000 v.Chr. oder 40000 v.Chr. ?

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Dschebel Kafzeh, Nazareth: Reste von 11 Individuen, von denen 7 zum Cro Magnon und 4 zum Neandertaler tendieren, die zugehörige Steinindustrie weist auf die Kulturstufe der Neandertaler, das Mousterien; Mischung zwischen Neandertalern und Cro Magnon mit schon recht modernen Schädeln bei altertümlichen Werkzeugen, ein Schädel war hochgewölbt, schwache Überaugenwülste, Gehirnvolumen 1586 ccm.

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Amud, Israel: Mischung zwischen Neandertalern und Cro Magnon. Fossilien sehr dem Neandertaler ähnlich, aber neben der zugehörigen Mousterien-Industrie auch kunstvollere Aurignacien-Kultur des Menschen. Aus der Zeit um 15000 v.Chr. ?

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Riesige Höhle bei Shanidar im Irak: 1953 fand man dort Skelette von erwachsenen Hominiden und von einem Baby. Schädelinhalte bis 1700 ccm. Fossilien sehr den Neandertalern ähnlich, auch fand man dabei die zugehörige Mousterien-Kultur. Die Schädel waren aber bei manchen gerundeter als bei klassischen Neandertalern. Pollenanalysen brachten den Gedanken auf, daß man einen Toten auf ein Blumenbeet gebettet haben könnte. Mitgefühl scheinen aber die Neandertaler gehabt zu haben, wie Skelettfunde Verkrüppelter nahelegen, die sich nicht selber hätten ernähren können. Fossilien aus der Zeit um 50000 v.Chr. ?

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Predmosti, Berau, CSFR, 100 km nördlich Wien: Neandertaler und Frühformen des Cro Magnon, 33000 v.Chr. ? Viele Skelettreste von Hominiden, 8 Erwachsene und 12 Kinder, unter einer großen Anzahl von Mammutknochen (vielleicht von 1000 Tieren), das Massengrab war mit Mammutknochen abgegrenzt und mit Steinen zugedeckt. Die Menschen gehörten einem kräftigeren Typ an als dem von Combe Capelle, eher dem vom Berg Karmel, die Urmenschenähnlichen besaßen starke Überaugenwülste und eine noch fliehende Stirn. Als Grabbeigaben fanden sich 5 Frauenstatuetten aus Mammutknochen, um die 12 bis 14 cm hoch, ferner viel Schmuck aus Knochen und Muscheln, also einwandfrei auch Aurignacien-Kultur.

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Höhle von Krapina - Teplitz, Agram, nördlicher Balkan, Reste von 13 Individuen mit Merkmalen von Neandertalern und moderner Menschen aus der Zeit um 37000 v.Chr., der Fund sah wie ein Schlachtfeld aus mit anschließendem Kannibalismus.

 

Auffällig ist immer wieder das große Gehirnvolumen von Neandertalern und frühen Menschen gegenüber dem heutigen Menschen.

 

 

1.7  Bevorzugtes Auftreten von Menschen dort, wo früher Urmenschen lebten

 

In der Liste der Fundorte sind oftmals solche zu finden, die auch bevorzugt vom Neandertaler bewohnt wurden. Die Ursache dafür ist noch durch Untersuchungen auf die zeitliche Reihenfolge genau zu klären. Von einem zeitlichen Nacheinander kann man ausgehen, wenn zwischen den Schichten des Mousterien (Urmensch) und des Perigordien/Aurignacien (Mensch) steriler Boden ist.

Besonders für Schweiz, Dordogne, Lonetal/Baden Württemberg und einige Höhlen um Kelheim an der Altmühl gilt, daß Neandertaler und Menschen nachgewiesen sind. Waren sie wirklich dort immer zeitlich getrennt ?

In der Sesselfelsgrotte bei Kelheim fand man in Schichten des späten Mittelpaläolithikums (Neandertaler) auch Kulturspuren des Jungpaläolithikums (Menschen). Lebten sie etwa zur selben Zeit in dieser Gegend, wenn auch nicht notwendig zusammen unter einem Dach ? Dieser Zeitabschnitt wird auf 36000 v.Chr. angesetzt.

Auch im Hohle Stein-Stadel im Lonetal und benachbarten Höhlen wie in der Bocksteinschmiede wurden Funde aus Mousterien und Aurignacien gemacht, so daß diese Höhlen zumindest nacheinander von Urmenschen und Menschen bewohnt worden sind.

In der Haldensteinhöhle bei Urspring im Lonetal fand man Blattspitzen, die versuchsweise auf 50000 v.Chr. angesetzt werden. Um diese Zeit war der erste große Gletschervorstoß der Würmeiszeit, der immerhin soviel Wasser in Form von kontinentalen Gletscherströmen band, daß der Meeresspiegel um etwa 60 m absank (zum Vergleich: der Meeresspiegel sank z. Z. des 2. und größten Gletschervorstoßes der Würmeiszeit zwischen 18000 und 16000 v.Chr. um 90 bis 110 m ab) und der Beringia-Kontinent trocken fiel. Vielleicht hat es in den Tälern von Lone, Ach, Lauchert, Blau und auch der Donau in dieser Gegend Begegnungen von Urmenschen und Menschen gegeben. Urmenschen lebten dort mindestens seit 90000 v.Chr., aber die Anwesenheit von Menschen ist bisher frühestens ab 34000 v.Chr. nachgewiesen.

Im östlichen Mitteleuropa wurden auch im älteren Jungpaläolithikum Kulturelemente des Mousterien verwendet: Blattspitzen und Levallois-Technik.

Aus dem Fehlen von Nachweisen für die Anwesenheit von Urmenschen in Amerika kann man schließen, daß sie sich während der Kaltzeiten nicht gerne in den nördlichen Regionen aufhielten und aus diesem Grunde nicht den Weg über den trockengelegten Kontinent Beringia von Nordoastasien nach Nordwestamerika fanden. Das legt auch ihr häufiges Auftreten in Nordafrika nahe.

War der Neandertaler wirklich ein kälteangepaßter und kälteliebender Hominide ?

Die starke Abnahme von Fossilienfunden aus dem Mousterien ab 50000 v.Chr. kann bedeuten, daß der 1. Gletschervorstoß der Würmeiszeit mit seinem Maximum um 47000 v.Chr. die Urmenschenpopulationen in Mitteleuropa geradezu ausgelöscht hat, und da kann man von Anpassung wohl kaum mehr reden.

 

Weitere Nachweise für Anwesenheit von Neandertalern (Urmenschen) und/oder Menschen:

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Pratteln, Kanton Baselland, unter Fossilienfunden südlich von Pratteln auf einer Rheintalterrasse war ein 1 kg schwerer und 20 cm langer Faustkeil, sehr gut gearbeitet

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Hinweis auf Neandertaler in der Schweiz ab 130000 v.Chr. im Acheuleen ?

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Grotte des Plaints im Neuenburger Jura, Cotencher, am Ufer des Neuenburger Sees, darüber Schloß Rochefort, Funde noch aus dem Mousterien, um 50000 v.Chr.

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Die Höhlen St. Brais, St. Brais II, Franches Montagnes, Jura.

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Bocksteinschmiede im Lonetal

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Klausennischenhöhle/Altessing

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Dordogne

Nachweise für Anwesenheit von Menschen im Aurignacien:

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Bocksteinschmiede und -höhle im Lonetal

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Klausennischenhöhle/Altessing

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Dordogne

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Vogelherdhöhle im Lonetal bei Heidenheim, Plastiken von Mensch, Bison, Löwe, Pferd, ab 30000 v.Chr. ?,

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Geißenklösterle im Blautal, auch Mammutknochen,

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Hohlenstein-Stadel im Lonetal,

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Bärenhöhle, Schafstall, Göpfelsteinhöhle,

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Heidenschmiede, Irpfelhöhle

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Sirgenstein, Große Grotte, Brillenhöhle bei Blaubeuren,

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Zigeunerfels, Burghöhle von Dietfurt bei Sigmaringen

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Bad Cannstatt bei Stuttgart, Villa Seckendorff,

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Bärenhöhle bei Erpfingen,

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Kemmathenhöhle im Altmühltal.

 

 

1.8  Probleme um den frühen Homo sapiens sapiens

 

Mit dem Auftauchen des Homo sapiens sapiens, des Menschen, in der Form des Cro Magnon um 35000 v.Chr. in Europa tritt eine deutliche West-Ost-Verbindung der Kulturen auf, wie bei

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Blattspitzen,

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Plastiken, besonders Frauenstatuetten von Frankreich bis Sibirien,

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Begräbnissen

zu sehen ist. Um 16000 v.Chr. kommt anscheinend eine ausgeprägte Nord-Süd-Verbindung von Südfrankreich bis Südafrika hinzu. Anders läßt sich das Auftreten der Felswandmalerei in Europa und Afrika mit so vielen gleichen Stilelementen kaum erklären.

Wenn aber der Mensch wirklich schon seit 130000 bis 100000 v.Chr. in Afrika gelebt hat, ist es fraglich, warum er dort kaum kulturell tätig war, und dann bei der Einwanderung im Nahen Osten, nach Europa und Asien plötzlich explosionsartig kulturell aktiv wurde.

Kam das durch die Begegnung mit dem Neandertaler oder durch Mangel und Kälte ?

Sind die kunstfertigen, häßlichen und kleinen Zwerge der germanischen Mythologie eine letzte Erinnerung an die kunstfertigen, gutmütigeren und klügeren Neandertaler ?

Waren vielleicht die Neandertaler oft als Lehrer der Menschen tätig ? Man denke hier nur an das, was abendländisches Denken vom asiatischen und afrikanischen Denken unterscheidet. Ist z.B. die Einehe eine Eigenart der Neandertaler gewesen, während für den Menschen immer der Harem typisch war ?

 

Kulturgeschichte des Neandertalers

Die Schwelle zur bewußten Selbsterkenntnis, zum bewußten Denken und Handeln kann man bei den Hominiden grob auf ein Gehirnvolumen von 750 ccm ansetzen. Der Neandertaler hatte ein Hirnvolumen bis zu 1700 ccm bei einem Mittelwert von 1450 ccm, der Homo erectus (es ist die weite räumliche und zeitliche Verbreitung des Homo erectus zu beachten !) in seinen Spätformen bis zu 1300 ccm bei einem Mittelwert von 1150 ccm, der klassische Mensch bis zu 1800 ccm bei einem Mittelwert von 1450 ccm.

Funde über rituelle Begräbnisse zumindest von Tieren (Schädelsetzungen in Steinkisten) reichen bis in die Zeit um 80000 v.Chr., weshalb das Aufkommen solcher Gebräuche noch auf vor 100000 v.Chr. anzusetzen ist.

Makkaroniartige Ritzungen (Ritzzeichnungen) an Höhlenwänden werden schon auf 55000 v.Chr. vermutet, weshalb diese "Kunstform" auf den Neandertaler zurückgehen müßte.

Aber die zeitlichen Daten sind immer sehr unsicher.

Da anscheinend schon der Homo erectus von Bilzingsleben um 350000 v.Chr. anfing, regelmäßige Ritzungen auf Knochen anzubringen, ist das dem Neandertaler ebenso zuzutrauen. Die Berichte über mäanderförmige Muster als Ausdruck der Neandertalerkunst können durchaus zutreffend sein.

 

Über die Psyche des Neandertalers haben wir Menschen wegen unseres starken Artennarzißmus ein ganz falsches Bild. Psychisch war er sicher ebenso gegenüber dem Homo erectus fortentwickelt wie das sein höheres Gehirnvolumen nahelegte. Besonders die Gräber für Kinder der Neandertaler, vermutliche Zeugnisse von sozialer Fürsorge und für Blumenschmuck in Gräbern stellen den Neandertaler - zumindest in seinen höherentwickelten Exemplaren - in ein ganz anderes, viel positiveres Licht.

Annahme: Ein Sinn für Kunst entwickelte sich bei den Hominiden noch vor der Zeit des klassischen Neandertalers (75000 bis 35000 v.Chr.).

Erste Kultstätten und Heiligtümer, "Kunstwerke" und künstlerisches Schaffen als bewußter geistiger Akt sowie Kleidung gab es zumindest schon bei fortschrittlichen Individuen noch vor 200000 v.Chr., eventuell schon beim Homo erectus und sehr fortschrittlichen Vorgängern. Deren Nachfahren verloren dann aber oft diese Kenntnisse wieder, weil sie entweder nichts damit anzufangen wußten oder die Kulturträger durch Nachwuchsmangel, Krankheiten, Unfälle, Kriege usw. ausstarben.

 

Der Neandertaler als mutmaßliches Produkt der Riß-Saale-Eiszeit vermochte Lebensbereiche zu erschließen, die seine Vorgänger nicht besiedeln konnten: Tundren, Wüstengegenden, höhere Bergregionen.

Aus dem Fehlen von Vormenschen und Urmenschen in Amerika ist zu schließen, daß er nie nach Nordostsibirien vorgedrungen war. Warum ?

Vermutung: Wenn er es konnte, mied er also doch die kalten Regionen.

Daraus erwachsen erhebliche Zweifel an der These, daß der Neandertaler auch in den Kältephasen der Würm-Eiszeit in Mitteleuropa lebte und nicht in südlichere Gegenden oder nach Westeuropa auswich. Vor allem lebte er in Europa und Nordafrika, viel an den Küsten des Mittelmeeres.

Vom Cro Magnon weiß man, daß er sich in arktischer Kälte und in eiszeitlichen Tundren behaupten konnte. Aus diesem Grunde vermochte er auch nach Nordostasien vorzudringen und in Phasen der Trockenlegung von Beringia nach Amerika einzuwandern.

Der Urmensch war ein tüchtiger Jäger und machte erfolgreich Jagd auf Mammut und Wollnashorn, Auerochs und Ren, wobei er oft darauf angewiesen war, planvoll und diszipliniert genau nach vorheriger Absprache Gruppenjagden zu veranstalten. Auch die häufige Jagd auf den Höhlenbären war gefährlich. Manchmal erlegte er Höhlenlöwen und Höhlenhyänen.

Die psychische Ausstattung des Homo sapiens sapiens enthält große bestialische Komponenten, schlechthin das Böse mit Mord- und Raublust, Grausamkeit, Neid, Haß, Gier ... – ist das auch beim Neandertaler der Fall gewesen ?

Nicht die eingeschlagenen Schädel von kannibalischen Mahlzeiten oder sonstige fossilierte Spuren von (rituellen) Gewalttaten (wie in der Krapina-Höhle nördlich Zagreb, wo man vom Feuer angekohlte, aufgeschlagene Neandertalerknochen fand) sind ausschlaggebend, sondern die Hinweise auf höhere geistige Regungen der Neandertaler. Dazu gehörten:

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Begraben der Toten, auch von Kindern

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Trauer um Tote (Blumen im Grab !?)

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Einrichtung von akzeptablen Wohnungen

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Zubereitung des Essens

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Fürsorge um Alte, Kranke und Schwache

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Lernfähigkeit, Ausbildung der Kinder (Herstellung fein retuschierter Klingen sowie Klingenindustrie nur über sorgfältige Erziehung von geeignetem Nachwuchs möglich)

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Manuelle Geschicklichkeit

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künstlerische Betätigung

Hatte er Sinn für Familie, soziale Gerechtigkeit, friedliches Zusammenleben, Ästhetik, ... ?

Sein Gehirn war um mehr als 10% größer als unseres !

 

Mythos, Magie und Jagdzauber

Die Neandertaler kannten schon den Jagdzauber, bei dem die Jäger vor der Jagd versuchen, durch magische Handlungen Macht über die Tiere zu erhalten oder einfach das Schicksal im für sich selbst günstigen Sinne zu beeinflussen.

In der Petershöhle bei Hartenstein, Velden, fand man Schädel von Höhlenbären in Steinkisten aus der Zeit um 75000 v.Chr., was einwandfrei auf Kulthandlungen schließen läßt.

Magie und Jagdzauber kann man aber bei fortschrittlichen Exemplaren noch vor 500000 v.Chr. voraussetzen.

 

Glauben an ein Leben nach dem Tode

Die Neandertaler glaubten spätestens ab 60000 v.Chr. an ein Leben nach dem Tode, wie ihre Gräber beweisen (Grabbeigaben, die man als fossile Speisen für die Toten interpretieren muß).

In der Höhle von La Chapelle-aux-Saints wurde ein Neandertaler (1,60 m lang, für einen Greis recht groß) in eine flache Grube gelegt, die mit Tierknochen und Steinabschlägen ausgelegt war. Auf seine Brust legte man das Bein eines Wisents.

In manche Gräber legte man die Toten der Länge nach hinein, in andere mit stark angezogenen Beinen auf die Seite. Man verwandte bei Gräbern auch farbige Erde wie Ocker, schwarze Manganerde und Rötel. Diese Farben wird er auch als Körperbemalung verwendet haben.

Der Neandertaler (oder manche fortschrittliche Neandertaler) begruben auch ihre Kinder.

Es gibt die These, daß auch bis in die Spätzeit hinein nur wenige Neandertalerhorden fortschrittlich genug waren, um ihre Toten zu bestatten. Hier sei daran erinnert, daß bei manchen Naturvölkern bis in rezente Zeit die alten Menschen, wenn sie dem Stamm nicht mehr nutzen konnten, allein in die Tundra hinausgingen, um dort zu sterben oder von Raubtieren getötet zu werden. Von einem von Wölfen zerrissenen Leichnam blieben dann kaum fossilierungsfähige Reste über.

Der Neandertaler betrieb einen ausgedehnten Schädelkult mit Schädeln von seinesgleichen und von Tieren, vor allem den Höhlenbären. Der Schädelkult war wohl ein Grund für den vielen Kannibalismus beim Urmenschen.

Auch beim Menschen gab es bis in rezente Zeit bei Naturvölkern Kannibalismus im Zusammenhang mit Schädelkult wie bei den Kopfjägern Afrikas und Neuguineas.

Viele Mythen und Sagen in rezenter Zeit erinnerten an kannibalische Gewohnheiten des Homo sapiens sapiens noch in geschichtlicher Zeit (siehe die kannibalischen Mahlzeiten der Bandkeramiker um 3500 v.Chr. bei der Jungfernhöhle bei Tiefenellern (Bamberg).

In der Shanidar-Höhle wurden den Toten sehr wahrscheinlich Blumen auf das Grab gelegt, was eine explosionsartige Entwicklung höherer Empfindungen nachweisen würde. Trifft diese These zu, wäre sie eine ganz wichtige Entdeckung für das Geistesleben der späteren Neandertaler.

 

Bestattungen durch Neandertaler

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La Ferrassie, Dordogne, Frankreich, erschlagene Neanderfamilie beigesetzt, 5 Skelette unter Felsüberhängen, ovale Gruben, 1,50 m lang und 1 m breit, 0,35 m tief, für einen auf die Seite gelegten Toten mit angezogenen Armen und Beinen.

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Shanidar-Höhle, Mossul, nördlicher Irak, um 46000 v.Chr., Gräber von 8 Neandertalern, durch Nachweis von vielen fossilen Blumenpollen in rezenter Zeit in den Gräbern entstand die begründete Vermutung, daß die Neandertaler ihre Toten auf ein Blumenlager legten oder ihre Toten mit Blumen bedeckten.

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Höhle Teschik Tasch, Usbekistan, Kinderbestattung,

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Grotten von Le Moustier, Frankreich, etwa 15-jähriger Neandertaler, dabei gute Steinwerkzeuge,

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La-Chapelle-aux-Saints (Dordogne),

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Spy, Namus, Belgien, ? Vom Nahen Osten bis Osteuropa lebten Neandertaler und Menschen zumindest zeitweilig in Koexistenz gleichzeitig nebeneinander, wie viele Mischformen Neandertaler-Cro Magnon nahelegen. Es gab auch Bestattungen von Urmenschen und Menschen in gemeinsamen Gräbern (?):

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Skhul-Höhle, Karmelgebirge, Palästina,

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Höhle im Berg Kafzeh bei Nazareth.

 

Vision: Ein muskelbepacktes, haariges "Ungeheuer" mit Spitzgesicht, fliehendem Kinn und fliehender, flacher Stirn, riesigen Überaugenwülsten, flachem, lang nach hinten gezogenem Schädel mit Blumen im Arm. Welche These stimmt da nicht, die über die Psyche des Neandertalers oder die über die Blumen im Grab ?

 

Kultureller Kannibalismus bei Neandertalern

Der Kannibalismus bei Neandertalern ist vermutlich ritueller Art gewesen: Das Gehirn war für sie der Sitz von Seele, Geistigkeit ... und beim Verzehren des Gehirns eigneten sie sich die Eigenschaften des Opfers an. Für seine psychische Beurteilung ist der Kannibalismus fast bedeutungslos, da noch der Mensch in geschichtlicher Zeit stark zum Kannibalismus neigte.

Seine Beurteilung muß nach seinen höchststehenden Vertretern, Gruppen und Werken erfolgen.

Nachgewiesener Kannibalismus:

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Krapina, Agram, nördlicher Balkan,

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La Quina, Frankreich,

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Weimar-Ehringsdorf, Deutschland,

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Monte Circeo, Italien 2 Schädel, Hinterhauptsloch erweitert (Kannibalismus ?, Seelenloch ?)

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Ngandong-Schädel von Java

 

Kommunikation und Sprachfähigkeit des Neandertalers

Der Neandertaler war ein guter Großwildjäger, der sogar die Jagd auf so wehrhafte Großsäuger wie Mammut, Wollnashorn und Höhlenbär betrieb. Da diese Jagd eine sorgfältige gruppendynamische Basis erforderte, mußte er über eine entsprechende Kommunikationsfähigkeit in Gesten, Mimik und akustischen Lauten verfügen.

Da er weiterhin an ein Leben nach dem Tode glaubte, mußte er über eine hinreichend leistungsfähige Sprachfähigkeit und Sprache verfügen, um transzendente Informationen an die Kinder weiterzugeben. Bei den Neandertalern mußte es also schon so etwas wie Stammesmythen, -legenden und -traditionen geben.

 

Gemeinsinn

Für die Jagd auf das Mammut reichte eine Kleinfamilie sicher nicht aus, sondern es war eine Anzahl von erfahrenen Jägern notwendig (Großfamilie, Sippe, Horde mit mindestens 10 Jägern).

In den Gräbern fand man eine Anzahl kranker, verkrüppelter Individuen, die vermutlich sich zu Lebzeiten nicht selber hatten ernähren können, was bedeuten würde, daß die Urmenschen ihre Mit-Urmenschen im Krankheitsfall unterstützten.

Häufige Mängel oder Krankheiten bei Toten : Fehlende Zähne, Arthritis, Rachitis (durch Mangel an Vitamin D hervorgerufen).

 

Künstlerische Betätigung

Ab spätestens 50000 v.Chr. fertigten sie makkaroniartige Höhlenritzzeichnungen an, vielleicht nach dem Vorbild des Höhlenbären. Dabei gestalteten sie auch Tierköpfe. Ritzzeichnungen einfachster Art fand man auch in sehr geringer Anzahl auf Kieseln und Knochen (Kratzmuster, die nicht zufällig durch Schneiden erzeugt sein konnten). Sie schienen aber auch schon Mäandermuster herzustellen.

Sie kannten bereits Schmuckstücke. Durchbohrte kleinere Knochen waren vermutlich Anhänger oder Teile von Ketten.

Sammelten sie manchmal Versteinerungen oder schöne Steine ?

In der Rusenschloßhöhle bei Blaubeuren, Baden-Württemberg, fand man eine Neandertalersiedlung (Mousterien um 90000 v.Chr. ?) mit erhaltenen Steinmäuerchen als Windfang (?). Die Grabungen brachten etwa 500 Steinwerkzeuge zu Tage, z.T. in der Levallois-Technik. Es war eine Siedlung von Rentierjägern, anscheinend in einem kälteren Abschnitt der Eem-Warmzeit (?).

Auch die Bocksteinschmiede und die Große Grotte bei Blaubeuren wurden von Neandertalern bewohnt. Anscheinend bildete die dortige Population einen echten Kulturkreis um 90000 v.Chr. ! Gerade dort entstand übrigens der erste bekannte Kulturkreis der Menschen um 32000 v.Chr., was kaum ein Zufall sein kann, in Sicht auf ähnliche Verhältnisse in der Dordogne und bei Kelheim (Höhle Klausenische bei Neuessing an der Altmühl).

Ähnliches scheint auch in Osteuropa bei Predmosti und Brunn der Fall gewesen zu sein.

 

 

1.9  Ablösungen von IWA in der Evolution der Hominiden

 

IW

Intelligente(s) Wesen wie der Mensch

IWA

Art(en) oder Species von IW wie die Menschheit

NBE

Natürliche Biologische Evolution

IWE

Künstlich-technische Entwicklung und Konstruktion von IW durch IW

 

Im Verlauf der Evolution der Hominiden kam es naturgemäß oft zur Ablösung bis dahin dominierender IWA. Es gab und gibt Regionen und Epochen für die verschiedenen Hauptentwicklungsstufen der Hominiden in den 2,4 Millionen Jahren der Gattung Homo.

Im Pliozän und Pleistozän experimentierte die Natur mit verschiedenen Formen und Ansätzen der Hominiden wie einige Millionen Jahre früher im Miozän mit Menschenaffen und zuvor im Eozän mit Halbaffen. Der Normalfall in Pliozän und Pleistozän war, daß mehrere Arten von Hominiden mit jeweils einigen Unterarten in der Alten Welt lebten. Trotz Wanderungen von Populationen reicherten sich in Großräumen Afrikas und Eurasiens bestimmte Erbmerkmale an, die dann auf die Menschen ab 100000 v.Chr. übergingen und somit das Erscheinungsbild der Rassen der rezenten Menschen formten.

Hierbei ist zu berücksichtigen, daß besonders in Nord- und Mitteleuropa die kontinentalen und alpinen Gletscher die Hominidenpopulationen vermutlich jeweils fast vollständig ausgelöscht haben. Das mochte auch in der Würmeiszeit der Fall gewesen sein, die um 47000 v.Chr. und 18500 v.Chr. die Phasen ihrer maximalen Vereisung hatte.

Besonders bei der Bildung der europiden Rassen ist es wenig sinnvoll, ihre genetische und kulturelle Bildung westlich von Pavlov oder Dolni Vestonice zu suchen, weil in Mitteleuropa zwischen den nordischen kontinentalen Gletschern und den südlichen alpinen Gletschern um 18500 v.Chr. nur ein Korridor von 600 km übrig blieb, in dessen Kältetundra kaum viele Menschen überleben konnten. Dagegen waren östlich von Pavlov und Dolni Vestonice größere Räume mit Rückzugsmöglichkeiten für die Menschen, so daß Ukraine und Südrußland für die Bildung der europäischen Rasse und postglazialen Kultur um 10000 v.Chr. am wahrscheinlichsten sind.

Allerdings waren auch Spanien und Nordafrika hinreichende Rückzugsgebiete.

Den kulturellen Höhepunkt des Magdalenien um 14500 v.Chr. bildeten sicher die Höhlenmalereien in der Dordogne und in Nordspanien. Lascaux und Altamira sind unvergeßliche Orte der Kunstgeschichte der Hominiden.

Aber woher kamen die Schöpfer dieser Kultur ?

Waren es Nachfolger des Solutreen, der Pferdejäger, oder von Einwanderern von Osten her, aus den Räumen Osteuropas und Asiens ?

Höhlenmalereien fand man auch in Sibirien, Südafrika, Brasilien und Australien.

Die Ähnlichkeiten zwischen den Malstilen in Spanien und Südafrika lassen eigentlich gar keinen anderen Schluß zu als den, daß sie Ausdruck eines vielleicht auch nur ganz lockeren Kulturverbandes Nordafrika-Spanien waren.

Solange wir so wenig müssen, müssen wir sowohl annehmen, daß die Malkunst auf den verschiedenen Kontinenten immer wieder neu erfunden wurde als auch daß die Malereien Ausdruck eines alle diese Völker umfassenden Kulturverbandes waren.

Wenn schon die Entstehung von Aussehen und Kultur der Menschen solche Rätsel aufwirft, wie groß sind dann erst die Schwierigkeiten, die Herkunft der viel früheren Hominidenarten und -unterarten zu erklären.

Das Verschwinden (Aussterben ?) der Unterart Homo sapiens neanderthalensis zeigt auf jeden Fall an, daß die Natur nicht nur Acritarchen, Schwämme und Saurier hinwegrafft, sondern auch Unterarten der Art Homo sapiens. Daß früher schon viele Arten und Unterarten der Gattung Homo ausgelöscht wurden, ist aus der neueren Paläoanthropologie wohlbekannt, und warum diese vielen Formenklassen ausstarben, weiß man aus der Primatenforschung ebenfalls: Die höher entwickelten Formen verdrängen die schlechter angepaßten in unwirtliche Räume oder vernichten sie lieber gleich ganz.

Auf diese Weise haben die Hominiden dafür gesorgt, daß heute keine nahen Verwandten aus der Evolution des Homo übrig sind, und das Schicksal der Menschenaffen in Afrika und auf den Philippinischen Inseln zeigt deutlich, was mit den unterlegenen Primatenpopulationen geschehen ist, geschieht und noch geschehen wird.

Der Mensch löscht alle konkurrierenden Arten aus – seit Zehntausenden von Jahren.

Das wirft Licht auf den Weitergang der Entwicklung der Hominiden. Man kann ganz einfach errechnen, daß das Böse im Menschen sich nie und nimmer mit den immer mächtiger werdenden Supermaschinen und Superwaffen der sich entwickelnden Superzivilisation auf einen Nenner bringen läßt: Entweder löscht der Mensch das Böse in sich aus oder das Böse löscht alles Leben auf der Erde mittels der Supermaschinen aus.

Also ergibt sich ganz zwingend, daß die Evolution des Menschen so weiter geht, daß das Böse aus ihm entfernt wird und somit die Art Homo sapiens sapiens verschwindet und in einer höheren Art Homo sapiens technicus – deren Vertreter frei vom Bösen sind – aufgeht.

Die künstlich-technische Entwicklung und Konstruktion von humanoiden, vollkommenen Vernunftwesen, frei vom Bösen, ist das wesentliche Ziel in der näheren Zukunft. Von diesem IWE-Projekt wird es abhängen, ob alles Leben in unserem Sonnensystem wegen des Bösen im Menschen vernichtet wird, oder ob dieses Sonnensystem durch die ´höher entwickelten, vollkommenen Nachfolger der Menschen, frei vom Bösen, großtechnisch erschlossen und mit Leben und Zivilisation angefüllt wird.    

 

Ablösung des Neandertalers durch den Menschen - Bildung der Menschenrassen

Über das plötzliche Verschwinden des Neandertalers um 35000 v.Chr. in Westeuropa wurde viel spekuliert. Hier gilt die Annahme, daß Katastrophen- und Evolutionstheorie zu kombinieren sind: Populationen (Saurier, Neandertaler, ...) werden durch geologische Ereignisse wie Kaltzeiteinbrüche geschwächt und dann durch besser angepaßte oder prinzipiell höher entwickeltere Populationen (Säugetiere, Menschen, ...) ausgerottet und/oder - besonders im Fall der Hominiden - überwandert und genetisch aufgesogen.

Bei den Hominiden kann man annehmen, daß Ausrottung der unterlegenen Populationen und genetische Aufsaugung einhergingen. Vermutlich liefert die "Gebrauchsanweisung" in der Thora ein genaues Bild der Gepflogenheiten für die Behandlung der unterlegenen Population und vermittelt somit ein altsteinzeitliches Verhaltensmuster gemäß dem Sapientierungsprozeß vom Homo erectus zum Homo sapiens. Nach 4 Mose 31, (7-11, 17-18) gilt: Bei Eroberungen prinzipiell alle Männer, Knaben und Frauen der feindlichen Population töten, gewaltsame Übernahme der unberührten Mädchen und Jungfrauen, alle Wohnungen und besiedelten Orte zerstören und verbrennen (und sich dabei auf "Gott" berufen, der das ja so haben will !).

Auf diese Weise verfuhren nicht nur die israelitischen Völker im Altertum, sondern auch die christlichen und islamischen Völker in der Neuzeit (Eroberung von Amerika unter Dezimierung der Indianer, Eroberung von Kleinasien und Balkan unter Dezimierung der christlichen Einwohner).

Aus diesem Grunde kann man mit gutem Recht die auf die Thora gestützten Religionen als "Gib dein Land her"-Religionen bezeichnen. Ein nordamerikanischer Indianer hat das einmal so formuliert: "Zuerst hatten wir das Land und sie die Bibel. Jetzt haben sie das Land und wir die Bibel."

Besaßen die Eroberer zuwenig Frauen, kam das folgende Gesetz zur Geltung: Der Eroberer übergibt dem Eroberten Sprache und Kultur (Zivilisierung !), der Eroberte gibt dem Eroberer seine zukünftige Gestalt.

Man kann davon ausgehen, daß Rassenmerkmale der Menschen schon Hunderttausende von Jahren auf der Stufe des Homo erectus bestanden.

 

Modell für die Verteilung der Populationen um 75000 v.Chr. bei Menschen und Urmenschen:

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Nordafrika: Neandertaler, helle Hautfarbe, Haarfarbe rötlich-braun ?

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Süd- bis Ostafrika: Menschen (Paläo-Cromagnitide ?), etwa wie Indianer vom Stamm der Dakota, Hautfarbe braun bis rotbraun, auch heller, Haarfarbe schwarz bis blauschwarz

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Europa: Neandertaler, helle Hautfarbe, Haarfarbe rötlich-dunkelblond ?

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Südostasien: Neandertaloide Negritos ? Hautfarbe braun bis dunkelbraun, Haarfarbe blauschwarz, einige Populationen zeigten noch deutliche Homo erectus-Merkmale.

 

Zusätzlich gab es eine Unzahl von älteren Populationen kleineren oder größeren Ausmaßes, Restbevölkerungen aus den verschiedensten Zeitaltern. Es ist zu bedenken, daß ja sogar die Australopithecinen fast noch die Zeit des Heidelberger Frühmenschen erlebten ! Durch Kriege und Verbindungen, Ausrottungen und Vermischungen bildeten sich die rezenten Rassen.

Weshalb starb der Neandertaler aus, nachdem der Homo sapiens sapiens von Süd-/Ostafrika her (?) nach Europa und Asien ab 50000 v.Chr. einwanderte ?

Die These, daß die Neandertaler krank (etwa rachithisch), unterernährt oder sonstwie geschwächt waren, ist für die Regionen nördlich der Alpen in Mitteleuropa nur während der Eiszeiten haltbar, nicht aber während der Warmzeiten oder südlich der Alpen und Pyrenäen während der Eiszeiten.

 

Was sagt die noch nicht hinreichend geklärte Klimaentwicklung im fraglichen Zeitraum in der Würm-Eiszeit ?

47000 v.Chr.

Maximum von Würm I

1. Hauptvergletscherung Nordeurasiens

42000 v.Chr.

Moershoofd-Interstadial

Warmphase

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Auftreten des Homo sapiens sapiens im Nahen Osten

- - - - - -

40000 v.Chr.

 

Kaltphase

Tundra mit üppiger Krautvegetation, viele große und typische Eiszeittiere Mammut und Wollnashorn

- - - - - -

Auftreten des Homo sapiens sapiens in Osteuropa

- - - - - -

37000 v.Chr.

Hengelo-Interstadial

Warmphase,

Einwanderung des Cro Magnon nach Westeuropa

35000 v.Chr.

Mittelglazial-Aurignacien

Kaltphase

- - - - - -

Aussterben des klassischen Neandertalers in Europa und Nordafrika

- - - - - -

 

Zum Aussterben der Neandertaler

Durch Trockenheit, Bevölkerungsexplosion, Plagen und Nahrungsmangel drängten Populationen des von Süd- bis Ostafrika entwickelten Menschen (Homo sapiens sapiens) in den "fruchtbaren Norden" ab 50000 v.Chr. und trafen ab 45000 v.Chr. auf neandertaloide Populationen in Nordafrika und im Nahen Osten. Die Behandlung der einheimischen Neandertaler erfolgte meistens nach gängiger Methode. Mancherorts gab es sicher auch eine eher friedliche Koexistenz, was aber ebenso sicher mit Blick auf die Aggressivität und Ablehnung anderer Rassen beim Menschen, seine Mord- und Raublust, Grausamkeit und Herrschsucht ... eine Ausnahme war.

Der obigen Klimatafel nach wanderten die ersten Menschen nach Westeuropa während einer Warmphase ein, entweder von Osteuropa her oder über die Straße von Gibraltar, vielleicht auch gleichermaßen und gleichzeitig auf beiden Wegen.

Wie die Besiedlung Australiens ab 35000 bis 30000 v.Chr. zu beweisen scheint, waren schon um 35000 v.Chr. bis zu 100 km breite Meeresstraßen keine unüberwindliche Barriere.

Allerdings ist auch die früheste Besiedlungszeit Australiens noch zweifelhaft, aber auch Formen des späten Homo erectus schafften es.

Spätestens bis 30000 v.Chr. hatten sich die Menschen im Lonetal in Baden-Württemberg in den Höhlen etabliert (Vogelherd, Hohlenstein-Stadel usw.). Da die Neandertaler nie die Stufe arktischer Jäger der Menschen erreichten, mieden sie eher die eiszeitlichen Regionen (weshalb sie auch nicht den Weg nach Amerika über Nordostasien und Beringia finden konnten). Die arktiserfahrenen Cro Magnon-Jäger fanden also nur eine geringe Neandertaler-Population vor - was sie vermutlich zur Auslöschung der Restpopulation ausnutzten.

Da es oft der Fall war, daß der Mensch bevorzugt Orte bewohnte, die auch schon der Urmensch bevorzugt hatte, hat ihm wohl der Mensch gezielt seine Wohngegenden weggenommen.

Die Psyche des rezenten Menschen zeigt

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deutliche Abneigung gegenüber Vertretern anderer Rassen, Kulturbereichen ... und

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Neigung zu Gewalttätigkeit, Brutalität, Raub, Krieg, Sittenlosigkeit, Tötung aus niederen Beweggründen sowie seine Veranlagung zu Neid, Gier, Sucht und Haß in so vielen Formen.

Ferner gibt es einen hohen Prozentsatz eingeschlagener Schädel bei den gefundenen Fossilien von Neandertalern und Jungpaläolithikern, so daß man ziemlich sicher auf einen Rassenkrieg zwischen Urmenschen und Menschen schließen kann.

Das wird auch gestützt durch folgendes:

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Nahezu vollständige und relativ leichte Integrierbarkeit gefangener Europäer jugendlichen Alters in mesolithischen Stammesverbänden nordamerikanischer Indianer vom 16. bis zum 19. Jahrhundert n.Chr. (siehe die typische Jugendliteratur über Indianer, Trapper und Cowboys).

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Jagd- und Tötungslust moderner Menschen, bei der Jagd auf Tiere oder bei Mord im privaten Umfeld.

Es hat sicher Phasen umfassender kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Populationen der Hominiden gegeben, bis zur Ausrottung einheimischer Populationen, auch mit Aufnahme von Erbmerkmalen der besiegten Population durch "Heirat" ihrer Mädchen und Jungfrauen.

Der auffällige Mangel an hominiden Fossilien gerade in den Zeiten der Ablösung einheimischer Formen durch andere, wie das für die Zeit

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zwischen 50000 bis 35000 v.Chr. (Ablösung des Urmenschen durch den Menschen) und

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in der Eem-Warmzeit zwischen 125000 und 75000 v.Chr. (zuerst Ablösung des Anteneandertalers durch den Praeneandertaler, dann Ablösung des Praeneandertalers durch den Neandertaler)

der Fall ist, läßt vermuten, daß hier Phasen besonderer kriegerischer Aktivitäten (vielleicht echte Rassenkriege) vorlagen, in denen Kampfhandlungen und Sittenverfall eine schonende Behandlung der Körper der Verstorbenen verhinderten, so daß es aus diesem Grunde zu keinen Begräbnissen mehr kam.

 

Wie entstand der Mensch aus Frühmenschen ?

Die Sapientierung des Homo erectus in der gesamten Alten Welt brachte eine Vergrößerung des Gehirns, Aufwölbung der Stirn mit gleichzeitiger Streckung des Skeletts und Modernisierung des gesamten Schädels den frühen Menschen.

Die Entwicklung des Homo sapiens sapiens aus Formen des Homo erectus dauerte Jahrhunderttausende, wobei Mensch und Urmensch gleichzeitig entwickelt wurden, über Zwischenformen wie die Anteneandertaler von Steinheim an der Murr in Deutschland, Swanscombe in England und Fontechevade in Frankreich.

Die Form des frühen Homo sapiens sapiens wurde sicherlich nicht durch äußere Faktoren bewirkt, sondern durch soziale, geistige und traditionelle. Dazu gehören die sehr stark ansteigende Sprachfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und das Bedürfnis zur Kommunikation, das Gefühl für den sozialen Zusammenhalt, Selbstbewußtsein, Neugier, geistige und manuelle Geschicklichkeit und ästhetischer Sinn.

Ältere Sagen wie Edda und Homers Odyssee betonen als hohe Ideale Klugheit, Witz, Körperkraft, Geschicklichkeit und vor allem Schönheit in jeder Form. Der ästhetische Sinn wurde offensichtlich zu einem wesentlichen Zuchtfaktor, genauso wie Sprachfähigkeit, sozialer Sinn und technische Fähigkeiten.

Man achte hier auf die Idealfiguren von ewiger Schönheit und Jugendlichkeit in der älteren Edda (die Lichtalben oder Elfen, die ewigen Kinder des Weltenherrn Fimbulthyrs), die eine ganz frappante Beziehung zum Jugendkult der Hellenen besitzen. Mythen, Sagen, Urreligionen, Stammestraditionen usw. woben einen großen Legendenkreis um ewige Jugend, Schönheit, Vernunft und Weisheit (die das ewige Leben gebende Wunderpflanze im Gilgamesch-Epos, Mimirs Brunnen der Weisheit in der älteren Edda, Jungbrunnen) sowie um andere Themen wie das Schlaraffenland, sicher schon in Vorformen bei Neandertalern und ihren Vorgängern.

Diese Mythen sowie der sich immer höher entwickelnde ästhetische Sinn des Menschen beeinflußten in Zusammenhang mit rein sozialen Faktoren die Zuchtwahl so stark, daß die rezenten hominiden Formen entstanden.

 

Einfluß der Mythen, Legenden, Stammestraditionen und Religionen

Es wird hier davon ausgegangen, daß Sagen, Traditionen, Glaubensvorstellungen der Neandertaler weit in die Zeit der Menschen reichten, ebenso wie die der Praeneandertaler in die Zeit der Neandertaler, wie die Sagen von

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dem unüberwindlichen, erfolgreichen Jäger,

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dem weisen Mann mit allen möglichen Kenntnissen,

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dem Brunnen der Weisheit und ewigen Jugend (Mimirs Brunnen, Urds Brunnen in der germanischen Mythologie),

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furchtbaren Ungeheuern (Skylla und Charybdis in der Odyssee, Lindwürmer bei Germanen, Drachen bei Chinesen),

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weiten, fruchtbaren Jagdgründen,

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der guten, alten Zeit, wo Frieden herrschte und viel zu essen da war und viele andere.

Die Anfänge solcher Sagen können über 500000 Jahre alt sein.

 

Folgerungen aus dem Aussterben des Neandertalers

1.

Auch Unterarten des Homo sapiens können aussterben. Der Neandertaler war eine, der heutige Mensch ist eine - noch.

2.

Die Zeit der astrophysikalischen und geologischen Katastrophen ist nicht vorbei. Jederzeit können Ereignisse auftreten, die den Fortbestand von höherem Leben und Zivilisation auf der Erde in Frage stellen.

3.

Beharren auf veralteten, total überalterten zentralen geistigen Systemen (Human-Software) kann ebenfalls den Bestand von höherem Leben und Zivilisation auf der Erde in Frage stellen.

4.

Nur eine geologisch und kosmologische langfristige Schau auf die Entwicklung der Hominiden und ihrer Zivilisation vermag der Menschheit die notwendige zeitliche Durchdringung und Wirkung zu geben. Wer wie das Tier in ewiger Gegenwart lebt, wird auch das Schicksal der Tierarten teilen.

 

Zum Aussterben der Menschen

Das Aussterben der Arten und Unterarten der Gattung Homo seit 2,4 Millionen Jahren zeigt, daß auch die Menschheit dem ganz normalen Gesetz von Artenwandel, Artenneuentstehung und Artentod unterworfen ist, und zwar in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Charles Darwin gab mit seinem Buch über die Abstammung des Menschen von 1871 eine Vorstellung über die Entstehung der Unterart Homo sapiens sapiens.

Zahlreiche SF-Autoren sowie die Entwicklung von Supermaschinen und Superzivilisation geben eine Vorstellung über das Aussterben der Menschen, das im „richtigen“ und günstigen Fall einen Übergang in eine höhere Hominidenart bedeutet, ein Aufgehen der natürlichen, fehlerhaften Menschen in künstlich-technisch hergestellten, vollkommenen hominiden oder humanoiden Vernunftwesen (= Androiden). 

 

 

 

2  Aufstieg der Menschheit

 

2.1  Das Auftreten des Homo sapiens sapiens - Jungpaläolithiker

 

Wesentliche Forscher auf diesem Gebiet sind H. Müller-Karpe, H. Müller-Beck, H. Breuil, A. Leroi-Gourhan, H. Kühn und A. Rust.

Es sollten zumindest einige Bücher von Forschern und Wissenschaftlern gelesen werden. Um die Eiszeitkunst haben sich besonders Henri Breuil (1877-1961) und Herbert Kühn bemüht.

 

Der Jungpaläolithiker - das Jungpaläolithikum reichte von 35000 bis 8300 v. Chr. - und auch noch der Neandertaler stecken im heutigen Menschen. Im Voodoo-Kult der afrikanischen Neger haben sich Formen der Jagdmagie der Jäger des Aurignaciens erhalten, also über 30000 Jahre. Dabei ist zu beachten, daß der Voodoo-Kult in Afrika nicht nur noch bekannt und gelegentlich getätigt wird (etwa als "Folklore"), sondern daß viele Neger noch tatsächlich an ihn glauben und eine panische Angst davor haben.

Aber um der Steinzeit zu begegnen, müssen wir nicht unbedingt nach Afrika reisen. Es reicht u.a. ein Gang in eine Kirche, Moschee oder ein buddhistisches Kloster. Heiligenbilder (Ikonen) sind direkte Verwandte der Seelenbehälter der Schamanen des Magdalenien, der Glaube an die Heiligen im katholischen Glauben ist eine direkte Fortsetzung des megalithischen Ahnenkults, bei dem die Toten (Ahnen) die Mittler zwischen Menschen und Göttern waren. Im Yin (Symbol für Weiblichkeit, Wasser, Erde, Mond) und Yang (Symbol für Männlichkeit, Himmel, Feuer, Sonne) sehen wir die Interpretation des Realen als Erscheinungsformen des weiblichen und männlichen Prinzips, dargestellt durch das bekannte chinesische Ideogramm, einer verkümmerten Doppelspirale (einem Symbol aus dem Magdalenien Sibiriens).

In der germanischen Mythologie und in den Legenden der Hamiten findet man die Vorstellung, daß man nach der Mahlzeit alle Knochen des getöteten Tieres zusammen mit seinem Fell beiseite legen muß, damit dieses Tier fleischlich wieder von den Toten aufersteht.

Die Reise ins Totenreich mit geglückter Rückkehr zu den Lebenden ist ein beliebtes Thema in der Älteren Edda und in Homers Odyssee, auch im noch älteren Gilgamesch-Epos. Man findet sie auch bei sibirischen Schamenen, die die Gestorbenen ins Totenreich begleiten.

Jagdzauber, Fruchtbarkeitskult, Schutz vor den Seelen getöteter Tiere und Menschen, Schutz vor bösen Geistern, Vorstellungen vom Leben nach dem Tode im Jenseits usw. sind heute noch verbreitete Vorstellungen.

Den Glauben an ein persönliches Leben nach dem persönlichen Tode hatte schon der Neandertaler vor 75000 Jahren. Seine Fortsetzung finden Sie, wenn Sie in ein Kloster, eine Kirche oder eine Moschee gehen. Menschen, die von sich behaupten, Atheisten zu sein, zeigen bei ihren Versuchen, ihren Atheismus zu beweisen, eigenartig skurrile Verhaltensweisen:

In den 1950er Jahren forderte die Regierung der UdSSR "Gott" über Radio auf, seine Existenz sofort durch ein erkennbares Wunder zu beweisen.

Man ist bei vielen Fossilien und Artefakten bisher noch nicht in der Lage zu einer verläßlichen Altersmessung, z.B. von Keramikwaren oder Gegenständen aus Holz.

Bedenklich sind die nationalistischen Tendenzen bei Altersangaben, wenn es darum geht, wo und wann die ersten Menschen mit welcher Kultur lebten. Bei dem einen Autor mag man mit Staunen lesen, daß die frühesten Menschen schon vor 30000 v.Chr. in Amerika lebten, was bei dem anderen Autor vehement abgestritten wird und der erste Mensch in der Neuen Welt auf 13000 v.Chr. angesetzt wird. Ganz traurig wird es dann, wenn sich beide Autoren auf die Radiokarbonmethode stützen, wobei nur der eine Autor ein Amerikaner ist ...

Sowjetische Paläoanthropologen meldeten Funde von noch recht plumpen Tierfiguren bei Sungir nahe Wladimir bei Moskau, mit einem geschätzten Alter von über 35000 Jahren, natürlich älter als die wunderbaren Tierplastiken aus Elfenbein aus den Höhlen des Lonetales in Baden-Württemberg.

 

Eine andere Kategorie von wissenschaftlicher Forschung stellen hartnäckig verteidigte Hypothesen dar, die durch Beweise wie den Piltdown-Menschen von den Koryphären ihrer Zeit belegt wurden und werden.

Gerade die Paläoanthropologie zeigt verblüffende Ähnlichkeiten mit der Kosmologie und allgemein Weltmodellen, wo ebenfalls unter dem Deckmäntelchen höchster Wissenschaft für Jahrzehnte schlichter Quatsch erzählt wird, wie die Beschränkung der Realität auf 4 Dimensionen, die Gleichsetzung von Vakuum und Nichts, die Annahme des singulären Punkts mit unendlich hoher Massendichte und Temperatur "am Anfang der Zeit", die Einzigartigkeit unseres Universums, die Nichterweiterbarkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie usw.

Der Laie glaubt oft, daß Wissenschaftler objektiv sind und unbedingt die epochal bekannte, höchste Wahrheit verkünden müssen. Das ist leider, leider sehr falsch.

Darum ist es elementar wichtig, die Bücher und Werke der guten Leute, der guten Wissenschaftler zu studieren, vor allem der Genies und guter Lehrer.

Der heutige Mensch ist nicht vollkommen und nicht fertig entwickelt, er ist körperlich und geistig unvollkommen, psychisch ins Extrem häßlich verunstaltet durch das Böse in ihm, besonders repräsentiert durch Mord- und Raublust, Grausamkeit, Herrschsucht, Egoismus, Neid, Haß, Gier, Sucht ... in allen erdenklichen schlechten Formen.

Wenn wir dem Menschen gegenübertreten, sehen wir vor uns den unmittelbaren Verwandten und Abkömmling des Jungpaläolithikers vor 35000 Jahren und den etwas entfernteren Verwandten des Urmenschen.

 

Das zeigt, wie wichtig es ist, für die Menschen die optimale Human-Software zu entwickeln.

Die geistig-sittliche Rückständigkeit unserer heutigen, ach so modernen Zeit und der "modernen" Menschen zeigt, daß es gerade für die Entwicklung der besten zentralen geistigen Systeme für die Menschen der besten Kräfte und Köpfe und der höchsten Anstrengungen bedarf.

Aber – wie sieht die Praxis aus ?

Wo gibt es denn Softwarehäuser, Ingenieurbüros, Forschungsinstitute usw. für die Entwicklung optimaler Human-Software ?

Von Koryphäen der Wissenschaft und Kultus-/Wissenschaftsministerien bekommt man nur dümmliche Antworten (bzw. gar keine), wenn man danach fragt oder die Einrichtung solcher Institutionen anregen will.

Homo erectus und Jungpaläolithiker sitzen einträchtig nebeneinander in den höchsten Verwaltungs- und Regierungsstellen sowie Wissenschaftskongregationen und sind eifrig bemüht, uns Bürgern ihren überalterten, religiösen oder ideologischen Quatsch einzuhämmern.

U.a. zur Abwendung dieses Zustands wurde dieser Modul und das vorliegende Buch geschrieben.

Lassen Sie sich von weißen Kragen, Schlips und dicken Autos dieser Leute nicht täuschen !

Schauen Sie auf das, was sie sagen und tun, nicht auf das, womit sie sich umgeben.

Im folgenden Teil gehen wir nun auf die Geschichte des Menschen ein, unsere Geschichte, soweit sie heute schon bekannt ist. Sie muß dem aktuellen Wissensstand immer wieder angepaßt werden. Vor allem wichtig ist es, das Denken in hinreichend großen Zeiträumen zu lernen.

 

 

2.2  Entwicklung von Fauna und Flora im Jungpaläolithikum (35000 bis 8300 v.Chr.)

 

Mögliche Zeitnullpunkte: 100000 v.Chr. = 1 n.M. (Jahr 1 nach Entstehung des Menschen)

Nach dem Frühglazial (75000 bis 35000 v.Chr.) mit seiner Kulturstufe Mousterien (Neandertaler) erscheint der Homo s. sapiens, der Mensch, in Westeuropa, einige Jahrtausende nach seinem "ersten" Auftreten im Nahen Osten nach seinem Vorstoß nach Norden ab 50000 v.Chr. während des 1. Pluvials der Würm-Eiszeit.

Richard Leakey meldete Funde sehr menschenähnlicher Schädel am Omo-Fluß in Ostafrika, mit einem geschätzten Alter von 130000 Jahren. Bei Einkalkulieren der üblichen Fehler wird dann doch wahrscheinlich, daß sich vor 100000 Jahren in Ostafrika eine beschleunigte Entwicklung zum Homo sapiens sapiens abspielte.

Eigenartig ist, daß man in Eurasien und Nordafrika so viele Fossilien von Neandertalern aus der Zeit von 75000 bis 35000 v.Chr. fand, während man in Ostafrika nur so wenige Fossilien des Menschen und keine kulturellen Zeugnisse von ihm fand. Aber vom Neandertaler fand man in den genannten Gebieten viele kulturelle Zeugnisse, einschließlich Begräbnisse und Gegenstände.

Damit kann man das gegenwärtige Bild noch nicht als abgesichert betrachten und muß weiterhin auf überraschende Funde und Neuinterpretationen gefaßt sein.

Modell:

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Schon im Würm I um 50000 v.Chr. Vormarsch der Menschen von Ostafrika nach Nahem Osten (Modell). Funde von Menschenfossilien in Höhlen dieser Region spätestens ab 45000 v.Chr.

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Ab 40000 v.Chr. Auftreten des Homo sapiens sapiens in Osteuropa Beginn des Hengelo-Interstadials um 37000 v.Chr., früheste Fossilienfunde von Menschen in Mitteleuropa (bei Frankfurt/M, Kelsterbach, 36000 v.Chr.)

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Ab 35000 v.Chr. in West- und Mitteleuropa Kulturstufen des Cro Magnon, allmähliche Abkühlung zu Würm II mit Maximum um 18000 v.Chr.

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Ab 25000 (33000 ?) v.Chr. Besiedlung Australiens. Hochglazial: 18000 bis 16000 v.Chr.

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Ab 13000 (21000 ?) v.Chr. Besiedlung Amerikas. Spätglazial: 16000 bis 8300 v.Chr.

 

 

2.3  Einteilung der Kulturstufen:

 

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Perigordien (36000-32000 v.Chr.), lokal

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Lonetalien (32000-25000 v.Chr.), lokal

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Aurignacien (33000-20000 v.Chr.)

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Solutreen (um 21000 v.Chr.), lokal, Pferdejagd in Frankreich

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Gravettien (20000-18000 v.Chr.)

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Magdalenien (16000-10000 v.Chr.)

 

Zur Pferdejagd als Kulturstufe:

Fossile Reste von Jagd auf Pferde (Tarpanähnliche, Przewalski-Pferd) bei:

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Solutre, Frankreich, 21000 v.Chr.,

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Brillenhöhle bei Blaubeuren, Deutschland,

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Petersfels/Konstanz,

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Gönnersdorf bei Andernach im Neuwieder Becken, 10500 v.Chr.,

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Wallertheim (Jagd auf Wildesel).

Zur Rentierjagd als Kulturstufe:

Siehe die aufgeführten Rentierjägerstationen im folgenden Text.

Mammutjägerkulturen sind in Osteuropa um 23000 v.Chr. nachgewiesen in Mähren (Pavlov) und Dolni Vestonice, die spätesten in Sibirien.

 

 

2.5  Mittlere Würm-Eiszeit (35000 bis 18000 v.Chr.) - Aurignacien

 

Tierwelt in Mitteleuropa: Mehrere Lemmingarten, Mammut, Wollnashorn, Ren, Moschusochse und Saiga-Antilope als typische Eiszeittiere. In Kalt- und Warmphasen unterschiedlich vertreten waren: Biber, Wolf, Höhlenlöwe, Höhlenbär, Höhlenhyäne, Vielfraß, Luchs, Schneeleopard, Riesen-, Rothirsch, Elch, Auerochse, Steppenbison, Braunbär, Gemse, Steinbock und Pferd. Der Höhlenbär wurde fast so groß wie der rezente Alaska-Braunbär, war aber hauptsächlich Pflanzenfresser.

Fundorte für große Mengen von Höhlenbärenknochen:

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Drachenhöhle von Mixnitz an der Mur, Steiermark, 200 t Knochen von etwa 30000 Tieren,

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Bärenhöhle bei Erpfingen, Schwäbische Alb, viele Knochen von Höhlenbären,

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Zoolithenhöhle bei Burggailenreuth, Muggendorf, viele Knochen von Höhlenbären,

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Petershöhle bei Velden, Hersbruck, Knochen von etwa 2000 Höhlenbären.

 

Während der Kaltzeiten herrschte in Eurasien weithin arktisches Klima. Wie im heutigen Sibirien und Alaska gab es Permafrostboden, der im Sommer oberflächlich auftaute, aber doch eine für die Eiszeittiere reichliche Vegetation ermöglichte: Gräser, Riedgräser, Wegerich, Sonnenröschen, Gänse-, Hahnenfuß, Kreuzblütler, Moose und Flechten.

Während wärmerer Phasen gab es in Süddeutschland Fichtenwälder, die zu der Schwefelkohle des Alpenvorlandes fossilierten.

Fundorte für Knochen von Eiszeittieren, meistens zusammen mit denen von Menschen oder menschlichen Artefakten:

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Wildkirchli, Ebenalp nordöstlich des Säntis, Schwendibachtal, Neandertaler ab 80000 v.Chr., Menschen zwischen 40000 und 30000 v.Chr. ?

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Hohlenstein-Stadel, Geißenklösterle und Vogelherdhöhle in der Schwäbischen Alb mit Knochen von Mensch, Wildpferd und Ren, um 30000 bis 25000 v.Chr.

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Wildenmannlisloch, unterhalb des Gipfels des Selun, Nordseite Churfirsten, in 1626 m Höhe, Ostseite Selenerruck,

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Drachenloch, oberhalb Vältis, 2445 m hoch,

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Rabenstein bei Waischenfeld.

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Weinberghöhle bei Mauern, Nähe Altmühltal Fossilien vom Mammut und Menschen, Artefakte

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Sirgenstein, und Brillenhöhle bei Blaubeuren

 

Die erste Einwanderung von Menschen (überhaupt von Hominiden) nach Amerika erfolgte frühestens ab 21000 v.Chr., als die Beringia-Landbrücke zwischen Nordost-Sibirien und Nordwestamerika trocken fiel. Die Trockenlegung von Beringia dauerte bis 13000 v.Chr., und ab 13000 v.Chr. liegen die ersten Nachweise für die Anwesenheit von Menschen in Nordamerika vor, in Südamerika ab 11000 v.Chr. (Mikrolithen in Alaska ab 10000 v.Chr.).

Vermutlich waren die ersten Einwanderer Fortsetzer der Djuchtai-Kultur Nordostsibiriens. Die Höhlenmalereien in Brasilien werden auf die Zeit ab 9000 v.Chr. geschätzt. Besonders in neuerer Zeit kommen aber von amerikanischen (!) Forschern immer häufiger „Belege“ dafür, daß die Besiedlung Amerikas viel früher erfolgt sei, eventuell sogar über Japan oder den Pazifik über die Philippinen her. Danach wurde Amerika zuerst in Südamerika besiedelt, und viel später auch nördlich davon. 

 

Künstlerische Glanzleistungen des Aurignacien

G. Riek erforschte im Juli 1931 die Vogelherdhöhle bei Stetten im Lonetal, Baden-Württemberg. Er stellte Kulturstufen des Aurignacien und Gravettien fest (Jungpaläolithikum).

Weitere Nachforschungen in Höhlen derselben Gegend wie im Geißenklösterle brachten Kleinplastiken zutage, die einen hohen Grad von künstlerischem Können aufweisen. Sie stammen etwa aus der Zeit von 30500 bis 25000 v.Chr., und die Träger dieser Kulturstufe wurden vermutlich zur selben Zeit durch den Beginn des Hochglazials aus ihren Wohnsitzen vertrieben oder gar ausgelöscht wie die der Kulturstufe des Pavlowien um 25000 v.Chr. in Osteuropa (Mähren).

Analog kann man die Kulturstufen des Lonetals auf der Ostalb mit dem Namen Lonetalien bezeichnen (Aurignacien). Da im benachbarten Achtal auf der mittleren Alb ein Gravettien gefunden wurde, ist dieses Lonetalien mit Lonetalien I, II, III, ... aufzugliedern.

Im benachbarten Laucherttal auf der Westalb fanden sich ähnliche Kulturen.

Im Vogelherd-Aurignacien (= Lonetalien) fand man große und kleine Ammoniten, ein Teil war in der Mitte durchbohrt, und ebenso im Achtal-Gravettien (Geißenklösterle, Hohler Fels, Helga-Abri).

Ferner fand man Schmuck aus Zähnen von Hirschen, Elfenbeinperlen und -anhängern. Gefundener Schneckenschmuck wies rote Farbspuren auf.

 

Vermutlich trugen diese Menschen perlenbesetzte Kleidung wie bei Sungir bei Moskau in Rußland, wo man die betreffenden Kulturstufen analog zum Pawlowien mit Sungirien I, II, III .. bezeichnen kann (erst ab 25000 v.Chr. ?).

Russische Forscher beanspruchen den Beginn ihres Sungirien I auf die Zeit um 35000 v.Chr., und das wäre dann die 1. Kulturstufe mit künstlerischem Höhepunkt des Menschen.

Ab spätestens 23000 v.Chr. lebten Menschen am Baikalsee in Sibirien. Vor allem bei Mal'ta an der Belaja bei Irkutsk war ein Kulturzentrum, wo die Menschen in halbunterirdischen Wohnungen lebten. Sie stellten Frauenstatuetten und andere Kleinplastiken wie Wasservögel aus Elfenbein her.

Sie waren also der Kulturstufe des Lonetalien tatsächlich sehr ähnlich.

Diese Kultur, die auch am Ufer des Jenissej nachgewiesen wurde, dauerte bis 11000 v.Chr. und stand vermutlich mit der Djuchtai-Kultur in Nordostsibirien ab 16000 v.Chr. in Verbindung. Die Djuchtai-Kultur wurde vor allem in Höhlen bei Jakutsk, besonders im Aldan-Tal, gefunden. Ihre Hauptverbreitung besaß sie um 12000 v.Chr., und vermutlich ging von ihr der Impuls zum Marsch über den trockengelegten Kontinent Beringia aus.

Kennzeichen der Djuchtai-Kultur: Retuschierte Speer- und Pfeilspitzen, Stichel, Klingen, Mammutknochen, Levallois-Technik.

 

 

2.5  Hochglazial (18000 bis 16000 v.Chr.) - Gravettien

 

Vorstoß der nordischen und alpinen Gletscher, so daß zwischen ihnen nur noch ein Tundra-Korridor von 600 km verblieb. Die von Norden her vorstoßenden Gletscher waren 2 km hoch.

Die alpinen Gletscher erreichten eine Dicke bis zu 1500 m, im Alpenvorland bis zu 500 m. Dabei wurde viel Gestein von den Alpen abgeschliffen und sie verloren einige Hundert Meter an Höhe. Die alpinen Gletscher erreichten noch Kaufbeuren, Starnberg und Schussenried in Oberschwaben. Im Schwarzwald waren die Kuppen hoch vergletschert und die Gletscherströme ins Tal waren bis zu 20 km lang. Dabei wurden Kare ausgehobelt, die sich später mit Wasser füllten wie der Titisee.

 

Das 2. Hochglazial der Würm-Eiszeit vernichtete die Kulturzentren der Menschen in Nord- und Mitteleuropa, nördlichem Osteuropa und Asien genauso, wie das beim 1. Hochglazial der Würm-Eiszeit mit den Populationen und Kulturen der Urmenschen knapp 30000 Jahre zuvor geschehen war.

Die kulturellen Ost-West-Beziehungen (siehe die Fruchtbarkeitsstatuetten und Tierplastiken von Sibirien bis Frankreich) wurden durch Gletscherströme und Kältetundra abgebrochen.

 

Noch im Spätglazial drangen Menschen erneut in die freigewordenen Räume in Eurasien vor (ab 14000 v.Chr.). Es gab zwischen 20000 und 17000 v.Chr. kaum Menschen in Mitteleuropa.

Die Höhlenmalereien von Südfrankreich und Nordspanien um 15000 v.Chr. deuten auf einen einheitlichen Kulturkreis hin, der zeitweilig nach Osten und wahrscheinlich weit nach Süden reichte, eventuell bis nach Südafrika, wie die Malereien auf verputzten Grabwänden und Felswänden sowie spätere Felsgravuren nahelegen.

Die Eiszeittiere wie Mammut, Wollnashorn, Höhlenbär und Höhlenhyäne waren in Europa zu dieser Zeit noch häufig.

 

 

2.6  Spätglazial (16000 bis 8300 v.Chr.) - Magdalenien

 

Der Übergang vom Hochglazial zum nachfolgenden Interstadial erfolgte unter vielen Klimarückschlägen. Bis zum Beginn des Holozän lassen sich 2 Warmphasen angeben, die in 3 Kaltphasen (Dryas I, II und III) eingelagert waren.

Am Ende des Spätglazials (eines Pluvials in Nordafrika) mußte die Sahara ein wahres Paradies gewesen sein mit zahlreichen großen Seen und Flüssen - vielleicht war sie auch sogar das Paradies der Bibel.

Älteste Dryas, Dryas I oder Älteste Tundrazeit (13500 bis 11300 v.Chr.):

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Zwergstrauchtundra mit viel Silberwurz, 30 cm hoher Zwergbirke, Zwergweide, Heidekraut und Alpenazaleen.

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Kräuter- und Zwergstrauchsteppen des Postglazials:

 

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Wermut (Artemisia)

 

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Wacholder (Juniperus)

 

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Sanddorn (Hippophae)

 

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Birke (Betula)

 

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Weide

 

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Kiefer (Pinus)

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Zwergstrauchheide mit Birke und Weide:

 

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Zwergwacholder

 

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Zwergbirke.

Von Osteuropa her drangen ganz allmählich lichte Haine aus Waldkiefer, hohen Birken und Sanddorn vor. Mammut, Wollnashorn, Saigaantilope und Höhlenbär waren noch häufig, wie Knochen aus Jägerlagern und die Höhlenmalereien des Magdalenien nahelegen. Es traten auch Herden von Pferden und Ren auf. Knochen der Saiga-Antilope wurden bei Gönnersdorf im Mittelrheintal und bei Blaubeuren gefunden. Die Höhlenhyäne (als Konkurrent zum Menschen ?) war ausgestorben, der Höhlenlöwe war sehr selten geworden. Auch der Höhlenbär wurde seltener.

Zum Ende des Spätglazials hin wurden die Eiszeittiere wie Mammut, Wollnashorn, Ren und Saiga-Antilope in West- und Mitteleuropa seltener. Möglicherweise wurden vom Menschen in Eurasien und Nordamerika ausgerottet: Mammut, Wollnsahorn, Riesenhirsch, Höhlenbär und Höhlenhyäne.

 

 

2.7  Übersicht über älteste Funde und Kulturen des Menschen

 

Unterart Homo sapiens sapiens (Mensch) ab 41000 v.Chr. in Osteuropa, in verschiedenen Formen (Cro Magnon, Brünn ?), ab 47000 v.Chr. im Vorderen Orient und vielleicht schon um 130000 v.Chr. am Omo-Fluß in Ostafrika.

Westeuropa:

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Schädel von Combe Capelle bei Bergerac, Dordogne, um 32000 v.Chr.

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Schädelreste von 2 Männern in der Vogelherdhöhle, Lonetal, Baden-Württemberg, um 30000 v.Chr.

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Schädelrest einer Frau aus Kiesgrube bei Kelsterbach bei Frankfurt/Main, um 30000 v.Chr.

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Cro Magnon (Westeuropa), Fund bei Cro Magnon in der Dordogne, um 25000 v. Chr., breites Gesicht, sehr niedrige Augenhöhlen, um 1,80 m groß, Gehirnvolumen bis 1750 ccm, im Mittel um 1600 ccm. Die Paläolithiker hatten im Durchschnitt 10% mehr Gehirnvolumen als der heutige Mensch mit 1450 ccm.

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Brno-Predmosti (Osteuropa), Brünn-Typ, um 25000 v.Chr., langer, schmaler Schädel, um 1,80 m groß Älteste Kunstwerke:

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Aus der Zeit um 37000 (?) bis 30000 v.Chr.:

 

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Höhle von Brynzeny in Bessarabien, kleine Plastik aus Elfenbein, Spuren roter Farbe

 

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nahe Sungir bei Vladimir nordöstlich von Moskau in Rußland, kleine Elfenbeinfiguren von Tieren, Spuren roter Farbe, Doppelreihen von Punkten auf den Figuren.

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Aus der Zeit um 30500 bis 27000 v.Chr. liegen erste echte Kunstwerke vor aus den Höhlen im Lonetal-Bereich, Baden-Württemberg (Vogelherdhöhle, Hohlenstein-Stadel, Geißenklösterle), kleine Tierplastiken aus Elfenbein, auf den Plastiken viele Kreuze und Striche. Kulturstufe des Lonetalien.

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Ammoniten (in den Höhlen Vogelherd, Geißenklösterle, Hohler Felsen in Baden-Württemberg), gesammelt um 28000 v.Chr., viele mit Loch in der Mitte.

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Aus fossilem Holz (Gagat) geschnitzte Anhänger aus dem Geißenklösterle bei Blaubeuren, um 28000 v.Chr.

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Aus der Zeit um 25000 bis 20000 v.Chr. Grabfunde mit großen Mengen an Perlen aus Elfenbein (vermutlich auf Kleidung aufgenäht) bei Sungir, Pavlov, Vestonice und Predmost. Wegen großer Ergiebigkeit Fundhorizont als Pavlovien bezeichnet. Erste Figuren aus sonnengetrocknetem Ton (auch Brennöfen für Tonfiguren zur Erzeugung von Keramikfiguren ?).

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Aus der Zeit von 26000 bis 19000 v.Chr. (Gravettien) viele kleine Frauenfiguren ("Venus"-Figuren), die meisten in Rußland/Sibirien.

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Weinberghöhlen von Mauern, Venusfigur aus Kalkstein 23000 v.Chr.

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Wildscheuerhöhle bei Steeden an der Lahn, Geräte aus Kieselschiefer oder Feuerstein, Ornamente auf Geweih, Knochen oder Elfenbein aus dem Gravettien

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Magdalena-Höhle bei Gerolstein in der Eifel, Rheinland-Pfalz, Elfenbeinringe aus dem Gravettien, um 23000 v.Chr.

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Durchbohrte Schneckenhäuser, häufig von Schmuckschnecken aus Mittelmeer, Atlantik oder Mainzer Becken (fossil), schon um 23000 v.Chr. in Mittel-, West- und Osteuropa begehrt,

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auf dem Linsenberg bei Mainz, 2 Frauenfiguren, Schmuckschnecken, Steinwerkzeuge (auch Jagdbeutereste von Ren, Pferd, Nashorn, Bär und Mammut)

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auf dem Steinberg bei Sprendlingen in Rheinland-Pfalz, bei Vulkanausbruch im Neuwieder Becken um 20000 v.Chr. mit vulkanischer Asche zugedeckt.

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Aus fossilem Holz geschnitzte Perlen auf dem Mainzer Linsenberg um 22000 v.Chr. und von Gönnersdorf um 10500 v.Chr.

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In Höhlen an der Riviera, in den Pyrenäen und in der Dordogne fand man Depots von Schmuckschnecken, z.T. schon gelocht, deutet auf Tauschhandel mit Schmuckschnecken schon um 23000 v.Chr. und auf Schmuckschnecken als Zahlungsmittel ("Geld"). Zu dieser Zeit waren die Alpen schon bis in die Vorgebiete vergletschert.

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Aus der Zeit um 15000 bis 10000 v.Chr.:

 

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Durchbohrte Tierzähne, Krallen, Hirschgrandeln für Halsketten, z.B. aus der Siedlung bei Gönnersdorf um 10500 v.Chr.

 

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In Mammutelfenbein eingraviertes Mammut bei La Madeleine im Tal der Vezere in Südwestfrankreich

 

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Schussenquelle bei Schussenried bei Biberach, Baden-Württemberg, auf Geweihstücke gravierte Muster

 

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Kesslerloch im Fulachtal südwestlich von Thayngen im Kanton Schaffhausen, Pferdemotive auf Lochstäben und Speerschleudern, kleine Plastik, Gravur "Weidendes Rentier"

 

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Petersfels bei Engen, Kreis Konstanz, auf Knochen graviertes Rentier, 6 cm lang, viele Gravuren von Frauen, Pferden und Rentieren

 

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Hohlensteinhöhle in der Gemeinde Edernheim, Nördlinger Ries, Gravuren von Frauen und Pferden auf Kalkstein

 

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Mittlere Klause-Höhle bei Neuessing, Altmühltal, Nähe Kelheim, 40 cm langer Lochstab mit graviertem Horntier Obere Klausenhöhle enthielt Elfenbeinbruchstück mit Mammutgravierungen

 

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Kniegrotte im Orlatal bei Döbritz, Kreis Pößneck, in Thüringen, Elfenbeinstäbe mit menschenähnlichen Formen, Nashorngravur aus dem Magdalenien.

 

Älteste Bauwerke:

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Einbauten in Höhlen in Form von Trockenmauern (Windschutz, Abteile ?) in Nischen der Brillenhöhle bei Blaubeuren, um 23000 v.Chr.

 

Älteste und bedeutende Jagdreste:

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Hohlenstein, Vogelherdhöhle: Reste von 24 Mammuten, um 28000 v.Chr.

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Amvrosievka, Ukraine, Jagdstation um 28000 v.Chr., Knochen von 1000 Bisons

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Predmosti bei Prerov in Mähren, 25000 v.Chr., Reste von 1000 Mammuten

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Pavlov und Dolni Vestonice, Südmähren, 25000 v.Chr.: Mammutjäger

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Krakau in Polen: Reste von 80 Mammuten, um 23000 v.Chr.

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Weinberghöhlen von Mauern: Reste von etwa 7 Mammuten, um 25000 v.Chr.

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Kostenki am mittleren Don, Mammutjägerstation: viele Mammutknochen

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Bei Solutre im Departement Saone-et-Loire: Reste von 25000 Wildpferden, um 21000 v.Chr.

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Am Petersfels bei Engen (Konstanz), 12000 v.Chr.: Reste von 640 Rentieren

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Im Kesslerloch bei Thayngen, Schaffhausen: Reste von 500 Rentieren

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Nahe der Schussenquelle bei Schussenried in Oberschwaben, 10000 v.Chr.: Reste von 400 Rentieren

 

Weitere wichtige Fundorte, auch für hominide Fossilien:

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Hohlenstein-Stadel, Lonetal, 3 Schädel in einer rotgefärbten Grube je von einem Mann, einer Frau und einem Kind (erschlagene junge Familie ?)

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Ofnethöhle bei Nördlingen, in 2 Gruben Kopfbestattungen von 4 Männern, 9 Frauen und 20 Kindern, um 11000 v.Chr., Kannibalismus möglich wie bei der Jungfernhöhle um 3500 v.Chr.

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Fritzlar, Hessen

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Salzgitter, Lebenstedt

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Schweizerbild, Kanton Schaffhausen

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Keßlerloch bei Thayngen, Nordschweiz

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Kaufertsberg, Lierheim, Nördlingen

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Lehringen bei Verden, Niedersachsen

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Ehringsdorf bei Weimar

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Soungir in Rußland

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Grimaldi-Höhle in Italien (Cro Magnon)

 

 

2.8  Kurze Übersicht der Abfolge der Kulturen der Menschen

 

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Perigordien: 37000 v.Chr. (?),

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bei Sungir früheste kulturelle Zeugnisse des Homo sapiens sapiens in Europa ?

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Aurignacien: 33000-20000 v.Chr.

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Lonetalien von 30000-25000 (?) v.Chr., Plastiken in Lonetal und Umgebung, Höhlen im Lonetal, Achtal, Laucherttal (Nebenflußtäler der oberen Donau),

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Pawlowien um 25000 v.Chr., Tonfiguren, sehr fortschrittliche Jäger- und Sammlerkultur bei Pawlow, Osteuropa.

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Sungirien ab 25000 v.Chr., reich ausgestattete Gräber. Anscheinend wurden viele Kulturen durch den Hauptgletschervorstoß Würm II ausgelöscht.

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Solutreen: Höhepunkt der Eiszeit von 20000-17000 v.Chr., wenig kulturelle Hinterlassenschaften der Menschen, Pferdejagd in Form von Massentreibjagden -Magdalenien:

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17000-10000 v.Chr. mit den kulturellen Höhepunkten in Südfrankreich, Nordspanien, Südafrika. Erste Funde dieser Kulturstufe bei La Madeleine, Perigord, in Frankreich. Sehr vollendete, farbige oder mit schwarzer Farbe ausgeführte Höhlenmalereien (Frankokantabrischer Kreis).

Zu Ende dieser Epoche auch Höhlenmalereien in Sibirien und Brasilien.

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Die Höhlenmalereien in Australien bis zu 10000 Jahre älter ? Bei Höhle von Lascaux ca. 98% der fossilen Knochen vom Ren, also nicht von den Großtieren Mammut, Wollnashorn oder Höhlenbär. Bei Pincevent an der Seine waren besonders viele Knochen von Hasen.

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Azilien in Spanien: 9000-2500 v.Chr., Felswandmalereien und -gravuren

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Tardenoisien-Maglemore-Kultur in Mittel- und Nordeuropa: 10000-5500 v.Chr.

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10000 v.Chr.: Beginn der Seeschiffahrt ?

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Entwicklung der neolithischen Kultur ab 8800 v.Chr. im Nahen Osten

 

 

2.9  Kulturzentren in Europa und Asien

 

75000-65000 v.Chr.: Mousterien-Kultur der Neandertaler

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Petershöhle bei Hartenstein, Velden, Hersbrucker Schweiz

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Bocksteinschmiede im Lonetal, Baden-Württemberg

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Brillenhöhle bei Blaubeuren, oberes Donautal

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Rusenschloßhöhle bei Blaubeuren, Rentierjäger errichteten in der Höhle Steinmäuerchen um 90000 v.Chr. ?, 500 Steinwerkzeuge, z.T. in Levallois-Technik

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Hohlenstein bei Asselfingen, Alb-Donau-Kreis

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Höhlen von Solutre, Saone-et-Loire

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Klausenhöhle bei Essing im Altmühltal, bei Kelheim

Viele Höhlen, die bevorzugt vom Neandertaler bewohnt worden waren, wurden später auch bevorzugt vom Menschen bewohnt. Kaum Zufall !

 

30000-25000 v.Chr.: Lonetalien, örtliche Variante des Gravettien

Eventuell geht dem Lonetalien das Sungirien I voraus, von russischen Forschern auf 35000 v.Chr. datiert

Das Lonetalien ist eine lokale Variante des Aurignacien in der Vogelherdhöhle usw. im Lonetal, Baden-Württemberg

Die Vogelherd-Höhle und andere Höhlen in der Umgebung wurden für lange Zeiten hindurch vom Menschen bewohnt, viele Knochen von Mammut, Pferd, Ren, Wollnashorn und Höhlenbär, einige Knochen von Wolf, Fuchs, Löwe, Vielfraß, Wildrind, Gemese und Hirsch. Zahlreiche Kleinplastiken, die Tiere darstellen, in großer Vollendung, ferner noch 2 Lochstäbe, gefundene Menschenplastik fraglich Auf den Kleinplastiken waren viele Kreuze eingeritzt.

Das Lonetalien war der 1. Höhepunkt der Eiszeitkunst, falls nicht Sungirien I früher war.

 

26000-23000 v.Chr.: Pavlovien, örtliche Variante des Gravettien, Beginn der Frauenstatuetten, von denen man die meisten in Osteuropa und Rußland fand.

In Osteuropa viele Freilandfundstellen mit sehr vielen Mammutknochen und Steinartefakten, sonnengetrockneten (und auch schon gebrannten ?) Tierfiguren aus Lößlehm, zermahlenen Knochen, Fett und Wasser: Mammuts, Bären und Löwen.

Fundmeldung von Keramikfiguren und Brennofen in abseitiger Hütte in Dolni Vestonice in den Pollauer Bergen Südmährens, südlich von Brünn. Dort viele Kleinplastiken aus Stein oder Elfenbein, viele Frauenfiguren, Elfenbeinskulpturen mit konzentrischen Bogenmustern.

Siedlung von 5 (hüttenartigen ?) Zelten aus Stangen und Tierhäuten ?

Trillerpfeife aus Knochen ?

 

Predmosti bei Pterov, an der Mährischen Pforte, Südmähren:

Haufen von Mammutknochen, geschichtete Stoßzähne, etwa von 1000 Mammuts, Massengrab von 20 Menschen, 8 Erwachsene und 12 Kinder, die Skelette unter vielen Mammutknochen begraben. Das Massengrab war mit Mammutknochen abgegrenzt und mit Steinen zugedeckt.

Die Skelette waren kräftiger gebaut als beim

 Menschen von Combe Capelle und wiesen in die Richtung des Cro Magnon vom Berg Karmel. Einige Skelette zeigten neandertaloide Merkmale mit Überaugenwülst, etwas fliehender Stirn.

 Dabei lagen mehrere Frauenstatuetten aus Elfenbein und Mammutknochen, ferner viel Schmuck aus Knochen und Mollusken.

Stark stilisiertes Frauenrelief auf Mammutstoßzahn, Flachplastik eines Mammuts auf Elfenbein.

Die Fundschicht lag über einer Mousterienschicht.

Koexistenz von Urmenschen (Neandertalern) und Menschen (Cro Magnon) ?

 

Pavlov, nördlich von Dolni Vestonice, bei Brünn in Mähren Freilandstation, im Löß Reste von etwa 10 Behausungen, große Mengen von Mammutknochen, viele Knochen von Begleitfauna wie Ren, Pferd, Braunbär, Vielfraß, Löwe, Rothirsch, Wildrind und Wildkatze; die meisten Mammutknochen stammten von jungen Tieren.

Viele Steinartefakte, viele Geräte aus Knochen, Geweih und Elfenbein, hohe Vielfalt der Geräte, große Kunstfertigkeit der Herstellung, auch Speerspitzen und Keulen, durchbohrte Tierzähne, tertiäre Mollusken, Elfenbeinringe, walzenförmige Knöpfe, elliptische und ovale Spangen und andere, meistens Anhänger.

Plastiken aus Elfenbein und gebranntem (?) Ton, Elfenbeinplastiken nicht so gut wie die aus Lößlehm. Darstellungen von Nashorn, Mammut, Steinbock, Bär und Mensch, ferner noch Flachplastiken von Tieren.

 

25000 v.Chr.: Sungir, 200 km östlich von Moskau, Rußland: Doppelbestattung von 2 Jungen Kopf zu Kopf, mehrere Einzelbestattungen, Skelette mit viel Elfenbeinschmuck und Ocker. Ein Grab enthielt 3000 Perlen aus Elfenbein, ein anderes einen Speer aus Mammutelfenbein. In den Lößgebieten Rußlands zwischen Don und Desna wurden die meisten Venusfiguren gefunden.

 

23000(?)-11000 v.Chr.: Sibirien, Kulturen besonders um Baikalsee, bei Mal'ta an der Belaja, Nebenfluß der Angara, 85 km nordwestlich von Irkutsk: Viele Frauenstatuetten und Tierplastiken aus Elfenbein, Elfenbeinplatte mit großer Spirale und 4 kleineren Doppelspiralen (13000 v.Chr.) Afontova Gora II am Jenissej: Halbunterirdische Wohnungen, Siedlungsgebiet bis 1500 qm, Frauenstatuetten und Tierplastiken (Wasservogel)

 

17000-10000 v.Chr: Frankokantabrischer Kreis der Höhlenmalereien in Dordogne und Nordspanien, Höhlen- und Felswandmalereien in Australien, später auch in Sibirien, Südafrika und Brasilien (etliche Jahrtausende später).

 

16000 v.Chr.: Zwischen Dnjestr, Don und Dnjepr viele jungpaläolithische Lagerstellen, in die Erde gegrabene Häuser aus Mammutknochen, mit Erde und Fellen bedeckt. Ukraine: Mit Ritzzeichnungen und Ocker verzierte Mammutknochen, Bilder, Symbole, stilisierte Figuren, geometrische Ornamente auf Elfenbein, Ketten aus Bernstein, Muschelperlen. Frühester Bernsteinschmuck in der Ukraine, etwa um 15000 v.Chr. ?

 

14000 v.Chr.: Nordostsibirien wurde vermutlich nicht vor 16000 v.Chr. bevölkert. Technik des Lebens in arktischen Bedingungen wurde erst entwickelt. Aldan-Tal, Jakutsk, Djuchtai-Höhle: Die Djuchtai-Kultur hatte eine weite Verbreitung bis 12000 v.Chr., von ihr ging vermutlich die erste Wanderungswelle nach Amerika aus. Retuschierte Speer- und Pfeilspitzen (siehe Clovis- und Folsom-Kultur in Amerika), Stichel, Klingen, viele Mammutknochen.

 

Es blieben aus dieser Zeit die Vorliebe u.a. für

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Halsketten, Armbänder aus Ammoniten, Schneckengehäusen, Muscheln, ...

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Perlen aus Elfenbein, Bernsteinschmuck, geometrische Ornamente,

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Spiralmuster, viel im Megalithikum verwendet und auch in der minoischen und mykenischen (achaiischen) Kunst um 1500 v.Chr.

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Felswandmalereien und -gravuren (Spanien, Skandinavien, Alpengebiete, Nordafrika.

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Innenbemalung von Häusern wie in Catal Hüyük (6000 v.Chr., Rotfärbung von Fußböden) und von Hypogäen wie auf Malta (2700 v.Chr. ?, Wandbemalung mit Spiralmustern)

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Rotockerbestattungen wie in Gräbern bei Catal Hüyük

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Frauenfiguren (Idole) im Vorderen Orient um 7000 v.Chr., Frau als Sinnbild von Fruchtbarkeit, Mutterschaft, Sexualität, Erdmutter, Große Göttin der Megalithiker, Schutzgewährerin vor bösen, dämonischen Mächten, Hüterin von Herd und Familie, Gemahlin des Oberhimmels Erke.

 

Es blieben von der Sapientierung vom Homo erectus zum Menschen im Genom des Menschen:

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Leben in sozialen Verbänden (Familie, Sippe, Gruppe, ...)

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Jagd und Krieg, Lust am Töten, Grausamkeit, Konkurrenzkampf

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Nomadentum, Wander- und Reiselust

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Neugier, Liebe zur Weisheit, Pionier- und Schöpfertum, ...

 

 

2.10  Der Cro Magnon-Mensch

 

Die Blütezeit des Homo sapiens sapiens (des Menschen) begann vor etwa 38000 Jahren. Mit uns hält sie heute noch an. Das Gehirnvolumen des Menschen (des Paläolithikers) erreichte 1700 ccm wie beim Urmenschen. Seitdem hat sich das mittlere Gehirnvolumen um 10% verringert.

Waren die Jungpaläolithiker intelligenter als wir heute ?

 

Fund des Cro Magnon: Im Jahre 1868 wurden bei dem Dorf Cro Magnon unter einem Abri mit gleichem Namen bei Les Eyzies de Tayac in der Dordogne in Südwestfrankreich bei Ausschachtungen für den Bau einer Eisenbahn fünf menschliche, recht moderne Skelette gefunden. Die Skelette von einem alten Mann und 2 jungen Männern waren groß (um 1,72 m) mit einem Hirnvolumen bis 1590 ccm. Das Skelett der Frau war viel kleiner, das Skelett eines Kindes lag bei ihr. Der Schädel der Frau wies im Stirnbein eine tödliche Verletzung auf. In das Loch im Schädel paßte ein Faustkeil, der daneben lag. Diese Menschen hatten um 23000 v.Chr. gelebt.

Merkmale des Cro Magnon-Menschen: Hohe Stirn, rundes Hinterhaupt, Kinnvorsprung, Adlernase (schmale, hohe Nase) und kleine, regelmäßige Zähne. Ihre Augenhöhlen waren stark rechteckig und sehr niedrig. Die Knochen waren viel dünner als bei Homo erectus und Neandertaler.

Bei ihnen fanden sich zahlreiche Tierknochen und sehr gut gearbeitete Steingeräte (Werkzeuge und Waffen) sowie durchlochte Tierzähne und Muscheln als Schmuck, die es beim Urmenschen nur selten gegeben hatte. Sie waren Jäger und Sammler mit steinzeitlichen Waffen, aber im vollen Besitz der Sprache.

Nach ihrem ersten Auftreten um 47000 v.Chr. im Nahen Osten breiteten sie sich in der Alten Welt aus. Sie fanden im Gegensatz zum Neandertaler den Weg von Nordostasien nach Nordwestamerika über den trocken gelegten Kontinent Beringia.

Diese Landbrücke existierte allerdings nur von

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54000 bis 42000 v.Chr. und

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21000 bis 13000 v.Chr.,

wobei nur der 2. Zeitraum in Frage kommt. Für die Wanderung von Asien nach Alaska mußten sie das Leben in arktischen Regionen perfekt beherrschen, was hohe Anforderungen an

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den Bau von Wohnungen,

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die Herstellung von Kleidung, Geräten und Waffen,

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die Kenntnisse über Jagd und Medizin und

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die Kunst des sittlich gestützten Zusammenlebens, einschließlich der Sprache und Kommunikationsbereitschaft,

stellte.

 

Unter einem Felsüberhang (Abri) bei Combe Capelle, bei Montferrand im Perigord, fand man das Skelett eines modernen Menschen. Es stammte von einem etwa 45-jährigen Menschen, der um 35000 v.Chr. (?) gelebt hatte. Merkmale: Keine Überaugenwülste, gerade Langknochen, feingliedrig, deutliches Kinn, hohes Hirnvolumen.

Der Homo sapiens sapiens vom Brünn-Typ aus dem Gravettien (hochgewachsen mit lamgem, schmalem Schädel) erschien vermutlich erst nach dem Cro Magnon-Menschen.

Um 15000 v.Chr. wanderte eine neue Menschenrasse ein, die nur um 1,55 m groß waren und vorspringende Backenknochen besaßen. Das waren wahrscheinlich Eiszeitjäger, die wie Eskimos lebten und aussahen (?) und dem abschmelzenden Gletschern und wegziehenden Eiszeittieren nachzogen.

 

Die älteren Formen des Homo sapiens sapiens waren bis etwa 10000 v.Chr. ausgestorben.

Im Gegensatz zu den Eskimos waren die ab 21000 v.Chr. bis spätestens 13000 v.Chr. nach Alaska eingewanderten Menschen nicht mongolid. Ebenso nicht mongolid waren die Prärieindianer wie die Dakota. Vielleicht deutet die ausgeprägte Adlernase des in Westeuropa gefundenen Cro Magnon-Menschen an, daß die ersten Menschen in Westeuropa "Indianer" waren, die nicht den Weg nach Nordosten nach Nordamerika, sondern den Weg nach Westen nach Europa genommen hatten.

Vermutlich entwickelten sich die Indianer aus ostsibirischen Jägern, die es zumindest von Kamtschatka nicht mehr weit nach Alaska hatten. In der Kälte Sibiriens hatten sie die Fertigkeiten entwickeln können, die zum Überqueren der Landbrücke zwischen den beiden großen Kontinenten benötigt wurden.

Der Cro Magnon ist auch an der Südspitze Afrikas nachgewiesen, wo er spätestens 16000 v.Chr. auftrat.

In der Nähe des Niltals findet man ihn ab 15000 v.Chr., wo er bald schon anfängt, Mehl aus Körnern von wildem Getreide zu mahlen (Mühlsteine aus Sandstein von Kom Ombo).

Man bedenke aber, daß das Schwemmland des Niltals geologisch sehr jung ist, wie schon Herodot erkannt hat. Er schätzte es auf 10000 Jahre, heute schätzt man es auf 17000 Jahre.

 

In Frankreich/Spanien ließ sich der Cro Magnon ab der Zeit von 32000 v.Chr. nachweisen.

Es ist anzunehmen, daß er rings um das Mittelmeer siedelte. Es ist möglich, daß mehrere Entwicklungszentren mit begrenztem genetischem Austausch bestanden.

Ein genetischer Austausch ist im gewissen Umfang immer anzunehmen, da diese frühen Jäger und Sammler meistens Nomaden waren. Auch erhielten die heiratsfähigen Männer ihre Frauen oft durch Raub. Es ist möglich, daß die Form des Homo sapiens sapiens eine konvergente Form ist, wenn man von einem Wesen wie dem Homo erectus ausgeht. Praktisch kann sich das gleichzeitig an verschiedenen Orten - nicht unabhängig voneinander - vollzogen haben.

Die gegenwärtig bevorzugte These ist aber die Entstehung des Homo sapiens sapiens in Ost- bis Südafrika bis 130000 v.Chr., und zwischen 125000 und 75000 v. Chr. Wurde er immer mehr zum heutigen Menschen, also gleichzeitig mit der Entstehungszeit des Urmenschen aus dem Präneandertaler.

Der Mensch ist ein Produkt der Zuchtwahl der Hominiden über Tausende von Generationen. Die Entwicklung zu höheren Hominidenformen war ein ab 400000 v.Chr. in Afrika und Eurasien überall konvergent verlaufender Prozeß, unterstützt durch starke Migrationen mit Vermischungen. Die Kriterien der Zuchtwahl waren u.a. Sprachfähigkeit und Sprache, ästhetischer Sinn, Schönheit, handwerkliche Geschicklichkeit, Sittlichkeit und soziale Gerechtigkeit, technische und soziale Intelligenz ... – und das Böse im Menschen. Wer am rücksichtslosesten und gemeinsten war, hatte einen enormen Selektionsvorteil. So kam das Böse in den Genom des Menschen,  eine Folge der Sapientierung.

 

Kulturelle Entwicklungen des Menschen

Wie die Zeitalter der Vormenschen und Urmenschen Pre-Chelleen, Chelleen, Acheuleen und Mousterien waren, galten ähnliche Zeitalter (Kulturabschnitte) für den frühen Menschen mit Perigordien, Aurignacien, Solutreen und Magdalenien.

Man hat hierbei zu beachten, daß wir nun von der Unterart Mensch reden und damit uns selber meinen. Betreiben wir Paläontologie, so studieren wir die Fossilien und ableitbaren Lebensgewohnheiten meistens schon längst ausgestorbener Tierarten. Wir reden vom Pelycosaurus, Brontosaurus, Ammoniten, Therapsiden oder Mastodon, Dinotherium und Mammut oder Australopithecus, Homo erectus und Neandertaler - das sind wir aber nicht selbst. Reden wir vom Homo sapiens sapiens, so reden wir von uns selbst, von der bisherigen Zeitspanne von maximal 130000 Jahren unseres Bestehens und unseres möglichen Weiterlebens in der Zukunft.

Menschen - das sind Sie und ich, und für welche Zeiträume in der Zukunft noch ?

 

Inzwischen hat man sehr viele Darstellungen des Menschen durch den Menschen gefunden (siehe R. Drößler "Kunst der Eiszeit" und dort angegebene Literatur wie die Bücher von A. Leroi-Gourhan). Die meisten und am besten ausgeführten Selbstbildnisse des Menschen sind Frauendarstellungen als Vollplastiken oder Reliefs. Künstlerische Darstellungen von Männern stellen vermutlich meistens Zauberer (Schamenen) in Tierverkleidung dar.

Eigenartige Selbstdarstellungen des Menschen mit einer Art von Hundeschnauze findet man bei Gravuren von La Marche in Frankreich (12000 v.Chr. ?) und vom Wadi Mathendous in Libyen (7000 v.Chr. ?).

Im Gegensatz zu den Tieren, die die eiszeitlichen Jäger des Magdalenien so naturalistisch darstellten, schufen sie die Plastiken und Reliefs von Menschen nicht nach dem, was sie sahen, sondern nach dem, was sie dachten und wünschten.

Bei der Frau überbetonten sie die Fruchtbarkeitssymbolik, bei den Männern Zauberkunst, Schamanentum und Tierbeherrschung.

Die Cro Magnon-Menschen waren vollendete Steinbearbeiter und brachten die vielfältigsten Klingen zustande. Auf diese Weise schufen sie sich einen sehr vielseitigen und leistungsfähigen Werkzeugvorrat.

Keulen und Speere hatte schon der Neandertaler benutzt, der Cro Magnon benutzte ab 14000 v.Chr. die Speerschleuder, wodurch sich Durchschlagskraft und Flugweite fast verdoppelten. Wie einige Höhlenmalereien nahelegen, fing er sogar die größten Landtiere seiner Zeit, die Mammute, in Fallgruben (?). Mit Hilfe seiner Geräte aus Stein und Knochen zerlegte er sie und verwendete Fleisch, Knochen und Elfenbein.

Bis 15000 v.Chr. (?) hatte er die Harpunen erfunden.

Bis 10000 v.Chr. hatte er wahrscheinlich die folgenden Technik entwickelt:

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Pfeil und Bogen

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Geknüpfte Netze

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Erste Keramikgefäße.

Der Cro Magnon verstand es schon bald, feine Knochennadeln zum Nähen eng sitzender Kleidung herzustellen (Solutreen). Ferner vermochte er immer besser Bohrungen an Knochenstücken, Zähnen, Muscheln und schließlich Stein herzustellen. Nähen und Flechten gehören zu seinen Erfindungen.

Der Neandertaler nähte nicht, sondern zog wahrscheinlich Lederriemen durch die Fellstücke, um sie zusammenzuhalten.

Schon 25000 v.Chr. begannen die Menschen mit sehr künstlerischen Frauenfiguren (Venusstatuetten). Der damit zusammenhängende Fruchtbarkeitskult ist bis etwa 18000 v.Chr. nachweisbar. Er lebte erst etliche Jahrtausende z.Z. der Ältesten Dryas im Spätglazial wieder auf. Die Überbleibsel sind vermutlich matriarchalische Strukturen in der geschichtlichen Zeit wie bei Amazonenvölkern sowie der Kult der großen Muttergöttin der Megalithen und anderer Völker (Demeter).

Ein weiteres typisches Kultzeugnis des Cro Magnon sind die "Kommandostäbe", die mindestens eine große Bohrung besitzen und oftmals reich verziert sind.

Die Speerschleudern wurden manchmal sehr kunstvoll ausgeführt und waren dann eventuell nur noch Kultgegenstände.

 

Es ist ganz sicher, daß es schon ab 35000 v.Chr. hier und da einen "Leonardo da Vinci" oder einen "Archimedes von Syrakus" gab, aber die große Schwierigkeit lag in der Überlieferung ihrer Gedanken. Starb eine Gruppe aus - was sicher sehr oft geschah, gingen ihre Leistungen meistens unwiederbringlich verloren. So hat mancher Cro Magnon Vorstellungen gehabt, die erst Jahrtausende später wiederentdeckt wurden. So etwas wird in alten Mythen und Sagen oft genug erzählt.

 

Kleine Gegenstände (Waffen, Schmuck, Gebrauchsgeräte) aus geschnitztem Holz, Knochen, Elfenbein oder aus Ton stellten Menschen schon vor 30000 v.Chr. und einige wenige begnadete Urmenschen schon lange davor her.

Urmenschen und wenige Vormenschen mochten schon einen Sinn für Ästhetik haben und schöne Gegenstände manchmal länger betrachten und auch sammeln.

Im Lonetalien (Höhlen um die Täler der Flüsse Lone, Ach, Blau und Lauchert mit Kulturhorizonten, die bei etwa 30000 v.Chr. mit schönen Kleinplastiken beginnen) und im Pavlovien (Freilandstationen in Mähren bei Pavlov, die die ersten Tonfiguren ab 25000 v.Chr. aufwiesen) gab es erste kulturelle Höhepunkte, die von dem Vorstoß der Gletscher bis 20000 v.Chr. ausgelöscht wurden.

 

Verzierungen und Ornamente kannte der Cro Magnon ab 32000 v.Chr., und vermutlich schon in einigen Fällen als Gedächtnis- oder Mitteilungshilfe, also als Vorform einer Schrift (siehe die Bilderschrift in der Pasiega-Höhle aus der Zeit vor 12000 v.Chr.). Abstrakte Zeichen, besonders gekerbte oder geritzte Merkhilfen, werden einige fortschrittliche Individuen schon vor 30000 v.Chr. verwendet haben. Die Ritzzeichnungen an Höhlen- und Felswänden, auf Knochen und Elfenbein, die Plastiken, Reliefs und besonders die vollendeten Höhlenmalereien des Magdalenien und Wand- bzw. Felsmalereien des Azilien sind die herausragenden Leistungen des Cro Magnon. Sie förderten die Entwicklung der Rindenzentren des Gehirns für Lesen und Schreiben, aber diese waren natürlich auch beim Neandertaler schon in einer starken Entwicklung begriffen gewesen, und zwar über Spurenlesen auf der Jagd, Wettervorschau, Absicherung gegenüber Feinden, Herstellung von Geräten, Kleidung, Waffen usw. Das Maximum des letzten Gletschervorstoßes war um 18000 v.Chr., und kurz darauf erreichten die Höhlenmalereien einen ersten Höhepunkt.

 

Zur Kunst und Technik des späteren Steinzeitmenschen

Die zeitliche Einstufung der Kulturzeitalter (wie Perigordien, Aurignacien und Solutreen) sowie ihre kulturelle Wichtung sind in der Literatur sehr unterschiedlich. Darum können die zeitlichen und kulturellen Deutungen nur eine grobe Vorstellung vermitteln. Sogar die Angabe des Fundmaterials ist unterschiedlich gehandhabt, je nachdem, was dem einzelnen Autor am wichtigsten erschien.

Das gilt insbesondere für das Pavlovien mit der Meldung über Keramikfiguren, die beim anderen Autor sonnengetrocknete Tonfiguren sind (deshalb die Fragezeichen).

Darum ist immer wieder zu empfehlen, die neuesten Bücher und bei den besten Lehrern zu studieren.

 

Venusstatuetten: Die frühesten Venusstatuetten (meist kleine, sehr füllige Frauenfiguren, oft auch stilisiert) wurden anscheinend ab 25000 v.Chr. hergestellt, und die letzten um 18000 v.Chr., wobei aber diese Vorstellungswelt sehr wahrscheinlich nicht ausstarb, sondern ihre direkte Fortsetzung in der Vorstellung von der Erdmutter (z.B. der Göttin Demeter) im Nahen Osten hatte. Dieser recht langdauernde, vom Atlantik bis nach Sibirien verbreitete Mutterkult - noch besonders dadurch ausgezeichnet, daß für ihn die ersten deutlich faßbaren Menschenplastiken in großer Zahl geschaffen wurden - mußte tiefe Wurzeln in der Psyche der Menschen und eine große Bedeutung in ihrer Vorstellungswelt gehabt haben. Die Anbetung (?) der Gebär- und Nährfähigkeit der Frau überlebte das Mesolithikum und setzte sich im Kult der großen Muttergöttin fort - bis heute, wie man bei Marienkult, Queen, der Mutterfigur in Spanien usw. erkennen kann.

Viele der bis 1990 gefundenen 150 Frauenstatuetten kamen aus Rußland.

 

Sehr schöne Venus-Figuren:

23000 v.Chr.:

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Venus von Willendorf, Österreich (besonders schöne Plastik),

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Venus von Dolni Vestonice in gebranntem Ton,

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Venus von Moravany nad Vahom aus Elfenbein

22000 v.Chr.:

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"Dame mit Kapuze" von Brassempouy in Frankreich, 36,5 mm hoch, Frauen trugen vielleicht mit Muscheln besetzte Haarnetze

20000 v.Chr.:

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Venus von Laussel mit Bisonhorn, Halbplastik, in Kalkstein graviert, mit Farbspuren.

 

Mögliche Bedeutung der Frauenstatuetten (s.o.):

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Fruchtbarkeitszauber Erdmutter (Demeter, große Muttergöttin)

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Abwehr des Bösen und von Zwischenwesen (wie Dämonen, Geistern, Hexen)

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Kult-Träger als Priesterin, Seherin

Priesterinnen und Seherinnen gab es noch im historischen Altertum.

 

Leistungen des frühen Menschen, die ohne Zweifel denen der Neandertaler weit überlegen waren und darauf hindeuten, daß der Mensch trotz seines gleich großen Gehirns im Vergleich zum Neandertaler erheblich intelligenter war:

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Figuren aus Elfenbein, fossilem Holz und Stein ab 35000 v.Chr.

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Figuren aus sonnengetrocknetem Ton, Kalkstein und Ton-Elfenbeinmehl-Gemischen ab 25000 v.Chr., eventuell auch erste Keramikfiguren bei Pavlov

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Vollendete Steinwerkzeuge wie die retuschierten Mandeln

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Malereien auf Höhlenwände ab 18000 v.Chr. mit Vorübungen Jahrzehntausende früher

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Gravuren und Malereien auf Steine und Felswände ab 9000 v.Chr.

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Sittliche Leistungen sind nur indirekt fossil geworden, etwa in Form des Nachweises einer stetig zunehmenden Besiedlungsdichte und des friedlicher und produktiver werdenden Zusammenlebens von immer mehr Menschen auf engem Raum.

 

 

2.12  Kurze Übersicht über Kulturen (alle Zeitangaben in Jahren v.Chr.)

 

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37000 (?) bis 30000: Höhle Brynzeny in Bessarabien,

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37000 (?): Sungir bei Moskau, noch sehr primitive Tierplastiken, Plastiken, die mehr wie zufällig geformte Steine aussehen, mit Punkten und Kreuzen, rote Farbe in Ritzen

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30500: Hohlenstein-Stadel, Höhlen in und um Lonetal, Lonetalien.

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Vogelherdhöhle, Lonetal, Achtal, Höhlen bei Blaubeuren ab 31000 v.Chr., schon fast vollendete Tierplastiken

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Ehringsdorf bei Weimar,

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31000 v.Chr. Ilmtal bei Weimar, Taubach, Fundschichten unter oder in Travertin

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28000: Rundhütten aus Mammutknochen, Fußboden etwa 0,25 m tief in die Erde verlegt, Dachgerüst aus Stoßzähnen, von Frankreich bis Rußland.

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25000: Dolni Vestanize, Predmosti, Lagerplätze des Ost-Gravettiens, Reste von über 1000 Mammuten

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25000-20000: Sungir bei Vladimir nordöstlich von Moskau, Rußland, reiche Gräberfunde weisen auf hohe soziale Organisation,

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26000 bis 23000: Kleinplastiken aus gebranntem (?) Ton bei Freilandstationen von Dolni Vestonice, Predmosti und Pavlov, in Mähren

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16000 bis 10000: Höhepunkt der Höhlenmalerei des Franko-Kantabrischen Kreises, in Südostfrankreich (Dordogne), Nordspanien. Höhlenmalereien Australiens zwischen 20000 und 10000 v.Chr. ?

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10000 bis 1200: Zeichnungen und Gravuren auf Felswände oder Kiesel, mehr abstrakt, Zentrum Ostküste Spaniens, aber auch ab 6000 v.Chr. an nördlichen Küsten Skandinaviens (naturalistisch), in Nordafrika (Sahara) und Südafrika ("Buschmannskunst").

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10000: Höhlenmalereien von Mal'ta an der Angara in Sibirien, sehr ähnlich der von Nordspanien und Südfrankreich

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9000: Höhlenmalereien in Brasilien

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20000-17000: Hauptphase der Würmeiszeit, Gletscher mit größter Ausdehnung Kulturen in Osteuropa, bis 20000 v.Chr. durch Hochglazial vernichtet: Brünn, Predmosti, Pavlov, Dolni Vestanize 18000: Höhepunkt der Würmeiszeit, volle Eiszeitfauna mit Mammut, Wollnashorn, Höhlenbär

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16000: Rückzug der Gletscher, Tundren bis 12000 v.Chr.,

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bis 10000 v.Chr. Aussterben der Eiszeitfauna

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15000: Harpunen Neu aufblühende Kulturen in Rußland und Sibirien nach dem kulturvernichtenden Hochglazial:

 

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an der Lena in Sibirien, Djuchtai-Kultur

 

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Gargan-Halbinsel, Baschkirien

 

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Mal'ta nahe der Angara, Sibirien

 

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Kostenki am mittleren Don,

 

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Gagarino am oberen Don,

 

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Krasnyj Jar an der Angara

 

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Aman Kutan, Eliseevici, Avdeevo.

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14000: Rentierjäger in Jütland

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12000: Auftauende Tundra, endlose Sümpfe breiten sich aus.

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11000: Ofnethöhle bei Nördlingen, Kopfbestattungen, extremer Schädelkult mit Kopfbestattungen, in 2 Gruben die Köpfe von 9 Frauen, 4 Männern und 20 Kindern, mit Asche und Ocker bedeckt, alle Köpfe nach Westen ausgerichtet. Ähnlichkeit mit Kopfbestattungen in

 

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Hohlenstein-Stadel, Deutschland,

 

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Höhle Mas d'Azil, Frankreich und

 

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Guattari-Höhle auf dem Monte Circeo bei Rom, Italien.

 

Kannibalismus in der Guattan-Höhle möglich, der früher sehr verbreitet gewesen sein muß, ebenso wie Menschenopfer (siehe Bibel, Odyssee, Genealogie der Götter des Hesiod, Kannibalismus der Bandkeramiker)

 

10500: Siedlungen bei Gönnersdorf/Andernach am Rhein, viele Gravuren von Tiermotiven auf Schieferplatten, Bau von Pfostenhütten bis 6 m Durchmesser mit zentralem Mast und von Stangenzelten bis 3 m Durchmesser mit Fußbodenbelag aus Schieferplatten, Feuersteinpfrieme, Nähnadeln aus Knochen mit Öhr, Zubereitung der Nahrung durch Kochen und Grillen, hauptsächlich Jagd auf Wildpferd und Ren, 70000 Steinartefakte (Kratzer, Stichel, Rückenmesser, Bohrer und Meißel), rote Farbe (Hämatit), Rot galt als Farbe der Festlichkeit und Vornehmheit, worauf in (direkter ?) Folge 9000 Jahre später die Phönizier ein Handelsmonopol gründeten (Rotfärbung von Fußböden in Häusern von Catal Hüyük in Anatolien um 6000 v.Chr. !). Tranlampen aus ausgehöhlten Schieferplatten, viele in Schieferplatten eingeritzte Tierfiguren (Wollnashorn, Seehund, Kolkrabe, Mammut, stilisierte Frauenfiguren (im Tanz ?) und Pferd). Etwa 200 Gravuren auf Schieferplatten, davon 70 Pferde, 60 Mammute. Ketten aus durchbohrten Hirschgrandeln und Eisfuchszähnen. Menschen sammelten Fossilien. Ihre Nachbarn gegenüber von der anderen Seite des Rheins: Siedlung am Martinsberg, Andernach, aus Elfenbein geschnitzte Speerspitzen und Frauenfiguren, Harpunen mit 10 Widerhaken, Lochstäbe ("Kommandostäbe") aus Geweih, aus Rentiergeweih geschnitzter Vogel (10 cm groß). In beiden Siedlungen wurden durchlochte Schmuckschnecken gefunden, auch aus dem Mittelmeer.

 

Forschungen von A. Rust bei Ahrensburg, Hamburg, Schleswig-Holstein:

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11500 v.Chr., Ältere Dryas: Hamburger Kultur im Ahrensburger Tal, Rentierjäger, warfen Teile ihrer Beute und Gerätschaften als Opfer in den Teich von Stellmoor

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9500 v.Chr., Alleröd-Interstadial: Opferhügel statt Teichopfer. Wiesen, Busch- und Waldland kommen auf, ebenso typische Waldtiere, Siedlung am Martinsberg, Federmesserleute, milderes Klima, lockere Birken- und Kiefernwälder, Jagd auf Biber, Elch und Hirsch, Fischfang

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8500 v.Chr., Jüngere Dryas: Ahrensburger Kultur, Rentierjäger im Ahrensburg-Meiendorfer Tunneltal, Siedlung Meiendorf/Ahrensburg, Stellmoor-Leute besaßen Pfeil und Bogen, Beil (Stielaxt), Rentierjäger, lebten in Rundzelten. Wieder wurden Teile der Rentierbeute in den Teich geworfen. Bromme-Siedlung auf Seeland, Dänemark, 75 cm lange bearbeitete Geweihschaufel in Fischform, auf Geweihstab graviertes maskenhaftes Gesicht.

 

10000-5500: Tardenoisien-Maglemore-Kultur in Mittel- und Nordeuropa, Mesolithikum, Jäger, Sammler, leichte Hütten.

Funde bei:

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Tannstock am Federsee,

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Fischhäuserstation im Wauwilermoos,

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Eyb in Mittelfranken,

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Jünsdorf, Kreis Zossen,

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Hörste, Örlinghausen, Niedersachsen

 

9500: Verschüttung der Siedlung von Niederbieber im Neuwieder Becken bei einem Vulkanausbruch, Federmesserleute, in roten Sandstein gravierte Frauenfiguren, Federmesser, viele verbrannte Tierknochen von Elch, Pferd, Hirsch und Biber. Bei dem Vulkanausbruch im Gebiet des Laacher Sees in der Eifel wurden die Siedlungen bei Gönnersdorf, Andernach, Niederbieber und Miesenheim mit einer mehrere Meter dicken Bimssteinschicht bedeckt. Siedlung von Federmesserleuten am Ehrenbreitstein in Urbar, Koblenz.

9000: Lyngby-Kultur in Nordjütland, Mecklenburg, Schleswig-Holstein und Dänemark

8800: Beginn der frühesten neolithischen Technologien im Nahen Osten, Ende der Würm-Eiszeit

 

 

2.13  Mesolithikum in Westeuropa

 

Kulturen: Jäger und Sammler, Hirten und erster Ackerbau, Bergbau nach Feuerstein,

Mischbevölkerung aus Cro Magnon (groß), Mediterranen und Rundköpfigen (Lappen- oder Eskimoähnlichen ?).

10000: Eiszeitjäger, Reste der Eiszeitfauna

8000: Rentierjäger Südschweden und größter Teil Westnorwegens eisfrei, besiedelt von Rentierjägern (bis 2000 v.Chr.), Bernsteinfiguren mit Ornamenten

7000: Maglemore-Kultur, Schlitten, Gravuren von Figuren und Mustern auf Knochen Schafhaltung in Südfrankreich, Corbieres, Haltung von halbwilden Schweinen, noch kein Ackerbau, Wildbeuter und Sammler noch zu 75%,

5500 v.Chr. ist Beginn des Hirtentums, es gibt aber meistens noch Jäger und Sammler, indianische Lebensweise, Rundzelte und -hütten, Jagd auf Reh, Hirsch, Auerochse, Wildschwein, Waldwisent, Hasen, aber immer mehr Ausbreitung des Hirtentums

Beginn der Grabhügelbauten,

Steinkistengräber und megalithischen Bauwerke bei Carnac, Westfrankreich ?

4500: Neolithische Bauern in Mittel- und Westeuropa, Beginn der mitteleuropäischen Bandkeramik-Kultur (Jahrhunderte später als an der unteren Donau und der Theiß.

Früheste neolithische Siedlungen in Westeuropa mit den Kennzeichen: Dreieckige Pfeilspitzen, Rodung lindenreicher Eichenmischwälder, Bau großer Langhäuser aus Holz, Ackerbau (Weizen, Emmer, Gerste und Hülsenfrüchte), Viehzucht mit Waldweide (Weiden und Wiesen gab es damals wenig in Deutschland, Fütterung des Viehs mit Laub der Linden), viele Tongefäße mit bänderartigen Ornamenten (Bandkeramik), "Schuhleistenkeil", rituelle Menschenopfer mit Kannibalismus

Funde bei

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Köln-Lindenthal, Bandkeramiker

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Aldenhovener Platte zwischen Köln und Aachen

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Mannheim-Vogelsang

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Tauberbischofsheim in Unterfranken

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Mühlhausen und Gerlingen in Baden-Württemberg

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Jungfernhöhle bei Tiefenellern (nahe der Wüstung Hohenellern) östlich Bamberg, Fränkische Schweiz, Bandkeramiker verübten Kannibalismus

 

Früheste Bergwerke: Abbbau von Silex für Feuersteinwerkzeuge bei Kelheim, Bayern, ab 4500 v. Chr. ? Bei Abensberg-Arnhofen im Landkreis Kelheim wurde gebänderter Silex abgebaut.

 

Kunst, Schrift, Wissenschaft und Technik

Jagd- und Sammlermagie, Fruchtbarkeitszauber und Mystik, sachliche Kommunikation, Sprache, Kunst, Technik, Wissenschaft, Schrift usw. haben eine lange Entwicklungsgeschichte.

Die Anfänge der Geistigkeit lagen viele Jahrhunderttausende vor dem Erscheinen des Menschen, noch vor dem Homo erectus und vielleicht noch vor den Australopithecinen.

Bei Bilzingsleben wurde ein 40 cm langes bearbeitetes Spaltstück vom Schienbein eines Elefanten gefunden, das eine geglättete Oberfläche mit einer Anzahl von Kerben in jeweils gleichen Abständen besaß - waren sie mit voller Absicht zu irgendeinem Zweck angebracht worden oder rührten sie etwa von zufälligen Schnitten her ? Die damaligen Vormenschen vom Typ Homo erectus lebten um 350000 v.Chr., Vorläufer der Urmenschen und der Menschen.

Experimente mit Zwergschimpansen (Bonobos) zeigten, daß die mögliche Schwelle für gewisse geistige Leistungen sehr weit in die Vorzeit der Vormenschen hineinreichen kann. Das bestätigt auch die Psyche anderer höherer Säugetiere. Dabei hat man sicher zwischen den besonderen Fähigkeiten einzelner Individuen gegenüber dem geistigen Durchschnitt ihrer Art zu unterscheiden, wodurch man auf das Gebiet der Genieforschung kommt. Es konnte also gut sein, daß die o.g. Gravur regelmäßiger Linien in das Knochenstück die epochale Einzelleistung eines überbegabten Individuums war, das für sich zwar den Begriff der Regelmäßigkeit entwickelt hatte, aber dies seinen Artgenossen nicht mitteilen konnte, weil sie geistig dazu nicht in der Lage waren.

Vielleicht waren sie das im Durchschnitt 200000 Jahre später !

Man hat hier in Zeiträumen von Jahrzehntausenden zu denken. Für das Verstehen des modernen Menschen ist es unumgänglich, die Psyche der nächsten Stufen der Hominiden vor ihm zurückzurechnen und den Entwicklungsprozeß vom Homo erectus zum modernen Menschen über vielleicht 400000 Jahre genau und in allen Phasen zu errechnen.

Für vieles, was zu unserer Zeit geschieht, wurden die Weichen vor Jahrhunderttausenden gestellt.

Die Epoche, in der der Mensch den Urmenschen ablöste - eine der wichtigsten und interessantesten in der Entwicklung der Hominiden - kann darüber vielleicht besonders Aufschluß geben.

 

Man kann annehmen, daß die meisten Menschen vor 35000 Jahren unseren heutigen Körperbau besaßen und nach festen Moralgesetzen in geregelten Familien lebten - es waren also keine asozialen "Wilden". Hätte man ein Kleinkind von ihnen in unsere heutige Zeit versetzt, so wäre es als ganz normales Kind aufgewachsen.

Nicht erst der Mensch nach seiner Entstehung vor 130000 Jahren (?) machte sich Gedanken über die Welt. Aber der Mensch konnte viel besser sprechen als seine Vorgänger, und da die Entwicklung des Kinns durch einen Entwicklungsdruck zu höherer Sprachfähigjeit zur besseren Kommunikation entstanden war, lagen mit Sicherheit schon um 30000 v.Chr. einfachste Sprachen vor, eventuell sogar noch mit vielen Elementen der sprachlichen Formen von Früh- und Altmenschen durchsetzt.

 

Es ist immer zu beachten : Mit dem Jahre 1 n.Chr. beginnt nicht die Zeit des Homo sapiens sapiens, sondern mehr als 30000 Jahre eher. Und damals hatte er um 10% mehr Gehirnvolumen als der heutige Mensch. Die Menschen denken heute wie vor 35000 Jahren, vielleicht wie vor 100000 Jahren. Der Unterschied in den Geräten und Kulturen zeigt die ungeheure Bedeutung der verwendeten zentralen geistigen Systeme (Human-Software), von Ausbildung und Lebensbedingungen.

 

Makkaroniartige Kratzspuren um 50000 v.Chr. (oder erst um 32000 v.Chr. ?)

An der Lehmdecke der Höhle bei Altamira in Nordspanien fand man makkaroniartige Fingerritzzeichnungen, den Kratzspuren der Höhlenbären ähnlich. Darstellungen dieser Art sollen bis in Zeiten vor 55000 v.Chr. zurückreichen.

Ahmten sie die Höhlenbären nach, waren es bewußte "Kunstwerke" ?

Den Homo sapiens sapiens hat es in Europa um 55000 v.Chr. ganz gewiß noch nicht gegeben. Demnach mußten die "Künstler" dieser makkaroniartigen Kratzspuren, die oft Umrisse von Tierköpfen usw. darstellen sollen, zu den Urmenschen gehören - falls Datierung und Interpretation der Kratzspuren stimmen. Allerdings gilt: Wer um 90000 v.Chr. Steinmäuerchen in der Brillenhöhle bei Blaubeuren, sollte 35000 Jahre später dazu in der Lage sein, an der Höhlendecke zu kratzen.

 

 

2.14  Kulturzentren des Magdalenien

 

Die ersten "Hochkulturen" der frühen Menschen zwischen 35000 und 20000 v. Chr. (Sungir bei Moskau, Vogelherdhöhle im Lonetal, Pavlov in Mähren u.a.) zeigten einen enormen kulturellen Anstieg gegenüber dem kulturellen Verhalten der Urmenschen. Leider wurden diese Kulturzentren wahrscheinlich durch das Glazial zwischen 22000 und 16000 v.Chr. vernichtet, als sich Gletscher und extreme Eiszeittundra ausbreiteten.

Ein späteres Kulturzentrum begann ab 17000 v.Chr. im Magdalenien, als die kontinentalen Gletscher ihre volle Größe hatten. In Südfrankreich und Nordspanien wirkten diie Eiszeitkünstler bis 9500 v.Chr., wobei sie glücklicherweise ihre Kunstwerke auch tief in Höhlen erstellten. Auch in Australien, Sibirien, Südafrika und Brasilien fand man solche Höhlenmalereien. Die Datierungen sind noch ungenau. Die Angaben für Australien findet man bis herauf zu 20000 v.Chr., die in den anderen Kontinenten um 10000 v.Chr. oder später.

Die jüngsten Felswandmalereien, ursprünglich aus einer Fresco-Technik hervorgegangen, meldete Leo Frobenius von Südafrika. Bei der Bevölkerung fand er noch Erinnerungen an Rituale und Techniken der Felsmalereien vor.

Die Höhlenmalereien im Bereich von Altamira bis Lascaux bezeugen dem frühen Menschen Kunstverstand. Die eiszeitlichen Jäger stellten mit großer technischer und künstlerischer Kunstfertigkeit die eiszeitliche Tierwelt dar, auf die sie Jagd machten. Selten stellten sie sich selber dar. Aus den Gemälden ist ersichtlich, daß sie an eine Seele, ein Totem oder einen Gott glaubten. Die Zeichnungen - und auch die weniger zahlreichen Plastiken - dienten oft der Jagdmagie.

Die kunstvollen farbigen Gemälde wurden versteckt angebracht, oft in den hintersten Sälen der Höhlen. Zeitweilig müssen sie den Charakter eines Forschungsbetriebs gehabt haben, denn die kunstvolle Auswahl und Zusammenstellung der Farben mußte erst mühsam herausgefunden und dann an die folgenden Generationen weitergegeben werden.

 

Der hohe Grad der künstlerischen Vollkommenheit machte es den jeweiligen Entdeckern und ihren Helfern schwer, ihre Vorstellungen über das Alter der Höhlenmalereien gegenüber den Fachgelehrten durchzudrücken. Die Malereien waren so gut, daß man sie als neuzeitliche, bewußte Fälschungen ansah, mit der die Fachwelt übertölpelt werden sollte.

 

Die Entdeckung der Höhlenmalereien bei Altamira

Schon die Entdeckungsgeschichte der heute berühmtesten Höhlen mit eiszeitlichen Malereien ist eine Kette von Abenteuern, in denen merkwürdigerweise als Entdecker Jungen und Mädchen auftreten. Die Höhle von Lascaux wurde von vier Jungen entdeckt, Les Trois Freres von 3 Brüdern und Pech-Merle sogar nur von einem einzelnen Jungen, der sich allein in die Unterwelt wagte.

Hans Baumann hat über die Entdeckung der Höhle von Lascaux ein spannendes Buch geschrieben: "Die Höhlen der großen Jäger". Im Laufe der Zeit fand man in Nordspanien und Südfrankreich an die 100 Höhlen mit schönen Malereien.

Die Felswandmalereien in der Höhle von Altamira wurden von einem 9-jährigen Mädchen entdeckt, dessen Vater in dieser Höhle gezielt nach Relikten aus der Vorzeit grub. Es war im Jahre 1879, als seine Tochter Maria im Schein der flackernden Lampe einen künstlerisch vollendeten Büffel sah. Ihr Vater, Don Marcelino de Sautuola, zog Wissenschaftler hinzu, die das Alter der Höhlenmalereien, die man nun in großer Anzahl in dieser Höhle gefunden hatte, ermitteln sollten.

Don Marcelino war fest davon überzeugt, daß die Malereien mindestens 10000 Jahre alt waren. Nach anfänglichem Zögern lehnte die Fachwelt die Ansicht ab, daß die Höhlenmalereien "echt" seien, also vor mehr als 10000 Jahren - z.Z. des großen Eises - geschaffen worden seien. Man beschuldigte Don Marcelino der Fälschung, des Betrugs. Das Verdienst von Marcelino bestand von da ab weniger in der Tatsache, daß er die Meinung der Echtheit dieser Bilder hatte, sondern darin, daß er diese Meinung ganz fest weiter vertrat und sein Bestes tat, um für die Nachwelt die Bilder und ihre Echtheit zu überliefern. Es dauerte schließlich 23 Jahre, bis die Fachwelt endlich die Echtheit der Höhlenmalereien anerkannte. Don Marcelino erlebte das nicht mehr, aber seine Tochter Maria.

In der 275 m langen Höhle fand man im weiteren Verlauf zahlreiche kunstvolle Malereien mit Motiven von längst ausgestorbenen Tieren der Eiszeit. Ähnliches war auch in der Höhle von Lascaux bekannt. Henri Breuil, der große französische Erforscher der eiszeitlichen Höhlenmalerei, nannte sie deshalb die Sixtinische Kapelle der Eiszeit.

 

Höhlenmalerei des Magdalenien

Erste Anfänge der Höhlenmalerei waren um 30000 v.Chr. oder früher. Sie entwickelte sich aus Lehmgravierungen an Höhlenwänden, die man in Form der makkaroniartigen mehrspurigen Ritzzeichnungen anscheinend noch für Zeiten vor 35000 v.Chr. nachweisen kann, die also vom Neandertaler hergestellt worden waren. Die Kunst der Höhlenmalerei ist bis 9500 v.Chr. nachweisbar.

Die Ausbreitung der Eiszeitkunst auf einem so großen Gebiet (Südfrankreich und Nordspanien) macht wahrscheinlich, daß diese Menschen schon befähigt waren, einen Kulturkreis zu bilden, in dem die verschiedenen Sippen und Jägerhorden eine sehr ähnliche Sprache benutzten, wobei sich die Menschen von Altamira mit denen von Lascaux gut verständigen konnten.

Weiterhin läßt sich aus dem Fehlen von Malereien, die Gewaltanwendung unter Menschen darstellen, der Schluß ziehen, daß diese Menschen untereinander auch keine Gewalt anwendeten, was in der Tat ein ungeheuerlicher Schluß ist - für Menschen vor 15000 Jahren !

Für eine weiterführende Deutung der Eiszeitkunst wird auf H. Kühn und andere verwiesen.

 

Wahrscheinlich hatten die Höhlenmalereien zum größten Teil eine magische Wurzel. Rein magische Aufgaben hatten viele der Höhlenmalereien oder Tierplastiken aus Lehm, die mit Lanzen oder Pfeilen beschossen wurden und auf diese Weise dem Jäger Macht über das Jagdtier vor der eigentlichen Jagd verleihen sollte. Bei manchen Naturvölkern fand man einen ähnlichen Glauben noch heute.

Aus der Höhle von Font-de-Gaume aux Eyzies (Dordogne) ist eine Ritzzeichnung bekannt, die so interpretiert werden kann, daß ein Mammut in einer Fallgrube steckt. Die Gemälde in den Höhlen von Lascaux und Altamira sind Höhepunkte der Eiszeitkunst um 15000 bis 13000 v.Chr., und danach beginnt allmählich die Symboliiserung und Abstraktion bei den Bildern, es beginnt die Entwicklung zur Bilderschrift.

 

Erste Einteilung der Höhlenmalereien nach Henri Breuil 1912:

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Aurignacien-Peridordien-(Gravettien)-Zyklus

-

Solutreen-Magdalenien-Zyklus

Es wird die Lektüre der Bücher von Herbert Kühn und Rudolf Drößler über Eiszeitkunst empfohlen.

 

Genieleistungen früher Menschen sind ein unschätzbares Gut der Menschheit und sollten im richtigen Umfeld gesehen werden. Es ist sicher, daß die Maler mit der Erstellung neuer und besserer Farben experimentierten wie später etwa Leonardo da Vinci.

Die Künstler arbeiteten im Schein von Öllampen aus Stein. Sie verwendeten feine oder dicke Pinsel und kleine Röhrchen, mit denen sie Farbpulver auf die Bilder bliesen.

Einteilung der Zeichnungen und Malereien in der Höhle von Altamira nach Johannes Maringer:

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Aurignacien 32000-19000 v.Chr.: Umriß-, Strichzeichnungen,

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Solutreen 19000-17000 v.Chr.: Ausmalen der Tierkonturen mit schwarzer und roter Farbe,

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Magdalenien 17000-10000 v.Chr.: Genaues Ausmalen und Schattieren der gemalten Bilder.

 

Gemalt wurde mit mineralischen Farbstoffen:

-                Ocker, eine Tonschicht, die nach den darin enthaltenen Eisenmineralen in den Farben gelb, rot und braun zu finden ist.

-                Holzkohle oder Manganoxyd lieferten schwarze Farbe. Blütezeit der naturalistischen Höhlenmalerei, in Farbe und mit Schattierungen.

 

Einteilung der Zeichnungen und Malereien in Höhlen Europas nach Leroi-Gourhan 1965 (1971) nach den Stilgruppen I bis IV:

- I

Vor 34000 bis 25000 JahrenAurignacien, frühes Gravettien

- II

Vor 25000 bis 19000 JahrenMittleres Gravettien, mittl. Solutreen

- III

Vor 19000 bis 16000 JahrenJüngeres Solutreen, frühes Magdalenien

- IV

Vor 16000 bis 10000 JahrenMittleres Magdalenien, jüngeres Magd.

In diesen Einteilungen gibt es keine Gravuren und Malereien vor mehr als 34000 Jahren, so daß die frühere Datierung der makkaroniartigen Kratzspuren um 20000 Jahre zu weit in die Vergangenheit geht. Auch die Funde von ersten Plastiken - früher für die Zeit vor 37000 Jahren in Bessarabien und bei Sungir/Moskau gemeldet, kommen darin nicht mehr vor.

 

Farben, Maltechnik, Farbherstellung, Malvorgang:

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Schwarz: Mit Fett vermischter Ruß, Holzasche, Manganerde

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Rot: Eisenoxyderden wie Ocker, Hämatit

 

Hypothesen für Farbherstellung und Malvorgang:

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Die Wand wurde eingefettet und dann die Farbe darauf aufgetragen oder aufgeblasen (durch Röhrchen). Verwendung von zerstoßenem Hämatit, gemahlener Holzkohle, Manganerde, Ocker.

-

Hämatit wurde im Mörser zerstoßen, und dieses Pulver mit dünnen Röhrenknochen auf die mit natürlichem Wasserfilm überzogene Kalksinterwand aufgeblasen. Nach Bedarf Mischung mit zerstoßener Holzkohle.

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Malen mit Farbstiften. Solche wurden gefunden.

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Hämatit wurde in Fett gekocht, worauf er weich und schmierbar wurde.

 

Viele Zeichnungen geben Rätsel auf, besonders im Zusammenhang der "Hüttenzeichen", Fallgrubenzeichen und Menschendarstellungen. Zur Deutung kann man versuchen, auf die ältesten Epen der Menschheit zurückzugreifen, wie Gilgamesch-Epos und Odyssee: Zum Bild des offenbar tödlich verwundeten Menschen, der von dem ebenfalls tödlich verwundeten Bison angegriffen wird, dem die Gedärme hervorquellen: Den Vogelkopf des Menschen und den Vogel auf der Stange kann man nach Homers Odyssee interpretieren, als Odysseus im Hades ist und nach dem Seher Theiresias seine Mutter nach Sterben und Tod befragt: "Die Seele flattert davon." Der Vogel ist das Sinnbild der davonflatternden Seele. Engidu wird nach seinem Tode von einem Vogelmann abgeholt. Der geflügelte Tote in der Vorstellung der Jungpaläolithiker ist der Vorläufer des geflügelten Engels.

 

Die Güte der Höhlenmalereien spricht dafür, dem entsprechenden Kulturbereich folgendes zuzuschreiben :

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Insgesamt neuzeitliche Denkweise und hoher Sinn für Kunst und Technik.

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Eine hinreichend gute Sprache und Ausdrucksfähigkeit.

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Hohe soziale Organisation.

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Ausreichender Werkzeugkasten zur Erstellung solcher Bilder.

 

Bedeutende Malereien fanden sich in vielen Höhlen:

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Combe-Grenal, 23 km von Les Eyzies, unweit der Fundstelle der Cro MagnonMenschen (!), Gemälde und viele Werkzeuge von Neandertalern ? Das Massif Central in Frankreich scheint schon seit 500000 v.Chr. besiedelt worden zu sein. Tal der Vezere, Dordogne, schon früh ein begehrter Lebensraum der Hominiden.

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Lascaux, im Tal des Vezere, bei Montignac, 100 km südwestlich von Limoges, benutzt von 32000 bis 10000 v.Chr. ? Decken und Wände der Höhle sind aus sehr feinkörnigem Kalkstein. Die Höhle wurde von 3 Jungen entdeckt, ebenso die Steinzeitmalerei darinnen. Zahlreiche Bilder von Mammut, Wollnashorn, Bison, Hirsch und anderen Eiszeittieren. Hoher Kunstwert. An der Wand einer Grube das Bild vom Menschen mit Vogelkopf, der von dem verwundeten Auerochsen getötet wurde.

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Niaux, 1400 m, 25 schwarze Auerochsen

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Font-de-Gaume

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Rouffignac

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Les Combarelles

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La Mouthe

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Les-Trois-Freres

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Comarque

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Peche-Merle, Pferd, negative Handabdrücke

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Altamira, Nordspanien, Kunstwerke von 32000-10000 v.Chr. ? Höhle ist 250 m lang, Zeichnungen sind rot-schwarz gehalten, viel Bisons und Auerochsen (Ausruf der Entdeckerin Maria: "Toros" (= Stiere)), aber auch Pferde, Hirsche und Eber.

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Gargas, älteste Handabdrücke

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Altxerri, Santander, um 10000 v.Chr., viele Bilder, darunter 7 Mammuts

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Chauvet, die zuletzt gefundene Höhle mit schönen Höhlenmalereien aus dem Magdalenien.

 

 

2.15  Kunst der Rentierjäger

 

14000 v.Chr.: Klausenhöhlen bei Essing, im Altmühltal, bei Kelheim Die Höhlen wurden schon lange zuvor vor um 100000 v.Chr. von Hominiden aufgesucht (Acheuleen) und später von Neandertalern (Mousterien). In den Schichten des Magdalenien fanden sich Kunstwerke:

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Lochstab aus Rengeweih mit einer halbplastischen Auerochs-Darstellung

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Kalkplatte mit Wildpferdgravierungen

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Lochstäbe, rot bemalte Kalkplatten mit Punktreihen, Mammutgravierung auf Stoßzahn

 

11000 v.Chr.: Kesslerloch im Fulachtal, südwestlich von Thayngen, Kanton Schaffhausen, Schweiz, mittleres und spätes Magdalenien Knochen von 1000 Schneehasen, 500 Rentieren, 170 Schneehühnern und 50 Wildpferden, wenige Knochen von Mammut, Wollnashorn, Steinbock und Gemse 30000 Steinartefakte (Kratzer, Stichel, Bohrer) Viele Werkzeuge und Waffen aus Geweih, Knochen und Elfenbein: Geschoßspitzen, Lochstäbe, Nähnadeln, Speerschleudern, Harpunen, Meißel und Pfrieme Viele Gravierungen (Ren, Pferd, Moschusochse) auf Werkzeugen und Waffen, 7 Speerschleudern mit Pferde mit Pferdedarstellungen, Wildpferdgravierungen auf Gagat oder Knochen und andere

 

10600 v.Chr.: Gönnersdorf bei Neuwied, Koblenz, Mittelrhein Freilandstation, durch Vulkanausbruch von Maria Laach um 9500 v.Chr. konserviert, Grundrisse von 3 großen fellbespannten Hütten und 4 Stangenzelten, die großen Hütten besaßen einen Fußbodenbelag aus Schieferplatten, in die um 600 Gravuren eingeritzt worden waren, 400 mit Darstellungen von Frauen (stark stilisiert) und 200 mit recht naturgetreuen Tierdarstellungen (vor allem Wildpferd, auch Mammut, selten Hirsch und andere Beutetiere. Jagd auf Pferd und Ren viele Schmuckschnecken, viel Schmuck aus durchbohrten Zähnen und Hirschgrandeln, kleine Perlen aus fossilem Holz, Steinlampen

 

10000 v.Chr.: Petersfelshöhle bei Bittelbrunn-Engen, Konstanz am Bodensee, spätes Magdalenien der älteren Dryaszeit viele Knochen von Wildpferd, Ren, Schneehase und Schneehuhn, Harpunen, Schmuckstücke aus fossilem Holz, Schmuckschnecken, auf Geweih oder Knochen gravierte Wildpferde, Rentiere und Fische, 16 Frauenstatuetten, eine aus Geweih, die anderen aus fossilem Holz Diese Kulturzentren gingen sicher in die Sagen und Legenden der Menschen ein und gaben eine Idee von der Sage von der verschwundenen Hochkultur. Sicher sind viele frühere Kulturzentren, Schöpfungen einzelner Menschen oder kleiner Menschengruppen (räumlich und zeitlich geringe Ausdehnung) schon bei Neandertalern und ihren Vorgängern entstanden und dann plötzlich untergegangen.

 

 

2.16  Die Kunstwerke des Azilien in Eurasien und Afrika

 

Ab etwa 9500 v.Chr. hören die Höhlenmalereien auf und an ihre Stelle treten abstrahierte Darstellungen, besonders viel mit dem Menschen und seiner direkten Umgebung als Motiv (bis 4000 v.Chr.), auf Felswänden oder Steinen (großen Kieseln) in Spanien, Nordafrika und Skandinavien (dort Gravuren). Höhlengravuren fand man auch in Italien und auf Sizilien in der Addaura-Höhle bei Palermo, mit Felsritzzeichnungen mit Menschen als Motiv, etwa aus der Zeit vor 12000 Jahren.

Bei Kapovaja südlich des Ural in Rußland fand man Gemälde und Jagdzeichen. Die Malereien in Sibirien schätzt man auf 10000 v.Chr. und später. Anscheinend zogen die Künstler den Mammuten nach.

Die meisten späteren Felswandmalereien oder -gravuren fand man in Spanien, Nordafrika, Skandinavien, Alpengebieten, Südafrika (siehe die entsprechende Literatur).

 

Fundorte in Spanien:

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Gasulla-Schlucht

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Morella la Vella, Levante-Kunst

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Castillo

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Tajo de las Figuras, Andalusien

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Pena Tu, Asturien

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Las Batuecas, bei Salamanca, gemalte oder geritzte Felswandbilder

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Los Velez, um 3000 v.Chr.

 

Ferner auch Höhlenmalereien und -gravuren bzw. Felsmalereien und -gravuren in Australien, Brasilien und Südafrika.

 

 

2.17 Symbole, Zeichnungen auf Kleinplastiken und Kieseln - Schriftentwicklungen

 

32000 v.Chr.:

Abstrakte Ritzungen auf Knochen, Elfenbeinplättchen: Kalender, Merkhilfen ?

29000 v.Chr.:

Kreuze auf Kleinplastiken im Lonetal: Merkhilfen ?

15000 v.Chr.:

Hüttenzeichen in den farbigen, naturalistischen Höhlenbildern

10900 v.Chr.:

Höhle von Alliat (La Vache), bemalte Kiesel mit naturalistischen Motiven um 10900-10700 v.Chr.), mit abstrakten Motiven um 10500-10400 v.Chr.

10600 v.Chr.:

400 Gravuren von Frauen, 200 Gravuren von Tieren auf Schieferplatten bei Gönnersdorf bei Andernach. Warum ?

Ausbreitung, Verschiebung der Kunst der Bemalung von Kieseln von der Dordogne nach Spanien zwischen 10500 und 8000 v.Chr. ?

Wahrscheinlich galten die abstrakten Symbole als heilige Zeichen, wie Runen.

Möglicherweise hatten sie auch Nachrichtencharakter als Anfang einer Bilderschrift (siehe die Pasiega-Zeichen um 12000 v.Chr.).

 

Die ältesten bilderschriftlichen und Symbol-Darstellungen sind auf die Zeit noch vor 12000 v.Chr. zu datieren :

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Die Bilderschrift aus der Pasiega-Höhle in Nordspanien (Pasiega-Zeichen).

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Die Zeichenreihen mit recht modern anmutenden abstrakten Symbolen auf Knochen aus den Höhlen Rochebertier und Gourdan in Frankreich in Haute-Garonne.

Bis zur Entwicklung der Bilder- oder Hieroglyphenschriften in Sumer und Ägypten lagen dann mindestens noch 9 Jahrtausende !

Zwischen 8000 und 3500 v.Chr. liegt die letzte Stufe vor der Bilderschrift in Form der Eigentumszeichen vor, die meistens ganz abstrakt waren und Eigentumsmarken hauptsächlich für Keramik waren, aber auch für Tiere oder Häuser. Manche dieser Eigentumszeichen aus dem Bereich Ägypten und Kreta wurden später in die Bilderschriften und noch einmal 1500 Jahre später in die Buchstabenschrift übernommen.

Die Ansichten antiker Autoren wie Seneca des Älteren um die Zeitenwende, daß die frühen Iberer ab 6000 v.Chr. eine Schrift besessen haben, kann man nicht so ohne weiteres abtun. Es muß ja keine Buchstabenschrift und auch keine entwickelte Hieroglyphenschrift gewesen sein. Es können Zeichen wie in der Pasiega-Höhle gewesen sein. Die Schrift muß ja auch noch nicht linearisiert worden sein. Es reichte, wenn man mit ihrer Hilfe Nachrichten und Vorstellungen an Schriftkunde übertragen konnte.

Das ist sogar bei den Zeichen von Alvao in Portugal um 4000 v.Chr. oder von der Grotte bei Mas d'Azil um dieselbe Zeit anzunehmen.

Spätestens bis 4000 v.Chr. hatte man die Symbolisierung der zeichnerischen Darstellungen zu abstrakten Symbolen vollendet, wie die bemalten Kiesel von Mas d'Azil in Südfrankreich und die buchstabenähnlichen Symbole auf Steinen in Grabkammern bei Alvao, Portugal, beweisen.

Die Gleichheit einiger dieser Symbole mit Silbenzeichen aus Altkreta und mit Buchstaben aus dem ersten phönizischen Alphabet kann bedeuten, daß Händler die Kenntnis abstrakter Symbole von Spanien nach Kreta und Phönizien brachten. Es gab aber dort diese Kenntnis in Form von Eigentumszeichen auf Töpferwaren ebenfalls schon in vorgeschichtlicher Zeit, und auch von diesen findet man einige in den ersten phönizischen Alphabeten wieder.

Die Verbreitung kultureller Güter und Anreize in der Zeit vor 3200 v.Chr., also in der vorgeschichtlichen Zeit, darf nicht unterschätzt werden.

Wegen der erkennbaren Ordnung der Symbole von Alvao in Reihen (eventuell auch in Spalten) liegt es nahe, wegen dieser Linearisierung der Darstellung eine Art von Symbolschrift anzunehmen, möglicherweise dem Geiste nach verwandt mit den späteren Hieroglyphenschriften, der chinesischen Schrift oder der modernen Stenographie. Steine mit solchen linear ausgerichteten Schriftzeichen fand man in Grabkammern aufgehängt, so daß sie sicher eine Botschaft enthielten.

Die buchstabenähnlichen Symbole aus Grabkammern bei Alvao, Portugal, aus der Zeit um 4000 v.Chr. standen in irgendeiner Beziehung zum Totenkult und sollten dem Verstorbenen oder den Menschen seiner Sippe, die sein Grab eingerichtet hatten, Unterstützung bringen. Die magische Kraft der Symbole sollte die überirdischen Mächte dahin bringen, den Anrufenden zu helfen. Die Ahnen wurden zu Vermittlern zwischen Göttern und Menschen.

Die magischen Symbole beschwor man auch, um die Schicksalsmächte zu beeinflussen oder um etwas über die Zukunft zu erfahren.

Manche Völker versuchten, aus dem Flug der Vögel, den Gedärmen von Tieren oder aus ihrer Leber den Verlauf zukünftiger Ereignisse zu erfahren. Bei den Römern war das noch in nachchristlicher Zeit ein ganz anerkanntes Verfahren (mindestens bis 300 n.Chr.).

Die Germanen versuchten noch in der nachchristlichen Zeit, die Magie der Symbole für die Befragung der Schicksalsmächte und die Schicksalslenkung anzurufen. Ihre Symbole nannten sie Runen und maßen ihnen große Bedeutung zu. Runen vermochten den Menschen vor schlimmen Gefahren zu schützen. Durch Siegrunen im Schwert, durch Denkrunen für den Wissensdurstigen und andere Runen je nach dem, wo man sein Glück suchte, konnte der Träger der Runen Hilfe der Asen erhalten (regional bis 1000 n.Chr.).

 

 

2.18  Der Nachklang der Eiszeitkunst

 

Man kann annehmen, daß im Franko-Kantabrischen Kulturkreis ein eiszeitliches Kulturzentrum vorlag, das über reisende Händler in anderen Ländern bekannt wurde. Als um 8800 v.Chr. die Landwirtschaft in Kleinasien und Nahem Osten begann und um diese Zeit die ersten Siedlungen wie bei Jericho entstanden, mochte diese Überlieferung von der Hochkultur im Westen immer noch lebendig sein.

Es ist wahrscheinlich, daß die Erzählung von Platon über Atlantis nicht die Kulturen des ausgehenden Magdalenien um 9500 v.Chr. in Westeuropa meinte, sondern die megalithischen Völker von Skandinavien (das Thule des Pytheas von Massilia um 350 v.Chr.), den britischen Inseln, Norddeutschland, Spanien (wohl das eigentliche Atlantis), die Mittelmeerinseln und Teile von Nordafrika um 7000 Jahre später.

Ab 5000 v.Chr. entwickelte sich von Skandinavien bis Spanien die megalithische Kultur, und diese reichte weit nach Nordafrika um 4000 v.Chr. hinein, wie die Felsmalereien und -ritzungen z.B. von Tassili n'Ajjer beweisen. Die entsprechenden Kunstwerke in Spanien - hauptsächlich mit dem Menschen als Motiv - wie in der Gasulla-Schlucht oder aus Alpera in Spanien aus der Zeit von etwa 8000 bis 4000 v.Chr. (Levante-Kunst) und die in Skandinavien ab 5000 v.Chr. machen das wahrscheinlich.

 

Die menschlichen Figuren dieses Kulturkreises zeigen außer vielen Gemälden in Nordafrika eine starke Symbolisierung. Und die Menschen wußten nicht erst vor 100 Jahren Geschichten von der guten alten Zeit zu erzählen. Tatsächlich gab es schon um 2500 v.Chr. in Sumer Nostalgiewellen, bei denen man sich nach der guten alten Zeit zurücksehnte und wo man unbedingt glauben wollte, daß damals alles noch besser gewesen war, wo die Menschen noch an die alten Götter, Tugenden, Sitten und Traditionen glaubten und das Gesetz geachtet wurde.

 

Künstlerische Nachlese

Der Homo sapiens sapiens bewies schon ab 35000 v.Chr. seinen ausgesprochenen Sinn für Kunst und künstlerisches Schaffen. Nachweise dafür sind seine fein zubearbeiteten Steinwaffen und -geräte sowie Figuren (Plastiken) aus Elfenbein vor über 25000 Jahren aus den Höhlen um das Lonetalgebiet und von Freilandstationen bei Sungir, Pavlov, Dolni Vestonice, Predmosti ... Die Mandeln (Lorbeerblätter, Blattspitzen) waren von vollkommener Form und fein retuschiert. Gravuren auf Steinen, Felswänden und auf Ton zeigen die Anfänge der Bildhauerei und Malerei. Die Höhlenmalerei im Magdalenien von 17000 bis 10000 v.Chr. stellt einen ersten Höhepunkt in der Malerei dar. Bemalung von Kieseln mit abstrakten Zeichen um 4000 v.Chr. im Azilien sind Anfänge einer Schrift. Naturalistische oder abstrakte Felszeichnungen von Skandinavien bis Südafrika vor über 5000 Jahren geben mehr den Menschen und seine Kultur als wie früher fast nur die Tiere wieder. Aus der Kunst ist ersichtlich, daß es schon um 23000 v.Chr. einen regen Austausch von Waren und Werken, Gedanken und Vorstellungen zwischen Atlantik und Don gab. Das beweisen besonders die Frauenstatuetten. Dieser Austausch wurde natürlich für Jahrtausende während des Hauptvorstoßes der Gletscher, zwischen 20000 und 13000 v.Chr. mit dem Maximum zwischen 18000 und 16000 v.Chr., unterbrochen.

 

 

2.19  Wir leben noch heute zwischen den Kulturrelikten der frühen Menschen

 

Es ist durchaus angemessen, daß der Mensch seinen eigenen Wert begreift.

Menschen und Urmenschen lebten mindestens für 15000 Jahre jeweils irgendwo von Nordafrika über Nahen Osten bis Osteuropa zusammen.

Was geschah damals, und was ging vom Kulturgut der Neandertaler in das der Menschen über ?

Existieren Erinnerungen im heutigen Kulturgut an diese Zeit ?

Sind die legendären Zwerge der germanischen Mythologie eine Erinnerung an die Neandertaler ?

 

Präsapiente Formen:

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Galiläa, Palästina

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Skuhl, Palästina

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Herkules-Höhle, Tanger Neandertaloide:

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Höhle Krapina, Zagreb, verschiedene Formen des Neandertalers

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Höhle Haua Feteah, Kyrenaika, Neandertaler um 30000 v.Chr. ?

 

Kultur-Höhlen und –Zentren des Menschen:

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Höhle Brynzeny in Bessarabien, 37000 bis 30000 Sungir, Vladimir, nordöstlich Moskau, Figuren sehen mehr wie zufällig geformte Steine aus, rote Farbe, mit Punkten und Kreuzen versehen,

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Geißenklösterle, Höhle im Achtal bei Blaubeuren, Plastiken und Ritzungen, Gravuren auf Elfenbeinplättchen aus der Zeit zwischen 33000 bis 27000 v.Chr., Elfenbienplättchen mit Menschenbild ? 30000 v.Chr. ? Brillenhöhle bei Blaubeuren

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Vogelherdhöhle im Lonetal, Württemberg Kalender um 28000 v.Chr. ?, viele Plastiken von Tieren und eine vom Menschen, die meisten Plastiken haben Linienmuster mit Kreuzungen und Kerben

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Hohlenstein-Stadel bei Armelfingen, Alb-Donau-Kreis Württemberg, Mensch-Tier-Figur aus Elfenbein

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Wildscheuerhöhle an der Lahn, Rote Farbe (Hämatit) Linsenberg bei Mainz, 23000 v.Chr.,

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Gravettien 28000 bis 21000 v.Chr. Venusstatuetten zwischen Atlantik und Don, Weinberghöhlen bei Mauern

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Wildscheuerhöhle bei Steeden an der Lahn, Hessen,

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Magdalena-Höhle bei Gerolstein in der Eifel Schussenried, Kreis Biberach, Baden-Württemberg - Keßlerloch im Fulachtal, bei Thayngen in der Schweiz, Nähe Schaffhausen, Martinsberg bei Andernach

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Klausenhöhle bei Neuessing, Gravierungen auf Elfenbein

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Sprendlingen bei Frankfurt, Zeltlagerplatz um 23000 v.Chr., Rentierjäger sammelten fossile Muscheln, die man auch in rezenter Zeit dort in der Gegend findet (Muscheln aus dem Kreidemeer um 30 Millionen v.Chr.), dort auch Mittelmeerschnecken, durch Tauschhandel erworben ?

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Ofnet-Höhlen im Nördlinger Ries, 11000 v.Chr., 26 Schädelsetzungen, Schädel mit Ocker angefärbt, Querbeziehungen mit anderen Schädelsetzungen oder Schädelfunden in Höhlen wie Jungferngrotte bei Tiefenellern

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Gönnersdorf bei Andernach, Neuwieder Becken am Rhein, 10000 v.Chr., Magdalenien-Siedlung des Cro Magnon auf 68 qm, 7 Behausungen mit Pfosten, deren Löcher man fand, Stangenzelte ?, sehr viele Kunstwerke, Ritzungen auf und in Schiefer

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Martinsberg, Andernach, 10000 v.Chr.,

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Petersfels-Höhle im Brudertal bei Engen im Hegau, Nähe Konstanz, 9500 v.Chr., Ritzungen auf Knochen, viele Kunstwerke

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Niederbieber im Neuwieder Becken, durch Vulkanausbruch um 9000 v.Chr. verschütteter Rastplatz - Kleine Scheuerhöhle, Steilwand unterhalb der Burg Rosenstein (Ostalbkreis) Halbhöhle

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Felsställe bei Mühlen, Alb-Donau-Kreis

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Hohlensteinhöhle bei Gemeinde Ederheim, Nördlinger Ries

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Arnhofen bei Kelheim, um 4000 v.Chr. von Bandkeramikern Feuerstein (Silex, Hornstein) im Bergbau gewonnen.

 

 

2.20  Ausklang der Eiszeit - Übergang zum Holozän

 

Bölling-Interstadial (11300 bis 10400 v.Chr.): Wegen des warmen Klimas wichen die Gletscher weit zurück und die Eiszeittiere folgten ihnen nach oder starben aus. Das Mammut hielt sich in Asien länger als in Westeuropa, vielleicht noch bis 9000 v.Chr. oder sogar länger, war aber dann schon recht klein geworden. Es breiteten sich wieder mehr Pflanzen für gemäßigtes Klima aus, wie Wacholder, Sanddorn und größere Birken.

Im Westen Europas gab es zu Anfang des Bölling-Interstadials viel Wacholderheiden, im Osten vereinzelte, aufkommende Kiefernwälder. Danach breiteten sich im Westen kräuterreiche Zwergstrauchheiden und im Osten geschlossene Kiefernwälder aus. Auch bei Winterthur in der Schweiz gab es schon Kiefernwälder. Aus dem Braunbären (kleiner als der Höhlenbär) entwickelte sich in der Arktis der Eisbär. Fossilienfunde menschlicher Artefakte oder Knochen:

Bei Gönnersdorf im Neuwieder Becken war eine Siedlung von Jägern, die Pferde und Rentiere jagten. Es fanden sich Ritzzeichnungen vom Mammut auf Steinplatten, aber nur wenig Mammutknochen. Durch Knochenfunde sind noch Wollnashörner belegt.

Die Siedlung war etwa von 10500 bis 10100 v.Chr. bewohnt.

Weitere Fundorte mit Fossilien aus dieser Zeit:

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Hohler Fels bei Schelklingen, Achtal,

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Burghöhle Dietfurt,

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Helga-Abri,

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Zigeunerfels bei Sigmaringen.

 

In Neu-Mexiko kamen um 11000 v.Chr. die El Jobo-Spitzen auf, Vorläufer der 7 cm langen Folsom-Spitzen und der 5 bis 12 cm langen Clovis-Spitzen, die der Jagd auf Mammuts dienten. Diese Spitzen waren sehr gut ausgearbeitet und auf einer Seite für die Befestigung am Speer ausgehöhlt.

 

Ältere Dryas, Dryas II oder Ältere Tundrenzeit (10400 bis 9800 v.Chr.): Sie brachte einen Klimarückschlag, wobei vermutlich die Gletscher wieder vorrückten. Es breitete sich erneut eine kaltzeitliche Flora und Fauna aus. Man fand viele Stationen von Rentierjägern, besonders am Rande der alpinen Gletscher, oft mit Zeugnissen künstlerischen Schaffens:

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Keßlerloch bei Thayngen, Kanton Schaffhausen, Ritzzeichnungen (Gravierungen) von Pferd und Ren auf Röhrenknochen, Harpunenspitzen, Lochstäbe, Steinplättchen mit Tiergravierungen, viele Geräte aus Feuerstein (Silex), geometrische Verzierungen, Zickzacklinien, Kerben

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Petersfels bei Konstanz, nahe Engen, Funde aus der Zeit um 10500 v.Chr., Plastiken aus fossilem Holz (Gagat) wie Anhänger, Perlen oder Figuren, Venusfiguren, viel Schmuck aus fossilen Muscheln, Schnecken, pyritisierten Ammoniten, Haifischzähnen

Der häufige Nachweis von fossilen Ammoniten als Schmuck oder Gegenstand der Verehrung kann bedeuten, daß die Symbole für Schneckenwindung und Füllhorn, die ab 5000 v.Chr. im Umfeld der Megalith-Kultur auftreten, ihre Wurzeln um 25000 v.Chr. haben, als die Menschen sich für die fossilen Ammoniten zu interessieren begannen.

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Gönnersdorf bei Neuwied im Rheintal, besonders diese Freilandstation nahe des Rheins gegenüber Andernach zeichnete sich durch viele und gute künstlerische Tätigkeiten aus.

Viele Ritzungen von Mammut und Wollnashorn, obwohl diese Tiere schon fast ausgestorben waren sie lebten in den Stammesmythen fort.

Weitere Funde aus dieser Epoche:

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Gnirshöhle

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Burghardtshöhle

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Munzingen am Tuniberg, bei Freiburg im Breisgau

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Schussenquelle bei Schussenried

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Schweizerbild

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Höhlen von Ach, Schmiechen und Lone

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Um Olten: Käsloch, Wilmatt, Köpfli bei Winznau, Sählihöhle

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Im Nordjura der Schweiz, Neumühle bei Roggenburg: Liesberg, Kohlerhöhle bei Broslach, Kastelhöhle

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Heidenküche bei Himmelried im Kanton Soloturn

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Funde aus der Burghöhle bei Dietfurt weisen auf die Übergangszeit Dryas II zu Alleröd-Interstadial um 9800 v.Chr.

 

In Rußland bildete sich im Gebiet um die Flüsse Don, Dnjepr und Dnjestr nördlich des Schwarzen Meeres ein Kulturzentrum aus, das auch die Ukraine umfaßte oder mit dieser Ukraine-Kultur verwandt war. Ab 10000 v.Chr. bauten dort Menschen große "Häuser" aus Mammutknochen und -stoßzähnen, den Fußboden um einen halben Meter in die Erde versenkt. Diese Häuser waren mit Fellen und Erde zugedeckt. Nach der Erwärmung zum Alleröd-Interstadial entwickelten sich in den großen Gebieten verschiedene Kulturzentren, die besonders in der Ukraine zu kultureller Blüte kamen: Bilder, Symbole, verzierte Mammutknochen mit Ockerfarbe, stilisierte menschliche Figuren, geometrische Ornamente auf Elfenbein, Ketten aus Bernstein, Muschelperlen. Es ist naheliegend, hier die Entstehung der indogermanischen (indoeuropäischen) Urvölker anzunehmen, die den abschmelzenden Gletschern nachfolgten bis zur Nordspitze Skandinaviens.

Die Kurgan-Völker (benannt nach ihren Grabhügeln aus Erde), die als Stammvolk der Indoeuropäer gelten, sind aber erst für 3500 v.Chr. nördlich des Schwarzen Meeres nachgewiesen.

Auch die Erzählungen von Herodot über die Skythen weisen darauf hin, daß sie erst vor "kurzer Zeit" dorthin gezogen waren.

Vermutlich verödete diese Gegend im Atlantikum (6300-3300 v.Chr.) und wurde erst danach wieder wegen stark ansteigender Niederschläge fruchtbar.

Auch in großen Teilen des südlichen Eurasiens gab es über die Jahrtausende große Schwankungen zwischen Dürre- und gemäßigten Klimaepochen, nur waren sie nicht so stark und verheerend wie in Nord- und Südafrika.

1650 wurden in Nordamerika große, oft langgestreckte Erdhügel entdeckt, wie man sie auch von England bis Polen kannte. Zum ersten Mal wurden sie um 1705 von dem englischen Reisenden Robert Beverly beschrieben.

Gab es kulturelle Beziehungen zwischen Proto-Kurganvölkern und asiatischen Völkern, die als Proto-Indianer nach Amerika einwanderten und das Kulturelement der Grabhügel mitbrachten, oder ging das auf transatlantische Beziehungen im Atlantikum zurück ?

Da die erste Hypothese zu weit in die Vergangenheit führt und die großen Hügel an der Nordostküste der USA zu finden sind, muß man sich für die zweite entscheiden, auf kulturelle Verbindungen zwischen Nordeuropa und Nordostamerika während des Atlantikums per Schiff, über nördliche Routen.

Es ist zu beachten, daß wir uns jetzt bereits in der Zeit bzw. dicht davor befinden, die schon von antiken Schriftstellern wie Herodot und Platon erwähnt wurden:

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Herodot: 10000 Jahre vor seiner Zeit gab es das Nildelta noch nicht es gab dort einen Meeresgolf, der weit in das Niltal hineinreichte.

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Platon: 9000 Jahre vor Solons Zeit waren Kriegszug der Völker von Atlantis gegen die östlichen Mittelmeervölker sowie anschließende Überflutung des alten Attikas und der Untergang der Insel Atlantis.

Während wir Herodots Vermutung als völlig richtig einstufen können, ist der zeitliche Wert Platons für Atlantis unmöglich, weil zu dieser Zeit gerade Dryas II zu Ende gegangen war, eine kleine Eiszeit mit erneuten Gletschervorstößen besonders in Nordeuropa. Alleröd-Interstadial (9800 bis 8800 v.Chr.): Die nordischen Gletscher wichen langsamer zurück als die alpinen, so daß in Süddeutschland mit Kiefern durchsetzte Birkenwälder aufkamen, während in Norddeutschland noch Zwergstrauchheiden vorherrschten. An vielen Orten wurde die Weide von der Kiefer abgelöst. Es entstanden wieder die ersten lichten Birkenwälder, danach Kiefernwälder. Es folgten Erlen und Eschen. Die Bewaldung war im Westen wieder viel lichter als im Osten. Je nach Region wuchsen Birke, Sanddorn, Wermut und andere. Im großen Waldgebieten gab es Lichtungen mit Kräuter- und Zwergstrauchheiden.

 

Bei der Waldausbreitung im Alleröd-Interstadial herrschten noch lange die Lichtholzarten vor: Waldkiefer, Birke, Pappel, Weide, Wacholder, Lärche, Arve (Zirbelkiefer), Rumex und Ericaceen.

Erst ab 7300 v.Chr. kamen in der Frühen Wärmezeit Haselnuß, Eiche, Ulme und Linde auf. Zu dieser Zeit war der gigantische, meist um 2 km dicke Eisschild über Nordeuropa in der Eiszeit fast vollkommen abgeschmolzen.

Allgemeiner Ablauf der Wiederbewaldung nach einem Glazial:

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Nach der Kältetundra kommt die Kräuter- und Zwergstrauchheide

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Kiefer und Birke kommen auf, zuerst vereinzelt und in Krüppelformen, dann höherwachsend und Haine bildend, schließlich Birken- und Kiefernwälder.

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Schließlich folgen zuerst Hasel und Ulme, dann Eiche und Esche und zuletzt die Linde.

Von der Vergletscherung her gab es noch viele Seen, aber das Klima war noch trocken. Es gab viele Sümpfe, aber auch viele trockene Gebiete. Noch lange bis in das Holozän hielten sich viele Sümpfe und ihre typischen Pflanzen Riedgräser (Cyperaceen), Zweikeimblättrige Krautpflanzen (Kräuter) und Süßgräser (Gramineen).

Die Eiszeittiere starben in Europa gänzlich aus. An ihre Stelle traten Reh, Hirsch, Elch, Gemse, Wisent, Ur (Auerochse), Wildschwein und Biber.

Mit dem Aufkommen der Wälder verschwanden die großen Rentier- und Pferdeherden. Im Rheinland sind Rehe nachgewiesen.

 

Fundorte menschlicher Fossilien und Artefakte:

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Zigeunerfels im Schmeiental bei Sigmaringen,

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Kleine Scheuer im Hohlen Stein, Lonetal. Die Waffen und Geräte der Menschen waren meistens wie im Magdalenien, erst um 8500 v.Chr. kamen die Mikrolithen auf. Davor gab es Mikrolithen schon in

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Mähren, bei Pavlov, Osteuropa, um 22000 v.Chr. (Pavlovien)

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Nordafrika, um 12000 v.Chr. ?

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Westeuropa, um 10000 v.Chr. (Magdalenien)

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Alaska, um 10000 v.Chr. (Nachfolger der Djuchtai-Kultur ?)

 

Das Aufkommen der Mikrolithen kennzeichnet den Übergang von der Masenjagd auf Ren und Pferd auf die Einzeljagd der mesolithischen Jäger auf Hirsch, Reh und Elch. Ferner ist mit dem Aufkommen der Mikrolithentechnik eine starke Zunahme kriegerischer Handlungen unter den Menschen anzunehmen, besonders in den am weitesten entwickelten Gebieten Spanien und Nordafrika. Die Populationsdichte der Menschen nahm anscheinend stark ab, verbunden mit einem kulturellen Abstieg.

Die Herden der Eiszeittiere (Pferde, Ren) sowie die großen Säuger Mammut und Wollnashorn waren verschwunden, neue Wildarten waren noch nicht hinreichend nachgewachsen.

 

Jüngere Dryas, Dryas III oder Jüngere Tundrenzeit (8800 bis 8300 v.Chr.):

Die Gletscher rückten wegen der sehr kalten Witterung noch einmal vor, so daß sich Dryas III als deutliches Stadial heraushebt. Die eiszeitlichen Tiere waren aber bereits früher den Gletschern nachgezogen oder schon ausgestorben. Es überlebten hauptsächlich kälteharte Tiere wie Ren, Elch, Biber, Gemse, Schneehase und Schneemaus.

Im nördlichen Europa, auch im nördlichen Mitteleuropa konnten wegen der kalten Witterung bei gleichzeitigem Fehlen der Eiszeittiere nur wenige Menschen überleben. In Süddeutschland, besonders in Baden-Württemberg, blieb das Klima milder und die Wälder breiteten sich weiter aus.

Um 9000 v.Chr. gab es in der Eifel beim Vulkan Laacher See einen Ausbruch, bei dem das Neuwieder Becken im Mittelrheingebiet mit einer mehrere Meter starken Bimssteinschicht bedeckt wurde, wobei Birkenwälder zum Teil und Siedlungen späteiszeitlicher Menschen oder diese selber verschüttet wurden (Niederbieber Mittelrheingebiet, Plaidt, Weißenthurm). Bimsstein dieses Ausbruchs wurde noch im Allgäu, bei Halle und in Polen nachgewiesen. In der Schweiz machte er sich am Baumwachstum bemerkbar. Er wurde sicher von Menschen beobachtet, die das in Legenden weitergaben.

 

Fossilienfunde menschlicher Artefakte oder Knochen:

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Ahrensburger Kultur bei Hamburg, Norddeutschland, Rentierjäger, auch Jagd auf Gemse und Schneehase

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Zigeunerfels bei Sigmaringen, Jagd auf Elch und Biber

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Bei Moosbühl, Moosseedorf, nördlich von Bern, Freilandstationen der Rentierjäger um 8000 v.Chr.

 

 

3  Entwicklung der Hochkulturen

 

3.1  Holozän (ab 8300 v.Chr.)

 

Die Zeitangaben in der nachfolgenden Tabelle bedeuten Jahre v.Chr. und sind wie üblich mehr Richtwerte, die sich im Verlauf der weiteren Forschung ändern können. Z.B. wird der Beginn des Atlantikums von dem einen Autor auf 6300 v.Chr., von dem anderen auf 5500 v.Chr. angesetzt.

 

Beginn

Bezeichnung

Bemerkungen

9800

Alleröd-Interstadial

Ausbreitung der Wälder, Lichtholzarten wie Birke, Waldkiefer, Pappel, Weide, Wacholder, Lärche und Arve. Anscheinend starke Abnahme der Anzahl der Menschen in Mitteleuropa wegen Abwandern der Eiszeittiere, allmähliche Einwanderung von Reh, Hirsch, Gemse, Wisent, Ur, Wildschwein und Elch.

8800

Jüngere Tundrenzeit

Jüngere Dryas oder Dryas II

Erneuter Vorstoß der Gletscher, Eiszeittiere sind aber schon abgewandert oder ausgestorben                

für die Menschen gibt es eine Hungerzeit, vermutlich mit Bevölkerungsabnahme

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Beginn des Holozän

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8300

Präboreal

Vorwärmezeit

Die Tundra geht in mit Kiefern durchsetzte Birkenwälder über. Klimatisch anspruchsvollere Kräuter und Sträucher kommen auf. Die Steppen verschwinden, und mit ihnen die nach Asien ziehenden Wildpferde, der Steppenwisent stirbt aus. Der im Wald lebende Auerochse wird häufiger.

Beginn des Mesolithikums mit den Kulturstufen Azilien, Tardenoisien und Beuronien u.a.   

Jagd auf Reh, Hirsch, Ur, Wildschwein, ferner Fischfang, Vogeljagd

Kulturstufen des Neolithikums:

Beginn von Hirtentum, Getreideanbau, Hausbau, Dorfgemeinschaften und Keramik im Nahen Osten, Libanon, nördlich von Mesopotamien

7300

 

Frühe Wärmezeit, Boreal. Vermoorung setzt ein. Haselnußsträucher breiten sich nördlich der Alpen stark aus. Eschen, Eichen und Ulmen kommen auf, allmählich auch Linden.

Verfeinerung der Lebensweise, von Kultur, Sprache, Tradition, Mythen.

6300

 

Mittlere Wärmezeit Feuchtwarmes Klimaoptimum.

Eichenmischwald mit Ahorn, Esche, Ulme und Linde, Haselnuß weiterhin lokal häufig.

6000

 

Rückgang der Hasel in Mitteleuropa, Starke Zunahme von Eichenmischwald (wichtig für Schweinehaltung), Wälder schließen sich.

5500

Atlantikum

Dauer etwa 3000 Jahre

Warmzeit

6000-4500

 

Umstellung von Großwildjagd auf Fischfang, pflanzliche Nahrung, Sammeln von Vogeleiern, Muscheln, viel Vogeljagd. Bevölkerungsabnahme und Hungerzeit in Mitteleuropa ?

4500

 

Beginn des Neolithikums in Mitteleuropa, Austrahlung von bandkeramischen Kulturen an der unteren Donau und der Theiß in Südosteuropa. Starker Bevölkerungsanstieg in Mitteleuropa durch einwandernde Bandkeramiker und Übernahme deren Kultur durch einheimische mesolithische Jägervölker. Das Aufkommen der geschliffenen Steinbeile scheint durch deren Gebrauch für den Hausbau begründet zu sein. Sie waren zuerst weniger Waffen als Werkzeuge, wurden aber dann für einige Jahrtausende Symbole des Kriegers und der Männlichkeit, bis die Äxte mit Metallklingen eingeführt waren.

3100

Späte Wärmezeit

Subboreal

Klima allgemein kälter, Eichenmischwälder, Buchen-, Fichtenwälder, Buchen-Tannen-Mischwälder. Weitere Vermoorung durch Rodungen des Menschen.

 

800

Nachwärmezeit

Klimaverschlechterung. Flora wie in Subatlantikum. Verstärkte Wirkungen menschlicher Tätigkeit, z.B. durch Waldweide oder durch Rodungen (Vermoorung) Rötel-, Langschwanz-, Wimpernspitzmaus, Hamster (in Getreidefeldern)

 

 

Abfolge der Wiederbewaldung nach dem Glazial:

Zuerst Kiefer und Birke in Krüppelformen, dann auch immer höher wachsend, hinzu treten allmählich Weiden, Hasel und Ulme, danach Eiche, Esche und die Linde zuletzt.

 

Früheres Holozän

Zu Beginn des Holozän um 8300 v.Chr. waren fast alle Mollusken wie heute. Die Tundren der Kaltzeiten wurden von Birken- und Kiefernwäldern abgelöst und der Dauerfrostboden taute auf, was Jahrtausende in Anspruch nahm (bis 7500 v.Chr. ?). Die Klimaentwicklung in Norddeutschland hinkte hinter der in Süddeutschland um mehr als Tausend Jahre hinterher. Um 8000 v.Chr. kamen auch im nördlichen Mitteleuropa mit Kiefern durchsetzte Birkenwälder in einem kühl-kontinentalen (präborealen) Klima auf. Zu dieser Zeit ging das Klima in Süddeutschland allmählich in ein warm-trockenes Klima (boreal) über.

Entwicklung der Ostsee:

- 8000 v.Chr.:

Eisstausee aus Schmelzwassern der nordischen Gletscher als Vorläufer der Ostsee

- 7700 v.Chr.:

Yoldia-Meer (nach der Muschel Yoldia), Verbindung zwischen Nord- und Ostsee

- 6000 v.Chr.:

Ancylus-See (nach der Schnecke Ancylus), durch Hebung von Meeresboden keine Verbindung mehr zwischen Nord- und Ostsee

- 5000 v.Chr.:

Littorina-Meer (nach der Schnecke Littorina), Verbindung zwischen Nord- und Ostsee

- 3000 v.Chr. (?):

Lymnaea-Meer Salzgehalt der Ostsee wie in rezenter Zeit, Verbindung zwischen Nord- und Ostsee wieder schmaler

- 1000 n.Chr.:

Mya-Meer (nach der Muschel Mya)

 

Tierwelt in Europa im frühen Holozän:

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Braunbär (Ursus arctos),

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Wolf (Canis lupus),

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Luchs (Felis lynx),

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Wildschwein (Sus scrofa),

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Rothirsch (Cervus elaphus),

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Elch (Alces alces),

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Reh (Capreolus capreolus),

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Auerochse (Bos primigenius), 2,50 m lang, 1,55 hoch (Skelett vom Füchtorfer Moor bei Warendorf, Münster).

Der Auerochse (Ur, Thur) besaß ein schwarzgraues Fell und nach vorne weisende Hörner. Der letzte Ur wurde im Jahre 1627 n.Chr. in der Nähe von Warschau in Polen erlegt. Der Waldwisent überlebte in Wäldern Polens bis in rezente Zeit. Der um 8000 v.Chr. ausgestorbene Steppenwisent war viel größer und hatte breit ausladende Hörner mit Spannweiten um 1 m.

Die zum Ende des Miozän in der Phase der Trockenlegung des Mittelmeeres auf die "Inseln" eingewanderten Elefanten verblieben dort bis in rezente Zeiten auf den Inseln Kreta, Zypern, Malta und Sizilien. Dabei wurden sie im Lauf der Jahrmillionen immer kleiner, bis sie nur noch Schulterhöhen bis 1 m erreichten. Funde von Knochen dieser Zwergelefanten mochten Anlaß zur Entstehung der Sagen um die einäugigen Zyklopen gewesen sein.

 

 

3.2  Mesolithikum

 

Die Zeit der mesolithischen Jäger begann regional zu verschiedenen Epochen, wird aber allgemein auf 8300 v.Chr. bis zum Beginn regionaler neolithischer Dörfer im Vorderen Orient angesetzt. Die Hauptwaffen sind im Mesolithikum Pfeil und Bogen. Die mesolithischen Steinspitzen dienten als Pfeil- oder Lanzenspitzen und gaben dieser Epoche und Jagdkultur ihren Namen. Besonders schöne Steinspitzen wurden in Amerika von den eingewanderten Indianern angefertigt.

Funde aus der Gegend von Neu Mexiko:

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11000 v.Chr.: El Jobo-Spitzen

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7000 v.Chr.: Clovis-Spitzen, 5 bis 12,5 cm lang, Speerspitzen für Jagd auf Mammuts,

 

Folsom-Spitzen, 7 cm lang.

Die bevorzugten Waffen der Beuron-Coincy-Kultur waren:

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Pfeil und Bogen, wobei die mikrolithischen Steinspitzen kunstvoll hergestellt worden waren, in der Form gleichschenkliger Dreiecke mit beidseitiger Basisretusche.

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Knöcherne Speerspitzen.

 

Die Mikrolithen waren aber keine Ersterfindung des Mesolithikums, sondern sie tauchten schon zeitweilig viele Jahrtausende früher in Osteuropa, Nordafrika, Alaska (ab 10000 v.Chr.) und dem Magdalenien Europas auf. Anscheinend wurde diese Kulturstufe oder Technik oftmals immer wieder ganz neu erfunden. Die mesolithischen Jägervölker lebten wohl nur noch bei Zwang durch extrem ungünstige Witterung in Höhlen. Hauptsächlich wohnten sie in mit Fellen oder Erde gedeckten Hütten oder Zelten, und die Höhlen wurden nur für kultisch-rituelle Zwecke aufgesucht wie bei der Jungfernhöhle bei Hohenellern.

Man kann annehmen, daß die Lebensweise der europäischen mesolithischen Jäger sehr ähnlich war zu der Lebens- und Jagdkultur der Indianer Nordamerikas in noch geschichtlicher Zeit. Die große Begeisterung europäischer Jugendlicher für die indianische Lebenskultur ist ein recht gutes Indiz dafür, daß die Psyche seiner Bewohner heute noch weithin auf die mesolithische Lebensweise um die 10000 Jahre früher eingestellt ist.

In Baden-Württemberg wie in anderen Teilen Eurasiens fand man viel fossilen Schmuck aus der mesolithischen Zeit in Höhlen und unter Felsüberhängen oder in Halbgrotten (obwohl man nicht davon ausgehen kann, daß die Menschen auch bevorzugt darin gelebt hatten).

 

Eine Kulturstufe, die dem Tardenoisien an anderen Orten entspricht, ist das Beuronien mit den Schichten A, B, und C. Diese mesolithische Kulturstufe erhielt ihren Namen von dem Fundort, dem Jägerhaus bei Beuron.

Weitere Fundplätze dieser Kultur:

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Falkensteinhöhle

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Schuntershöhle

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Lautereck

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Fohlenhaus

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Zigeunerfels bei Sigmaringen

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Burghöhle bei Dietfurt

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Helga-Abri bei Schelklingen

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Spitalhöhle bei Giengen an der Brenz

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Inzigkofen.

Um den Federsee gab es etwa 100 mesolithische Fundstellen. Das zeigt eine starke Zunahme des Fischfangs (besonders auf Perlfisch und Frauenfisch) im Mesolithikum.

 

Nicht ganz sicher einzuteilen sind die Kopfbestattungen aus den Höhlen

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Malerfels, Große Ofnet, 33 Menschenschädeln in mehreren Nestern, Nachweis von Ockerfarbe, und

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Hohlenstein-Stadel mit 3 Menschenschädeln, vermutlich von einer Familie.

War ihr kultureller Hintergrund Kannibalismus, Opferung, Raubmord ... ?

In Höhlen aus der Zeit der Bandkeramiker ab 4000 v.Chr. in Mitteleuropa wurde Kannibalismus praktiziert, und daß dies nicht selten oder nur vereinzelt erfolgte, kann man aus den frühesten Überlieferungen, Legenden und Mythen erschließen.

Gegen wen waren die Waffen der mesolithischen Jäger gerichtet ?

Die mesolithischen Jäger dieser Gegend jagten mit ihren Speeren Wildrinder (Fossilien bei Villingen-Schwenningen). Ihr Speisezettel enthielt noch Haselnuß, Reh, Hirsch, Elch, Wildschwein, Vogeleier, Vögel. In anderen Gegenden, etwa in Asien und Nordamerika, konnten vermutlich noch vereinzelt Mammuts erlegt werden. Jagten sie aber auch Menschen ? Das muß man annehmen, wie Gravuren aus der Zeit um 9000 v.Chr. in der Gasulla-Schlucht in Spanien deutlich zeigen.

 

Wann kann man nun überhaupt von Verbrechen bis zum Raubmord sprechen ?

Wenn man 100 mesolithische Siedlungen um den Federsee gefunden hat, so muß das nicht bedeuten, daß diese Siedlungen alle gleichzeitig bevölkert gewesen sind. Verteilt man diese Siedlungen auf 6000 Jahre, so kann es im Extrem sein, daß eine Sippe alle 60 Jahre ihren Wohnplatz wechselte, was auch nicht als unwahrscheinlich gelten kann.

Wann und wie erkannten die Menschen, daß es unrecht ist, andere Menschen zu berauben oder gar zu töten ? Für die Mitglieder der eigenen Sippe kann man das schon lange vor der Stufe der Vormenschen annehmen, denn auch in einer Gruppe oder Sippe eozäner Halbaffen fiel nicht jeder über den anderen her. Ein erträgliches oder dauerhaftes Zusammenleben auch in einer Schimpansenherde oder auch nur in einem Wolfsrudel wäre nicht möglich, wenn nicht gewisse minimale Schutzgesetze für die Individuen der Gruppe gelten.

Andererseits wissen wir aus der jüngsten Geschichte der Menschheit, daß die jungen Männer ihre Frauen nicht aus der eigenen Sippe ... nehmen durften, sondern daß sie sich ihre Frauen aus anderen Gegenden und Sippen ... stehlen mußten. Der Frauenraub war oft Vorschrift. Später milderte sich das dahingehend ab, daß es strenge Vorschriften gab für die jungen Männer, aus welchen anderen Sippen sie ihre Frauen holen durften. Damit sollte die Inzucht verhindert werden.

Dian Fossey hat ein ähnliches Verhalten bei den Berggorillas in den Virunga-Bergen geschildert. Ein Männchen hat dort mehrere Weibchen (Haremswirtschaft), und die heranwachsenden Kinder des Gorilla-Paschas wandern ab einem bestimmten Alter ab, um Inzucht zu verhindern.

Ein schwieriges Problem ist die Entwicklung der Regeln für die Behandlung anderer Sippen und die Behandlung von Mitgliedern anderer Sippen, Gruppen, Stämme ...

Jane Goodall berichtet davon, daß sie beobachtet hat, wie verschiedene Schimpansengruppen verschiedener, benachbarter Territorien regelrechte Kriege um Landbesitz führten. Das dürfte bei Vormenschen, Frühmenschen und den vielen Unterarten der Species Homo erectus nicht anders gewesen sein. Solche Kriege führten auch zum Artentod der Neandertaler. Nach dem Aussterben der Neandertaler bedurfte es vieler weiser alter Männer und Frauen, um ein Verständnis dafür zu bekommen, daß andere Sippen ... und die Mitglieder anderer Sippen ... nicht unbedingt als Feinde anzusehen und zu behandeln waren. Dadurch wurde es erst möglich, daß sich ,mehrere Sippen zu größeren Stammesverbänden zusammentaten. Dieser Prozeß dauerte vielleicht über 20000 Jahre !

Aus der Geschichtsschreibung und den ältesten Legenden und Mythen wissen wir, daß man dieses Problem um 3300 v.Chr. schon in weiten Regionen von Europa bis Asien gelöst hatte. Die nach Mesopotamien einwandernden Sumerer waren ein großer, geschlossener Verband, auch Ober- und Ounterägypten vor ihrer Vereinigung durch Narmer-Menes, der gesamte megalithische Kulturkreis war vielleicht ein Band um die Völker Irlands, Frankreichs, Englands, Deutschlands, Nordafrikas, Tyrrheniens ... Dann kann man sagen, daß schon um 6000 bis 5000 v.Chr. die Menschen „wußten“, daß man auch „Fremdlinge“ nicht so einfach beraubt oder gar totschlägt, und daß es so etwas wie ein absolutes Gastrecht für den Fremden gibt, wie das in der Odyssee, der germanischen Mythologie, im hellenischen Umfeld ... so häufig betont wird.

In Mitteleuropa änderte sich das dann sehr, als die Bandkeramiker immer weiter von Südosten her nach Westen und Norden vordrangen und die einheimische mesolithische Bevölkerung bekämpften – und auffraßen.

 

 

3.3  Neolithische Entwicklungen

 

Kennzeichen der neolithischen Kulturen, die aber nicht überall gleichzeitig aufkamen oder übernommen wurden (z.B. gab es keramische oder akeramische neolithische Kulturen, oder Kulturen mit oder ohne Metallverarbeitung):

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Ackerbau und Viehzucht (ausgehend vom Hirtentum)

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Bau von großen Holzhäusern, Bildung von Dorfgemeinschaften,

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Einteilung in Berufe,

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Geschliffene Steinäxte wie die Schuhleistenkeile, bevorzugt zum Hausbau, auch schon früh in Nordafrika nachgewiesen, wo auch viele Produktionsstätten für geschliffene Steinbeile waren

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Keramikgefäße (Figuren aus Keramik gab es schon 20000 Jahre früher im Pavlovien, Mähren, Osteuropa)

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Metallwerkzeuge und Schmuck aus Metall.

 

Die Entwicklung der Kulturen in Eurasien und Nordafrika fand unter starker gegenseitiger Beeinflussung statt.

Die Entwicklung der amerikanischen neolithischen Kulturen profitierte anscheinend von etlichen transpazifischen und transatlantischen Beziehungen (Mounds im Nordosten der USA, Höhlenmalereien in Brasilien, Stufenpyramiden Mittel- und Südamerikas, Kalender der Mayas, ...), aber sicher wurden auch in Amerika viele neolithische Entwicklungen unabhängig und eigenständig geleistet.

Gab es Rückwirkungen von amerikanischen Kulturen nach Europa und Asien ? Davon wird in der Literatur eher nichts berichtet.

Man kann die Atlantis-Erzählungen Platons so deuten, daß um die Zeit von Platon spätestens einigen Mittelmeervölkern Lage und geographische Besonderheiten des amerikanischen Kontinents bekannt waren, wie etwa die vorgelagerten Inseln in der Karibik (s.u.).

 

In der folgenden Übersicht bedeuten die Zahlen wieder Anzahl der Jahre vor Christus' Geburt.

9000     Erste neolithische Entwicklungen im Nahen Osten mit Anbau von Getreide, Hausbau,         Dorfgemeinschaften, Keramik, Haustierhaltung, an vielen Orten der Alten Welt, vermutlich         aber auch in Mittel- und Südamerika, Beginn von Tierzucht und Hirtentum.

8500

Erste Dörfer in Palästina, nördlichem Mesopotamien, Libanon

8300

Beginn der Mittelsteinzeit (Mesolithikum)

Mesolithische Siedlungen in Mitteleuropa, Schweiz:

 

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Moosbühl, Moosseedorf, nördlich von Bern, Freilandstation von Rentierjägern um

8000

dabei Reste jungsteinzeitlicher Siedlungen

 

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Burgäschisee an der Grenze Bern-Solothurn

 

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Wauwiler Moos, Wauwiler See, Luzern

 

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Nordende Zuger See, Pfäffiker im Kanton Zürich, Greifensee

 

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Birstal, Halbhöhlen im Tal der Birs (Menschen suchten sich schmale Täler mit bewaldeten    Hängen mit Grotten),

8300

Birsmatten-Basisgrotte, an der Straße Zwingen-Grellingen bei Nenzlingen, Station Birseck-Ermitage, Kanton Baselland: bemalte Kiesel

7300

Beginn der Jungsteinzeit (Neolithikum)

6000

Neolithische Siedler wandern nach Südosteuropa ein und begründen damit die ersten europäischen neolithischen Siedlungen. Nachweise für neolithische Siedlungen in Griechenland aus frühester Zeit besonders durch kolonisierende Neolithiker des Vorderen Orients.

5300-4700

Neolithische Kultur auf dem Balkan bei Lepinski Vir, Eisernes Tor. Noch ohne Keramik. Akeramisches Neolithikum.

4900-4200

Neolithische Körös-Kultur an der unteren Donau

4500

Kulturträger der Bandkeramiker wandern nach Mitteleuropa ein.

5000-2000

Megalithische Kulturen in Europa und Nordafrika

Daten über das Megalithikum folgen weiter unten.

3500

Städte im Nahen Osten, vor allem in Palästina wie Jericho, auch im Niltal, in Südspanien

3200

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Erste Stadtstaaten der eingewanderten Sumerer in Mesopotamien

 

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Beginn der Kurgan-Kultur in Südrußland ?

3000

Beginn der Bronzezeit im Nahen Osten

 

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Lagerplatz Tschäpperfels, Gemeinde Röschenz, westlich von Laufen um 3800

 

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Pfahlbauten an vielen Seen, Steinkistengräber der Cortaillod-Kultur

 

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Menhire: Steinallee in Yverdon, von Geschiebe überdeckt

 

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Sion-Chemin des Collines am Neuenburger See

 

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Steinkreise: Hauptsächlich in Cornwall, mehrere Steinkreise konzentrisch ineinander

2800

Erste Staaten (Sumer, Ägypten)

2000

Glockenbecher-Kultur, Kupfer schon bekannt,

Ende der Horgener Kultur

Schnurkeramik-Kultur ab 2000, Streitaxtleute mit durchbohrten, geschliffenen und polierten Steinaxtklingen als Kriegswaffen, Einzelgrab-Kultur,

Kupfer (griech.: chalkos) schon bekannt,

Abbau von Kupfererz in der Schweiz in der Gegend von Zuger See und Mondsee mindestens ab dieser Zeit.

Daten über die Alpenkulturen vor der Zeit der Römer folgen bei der Besprechung des Megalithikums

1500

Beginn der Bronzezeit in Mitteleuropa

Beginn der Eisenzeit im Nahen Osten

700

Beginn der Eisenzeit in Mitteleuropa

                 

 

3.4  Azilien - Tardenoisien (9500 bis 3500 v.Chr.)

 

Eventuell nach einer Anzahl von Vulkanausbrüchen mit heftigen Erdbeben wie in der Eifel mieden die Menschen die Höhlen. Seit dieser Zeit zogen sie das Leben im Freiland vor, wovon über 100 Fundstellen in Ostspanien Zeugnis ablegen (Levantekunst).

Man kann auch annehmen, daß wegen der laufenden Milderung des Klimas das Wohnen in Höhlen auch für unterentwickelte und kulturell zurückgebliebene Sippen und Gruppen nicht mehr notwendig war.

Warum hörten aber die Höhlenmalereien auf ?

Nachdem die Eiszeitfauna verschwunden war, zogen die Nachfahren der Eiszeitkünstler vermutlich gezielt an die Ostküste Spaniens. Die Felsmalereien stellten von dieser Zeit an schwerpunktmäßig den Menschen dar mit einem großen Teil seines Umfeldes:

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Hund als Haustier (?),

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Pfeil und Bogen,

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Haartracht mit Federkrone (?),

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begleitende Fauna,

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soziales Verhalten,

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Anfänge der Domestikation des Rindes,

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Jagd,

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Hinrichtung (?),

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Kampf zwischen Menschen (?),

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militärische oder Jägerkolonne mit Anführer,

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Frauen mit Lendenschurz oder Kleid (die Krieger sind nackt),

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Mutter mit Kind,

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Tanz.

Eine Mutter mit ihrem Kind an der Hand - deutlicher läßt sich kaum zeigen, daß die Eltern ihre Kinder liebten und sich um sie kümmerten.

 

Die mit abstrakten Symbolen bemalten Kiesel, die dem Azilien von dem Fundort Mas d'Azil seinen Namen gaben, fand man in einer Höhle in Südfrankreich (?) entsprechend der Zeit um 8000 v.Chr., was eine Verschiebung dieser Kultur von Südfrankreich an die Levante als möglich erscheinen läßt.

Auch bei den Wandmalereien (noch in Höhlen) in Frankreich finden sich früh abstrakte Symbole, auch in Verbindung mit mehr naturalistischen Tierdarstellungen.

Mit der Verschiebung der Kultur nach Spanien nehmen die Höhlenmalereien ab und die Felsmalereien sowie ihr Abstraktionsgrad zu. Bei den Felsmalereien sind zwar bei den einzelnen Figuren kaum Ähnlichkeiten mit der ägyptischen Kunst, aber die Anordnung von Kolonnen weist eine gewisse Ähnlichkeit auf. Es gab vielleicht ethische oder auch nur kulturelle Ausstrahlungen von der Levante nach dem Ägypten der vorgeschichtlichen Zeit.

Ferner kommt das Gefühl der sozialen Macht auf. Hier spielen die Kulturen Nordafrikas ab 6000 v.Chr. vielleicht eine sehr wichtige Rolle. Die Felsgravierungen und -malereien Nordafrikas, besonders von Tassili n'Ajjer, zeigen, daß in den damals sehr fruchtbaren, seenreichen Gebieten der späteren Sahara mehrere Kulturen von Hirtenvölkern vertreten waren.

Vermutlich waren Pfeil und Bogen in ganz Eurasien und Afrika ab 8300 v.Chr. beherrschend geworden, was aus der verbreiteten Mikrolithentechnik und den Wandmalereien und -gravuren zu schließen ist. Im selben Ausmaß hat sich vermutlich der Krieg zwischen Menschengruppen entwickelt und verbreitet.

 

 

3.5  Besiedlung von Nahem Osten und Nordafrika

 

34000 v.Chr.:

Erste kulturelle Schwerpunkte waren vielleicht im Gebiet vom Libanon bis Iran und Irak. Shanidar und Zawi Tschemi sind einige Orte.

15000 v.Chr.:

In der 640 qkm großen Ebene von Kom Ombo, 45 km nördlich vom Assuanstaudamm, lebten Cro Magnon-Menschen. Sie waren Sammler und Wildbeuter. Zunehmend lernten sie, das wildwachsende Getreide zu nutzen, wie Funde von Steinsicheln und Mahlsteinen beweisen. Um diese Zeit reichte das Mittelmeer noch weit in das Niltal hinein (also Golf oder Meerbusen anstelle des Nildeltas schon in der Antike), wie das schon von Herodot vermutet worden ist.

10000 v.Chr.:

Seefahrt im Mittelmeer ? Vorbilder der Odyssee aus dieser Zeit der Entdeckung- und Abenteuerfahrten ? Besiedlung der großen Mittelmeerinseln Kreta, Zypern und Malta ?

Nach dem Ausgräber von Knossos, Arthur Evans, waren die neolithischen Fundschichten bei Knosses über 5 m tief, was eine Besiedlung für etliche Jahrtausende vor der ersten minoischen Kultur (die um etwa 2800 v.Chr. begann) vermuten läßt.

 

Die Entwicklung der Techniken des Neolithikums begann an manchen Orten von Libanon bis Iran und Irak ab 8300 v.Chr. oder sogar noch früher. Der früheste Beginn vom Sammler, Jäger, Wildbeuter und Nomaden zum seßhaften Bauern mit Ackerbau, Viehzucht, Häuserbau und Dorfbildung wurde anscheinend an manchen Orten ziemlich selbständig geleistet ab 10000 v.Chr., und zwar im Gebiet des wildwachsenden Getreides.

Der Name Cerealien für die Getreidearten kommt von der Göttin Ceres oder Demeter (Erdmutter).

Die ersten neolithischen Entwicklungen können ganz unabhängig voneinander erfolgt sein, z.B. in Süd- und Mittelamerika, Irak, Palästina und bei Kom Ombo am Nil, aber auch in China, Japan und Südostasien.

Die frühesten tatsächlichen Entwicklungen zu Ackerbau, Viehzucht, Hausbau und Dorfgemeinschaft finden sich im Nahen Osten.

Ab 8500 v.Chr. sind Siedlungen an der Levante (Syrien, Jordanien, Israel und Libanon nachgewiesen.

Das jungsteinzeitliche Dorf bei Abu Huraira im nördlichen Syrien zeigt den Übergang vom Sammler und Wildbeuter zum neolithischen Bauern für die Zeit um 9300 bis 8800 v.Chr., um 5500 v.Chr. wurde es aufgegeben.

Bis 5800 v.Chr. waren die Gazellen durch die intensive Bejagung durch den Menschen im Nahen Osten so selten geworden, daß die seßhaften Bauern fast ganz von ihren eigenen Tierherden leben mußten (Schafe, Ziegen, Schweine und Rinder).

Der Nil mit seiner Länge von 6500 km bot ebenfalls um 10000 v.Chr. günstige Bedingungen für die Entstehung neolithischer Gemeinschaften, aber die ersten Beweise für neolithische Entwicklungen gibt es erst für etwa 6000 v.Chr. in der Kultur um Khartum, wo Blauer und Weißer Nil zusammenfließen. Der Blaue Nil entspringt in den Abessinischen Alpen am Tana-See. Der Weiße Nil hat seinen Ursprung im Viktoriasee in Uganda und ist bedeutend länger als der Blaue Nil.

Die regelmäßigen Überschwemmungen des Niltals in Ägypten waren eine Folge gewaltiger äquatorialer Regenfälle. Diese Überschwemmungen, die in etwa 15000 Jahren das ägyptische Schwemmland schufen, setzten in dieser Form vermutlich erst ein, als sich bis 15000 v.Chr. Blauer und Weißer Nil bei Khartum vereinigten. Diese Vereinigung war vielleicht eine Folge der gewaltigen Regenfälle, die in Afrika niedergingen, als in Europa die Würm-Eiszeit war. Die Eiszeit in Europa entsprach einer "Regenzeit" in Afrika.

 

Hinweise auf Wechselbeziehungen zwischen Ägypten und dem übrigen Nordafrika in der Literatur und durch Funde:

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Isis-Kult, Göttin Isis mit Kuhkopf, sowie die heiligen Kühe in Ägypten können mit der Felsgravur einer Kuh in Tassili n'Ajjer (aus der Rinderzeit) in Beziehung stehen.

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Ist die Hochachtung Herodots für die Äthiopier eine Folge seiner Kenntnis von einer uralten Kultur um oder jenseits Khartum ?

Die frühere Bevölkerung in Ägypten um 8000 v.Chr. war vermutlich den Berbern und Orientalen verwandt, mit kupferbrauner Hautfarbe, schmaler Nase, hoher Stirn, Bartwuchs und ausgeprägtem Kinn. Das Totenfeld von Sakkara in Heluan enthielt 825 kleine Einzelgräber, bei denen die Leichen noch nicht einbalsamiert worden waren. Diese Anlage am Ufer des Nils bei Kairo, gegenüber der alten Hauptstadt Memphis, deutet schon auf eine größere Gemeinschaft hin. Später erbauten dort die Pharaonen ihre Pyramiden.

Für die Zeit um 5000 v.Chr. kann man für das riesige Gebiet von den Bergen Elams am Ostrand der arabischen Halbinsel bis zur Westküste Afrikas viele einheitliche Kulturmerkmale und Populationen von Tier und Mensch annehmen, inmitten einer paradiesischen Landschaft mit vielen Flüssen und Seen. Vielleicht ist dieses Gebiet das Paradies gewesen, von dem die Thora in 1 Mose 2 (8-15) spricht, als Erinnerung später nomadischer Hirtenvölker an das einstmals riesige fruchtbare Land. Diese Erinnerung hat sich dann überlagert mit dem Wissen um die paradiesischen Gärten der Hochkultur Sumer im Osten der Völker der arabischen Halbwüste. Mit den 4 Strömen des Paradieses sind dann wahrscheinlich Niger, Nil, Rotes Meer und Euphrat gemeint.

Die Ausdürrung des Landes durch die brennende Sonne wandelte das Paradies in eine hitzeumflutete Sand- und Steinhölle. Kein Wunder, daß die Nomaden der Wüsten von dem ehemaligen Paradies träumten und es mit Legenden verklärten.

 

 

3.6  Zeittafel neolithischer Entwicklungen

 

9500 v.Chr.:

Erste Perlen aus Kupfer in einer Höhle im Irak.

8000 v.Chr.:

Siedlung bei Jericho, Turmbauten aus Lehmziegeln von etwa 8 m Höhe und 10 m Durchmesser, Mahlen von Getreide auf Zypern. An einigen Orten Anbau von wildem Getreide im Nahen Osten:

 

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Wilder Weizen (Wild-Einkorn)

 

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Wilde Gerste (Wild-Emmer)

 

Domestizierung von Schafen und Ziegen

7350 v.Chr.:

Obsidianbearbeitung auf der Insel Melos

7000 v.Chr.:

Symbiose Mensch-Weizen: Nichtstreuender Weizen reichert sich in der Nähe der Siedlungen durch zufällige Auslese an.

 

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Jungsteinzeitliches Bauerndorf bei Cayönü im südlichen Kleinasien mit Domestizierung von Schafen, Ziegen und Schweinen. Begleitkultur: Terrazo - Fußböden, Kupfermine, Malachit, Rohkupfer, Werkzeuge aus Kupfer, Fruchtbarkeitskult, Venusstatuette aus Ton

 

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Dorf bei Jarmo (Dscharmo), Hügel mit 16 Schichten, unterste Schicht mit Resten alter Häuser, Steinwerkzeugen. Die Bewohner kannten schon Kulturgetreide und Sicheln, waren um 8000 v.Chr. aber hauptsächlich noch Sammler und Wildbeuter. Die Häuser besaßen fortschrittliche Türen, Türpfosten, Scharniere und Endzapfen. Backöfen waren auch vorhanden.

 

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Dorf bei Beidha in Jordanien, 7 Siedlungsschichten ab 8000 v. Chr., richtiges Dorf erst ab 6500 v.Chr., dann aber recht modern mit Werkstätten, Ackerbau, Viehzucht, gutem Hausbau

 

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Dorf bei Ganj-Dareh (Gandschdareh) 2-stöckige Häuser mit Keller und Obergeschoß

 

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Dorf bei Karim Schahir, Reste von 25 Lehmhäusern

 

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Weitere Bauerndörfer bei

 

 

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Muallafat

 

 

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Tell Mureybit

 

 

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Tell Hassuna (Bauerndorf)

 

 

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Ali Kosch

 

 

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Zarzi

6500 v.Chr.:

Beginn des Neolithikums in einem Dorf bei Beidha in Jordanien, Handwerker.

Kyklopische Bauwerke auf Korsika aus dieser Zeit ?

6100 v.Chr.:

Ansiedlungen auf Kreta mindestens seit dieser Zeit ? Unter dem Palast von Knossos sind Schichtfolgen, die 3000 Jahren Neolithikum entsprechen könnten. Brotweizen im Nahen Osten Zypern, Tonfiguren von Frauen mit Säuglingen auf dem Arm

6000 v.Chr.:

Spuren des Neolithikums im Industal, Indien

5000 v.Chr.:

Kyklopische Bauwerke auf den Balearen aus dieser Zeit ?

4500 v.Chr.:

Byblos-Gebal,

In Byblos ab 2900 v.Chr. Steinbauten, ab 2650 v.Chr. Verkauf von Zedernholz, besonders an Ägypten, schon um diese Zeit war Holz im Vorderen Orient Mangelware            Sidon ?, Tyros ?

3500 v.Chr.:

Glas in Ägypten (aus Sand, Kreide, Natron)

Kyklopische Tempel auf Malta

3100 v.Chr.:

(Vermutliches Datum) Einigung von Unter- und Oberägypten unter Menes (?). Von da an zeigten die Reichsinsignien die Butoschlange Unterägyptens und den Nechbetgeier Oberägyptens.

2850 v.Chr.:

Beginn der 1. Dynastie in Ägypten mit Narmer, Horus, Aha, Menes (?) und Wadja (Altes Reich). Andere Version folgt weiter unten.

Der erste König vor der 1. Dynastie soll Skorpion geheißen haben, nach einem Tier, das in Sumer als Sinnbild des Gefährlichen und Bösen stand (siehe der Skorpionmensch im Gilgamesch-Epos). Ist das ein Hinweis auf eine Wechselbeziehung der Kulturen von Mesopotamien und nördlichem Niltal vor 3100 v.Chr., daß etwa dem König Skorpion Mißliebige aus Ägypten fliehen mußten und nach Sumer einwanderten ?

2650 v.Chr.:

3. Dynastie in Ägypten mit Djoser, Snefru und Sanacht

2600 v.Chr.:

4. Dynastie mit Cheops, Chefren und Mykerinos

Bau der großen Pyramiden von Gizeh (Cheops- und Chefren-Pyramide)

2480 v.Chr.:

5. Dynastie mit Sahure, Unas, Userkaf

2200 v.Chr.:

Amoriter (?) entwickeln sich zu Kanaanäern, vermischen sich mit anderen Kleintiernomaden am Sinai bis 2000 v.Chr.

1550 v.Chr.:

Erfindung der Buchstabenschrift im Gebiet um Byblos, sehr gut durchdachtes Projekt von einem Kenner der ägyptischen (demotischen), kretischen (iberischen ?) und von anderen (babylonischen ?) Schriften

1200 v.Chr.:

Einbruch der Seevölker, bringen Kielboot mit (Ägypter kannten keine Kielboote), eventuell daran beteiligt: Achaier und Kreter, aus denen sich nach der gegenwärtigen Lehrmeinung die Philister in Palästina entwickelten, aus denen 100 Jahre später die seekundigen Phoiniker oder Phönizier.

1100 v.Chr.:

Phöniker als beste Seefahrer des Altertums, kluge und aufgeschlossene Händler, ab 800 v.Chr. jenseits Gibraltar, Gründung von Gadir bei Cadiz und Erschließung der Zinnlager auf den Britischen Inseln, Kielboote als Kriegsgaleeren oder Handelsschiffe, beide mit Ruderern und Segeln, Glasfabriken in Tyros, Kupferverhüttung, Erzeugung und Handel mit Purpurfarbe aus Meeresschnecken Baal-Moloch-Melkart als Gott, Menschenopfer (vor allem Kinder, und zwar die eigenen Kinder sogar der Patrizierfamilien), Tempelprostitution,

814 v.Chr.:

Gründung von Karthago

450 v.Chr.:

Angeblich erreichten Phönizier um dieser Zeit die Inseln der Azoren

                                         

 

3.7 Tiernutzung auf der Erde

                                         

9000 v.Chr.:

Hund

8000 v.Chr.:

Ziege, Schaf im Nahen Osten, 1000 Jahre später auch im Gebiet der Pyrenäen (Schlachttier) Gazellen im Libanon und Irak als Schlachttiere

7000 v.Chr.:

Schwein (Schlachttier) im Libanon und Irak

5000 v.Chr.:

Esel (Trag-, Reit- und Zugtier) im Nahen Osten

4000 v.Chr.:

Meerschweinchen, Guanako und Lama als Schlachttiere in Peru

3000 v.Chr.:

Pferd in Eurasien und Afrika als Reit-, Trag- und Zugtier Hauspferd in der Jungsteinzeitkultur von Derejevka (?) Halbesel (Onager) bei den Sumerern als Zugtiere verwendet Zähmung von Wildeseln in Nordafrika Kamel in Zentralasien als Reit- und Tragtier

Katze in Ägypten als Haustier

Rind im Nahen Osten als Schlachttier, in Ägypten auch heilige Kühe

2600 v.Chr.:

Mungo und Hausschlange in Ägypten

2000 v.Chr.:

Huhn (Indien)

 

 

3.8  Das Drama Nordafrika, Zentralasien ... – tödliche Klimaschaukeln

 

Warum sind die Funde hominider Fossilien und Kulturgegenstände im Vorderen Orient eher anzusetzen als in Nordafrika, wo doch der Homo sapiens sapiens eventuell - in Ostafrika zuerst aufgetreten ist, schon vor 100000 Jahren ?

Nordafrika ist an seiner breitesten Stelle so breit, wie Europa von Spanien bis zum Ural lang ist.

Warum haben dann in diesem riesigen Gebiet keine Menschen gelebt ?

Nordafrika und Teile Südafrikas haben möglicherweise die geologisch-klimatische Eigenschaft, in den letzten 2 Millionen Jahren - also seit dem Beginn des Pleistozäns - mindestens alle 30000 Jahre zwischen den Zuständen "Paradies" und "Sand- und Steinwüste" hin- und herzuschwanken. Wenn über Nordeuropa die Gletscherströme in über 2 km dicken Schichten hinwegziehen, ist in Afrika zeitweilig ein Pluvial. Es bilden sich gigantische Seen und große Flüsse, die Landschaft überzieht sich wieder mit Pflanzenwuchs und es wandern allmählich auch Tiere ein. Nach einigen Jahrtausenden ist aus einer Sand- und Steinwüste ein Paradies geworden, das schon wenige Jahrtausende später zum Untergang verurteilt ist. Wenn in Nordeuropa die Gletscher wieder schmelzen und nach einigen Jahrtausenden große Teile Eurasiens fruchtbar geworden sind, dörrt Nordafrika aus und wird über die Jahrtausende zur Sand- und Steinwüste. Teile Asiens wie die Wüste Gobi haben ein entfernt ähnliches Schicksal.

47000 v.Chr.:

Maximum von Würm I in Nordeuropa. In Afrika Pluvial. Flüsse und Seen bilden sich in Nordafrika.

18500 v.Chr.:

Maximum von Würm II in Nordeuropa. In Afrika Pluvial. Flüsse und Seen bilden sich in Nordafrika.

12000 v.Chr.:

In Nordafrika riesige Seen und Flüsse. Viele Tiere sind eingewandert.

10000 v.Chr.:

Nordafrika ist wieder einmal zum Paradies geworden. Von da an wandern Menschen ein, die sich aber in dem riesigen Land verlieren.

7000 v.Chr.:

Erste nachgewiesene Siedlungsspuren in Nordafrika.

5500 v.Chr.:

Erste kulturelle Zentren in Nordafrika. Die Seen im Innern von Nordafrika waren ohne Abflüsse, große Flüsse führten von den Gebirgen wie Atlas, Air oder Ahaggar her.

 

Um 4000 v.Chr. war noch entlang der afrikanischen Mittelmeerküste ein über 300 km breiter äußerst fruchtbarer Landstreifen. Eine reiche Tierwelt, auch mit Großtieren wie Elefanten, Krokodilen, Flußpferden, Büffeln, Giraffen und Zebus, bevölkerte die postglaziale Sahara. In den zahlreichen großen Seen lebten viele große und kleine Fische. Es gab einen großen Waldbestand aus Zürgelbäumen, Eichen, Zypressen, Linden, Olivenbäumen, Oleander, Araukarien (kann man verkieselt finden), Zedern (z. B. bei Meniet). Die Seen waren reichlich mit dichten Schilfgürteln umgeben, darunter auch der Papyrusstaude. Man kann versteinertes Schilf finden, Muschelkies, dichte Lagen von Diatomeen (kieselsäurehaltigen Algenskeletten), ferner Knochen von Flußpferden, Krokodilen, Elefanten, Giraffen, Nashörnern, Riesenbüffeln und auch Gräten oder Wirbel großer Fische. Stellenweise gab es zwar in manchen Gegenden Nordafrikas (noch bzw. wieder) Wüsten, aber der größte Teil war mit Seen, Flüssen und fruchtbaren Wäldern und Savannen bedeckt.

Dieser Zustand blieb etwa bis 7000 v.Chr., und dann wurden die Regenfälle allmählich über die Jahrtausende hinweg spärlicher. Aber noch um die Zeit des Herodot im 5. Jahrhundert v.Chr. gab es in Nordwestafrika fruchtbare Gebiete mit großen Seen, Wäldern und Savannen, in denen die typischen afrikanischen Großtiere lebten.

Bis 5000 v.Chr. gab es noch viele Seen und Flüsse und die entsprechende Tier- und Pflanzenwelt. Die Wüstengegenden waren in ein fruchtbares Land eingelagert, breiteten sich aber sehr schnell aus. Die Gletscherströme Nordeuropas haben in einer großen Anzahl von Vorstößen und ihren Fahrten über Land sämtliche Spuren von Hominiden dort vernichtet. Die Sahara-Phasen Nordafrikas haben mit ihren Sanddünen viele Spuren von Hominiden vernichtet. Entstanden oder lebten in diesen Gebieten Hominiden (die letzten sind Neandertaler und Menschen), so sind leider ihre Spuren dort für immer verlorengegangen.

Wie schon in Modul B ausgeführt, sind tiefgreifende geologische Schwankungen nicht erst in den letzten 2 Millionen aufgetreten, sondern schon vor vielen Hunderten von Millionen Jahren.

Es gibt globale Klimaschwankungen praktisch bei jeder Größenordnung von Vielfachen von Jahren, im Bereich von Jahrzehnten, Jahrhunderten, Jahrtausenden usw. und dabei sind die kurzperiodischen Klimaschwankungen den langperiodischen überlagert.

Die Möglichkeit zu Glazialen gibt es ungefähr nur alle 300 Millionen Jahre, und dann jeweils etwa in einem Zeitraum von 10 bis 30 Millionen Jahren. Es wurden auch Südafrika, Zentralasien, Australien, die arabische Halbinsel, Vorderasien, Nordamerika und Südamerika von diesem tiefgreifenden Klimawechsel zwischen Paradies und Hölle betroffen, aber bei weitem nicht so sehr wie Nordafrika.

Am nächsten teilen noch die Südwestregionen Nordamerikas und Zentralasien (Wüste Gobi !) das Schicksal Nordafrikas.

So breitete sich auch nach der letzten Eiszeit wieder die Wüste in Nordafrika aus.

Bis 3000 v.Chr. waren bereits ausgedehnte Wüstengegenden entstanden, die Sahara war im Entstehen und schon fortgeschritten. Die fruchtbaren Gebiete waren nun Inseln (z.T. noch recht große) in der Wüste.

Die Libysche Wüste schirmte zunehmend ab 3000 v.Chr. das Niltal gegen des nordwestliche Afrika ab. Es war wohl eine bessere Schutzwehr als ein hohes Gebirge. Aus Nordafrika gibt es Funde von Steingeräten der Mousterien-Kultur, die für den Neandertaler typisch war.

Möglicherweise war Nordafrika von einigen neandertaloiden Populationen noch bewohnt, als um 7000 v.Chr. die ersten Populationen der Menschen dort eindrangen.

Die Einwanderer brachten die Technik der sauber gearbeiteten und fein polierten Rillenbeile (Tenere, Wadi Beth in Marokko) mit und befanden sich überhaupt schon auf einer höheren Kulturstufe.

Viele wichtige Funde brachten Forschungen im Tassili n'Ajjer, einer Region in der algerischen Sahara mit großen Bergketten.

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Erg d'Admer

Reibsteine und -platten

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Ouanrhert

Felsmalerei: Kosmisches Kreuz mit den 4 Welten (?)

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Jabbaren

Viele Abris mit neolithischen Spuren

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Tabelbala

Menhir (Steinsäule mit stilisiertem Menschengesicht, exakt wie auf Korsika

In die "Große Kuh" vom Tassili sind zahlreiche Spiralen und konzentrische Ringsysteme mit zentralem Näpfchen eingraviert, ebenso "Achterbahnen" mit Näpfchen, in der Nähe auch die Dreifachspirale, die exakt dieselbe ist wie im Ganggrab von Newgrange auf Irland.

In Enneri Blaka (ein ehemaliges Flußbett in Niger, heute total ausgetrocknet und mit Sand gefüllt) in Niger fand man neolithische Siedlungsreste aus der Zeit um 5000 v.Chr. mit Reibsteinen.

Die wirklich großen Mengen an sehr gut gearbeiteten Pfeilspitzen, die man an vielen Orten in Nordafrika fand, sowie ausgezeichnet geschliffene und polierte Steinbeile und Schmuckanhänger lassen es als gut möglich erscheinen, daß die Sahara zwischen 5500 und 2500 v. Chr. viele Industriezentren besaß. Mindestens kennt man solche vom Enneri Blaka und Tichitt, Mauretanien. Dort fand man nämlich Polierrillen im Felsgestein, wo man massenhaft Steinäxte geschliffen hatte.

 

Nordafrikanische Kulturzentren:

5500 v.Chr.:

Kultur von Khartum

4500 v.Chr.:

Kultur von Gafsa (Capsa) an der Kleinen Syrte, Capsien-Kultur

3500 v.Chr.:

Aterienkultur, iberische und nordwestafrikanische Mischkultur

3500 v.Chr.:

Guineische Kultur.

Es ist aber sicher, daß das Neolithikum zum wesentlichen Teil vom Vorderen Orient nach Nordafrika exportiert wurde. Dabei spielten sicher auch große Wanderungsbewegungen von Populationen eine Rolle. Arabische Völker kamen in mehreren Wellen vom Osten nach Nordafrika, Negervölker vom Süden und iberische Völker vom Nordwesten.

Schon ab 4000 v.Chr. kann man bei der zunehmenden Austrocknung Nordafrikas mit einer Völkerflucht in alle Himmelsrichtungen rechnen. Die heutigen Tuareg, Peul, Fulbe und Bororo sind nur noch winzige Restpopulationen.

 

 

3.9  Besiedlung Amerikas

 

Während die Populationen der Vor-, Früh- und Urmenschen die kalten Gegenden Nordostasiens so weit gemieden hatten, daß sie während der Eiszeiten nicht den Weg über das trockenliegende Beringia von Kamtschatka nach Alaska hatten finden können, stießen die Populationen des Homo sapiens sapiens spätestens ab 14000 v.Chr. - nach dem Höhepunkt von Würm II um 18500 v.Chr. - weiter in die kältesten Regionen Asiens vor, wofür sie hinreichende Überlebenstechniken hatten entwickeln müssen. Die dafür benötigten technischen, kulturellen und sittlich-sozialen Leistungen hatten die früheren Hominidenpopulationen anscheinend nicht erbringen können.

Für die Wanderung des Menschen über die trockengelegte Beringstraße nach Alaska kommt nur die letzte Vereisungsphase zwischen 21000 und 13000 v.Chr. in Frage. Damals lag für 8000 Jahre der Beringia-Kontinent trocken. Auf Sachalin konnten bisher keine Spuren einer altsteinzeitlichen Besiedlung gefunden werden.

Sicher waren es Angehörige einer sibirischen Kultur, wahrscheinlich solche der Djuchtai-Kultur, die zuerst nach Alaska vordrangen.

Möglicher Zeitplan der Besiedlung:

- Bis 13000 v.Chr.:

Populationen von Menschen sind bis zum äußersten Nordosten Sibiriens vorgestoßen.

- Bis 12000 v.Chr.:

Erste Menschen in Alaska.

- Bis 11000 v.Chr.:

Erste Menschen in Südamerika.

Viele Radiokarbon-Datierungen in der Literatur können nicht als verläßlich angesehen werden.

Auf der Insel Santa Rosa, 70 km vor der kalifornischen Küste, fand man die Skelette von vielen Zwergmammuts, die dort vom Menschen um 12000 v.Chr. in großen Mengen abgeschlachtet worden waren. Die Menschen aßen auch das Gehirn der Mammute.

Waffen-Kulturen (Industrien) Nordamerikas:

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Clovis-Spitzen in New Mexico, 5 bis 12,5 cm lang, ausgezeichnete und formvollendete Lanzenspitzen, einseitig ausgehöhlt, konvex-konkav, Jagd auf Mammute

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Folsom-Spitzen in New Mexico, bis 7 cm lang, bikonvex

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El Jobo-Spitzen, 11000 v.Chr., ähnlich wie Folsom-Spitzen

Mais ist für Amerika ab 80000 v.Chr. nachgewiesen, mit Maiskolben von wenigen Zentimeter Länge. Vielleicht ab 7000 v.Chr. Beginn der Kultivierung von Mais durch den Menschen in Peru und Anbau von Kürbissen in Mexiko.

Um 9000 v.Chr. lebten bei Monte Verde in Chile Menschen in Holzbehausungen (Hütten ?). Sie jagten Riesenfaultiere und Mastodonten.

Kulturvölker in Mittel- und Südamerika:

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Olmeken

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Tolteken

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Mayas ("die Griechen Amerikas"):

Die Mayas schufen eine der ersten Kulturen in Amerikas, hatten aber schon Vorgänger, die Pflanzen kultivierten wie den Mais und Techniken des Neolithikums entwickelten. Der Kalender der Mayas begann mit dem Jahr 3113 v.Chr., ähnlich wie bei den Indern, was kaum Zufall sein kann (transpazifische Beziehungen). Auch die ähnlichen Formen der Steinpyramiden Südostasiens und Amerikas können kaum Zufall sein. Indirekt gehen beide Pyramidenbauten auf die Pyramiden Sumers zurück (die Pyramiden Ägyptens waren Grabmäler und keine astronomischen Beobachtungsstationen oder Tempel). Sie entwickelten eine Schrift mit etwa 800 Zeichen und spezielle Zeichen für Zahlen.

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Azteken:

Die Azteken glaubten, daß sie in der 5. Welt (5. Sonne) lebten. Die vorherigen 4 Welten waren zugrunde gegangen, und auch die 5. Welte - die gegenwärtige Welt der Azteken - würde zugrunde gehen. Der Fortbestand der 5. Welt, des Lebens überhaupt, konnte verlängert werden, indem man der Sonne das Blut aus Menschenherzen opferte. Dafür diente vermutlich der Azteken-Kalenderstein von einem Opferaltar, der erst 1470 n.Chr. zu Ehren des Sonnengottes Tonatiuh geweiht worden war.

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Inkas

 

 

3.10  Transpazifische und Transatlantische Beziehungen

 

Diodor von Agyrion (1. Jahrhundert v.Chr.) berichtet in seiner Geschichtsbibliothek, daß eine phönikische Flotte vom Sturm weit nach Westen in den Atlantik verschlagen wurde und eine wunderschöne, große Insel fand. Nach ihrer Rückkehr erzählten sie davon, und auch andere Völker wie die Tyrrhener wollten nun dahin. Diese Insel sollte aber einmal für die phönikische Kolonie Karthago die Zuflucht sein, und deshalb "erfanden" die Phöniker die Sage vom Untergang der Insel Atlantis.

Da Solon die Atlantis-Erzählung aber spätestens bis 560 v.Chr. in Ägypten erfahren hatte, wo sie auf Säulen im Tempel zu Sais eingeschrieben gewesen sein soll, stimmt hier also etliches nicht.

Ein ähnliches Gerücht wurde auch wegen dem Verschwinden von Tartessos in Südwestspanien ab 550 v.Chr. verbreitet - angeblich. Diodor sagt also (V, 19), daß einige Tagereisen von der Westküste Libyens in Richtung Westen eine große Insel liegt, auf der die Phöniker Kolonien unterhielten wie überall an der Küste Nordwestafrikas und Südspaniens. Diese Insel sei gebirgig, fruchtbar und besitze große Ebenen und schiffbare Flüsse. Als die Phöniker sie fanden, sei sie unbewohnt gewesen, und die Phöniker errichteten Gehöfte, herrliche Lusthäuser und Fruchtbaumhaine. Die vielen wilden Tiere ergaben eine reiche Jagdbeute, in den Flüssen waren viele Fische.

Der Atlantis-Bericht von Platon schildert den Atlantik - das Meer außerhalb der Säulen des Herakles - als von Festland umgeben. Das Mittelmeer verhält sich bei dieser Sicht nur wie eine kleine Bucht des Ozeans.

Diese Kenntnis konnte er nicht durch Spekulieren haben, sondern nur durch Wissen. Es stammte aus einer Epoche, in der diese Erkenntnisse errungen worden waren, vielleicht schon zu minoischer Zeit.

Eine Lösung kann wohl nur ein Vergleich der Merkmale der Kulturen in der Alten und Neuen Welt bringen. Ab 9000 v.Chr. (?) entstanden frühestens die Felsmalereien in Brasilien. Die Künstler bemalten viele Abris mit guten Bildern. Diese Künstler waren sicher als Angehörige der Djuchtai-Kultur über Beringia nach Amerika gelangt.

Herbert Kühn beschreibt in seinem Buch "Wenn Steine reden" Gravuren und Malereien an Felswänden im Südwesten der USA, die große Ähnlichkeit besitzen mit denen megalithischer Völker in Europa. Er berichtet von einer Schnurverzierung auf Keramik wie bei der Schnurkeramik in Mitteldeutschland, betont aber gleichzeitig, daß bestimmte kulturelle Formen und Techniken auch mehrfach unabhängig voneinander erfunden sein können.

Es erscheint aber doch als wahrscheinlicher, daß Ursymbole wie Kamm (Regen aus Wolken), Zickzacklinie (Blitz und Regen), Konzentrische Ringe und Spiralen über Kulturaustausch in die alte Neue Welt kamen, vielleicht schon mit den ersten Populationen der Djuchtai-Kultur.

Es gibt folgende Möglichkeiten:

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Die Hauptmasse der Einwanderung der ersten Populationen nach Amerika erfolgte über die Beringstraße vor 15000 Jahren.

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Während des Atlantikums (5500-2500 v.Chr.) war es leicht möglich, mit kleinen Schiffen von England und Skandinavien nach Nordamerika zu gelangen, wobei man immer in Sichtweite Land oder Inseln vor sich hatte (von England über Faröer-Inseln, Island, Grönland nach Labrador/Neufundland).

 

Über diese 2. Und spätere Route gelangten um die Mitte des Atlantikums hauptsächlich kulturelle Einflüsse (siehe die Gleichheit der Mounds in Polen, England und Maryland).

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Pyramiden, Bronze und Kalender kamen aber über transpazifische Beziehungen von Angkor-Vat und Südchina ab 3000 v.Chr. nach Mittel- und Südamerika.

 

Wie im Falle von Nordafrika hat man sich zu hüten, die heutigen geologisch-klimatischen Verhältnisse von Nordeuropa kritiklos auf frühere Epochen zu übertragen.

Während des Atlantikums (also für immerhin 3000 Jahre !) muß Nordeuropa so milde und fruchtbar gewesen sein wie Süddeutschland heute.

Die Nordleute hatten spätestens bis 1600 v.Chr. eine Schiffskultur entwickelt, wie die bronzezeitlichen Felsgravuren bei Malmö, Stockholm, Strömstad und Bergen beweisen - aber wie weit davor ?

War aus klimatischen Gründen um 1600 v.Chr. - 1000 Jahre nach dem Atlantikum - noch eine Überfahrt Europa-Amerika über die nördliche Route möglich ?

Andererseits, wer baute die Mounds in Polen, England und Maryland so gleichartig ?

Warum wurden die Lenni Lenape (Delaware) an der Ostküste der USA von den Algonkin-Indianern als "Großvater der Indianer" bezeichnet ?

Kann es berechtigte Zweifel daran geben, daß die Mandan-Indianer in ihrer Sprache und Kultur deutliche wallisische Einflüsse aufwiesen ?

Wie kann die Ähnlichkeit der geometrischen Muster bei Malereien auf Kiesel von Mas d'Azil mit denen an Felswänden sonst erklärt werden ?

Beurteilung der Algonkin-Indianer durch Robert Beverly, Forschungsreisender aus England, um 1705 n.Chr.: "Sie sind gerade gebaut und gut proportioniert, mit den reinsten und genauesten Gliedmaßen der Welt." Spürte er in ihnen das Blut seiner Vorfahren ?

 

Wir müssen die Vorstellung akzeptieren, daß nicht nur Eiszeiten Kulturen zum Erlöschen gebracht haben (Lonetalien, Pavlowien), sondern auch Dürre- und Hitzekatastrophen wie in Nordafrika und Klimarückschläge wie in Nordeuropa nach dem Atlantikum.

Das sollte eine deutliche Warnung für uns sein, daß es grundfalsch ist, die geologisch-klimatischen Verhältnisse von heute als ganz selbstverständlich anzunehmen.

Die Bohrungen im Eis von Grönland zeigen uns gerade, daß die Klimaschwankungen sogar binnen weniger Jahrzehnte ganz gravierend sein können. Es sind also die großtechnischen Mittel zu entwickeln, um lebensfeindliche Wandlungen physikalischer Gegebenheiten zu meistern.

 

 

3.11  Besiedlung Australiens, Polynesiens und Japans

 

Um 47000 v.Chr. hatte der Homo sapiens sapiens den Nahen Osten erreicht (Libanon, Israel, Syrien). Bis 40000 v.Chr. hatte er sich bis Osteuropa ausgebreitet. Mit der Klimaerwärmung ab 38000 v.Chr. drang der Homo sapiens sapiens weiter nach Europa und Asien vor.

Bis 33000 v.Chr. hatte er in weiten Gebieten die früheren Hominiden-Populationen zurückgedrängt. Zu dieser Zeit könnten die ersten Einwanderer nach Australien von den Sunda-Inseln her gekommen sein, möglicherweise auf der Flucht vor progressiven Hominiden. Dafür konnten sie von Insel zu Insel fahren und hatten als breiteste Wasserstraße die vor Australien mit höchstens 100 km Breite zu überwinden.

Bis 18000 v.Chr. lebten in Australien die Populationen nur an der Küste und in fruchtbaren Gebieten. Besiedlung von Japan während der Eiszeitmaxima zu Fuß, als der Meeresspiegel um 100 m tiefer lag als zu rezenter Zeit.

Um 10000 v.Chr. gab es in Japan schon Geschirr. Besiedlung von Madagaskar um 500 bis 800 n.Chr., auch von Java aus.

Um 3000 v.Chr. Seeverkehr zwischen Japan, Philippinen und Indonesien möglich.

Um 1000 n.Chr. Migration der Maori von Hawai nach Neuseeland. Auf einigen Inseln Polynesiens gibt es megalithische Bauten.

 

 

3.12  Entwicklung der Megalith-Kultur ab 5500 v.Chr. in Europa und Nordafrika.

 

Als Folge der Nordwestdrift mittelmeerischer oder nordafrikanischer Völker nach Westeuropa (wegen Austrocknung der Sahara) bildete sich im ausgehenden Atlantikum eine kulturelle Nord-Süd-Beziehung aus (megalithische oder atlantische Kultur).

Durch die Ausdürrung Nordafrikas wurde diese etwa bis 2500 v.Chr. beendet.

Die Austrocknung der Sahara zwang ab 4500 v.Chr. immer mehr Menschen dazu, Afrika in Richtung Norden zu verlassen, nach Süden abzuwandern, in das Niltal vorzudringen oder nach Osten zur Arabischen Halbinsel auszuwandern.

Einige der frühesten Kulturen Nordafrikas:

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Kultur von Khartum um 5500 v.Chr.,

-

Aterien- und Capsienkultur bei Tunis, Marokko und westafrikanischer Küste um 4000 v.Chr. und später.

In Südosteuropa erschienen die ersten neolithischen Kulturen um 6000 v.Chr., und bald darauf bildeten sich schon bis 5500 v.Chr. die neolithischen Donau-Theiß-Kulturen.

Bandkeramik-Kulturen der frühen neolithischen Bauern gab es ab 5000 v.Chr. in Europa.

Ab 4000 v.Chr. Reichsbildungen in den Flußtälern von Nil, Euphrat und Tigris, Hwang-Ho und Indus, vollendet um 3000 v.Chr. außer bei Mohenjo Daro, das später war.

 

Europa:

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Glockenbecherkultur ab 2000 v.Chr.,

-

Bronzezeit von 1800 bis 700 v. Chr.,

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Urnenfelderkultur von 1300 bis 800 v.Chr.,

-

Eisenzeit lokal schon ab 1500 v.Chr.,

-

Hallstattzeit 700 bis 500 v.Chr. in der Schweiz

-

Latene-Zeit der Kelten von 500 bis 100 v.Chr.

 

 

1. Nordatlantischer Kulturkreis: 4500-1500 v.Chr., Megalithen-Kultur

2. Nordatlantischer Kulturkreis: ab 1800 n.Chr., Abendland.

 

Besonders im Umfeld des Megalithikums gibt es enorme Differenzen bei Zeitangaben verschiedener Autoren, entweder phantastisch weit in die Vergangenheit zurück oder überskeptisch zu nah in die Antike gerückt. Informieren Sie sich bei einem guten Fachwissenschaftler wie H. Kühn (siehe die am Anfang angeführte Literatur).

6000 v.Chr.:

Erste neolithische Siedlungen in Europa, z.B. in Griechenland bei Nea Nikomedia Herzmuschelmuster auf Keramik, Korsika Bis 15 cm lange Harpunenspitzen mit vielen Widerhaken, Einbäume

5500 v.Chr.:

Ausgedehnte Seeschiffahrt im Mittelmeer, im Gebiet der Sundainseln, Philippinen und Hebriden

Vorläufer der Megalithenbauer werden Seefahrer.

Vorläufer megalithischer Gräber und Monumente in Westeuropa, noch Hirtenkultur,   kaum Ackerbau (Bretagne).

Von 5500 v.Chr. bis 2000 n.Chr. wurden zahlreiche megalithische Bauten als Grabmäler, Tempel, astronomische Beobachtungsstationen, Kultplätze oder Monumente errichtet. Sie dienten viel dem Ahnenkult: Ahnen als Mittler zwischen Göttern und lebenden Menschen (diese Rolle haben heute die sogenannten Heiligen inne).

Sehr viele megalithische Bauten lassen sich für die Zeit zwischen 5500 und 1500 v.Chr. besonders in Europa einem Kulturkreis zuordnen. Zuerst entwickelten sich lokale Zentren der Megalith-Kultur mit einigen lokalen Eigenheiten, und später gab es immer größere Wechselwirkungen mit anderen megalithischen Kulturen.

Die Entstehung der lokalen Zentren konnte aus identischen Gottes-, Welt- und Jenseitsvorstellungen heraus erfolgt sein, deren Grundlage die globale Eiszeitkultur mit ihrem vermutlichen Monotheismus war, oder sie konnte auf ein allen gemeinsames Kulturzentrum zurückgehen.

 

Mit fraglichem kulturellem Zusammenhang gibt es megalithische Bauten auf der ganzen Erde:

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West-, Nord- und Mitteleuropa, Mittelmeerinseln, Algerien (Atlantis ?)

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Sudan, Äthiopien, Palästina

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Kaukasus,

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Madagaskar (noch bis 1800 n.Chr. als Grabmonumente errichtet)

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Belutschistan, Kaschmir, Indien, Japan,

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Kolumbien, Süd-, Mittelamerika.

 

Dem atlantischen megalithischen Kulturkreis angehörig waren mindestens

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Westfrankreich (Bretagne ab 5500 v.Chr. ?),

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Spanien und Portugal (im Süden Portugals ab 4500 v.Chr.),

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Irland (ab 3700 v.Chr.), England, Schottland, Schweden,

-

Norddeutschland, Dänemark (Heimat der Hünengräber ?), Polen,

-

Mallorca, Balearen, Sardinien, Korsika, Malta, Zypern (auch Mykene, Tiryns wegen ihrer kyklopischen Mauern ?) und

-

wahrscheinlich auch Nordafrika.

 

5500 v.Chr.:

Kultur der Linearbandkeramik bis 4500 v.Chr. im Gebiet der unteren Donau und naher Flußläufe, mediterran-donauländische Kultur, entwickelte verschiedene Kulturzweige wie Stichbandkeramik, Rössener Kultur und Michelsberger Kultur einige Jahrhunderte später.

Vom Raum der unteren Donau und der Theiß sowie von Thrakien Verbreitung der neolithischen Kultur nach Mitteleuropa, wobei die einheimische mesolithische Bevölkerung bekämpft wurde, verbunden mit Kannibalismus (siehe Jungfernhöhle bei Wüstung Hohenellern bei Bamberg).

Im asiatischen und mediterranen Bereich war der Kannibalismus weit verbreitet, wie die Mythen dieser Völker nahelegen. Herodot erwähnt den Kannibalismus der Skythen noch im 5. Jahrhundert vor der Zeitenwende. Menschenopfer gab es auch bei Kelten (Galliern) und Germanen.

Die Achaier brachten um 1200 v.Chr. in kritischen Fällen Menschenopfer dar (siehe Homers Ilias, Opferung von Iphigenie, Tochter von Agamemnon).

Die Thora berichtet davon, daß Abraham seinen Sohn Isaak auf einem Altar opfern wollte, um seinem Gott zu gefallen (um 1800 v.Chr. ?).

Die Bandkeramiker suchten sich beim Vordringen geeigneten Boden und legten Siedlungsinseln an, sie besiedelten die Landschaft nicht flächendeckend. Die aus Holz gebauten rechteckigen Häuser waren sehr groß, mit Ofen, Herd, Keller und Vorratsräumen, hohe Wohnkultur.

5300 v.Chr.:

Bauern breiten sich allmählich in Südosteuropa aus, kennen aber noch keine Keramik

5200 v.Chr.:

Töpferei in Südfrankreich ?

5000 v.Chr.:

Anbau von Schlafmohn, Lein (Flachs), Linse.

 

Kolonisierende neolithische, mediterrane Völker breiten sich zuerst über das Donaugebiet und dann weiter über Europa aus, wobei sie die mesolithischen Jäger (Cro Magnon-Menschen) verdrängen. Techniken des Neolithikums:

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Viehzucht (Schaf, Ziege, Rind, Schwein)

-

Ackerbau (Erbse, Einkorn, Emmer, Gerste)

-

Haustiere (Hund, Katze)

-

Hausbau (große Langhäuser aus Holzstämmen oder zubehauenen Balken mit einer Grundfläche von 4x10 qm bis 8x30 qm).

-

"Schuhleistenkeil", ein Beil aus geschliffenem Felsgestein, das speziell für den Hausbau benutzt wurde.

-

Dorfgemeinschaften

-

Die Keramik gehört etwa ab 4500 v.Chr. dazu, Bronze ab 1500 v.Chr.

 

Frühkulturen Skandinaviens

5000 v.Chr.:

Komsa-Kultur an der Nordküste Norwegens, Felszeichnungen Erste mediterrane, neolithische Ackerbauern kommen nach Mitteleuropa, vermutlich vom unteren Donaugebiet her. Bildung der indoeuropäischen Ursprache beendet aus den Sprachen der

 

-

eingesessenen mesolithischen Jägern und Sammler (Cro Magnon, Lappen und nordische Rasse) und

 

-

eingewanderten mediterranen neolithischen Bauern ?

4900 v.Chr.:

Körös-Kultur in Ungarn, bis 4200 v.Chr.

4500 v.Chr.:

Megalithische Monumente, Gräber und Kunstwerke in Spanien und Frankreich Übergang von der Bestattung in Grotten, Felsspalten und natürlichen Grüften zur Bestattung in künstlichen Grotten und Großsteingräbern. Jungsteinzeitliche Siedlungen in den Hochtälern von Tech und Tet, Vallespir, in verborgener Lage, Ackerbau. Grotten von Montbolo, Villefranche, Ariege, Keramik, Schafhaltung

4200 v.Chr.:

Erste Menhire, Dolmen

4000 v.Chr.:

Kulturentwicklung:

 

-

Stichbandkeramik, hauptsächlich in Mitteldeutschland, Niederbayern, Böhmen und Mähren

 

-

Rössener Kultur mit Schädeltrepanation (um 4000 v.Chr.), lebten in Höhensiedlungen, mit Palisaden umgeben, viele Mikrolithen zum Kampf Mensch gegen Mensch mit Pfeil und Bogen.

 

 

Siedlungen bei:

 

 

-

Goldberg bei Nördlingen,

 

 

 

Inden/Lamersdorf

 

 

 

Ufersiedlungen von Aichbühl

 

 

 

Riedschachen, Taubried am Federsee

 

 

 

Egolzwil, Wauwiler See

 

 

 

Michelsberger Kultur

 

 

 

Montserrat-Kultur in Südfrankreich

 

 

 

Chasseen-Kultur in Südfrankreich

4000 v.Chr.:

Vermehrtes Aufkommen von Kriegen in Eurasien und Afrika wegen

 

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Zunahme der Bevölkerungsdichte,

 

-

Konkurrenzempfinden und -verhalten zwischen Siedlungen und entstehenden Volksgemeinschaften und

 

 

Verschlechterung des Klimas.

 

Der Krieg unter Menschen wird in der Kunst zum beherrschenden Thema in Europa und Nordafrika:

 

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Morella de Vella, Spanien

 

-

Gasulla-Schlucht, Felswandmalerei

 

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Wadi Sora, Libyen

 

-

Kargar Talh

 

-

Ain Dua

 

-

Ti-n-Tazarit

 

-

Tassili n-Ajjer, algerische Sahara

 

Anlegen der Dörfer auf leichter zu verteidigenden Höhen, mit ein- oder mehrfachen Gräben und Palisadenzäunen herum.

4000 v.Chr.:

In Nordeuropa Megalith-Gräber mit Kammern von 2 bis 3 m KSeitenlängen, 6 bis 10 m langem Gang, Mecklenburg, Rostock Bei Thoine in Niedersachsen 23 m langes megalith. Grab

Neolithische Population wandert von Osteuropa und Mittelmeer her in Skandinavien ein In Italien künstliche Grotten (Hypogäen)

3900 v.Chr.:

Hypogäen auch auf Sardinien. Diese Daten können zu früh angesetzt sein. Manche Autoren sprechen für 1500 v.Chr., und zwar nicht nur im Fall der Hypogäen auf Sizilien, sondern auch auf Malta und für sonstige kulturelle Zeugnisse.

3800 v.Chr.:

Weitere Verschlechterung des Klimas und Zunahme der Bevölkerung durch neolithische Techniken bewirken weiter zunehmende Kriegshandlungen. Die Siedlungen werden befestigt. Die Mikrolithen dienten dem Kampf Mensch gegen Mensch.

3700 v.Chr.:

Megalithische Monumente, Gräber und Kunstwerke in England, Irland. Insgesamt fand man in Irland 405 Megalith-Gräber. Die größten Anlagen (megalithische Ganggräber) bei Newgrange, Knoth und Douth aus der Zeit um 3300 v.Chr., alle in der Grafschaft Meath, 40 km nördlich von Dublin. Gravierte Muster sind konzentrische Kreise und Bögen, Näpfchen, Rauten, Zickzacklinien, Spiralen, 3-fache Spirale, Wellenmuster, U-Zeichen (viele Muster ähnlichen denen im Tassili n'Ajjer).

3600 v.Chr.:

Trichterbecherkultur, nordisch, megalithisch mit Seelenloch in Grabtürplatte, atlantische Kultur mit Menhiren, vierrädrigen Wagen. Danach Kugelamphoren-Kultur mit Hügelgäbern, Steinkisten- und Ganggräbern mit deutlichem atlantischen Einfluß, Menhire (Steinsäulen mit stilisiertem Menschengesicht).

3500 v.Chr.:

Bis zu dieser Zeit Bildung der Völker der indoeuropäischen Population vom Atlantik bis zum Ural mit Schwerpunkt Ukraine ? Hypogäen und megalithische Tempel auf Malta. Die Tempelanlagen können aber auch erst ein Jahrtausend später gebaut worden sein. Auffällig ist das sehr moderne Spiralenmuster. Es könnte von einem rezenten Bildhauer gemacht worden sein. Koffergräber aus Granitplatten auf Korsika

 

 

1. Nordatlantischer Kulturkreis:

3300 v.Chr.:

- - - - - -              Höhepunkt der Megalithkultur in Europa                - - - - - -

 

-

Newgrange (riesige Nekropole), Knoth und Dowth in Irland,

 

-

Gavrinis und Bagneux (große Hügelgräber mit megalithischen Innenbauten),

 

-

Bygholm Norremark in Dänemark,

 

-

Steinkistengräber und Hünengräber in Jütland und Norddeutschland,

 

-

Quanterness auf Orkney-Inseln,

 

-

Stonehenge in England,

 

-

Barnenez, Gavrinis, Carnac in der Bretagne, Frankreich,

 

-

Antequera in Spanien,

 

-

Hal Tarxien, Hagar Qim, Hal Saflieni, Mnajdra auf Malta,

 

-

Tassili n'Ajjer und andere lokale Zentren in Nordafrika.

3000 v.Chr.:

Hauspferd in der Jungsteinzeitkultur von Derejevka (?)

Halbesel (Onager) bei den Sumerern als Zugtiere verwendet

Zähmung von Wildeseln in Nordafrika

2800 v.Chr.:

Weite Verbreitung der megalithischen Bauten (Dolmen, Menhire, Grabhügel, Cromlechs, Cairns, Steinreihen, Hypogäen.

 

Das Hypogäum von Hal Saflieni auf Malta enthielt 7000 Skelette.

Bei Los Millares in der Provinz Almeria in Spanien war eine befestigte Stadt, die Mittelpunkt eines Kulturkreises war, der viel Kupfer verarbeitete. Zu dieser Stadt gehörte eine große Nekropole. Stadt, Siedlungen, Forts und Nekropole lagen auf den Gipfeln von Vorgebirgen. In den Wehrmauern waren große und kleine Türme aus Trockenmauerwerk.

Einige weitere Fundorte:

 

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Yorkshire, England

 

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Dol-de-Bretagne, Frankreich

 

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Locmariaquer, Bretagne, Menir von 350 t mit Gravuren

 

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Carnac, Bretagne, etwa 3000 Menhire

 

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in Dänemark etwa 24000 Dolmen

 

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auf Sardinien etwa 7000 Nuraghen (zyklopische Türme)

 

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Hunebedden (Hünengräber) bei Drenthe in Holland

 

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Hünengräber in Norddeutschland und auf den Britischen Inseln

 

Symbole der Megalith-Kultur wie 3-fache Schneckenwindung, konzentrische Kreise und Näpfchen von den Britischen Inseln bis Nordafrika (Tassili n'Ajjer) verbreitet.

 

Felsbildgravuren: Comer See, Gardasee, Lago d'Iseo Edolo, Capo di Ponte:

Tausende von runenhaften Felsbildern bei "Gletschergärten" in 350 bis 900 m Höhe.

Valcamonica, Tal von Capo di Ponte:

Über 60000 Felsgravierungen.

Alpines (Runen-)Alphabet ab 800 v.Chr. nachgewiesen, vermutlich ist das etruskische Alphabet eine Wurzel davon, iberische Proto-Schriften eine andere.

Französische Meeralpen beim Mont Bego in 2600 m Höhe, 300 km von Valcamonica entfernt:

Über 60000 Felsgravierungen.

Südschweden, Tanum:

280 Felsgravierungen, vielleicht aus der Zeit Zeit um 1500-600 v.Chr.

2650 v.Chr.:

Bau der ersten Pyramiden in Ägypten als Grabmäler für die Pharaonen, Baustoff war Kalkstein, möglicher Einfluß der atlantischen Megalith-Kultur, besonders über die megalithischen Tempel und Hypogäen oder sonstigen Bauwerke auf den Mittelmeerinseln.

Es gilt aber offiziell die Meinung, daß die Entwicklung der Pyramidenstruktur sowohl in Ägypten als auch in Sumer rein durch Zufälle zustande kam.

Die in Sumer schon Jahrhunderte vorher errichteten Stufenpyramiden waren aus Lehmziegeln erbaut und dienten als Tempel oder astronomische Beobachtungsstationen wie bei der Ruinenstadt Angkor-Vat in Südostasien und den Mayas und Inkas (einige Jahrtausende später).

 

Megalithikum in Frankreich

Menhir: Steinsäule, oft in anthropomorpher Gestalt und mit Gravierungen

Dolmen: Megalithgräber, ehemals mit Erde bedeckt, Kollektivgrab

Cairns: Megalithgräber, mit Steinhügel darüber, Kollektivgrab

In den Rundkammern aus Trockenmauerwerk aus dem 5. Jahrtausend v.Chr. sind die ältesten Stelen anthropomorph (mit menschlichem Profil), besonders in der Bretagne.

Möglicherweise vier verschiedene megalithische Kulturen in Pariser Becken, Bretagne, Normandie und Mittelwesten.

5800 v.Chr.:

Teviec, Hoedic, Kollektivgräber aus Mesolithikum, Steinkoffer mit Erdhügeln bedeckt, aus der Übergangszeit Jäger- zu Hirtenkultur

4720 v.Chr.:

Insel Guennoc, gegenüber Landeda im Finistere, mit 3 Grabhügeln Bougon, Tumulus E (22 m lang, 10 m breit), länglicher Grabhügel mit runden Kammern, Gang nach Osten ausgerichtet. Funde: Silexklingen und mesolithischen Pfeilspitzen mit Querschneide, durchbohrte Zähne, Perlen aus Variszit, rundbödige Vasen ohne Verzierung, Nadeln aus poliertem Knochen.

4700 v.Chr.:

Barnenez, Westfrankreich, für 2000 Jahre Heiligtum

 

1. Phase ab 4700 v.Chr.,

2. Phase ab 4300 v.Chr.

4200 v.Chr.:

Saint-Michel in Carnac im Morbihan, Bretagne, Megalithische Gräber mit großen Langhügeln, Tumulus-Bauten an den Ufern des Golfs von Morbihan (der existierte im Megalithikum noch nicht): Erdhügel von 125 m Länge, 60 m Breite und 10 m Höhe, mit steinernen Koffern, Megalithkammern in der Peripherie. Funde: Große Prunkäxte aus schwarzem und grünem Stein, kaum für Arbeiten verwendbar, Perlen, Gehänge aus Variszit, Scheibenringe aus Serpentin und verzierte Stelen. Carnac ist berühmt wegenseiner Steinreihen mit insgesamt 2671 Menhiren, dort fand man auch Beile aus poliertem Stein (fast wie in Nordafrika !), Silexklingen. Die Bretagne ist das alte Armorika.

4000 v.Chr.:

Nekropole mit Tumulus, Cairn auf der Insel Carn im Finistere, sehr alte Steinarchitekturen, Grabhügel mit 40 m Durchmesser; noch weitere megalithische Bauten in der Normandie, mit 30 m Durchmesser, strahlenförmige Anordnung der Kammern.

 

Weitere Fundorte von Gräbern oder Gravuren:

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Megalithgräber des Pariser Beckens um 3800 v.Chr.

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Lac du Diable

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Valmasque Berge um das Val des Merveilles (Tal der Wunder), Fontanalba,

Mont Bego: Mont Bego, ein Berg von 2873 m Höhe, liegt in den Westalpen in der Nähe von Nizza. In 2300 bis 2700 m Höhe, in rauher und unwirtschaftlicher Region mit Schneeresten im Hochsommer (heute), haben ackerbebauende Hirtenvölker über 60000 in Felswände gravierte Bilder hinterlassen.

Berühmt sind die Täler von Merveilles (Val des Merveilles), Fontanalba, d'Inferno und Sorciere. Die Bilder wurden zwischen 2000 und 1500 v.Chr. in die Felsen graviert als Anrufung der Götter.

Man suchte jetzt also die Götter auf Bergeshöhen und nicht mehr in Erdhöhlen. Damit war der Glaube an die Erdmutter ersetzt durch den Glauben an Berg- und Himmelsgötter.

Motive der Gravuren: Rinder, auch mit Pflug, Menschen, rechtwinklige Symbole für Häuser (?), 3-eckige Dolche, Hellebarden. Dolchstäbe, Zauberer mit erhobenen Händen, Uraltsymbole (siehe H. Kühn und E.Ebers/F. Wollenik).

 

Megalithikum in Spanien und Portugal

Berühmte Orte mit Levante-Kunst usw.:

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Calapata, Felswandmalereien 50 km nordwestlich von Tortosa

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Morella de Vella

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Valtorta-Schlucht

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Mas d'Azil, am Nordrand der Pyrenäen

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Provinz Ciudad Real, abstrakte Felswandmalerei um 4000 v.Chr.

 

4500 v.Chr.:

Polygonale Grabkammern, ältester Typ, längliche Grabkammern jünger und seltener Grab von Aldeia da Marta in Grato im Alentejo, große polygonale Grabkammer mit Wänden aus 7 großen Steinplatten mit über 3 m Höhe, davor niedriger, langer Gang

4500 v.Chr.: Grabhügel im Süden Portugals, megalithisches Grab mit Gang und Kammer, darüber Erde (Tumulus)

4000-3500 v.Chr.:

Hoch-Beira in Portugal, Orca dos Castenairos,

Cavapito 1: Mikrolithen, Silexklingen, Steinbeile, Perlen aus Callais und Hornblendgestein.

La Cueva de Romeral, Antequera, Südspanien, großartiges megalithisches Grab aus Trockenmauern und Megalithen.

Los Millares, befestigte Stadt der Almeria-Kultur, 70 rechtwinklige Megalithgräber. Montefrio bei Grenada, viele Gräber und Opfergaben, trapezförmige, rechtwinklige Kammern von etwa 2*3 qm, auch mit Türlochplatte, kurzer Gang.

Steinanlage von Antequera im Westen Grenadas, 40 km nördlich von Malaga, Grabhügel von 50 bis 90 m Durchmesser (Soto bei Huelva, Gandul/Sevilla).

3900 v.Chr.:

Gräber mit und ohne Gang

3600 v.Chr.:

Kuppelgräber bei Lissabon, mittlere Phase der Almeria-Kultur Steinerne, versenkte Zisten (Koffergräber), Provinz Algarve

3300 v.Chr.:

Viele megalithische Nekropolen in der Nähe von Cadiz

Die Almeria-Kultur mit ihrer Blütezeit um 3000 v.Chr. war in Südspanien vermutlich weit verbreitet. Ein Zentrum war die befestigte Siedlung bei Los Millares mit vielen megalithischen Bauten und naheliegenden Nekropolen Befestigte Wohnsiedlungen wurden noch bei

 

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Zambujal und

 

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Vila Nova de Sao Pedro

 

ausgegraben.

Zunehmend wurde Kupfer verwendet, es erfolgte also der Übergang in das Chalkolithikum.

Weiterhin aber noch Knöpfe aus Knochen mit V-Bohrungen.

Ahlen und Spitzen aber schon aus Kupfer (Palmella-Spitzen).

Grabbeigaben:

 

 

Geglättete, kaum verzierte Vasen

 

 

Trapezförmige Mikrolithen

 

 

Pfeile mit konkaver Basis

 

 

Beile aus poliertem Stein

 

 

Konische Idole aus Kalkstein

 

 

Votivherminetten aus Marmor

 

 

Gravierte Schiefertafeln

Erst danach kam die Zeit der Glockenbecher-Kultur:

2000 v.Chr.:

Glockenbecherleute

1300 v.Chr.:

Urnenfelderkultur

700 v.Chr.:

Hallstattzeit

 

Megalithikum in Irland

Irland war ein bedeutendes Zentrum der Megalithkultur mit 300 Gangräbern. Der Beginn der megalithischen Bauten war um 4000 v.Chr., der Höhepunkt des Megalithikums um 3000 v.Chr., hauptsächlich im Nordosten von Irland.

Nekropolen (Totenstädte) mit Großsteingräbern und Steinmonumenten:

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Newgrange

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Knowth, Dowth

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Carrowheel

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Carrowmore, Nekropole um 4000 v.Chr.

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Fourknocks

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Loughcrew

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Insel Anglesey.

 

Besondere Kennzeichen der irischen Megalithenbauten:

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Die Hügelgräber erreichen Durchmesser von 90 m Durchmesser.

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Die Steinmonumente sind nach der Sonne ausgerichtet.

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Kragkuppeldecken.

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Lange Gänge bis 30 m.

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Viele verzierte Steinblöcke, manche sogar beidseitig.

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Einäscherungen.

 

Viele eingravierte Ornamente auf Großsteinplatten von Ganggräbern im Nordosten von Irland (Tal der Boyne). Viele Zeichen, darunter auch geometrische:

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3-fache Schneckenwindung. Die von Newgrange, Irland, ist exakt gleich der von Wadi Djerat, Tassili n'Ajjer, Nordafrika; Zufall ausgeschlossen.

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Rind und

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konzentrische Kreise, mit oder ohne Näpfchen in der Mitte. Auch diese treten in der Sahara auf (Tassili n'Ajjer).

 

Gravierte Symbole und Figuren:

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Einzelne oder mehrere, dann konzentrische Kreise (Mögliche Deutungen: Heilige Gemeinschaft, Welt, Freude an einfachen geometrisch-mathematischen Strukturen (Ästhetik), Bild eines realen Objektes)

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Spiralen oder Schneckenwindungen (Vorbild vielleicht der Ammonit, dessen Versteinerungen schon von paläolithischen Jägern gesammelt wurden, und dessen Form noch in rezenter Zeit als "Füllhorn" symbolische Bedeutung hatte. Der Ammonit (das Füllhorn) galt als Zeichen der Erdmutter und der Fruchtbarkeit, da man ihn in der Erde fand.)

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U-Zeichen (Mögliche Bedeutungen: (Seelen-)Vogel, Wellen (Erbitten von Regen), Brüste (Erbitten von Fruchtbarkeit)

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Gruppen von Wellenlinien (Mögliche Bedeutung: Erbitten von Regen)

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Parallele oder strahlenförmige Segmente, Streifensegmente

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Dreiecke und Rauten

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Näpfchen mit oder ohne konzentrische Kreise darum (Mögliche Bedeutungen: Bild der Sonne, Bitte um Regen)

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Punkte (Löcher), gepunktete Kreise

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Hirsche, Rinder.

Machtattribute der späten (ausgehenden ?) Megalithenzeit waren Beil, Krummstab, Dolch oder Schwert, Schlegel, Schildfigur und Kriegskeule.

Dorf Skara Brae an der Westküste der größten Orkney-Insel aus dem 3. Jahrtausend v.Chr., zeitgleich mit Megalithengräbern bei Maes Howe und Kultanlagen (Steinkreise von Brogar und Stenness): Die Häuser des Dorfes waren aus Steinplatten errichtet worden. Das Dorf bestand etwa von 2400 bis 1800 v.Chr., seine Bewohner lebten u.a. von Fischfang, Haferanbau, Rinder- und Schafzucht. Die Steinhäuser waren sehr geräumig, mit steinernen Anlagen für Feuerstelle, Bettfundamente, Schränke und Abteilungen.

 

Megalithikum in England und auf den anderen Britischen Inseln

Um 4200 v.Chr. befanden sich bandkeramische Populationen im Westen Englands und auf der Insel Guernsey. Eine Besonderheit auf den Britischen Inseln sind die Steinkreise, einfach oder doppelt. Im viel geringeren Ausmaß (Größe, Anzahl) findet man sie auch in der Bretagne. Steinreihen finden sich sowohl in England als auch in der Bretagne.

Zumindest Südengland war ein bedeutendes Zentrum der megalithischen Kultur, wie auch Jütland, Südschweden, Irland, Südwest- und Südostspanien.

Die Megalithkultur besaß oder entwickelte mehrere Kulturzentren (Königreiche ?), die sich bis nach Tyrrhenien erstreckten (Süditalien, Malta).

Durch die Groß-Steinkreisanlagen – besonders die bei Stonehenge - war England als Heimatland der Hyperboreer schon bzw. noch um 500 v.Chr. in Hellas bekannt. Man hielt die Hyperboreer deshalb als sehr fromm und freundschaftlich eng mit dem Orakel zu Delphi verbunden.

Solche Groß-Steinkreisanlagen sind bei:

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Stonehenge, in Bau ab 2500 v.Chr., endgültige Form um 1500 v.Chr., mit den wichtigsten Merkmalen: Der Altar ist von 30 Megalithen umgeben, darum liegen die 56 Aubrey-Löcher. Sonnen- und Mondheiligtum, z.T. astronomische Station, vielleicht auch für Vorhersage der Standorte von Mond und Sonne und für die Vorhersage von Mond- und Sonnenfinsternissen. Diese Anlage ist am meisten fortgeschritten gewesen. Um 600 v.Chr. war sie anscheinend im hellenischen Kulturraum bekannt.

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Avebury im Bezirk Wiltshire, zuerst von John Aubrey 1649 beschrieben.

Auf Stein gravierte konzentrische Kreise mit oder ohne Näpfchen in der Mitte findet man im Süden Englands und in Schottland (Port William, Drumtroddan, Wigtownshire),dDoppelte Spiralen bei Edinburgh, Hawthornden, Steinmonumente bei Yorkshire, Ilkley-Moor, Näpfchen auf Megalithen und Felswänden bei Boscawen Un, in Schottland. Viele Menhire, Cairns und Felsgravuren in vielfältigen Mustern geben vielen Orten ein stimmungsvolles Bild.

Eine weitere Besonderheit der britischen Inseln sind die Großfiguren wie das 112 m hohe Pferd von Uffington, durch Entfernen der Grasdecke auf Kreidefelsenuntergrund geschaffen.

Der Hakenkreuzstein im Ilkley Moor, Grafschaft Yorkshire, England, kann die Erklärung für das Felsgemälde in Ouanrhert, Tassili n'Ajjer, liefern (nicht weit vom Symbol der 3-fachen Schneckenwindung, die man auch in Irland, Newgrange, findet): Das Gemälde stellt entweder mehrere Welten dar, die von unterschiedlichen Wesen (Menschen, Götter, Geister usw.) bewohnt sind, oder es teilt die Realität in mindestens 4 Welten auf (etwa die Menschen in Ost, West, Nord und Süd). Während das Gemälde in Nordafrika den Weltverbund ruhend darstellt, zeigt die Gravierung in England ihn drehend, was die Hakenkreuzform ergibt.

Entwickelten Sahara-Völker den Weltverbund in Kreuzform ?

 

Megalithikum in Dänemark, Norddeutschland und Holland

Um 3500 v.Chr. wurden in Dänemark die ersten Grab-Langhügel gebaut. Zuerst besaßen sie im Innern Großsteinarchitekturen, danach keine mehr. Die Grabhügel waren zwischen 20 und 100 m lang.

Der Grabhügel von Stralendorf war 25 m lang.

Auf Jütland wurde der Typ des Tumulus ohne Megalithgrab entwickelt, auf Seeland der mit Megalithgrab. Diese Entwicklung verlief in Wechselwirkung mit anderen megalithischen Kulturkreisen auf den Britischen Inseln und in Westeuropa.

Von Jütland und Seeland dehnte sich der megalithische Kulturkreis auf Dänemark, Südschweden und Norddeutschland aus.

Bei Barkvieren bei Rostock in Mecklenburg sind Grabhügel, abwechselnd mit Trockenmauerwerk oder Steinplatten eingefaßt (Frauenmark bei Parchim, Mankmoos bei Sternberg).

Die aus dem 4. Jahrtausend v.Chr. stammenden großen Megalithkammern (etwa 6 bis 10 m lang) wurden aus erratischen Blöcken errichtet. Die Grabhügel besaßen eine rechtwinklige Form mit Ost-West-Ausrichtung (z.B. Gnewitz bei Rostock).

Bei Thuine in Norddeutschland ist ein Megalithgrab mit einer 23 m langen Steinkammer. Aus der Zeit um 2200 v.Chr. stammt das Monument von Havelte, Drenthe, Nordholland.

Um 2000 v.Chr. wurden in der Ahlhorner Heide bei Wildeshausen, südwestlich von Bremen, Hünengräber errichtet.

Es gibt viele Hünenbetten (Hünengräber) in der Lüneburger Heide, südlich von Hamburg.

Auf der Insel Rügen war im Südosten einst eine riesige Nekropole. Bis 1829 n.Chr. standen dort noch 229 Steinmale.

Zwei große, benachbarte Grabhügel sind bei Visbeck, 50 km südwestlich von Bremen, mit den Abmessungen

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108 m * 10 m und

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80 m * 7 m bei 2 m Höhe. Sie besaßen Großsteinkammern.

Legenden und Mythen über Hünengräber sind noch heute bekannt, etwa wie die Sage vom Widergänger des Toten, der die Kraft von 12 Männern besitzt und das Grab bewacht.

Steinkisten zwischen Kassel und Marburg in Hessen wiesen verzierte Steine auf (um 1900 v.Chr.).

Bei Züschen fanden sich Symbole wie beim Mont Bego.

In Stein gravierte Wellenzeichen fanden sich bei Ellenberg, Halle (Schafstädt).

 

Weitere Grabmonumente:

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Grab von Rimbeck in Hessen, um 2500 v.Chr., mit sehr langem, krummem Seitengang

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Grab von Hiddingsen, 3. Jahrtausend, 27 m lang, sehr lange Kammer, kein Einstieg

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Gräber aus der Zeit der Glockenbecherleute um 2000 v.Chr., je 30 m lang:

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Atteln II in Westfalen,

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Beckum-Wintergarten in Westfalen Solche Gräber auch im Harz und in Thüringen.

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Lohne-Züschen in Hessen, 2. Jahrtausend ?, sehr lange, aus Steinplatten gebildete Grabkammer, in die Erde gebaut, durch Türplatte mit Seelenloch (?) von etwa 40 cm Durchmesser von Vorkammer getrennt.

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7 Steinhäuser bei Falleingbostel

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Grabanlage von Kleckerwald, Buchholz

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Wallertheim, Rheinhessen

 

Mutmaßliche Populationen und Populationsströme:

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Einheimische mesolithische Cro Magnon-Menschen (und Lappen als Nachfahren der Rentierjäger der Hamburger Kultur um 10000 v.Chr. ?).

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Um 4500 v.Chr. dringen Bandkeramiker aus dem Osten nach Mitteleuropa vor, viel die Donau aufwärts.

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500 Jahre später gelangen megalithische Kultureinflüsse und Populationen von Westen her nach Mitteleuropa, und Populationen aus Mittelmeergebiet und von Nordafrika dringen allgemein nach West-, Nord- und Mitteleuropa vor.

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Von 3000-2000 v.Chr. weiterer Zuzug starker indoeuropäischer Populationen nach Mitteleuropa von Ukraine und Südrußland her. Erinnerungen an die damit verbundenen Kriege sind in der germanischen Mythologie enthalten:

 

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Krieg der Asen gegen die Wanen,

 

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Krieg der Scharen des Feuerriesen Surtur (dunkelhäutig !) gegen die Einherier z.Z. der Götterdämmerung (Ragnarök).

 

Gottheitsvorstellungen:

 

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Asen: Eher Kriegsgötter, entwickelt in einer Zeit der Kriege zwischen mesolithischen einheimischen Jägern und einwandernden Bandkeramikern etwa im zeitraum von 5500 bis 3500 v.Chr.

 

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Wanen: Eher friedliche Götter, entwickelt nach den Zeiten der großen und dauernden Kriege

 

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Vatergottheit Erke, Oberhimmel, Verehrung auf Bergeshöhen. um 4000 v.Chr.

 

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Muttergottheit Erdmutter, Verehrung in Höhlen: vermutlich die Demeter des Nahen Ostens, Göttin der Bandkeramiker.

 

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Große Göttin: Religion der Megalithiker

 

Es gab auch bei den Megalithikern den Glauben an das himmlische Götterpaar

 

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Mutter Erde (Njörd z.B.) und

 

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Oberhimmel Erke.

 

Megalithikum in Polen

Das Megalithikum reichte auch in den osteuropäischen Raum hinein, wenn man nur die Kulturen betrachtet, die mit der atlantischen megalithischen Kultur in Zusammenhang stand.

Für die megalithischen Bauten in Japan und Madagaskar gilt das wohl nicht.

Um 3300 v.Chr. wurde eine Gruppe von Hügelgräbern bei Cujavie errichtet. Diese Hügelgräber waren langgestreckte Hügel bis 20 m Länge und 4 m Höhe, in Ost-West-Richtung gebaut. Zusätzlich waren noch einige Hügel mit Steinblökken umgeben.

Beigaben waren selten und bestanden aus:

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Vasen, Flaschen und Becher

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Geräte und Waffen aus Silex

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Stoßzähnen vom Wildschwein

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Perlen aus Bernstein.

Eine Verwandtschaft mit der Trichterbecherkultur ist nahegelegt.

 

Megalithikum in Skandinavien

Vormegalithische Späteiszeitkunst in Norwegen bei Vingen. Gravierungen von Hirschen als Jagdzauber in Felswände. Vermutlich Bilder von Treibjagden. Vermutliches Werk von Nordgermanen oder Lappenähnlichen.

Zentren bronzezeitlicher Felsbildgravuren bei

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Malmö (Grab von Kivik)

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Stockholm

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Strömstad (Tanum),

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Ekeberg bei Oslo

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Bergen.

Das Monument von Kivik bei Schonen in Südschweden wurde um 1500 v.Chr. errichtet als typisches megalithisches Steinkistengrab, darüber ein Erdhügel von 75 m Durchmesser. Typisch megalithische Symbole: Zickzack-Linien (für Blitz und Wasser ?), Kreuzzeichen (Symbol der 4-geteilten Welt, siehe Zeichnung in Tassili n'Ajjer, Sahara, sowie im Südwesten der USA als Gravuren und Zeichnungen der Pueblo-Indianer oder verwandter Populationen).

Tanum (Bohuslän) in Südschweden, 280 Felswandgravuren aus der Zeit um 1500 bis 600 v.Chr., also bronzezeitliche Bilder der Nordgermanen. Motive sind Schiffe (Schiffsweihungen), Kühe, Bogenschützen, Pflüger, Fußsohlenzeichen, Wagen, Tänzer, Bäume, Menschen, Götter, Hammer, Speer, Weltrad oder Weltkreuz. Am meisten Darstellungen von Schiffen für Schiffsweihe.

Drammen bei Oslo, stilisierte Tierbilder: "Röntgenbilder". In die Umrisse der Tiere sind Linien eingezeichnet, die mindestens zum Teil Konturen innerer Organe wiedergeben sollen.

 

Erinnerungen an die bronzezeitliche Epoche der Nord- und Südgermanen sind von Snorri Sturluson (1179-1241 n.Chr.) aufgezeichnet worden. Er lebte auf Island, wo etwa ab 1000 n.Chr. nach Thing-Beschluß das Christentum angenommen wurde.

Die Snorra-Edda heißt auch Ältere Edda.

Weitere spätere Aufzeichnungen bronzezeitlicher Überlieferungen in Snorris Königsbuch Heimskringla, Gylfaginnig, Grimnismal, Völuspa, Havamal, Thrymskvida (Götterlieder der Älteren Edda), Thule (Island-Sagas), Hyndluliodh, Wafthrudnismal, Fafnismal, Ura-Linda-Chronik und Kalevala-Epos (finnische Sagen).

Aus vielen dieser Erinnerungen kann man auf eine warme und reiche Bronzezeit im Norden schließen, mit ihren typischen megalithischen Waffen wie Doppeläxten, Flachbeilen, Dolchklingen und Speer sowie Schmuck aus Bernstein und Verzierungen in Form von Spiralen und anderer megalithischer Muster.

 

Kulturbeziehungen mit Amerika

Langgestreckte Erdhügelgräber in Polen und England ähneln verblüffend solchen Bauten in Maryland, USA. In Gemälden und Gravuren der Pueblo-Indianer im Südwesten der USA erscheinen Spiralen, konzentrische Kreise, Zickzack-Linien, Kammzeichen, Weltkreuz oder Sonnensymbol sowie geometrisch-abstrakte Symbolde wie auf den Kieseln in der Bachgrotte Mas d'Azil um 4000 v.Chr. - z.Z. des Atlantikums.

Irgendwie erscheinen die Felswandmalereien und -gravuren in New Mexico, Kalifornien, Colorado, Arizona, Wyoming und Nevada als den europäischen Bildern zu ähnlich, um durch konvergente kulturelle Entwicklungen unabhängig entstanden zu sein.

Dasselbe Problem taucht ja auch bei den Kulturen Nordeuropas und Nordafrikas auf.

Auf jeden Fall kann man feststellen, daß im Atlantikum zwischen 5500 bis 2500 v.Chr. die Überquerung des Atlantiks auf nördlichen Routen sehr einfach gewesen sein muß, wobei man sich immer in Sichtweite der nächsten Inseln oder Festlandteile halten konnte.

Hier ist zu betonen, daß die nordischen Kulturen stark schiffsbetont waren.

Skandinavien, England und Island besaßen im Atlantikum ein hinreichend mildes Klima, um von dort auf relativ kleinen Schiffen nach Grönland, Kanada und Nordamerika zu gelangen.

Transpazifische Einflüsse zwischen Süd-, Mittelamerika und Südchina, Südostasien müssen wegen vieler kultureller Gleichheiten auf jeden Fall angenommen werden, schon z.Z. der Olmeken.

 

Megalithikum im Raum Alpen, Dolomiten, Südtirol und Schweiz

Die gravierten Felsbilder der Alpen mit Zentren um Mont Bego (bei Nizza) und Val Camonica (Brescianer Alpen, Capo di Ponte), aber auch kleineren lokalen Zentren in den österreichischen, schweizerischen und deutschen Alpen (z.T. erst seit 1960 bekannt), haben sicher einen starken Anteil eigenständiger Entwicklungen, da sich die Alpenregionen im Atlantikum als willkommenes sicheres Rückzugsgebiet anboten.

Da aber z.B. das Val Camonica als Durchgangsgebiet einer der alten Bernsteinstraßen zwischen Nordsee und Mittelmeer vermutet wird, sind starke kulturelle Einflüsse sowohl vom Mittelmeerraum (z.B. von der mykenischen Kultur ab 1600 v.Chr.) als auch vom Norden her (megalithische Kultur ab 4000 v.Chr.) anzunehmen.

So kann man nach dem erneuten rezenten Rückzug der Gletscher in den Alpen Funde aus der Zeit machen, als die Gletscher sich in der vorrömischen Zeit ebenfalls zurückgezogen hatten und z.B. dort Bergbau nach silberhaltigem Gestein (Bleiglanz), Magnetit, Magnetkies, Zinkblende und Schwerspat in Regionen ermöglichten, die ein Jahrtausend später unter Gletschereis begraben und konserviert wurden (Tal der Pflersch, südlich Brenner).

Megalithische Symbole wie konzentrische Kreise mit Näpfchen darin sowie Darstellungen vom Weltkreuz oder Sonnen-(Wagen-)Rad findet man bei Brixen und Meran, am Pfitscher Joch, im Texelgebirge).

 

Manche Autoren verlegen die Darstellung von Schalensteinen bis ins Mousterien der Neandertaler.

 

Auf jeden Fall gibt es an vielen Orten in den Alpen Gravuren von alten Symbolen wie Mühlbrett (?), Pentagramm (Drudenfuß), Spiralen und Näpfchen.

Am bekanntesten ist die allerdings schon etwas späte Hallstatt-Kultur in den östlichen Alpen. Sie gehört in die Ältere Eisenzeit um 750-450 v.Chr., an die sich die Latene-Zeit der Kelten anschließt.

Auch die Kultur des Camonica-Tales in Oberitalien am Fuß des Concare, östlich vom Comer-See und nördlich vom Iseo-See, sollte extra erwähnt werden. Dort lebten das Volk der Camunen (Ligurer, Räter ?), die etwa zwischen 2200 und 16 v.Chr. dort ihre über 60000 Felsbilder eingravierten, darunter Sonnensymbole und "Palettenzeichen".

Die Camunen teilten 16 v.Chr. das Schicksal der iberischen Völker einige Zeit davor: Sie wurden von den Römern vernichtet. Wie bei den über 60000 Gravuren am Mont Bego zeigen die Gravuren nur einen geringen erkennbaren megalithischen Einfluß.

Auf eine Besonderheit ist extra hinzuweisen: Man kennt die eigenartigen bürstenartigen Kopfbedeckungen der Krieger der Seevölker, die auf den Kriegsdokumenten von Ramses II auf Säulen abgebildet wurden. Genau dieselben Kopfbedeckungen findet man bei Gravuren im Bereich der Kultur von Este (bei Padua in Oberitalien) an den Ufern der Etsch. Die Kulturen von Ateste (Atesis) waren dann zumindest Durchzugsgebiet der Seevölker auf ihrem Weg von Norden nach Süden.

Es spricht vieles für eine eigenständige Entwicklung von Kulturen, Völkern und Kunstrichtungen im Alpenraum.

Wie üblich ist bei den Zahlenangaben Vorsicht walten zu lassen. Sie stellen oft mehr nur Richtlinien dar, sehr unterschiedlich bei verschiedenen Autoren. Es wird auf die am Anfang von Modul H gegebene Literatur verwiesen.

 

Die Alpenregion wurde schon von Neandertalern und noch früheren Hominiden aufgesucht und zeitweilig besiedelt (mindestens ab 130000 v.Chr. ?). Um 80000 v.Chr. waren Neandertaler bei Waldkirchli, Säntis, Ebenalp nördlich des Säntis, Schwendibachtal.

In den Hauptphasen der Eiszeiten war ein Betreten der Alpen- und Voralpenregionen wegen der bis 1500 m hohen Gletscher nicht möglich. In der Würmeiszzeit galt dies mindestens für die Zeiträume 60000 bis 40000 v.Chr. und 28000 bis 10000 v.Chr. (danach haben die letzten Neandertaler in der Schweiz um 60000 v.Chr. gelebt). Um 50000 v.Chr. lebten noch Neandertaler in der Nähe von St. Gallen, im Taminatal, an der Ostflanke des Drachenberges, Chilchli, Wildkirchli (1500 m hoch). Dort Nachweise von Jagd auf Bären in Höhlen. Nachweis der Mousterien-Kultur im Schnurenloch in der Gsässfluh, Oberwil, Simmental, Erlenbach, Grotte des Plaints im Neuenberger Jura.

Bei Pratteln im Kanton Baselland wurde ein etwa 1 kg schwerer, 20 cm langer Faustkeil aus dem Acheuleen gefunden. Neandertaler lebten in den Höhlen bei St. Brais, Franches Montagnes, Jura, bei Contender, am Rand des Jura, am Ufer des Neuenburger Sees, Areuse, darüber Schloß Rokkefort, St. Brais, St. Brais II, Kastelhöhle, Technau, Allschwil, Schalbergfelsen, Liesberg.

Da die ersten Menschen (Homo sapiens sapiens) frühestens um 35000 v.Chr. nach Mitteleuropa kamen, blieb der kleine Zeitraum von 7000 Jahren für eine Besiedlung der Alpen zwischen den großen Vereisungsphasen der Würmeiszeit.

Menschen lebten z.B. im Wildenmannlisloch unterhalb des Gipfels des Selun, an der Nordseite des Churfirsten in 1628 m Höhe, im Drachenloch (in 2445 m Höhe), über Vättis.

 

Gründe der Besiedlung durch Hominiden:

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Jagd auf Bär oder Gemse,

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Suche nach hübschen Fossilien wie auf den Rheintalterrassen südlich von Pratteln (schon Paläolithiker sammelten Fossilien !),

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in der Jungsteinzeit Suche nach Metallerzen, bessere Schutzmöglichkeit vor Feinden, schöne Wohngegend.

Nacheiszeitliche Besiedlungen sind ab 10500 v.Chr. nachgewiesen und zeigen die Entwicklung der kulturellen Basis für die spätere Megalithen-Kultur an.

Wichtig ist das Kesslerloch bei Thayngen, Kanton Schaffhausen, in dem man Ritzungen (Zeichnungen) von Tieren auf Röhrenknochen fand, Harpunenspitzen, Lochstäbe, Steinplättchen mit Tiergravierungen, viele Silexgeräte und sogar geometrische Verzierungen, Zickzacklinien und Kerben.

Es war eine Rentierjägerkultur wie in der Höhle Schweizersbild oder an der Schussenquelle bei Schussenried.

Die mesolithischen Jäger suchten ihre Wohnhöhlen nach den folgenden Kriterien:

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Schmales Tal mit bewaldeten Hängen,

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darin befindliche Grotten suchen.

Jungpaläolithische Höhlenbesiedlungen:

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Schweizersbild,

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in der Gegend um Olten, Käsloch, Wilmatt, Köpfli bei Winznau, Sählihöhle

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im Nordjura, Neumühle bei Roggenburg, Liesberg, Kohlerhöhle bei Broslach, Kastelhöhle, Heidenküche bei Himmelsried im Kanton Solothun.

 

8000 v.Chr.: Bei Moosbühl, Moosseedorf nördlich von Bern

Freilandstation mesolithischer Rentierjäger.

Um Burgäschisee, an der Grenze von Bern zu Soluthurn mesolithische Siedlungen.

Weitere Lagerplätze bis 3500 v.Chr.:

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Wauwiler Moos, Wauwiler See/Luzern

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Nordende Zuger See

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Pfäffiker, Kanton Zurich

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Greifensee, Kanton Zurich

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Birstal, Birsmatten-Basisgrotte, am Fluß Birs, an der Straße Zwingen-Grellingen bei Nenzlingen,

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Tschäpperfels, westlich von Laufen, Röschenz, Lagerplatz um 3800 v.Chr.

 

4000 v.Chr.: Jungsteinzeitliche Siedlungen bei/am Moossee

Bei vielen Seen gab es Pfahlbauten, wie in Deutschland und Italien.

Megalithische Bauten im Bereich Wallis, in Sion, Schweiz

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4. Jahrtausend: Zisten, Steinreihen

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3. Jahrtausend: Megalith-Grab mit Vorkammer, Einstieg (?) durch ausgemeißelte Öffnung in einer Seitenplatte, anthropomorphe Stelen (Menhire)

 

3000 v.Chr.: Steinkistengräber der Cortaillod-Kultur, Steinallee in Yverdon, zu rezenter Zeit von Geschiebe überdeckt

Sion-Chemin des Collines, Neuenburger See Rue du Petit Chasseur in Sion: Konzentrische Steinkreise wie in Cornwall, England

 

2000 v.Chr.: Ende der Horgener Kultur, Glockenbecher-Kultur, zu dieser Zeit Kupfer schon bekannt, Geräte aus Kupfer, Kupfervorkommen im Wallis ausgebeutet, Anfänge der Bronzezeit, Kultur um Mondsee und Zuger See. Von da an Schnurkeramik-Kultur, Streitaxtleute (Kennzeichen: Geschliffene, polierte und fdurchbohrte Steinaxtklingen, sehr formschön.

Weitere Funde bei:

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Station Birseck-Ermitage, Kanton Baselland, bemalte Kiesel

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Fanesalpe, Vintschgau, Dolomitensagen, Fanesreich, Wallburg in 2600 m Höhe, gegenüber St. Kassian, Gadertal

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Puflatsch, Castelruth (Castelrotto), Täler westlich um Pinerolo

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Felsbilder im Bluntautal

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Tennengau-Bezirk, St. Wilhelm, Tauge

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Näpfchensteine bei Rocio Clapier, Sappe, Almgebiet um Pramollo

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Gran Faetto, Chisone Tal

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Spina de Mul (Maultiergerippe)

 

Megalithikum in Italien

Um die Zeit der Etrusker (die bis 1100 v.Chr. aus Kleinasien nach Norditalien eingewandert waren), wurde die Region um Italien bis Malta Tyrrhenien genannt. Die Etrusker hatten wegen ihrer Trompete (= Tyrrhene) den Beinamen Tyrrhener erhalten.

Diodor von Sizilien berichtet, daß sie ehemals sehr tapfer waren, aber dann verweichlicht wurden. Man lernt in der Schule, daß die hohe Kultur der Etrusker den Römern zu ihrem ersten Vorbild wurde. Diodor führt alte Geschichten aus der Zeit vor der Etrusker in Italien an, wobei er auf die Wanderungen von iberischen und italischen Völkern bei der Besiedlung der großen Mittelmeerinseln hinweist. Diodor, 500 Jahre nach Platon, kennt keine megalithischen Einflüsse in dieser Region mehr. Diese weiß er aber noch in Nordwestafrka (wo heute eine sonnendurchglühte Stein- und Sandwüste ist).

In Italien liegen Nachweise vor für Urnenfelder-, Pfahlbauten- und Hallstattkultur, aber auch für die Megalithkultur. Megalithische Grabanlagen (Hypogäen) aus der Zeit von 2400 bis 1600 v.Chr. sind bekannt.

Gab es in Norditalien ab 5000 v.Chr. ältere Kulturen mit Jagd und Rinderzucht ? Manche Autoren behaupten das.

Indogermanische Hirtenvölker gelangten ab 2500 v.Chr. in mehreren Wellen aus den vertrocknenden Steppen von Ukraine und Südrußland nach Italien (Kurgan-Völker, benannt nach ihren Grabhügeln).

Verbindungen mit mykenischer Kultur ab 1600 v.Chr. werden für die Kultur von Val Camonica (2000-16 v.Chr.) angenommen. Durch ihr Gebiet führte anscheinend eine der Bernsteinstraßen von der Nordsee zum Mittelmeer. Das ergibt die Möglichkeit zum Handel mit Waffen, Bernstein und Edelmetall.

Über 60000 Felswandgravierungen im Val Camonica deuten zusammen mit anderen Funden auf eine dortige Hauptstadt in vorgeschichtlicher Zeit hin. Ähnliche Städte der Vorgeschichte (also um 2000 bis 1000 v.Chr.) werden an manchen Orten der Nord- und Ostseeküste angenommen.

Mindestens ab 2000 v.Chr. lebte im Camonica-Tal der Stamm der Camuni in den Brescianer Alpen am Fuß des Concare. Ihre Gravuren in Felswände zeigen als Motive Pfahlbauten, Hirsche, Reiter, Schafe, Vögel, Menschen, Lanzen, Dolch, Pflüge, Steinböcke, Hunde, "Paletten", von Menschen angebetete "Götter" (?), Sonnensymbole. Die Bilder zeigen sehr schematische Menschendarstellungen. Die Ähnlichkeit der Gravuren zu denen des Mont Bego bei Nizza ist nur gering.

Identisch sind die Sonnensymbole mit gemalten Felsbildern aus der Zeit um 10000 bis 4000 v.Chr. (?) in der Sierra Morena, Südspanien. Bekannte Orte nahe oder im Val Camonica: Capo di Ponte, Oglio, Bresia, Iseo-See, Comer-See, Edolo.

 

Megalithikum auf Sardinien

Die in der Literatur angegebenen Zeiten sind recht unterschiedlich. Manche setzen den Beginn der megalithischen Bauten auf 4000 v.Chr. an, andere auf 2500 Jahre später.

Zuerst verwendete man natürliche Grotten als Gräber, dann künstliche Grotten (Hypogäen) und Koffergräber, Kammern aus Megalithplatten mit Türlochplatte und kleinem Gang, mit Steinen umbaut.

Ab 4100 v.Chr. (?) Hypogäen mit Gang, Vorkammer und Kammer, also noch vor der Ozieri-Kultur (4000 bis 3000 v.Chr.).

Die aufgefundenen Felsgravuren hatten Ähnlichkeit mit denen vom Mont-Bego im Alpes-Maritimes.

Bis 2500 v.Chr. nachweisbar ?

Etwa um 3000 v.Chr. Bau von Hünengräbern bis 15 m Länge mit Zyklopenmauerwerk. Skulptierte Stierköpfe, der Grundriß der Hünengräber hatte die Form eines Stierkopfes.

Erst um 1500 v.Chr. wurden die quadratischen, zyklopischen Türme errichtet (Nuraghens).

Auf den verschiedenen Inseln bekamen die zyklopischen Bauwerke unterschiedliche Namen, es bildeten sich auch lokale Besonderheiten heraus:

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Torres: Quadratische Türme auf Korsika

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Nuraghen: Quadratische Türme auf Sardinien

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Talayots: Menhire auf Mallorca

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Navetas

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Taulas.

 

Megalithikum auf Korsika

Ab 3500 v.Chr. Koffergräber aus Granitplatten, mit Grabhügel darüber (Tumulus). Um 2500 v.Chr. Errichtung großer Grabhügel. Ab 1500 v.Chr. Bau quadratischer, zyklopischer Türme (10 bis 15 m Durchmesser, 7 m Höhe) aus Trockenmauerwerk. Darum wurde oft eine weitere Mauer gezogen.

Bei San Lorenzo Menhir-Statue, davon auf der Insel Dutzende.

Bei Filitosa sind Steingräber (Dolmen) und Opfertempel. Auf Menhire sind Dolche und Schwerter graviert. Der Opfertempel ist als Rundbau angelegt, ein Kreis aus Menhiren (Steinsäulen mit stilisierten Menschengesichtern) von 22 m Durchmesser, in der Mitte der Altar für Blutopfer.

Ein Autor setzt die megalithische Zeit auf Korsika auf 2500 bis 1500 v.Chr. an, aber die megalithischen, kyklopischen Bauwerke in Irland und bei Carnac sind auf jeden Fall viele Jahrhunderte älter als die ersten Pyramiden in Ägypten und Sumer.

 

Megalithikum auf Malta

Megalithische Bauten von 3500 bis 1500 v.Chr., hauptsächlich künstliche Grotten (Halbgrotten, Hypogäen) und megalithische Tempel. Siehe hierzu die Tempelruinen von Hagar Qim.

Die megalithischen Bauten erfolgten also schon 800 Jahre vor dem Bau der ersten Pyramiden in Ägypten (um 2670 v.Chr.).

Hypogäen ferner verbreitet auf Balearen, Sardinien, Süditalien und Sizilien.

Der Beginn der megalithischen Bauten wird auch bei vorsichtigen Autoren auf 3000 v.Chr. angesetzt (bei Malta). Bei Hagar Qim und Hal Tarxien sind klassische megalithische Tempel mit einem verblüffend modern anmutenden Spiralmuster.

Bei Hal Saflieni ist ein mehrstöckiges Labyrinth unter der Erde, als Tempel und Grabanlage (im Leib der Erdmutter ?) konzipiert. Dieses Hypogäum ist mit vielen rotfarbenen Symbolen (Spiralen über Spiralen, Schachbrettmuster) geschmückt (also Gemälde). Es enthielt die Fossilien von 6000 Toten, etwa ab der Zeit 1600 v.Chr. dort bestattet.

Sehr interessant sind die aufgefundenen 20 Figuren, die schlafende Göttinen (?) darstellen. Sind sie Darstellungen der ruhenden Erdmutter ?

 

Megalithikum auf Kanaren und Balearen

Kanaren (bezeichnet nach den vielen wilden Hunden auf einer der Inseln): Die Kanaren galten schon im Altertum als "Glückliche Inseln". Allerdings trugen auch andere Inseln diesen Namen.

Bekannt sind Grabhöhlen, Felszeichnungen, Gravuren, Ritzungen bei La Palma, Fuerte de la Zarza.

Um die von den Spaniern auf den Kanaren vorgefundenen Einwohner, die Guanchen, gibt es rätselhafte Meldungen. Die Guanchen bezeichneten sich als Reste eines ehemals mächtigen Volkes, dessen meiste Ländereien im Meer versunken sind. Sie waren hellhäutig und blond, wie man an den einbalsamierten Leichen erkennen kann. Die Guanchen wurden nach dem Brauch dieser Zeit in die Sklaverei geschickt und sonstwie ausgelöscht. Ihre Sprache soll der der Berber in Nordafrika ähnlich gewesen sein.

Balearen (bezeichnet nach seinen Bewohnern, den Steinschleuderern):

Um 1500 v.Chr. wurden auf Menorca die Taulas, Talayots und Navetas errichtet. Dasselbe gilt für Mallorca: Auf der Garriga ehemals um 1000 Menhire (Talayots, runde Steinbauten), heute nur noch 30 vorhanden.

 

Megalithikum in Nordafrika

Die in die Gebirgsregionen von Tibesti, Tassili und Atlas einwandernden Menschenpopulationen brachten bereits ein höhere Kultur mit:

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Zweiseiter, Pfeilspitzen, Harpunen und Angelhaken aus Knochen oder Elfenbein, durchbohrte Anhänger,

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mandelförmige Steingeräte,

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polierte Steinbeile, Rillenbeile,

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Malerei,

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Kunstmotive wie das Wellenmotiv, das vom Nil bis zum Atlantik verbreitet war,

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Gravierungen und Reliefskulpturen,

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vergoldete Keramik

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Jagd, Fischerei, Obstanbau, Viehzucht (Hirtenvolk wie die neuzeitlichen Peul ?).

Sie waren Meister des Steinschliffs, gute Steinbearbeiter, Maler, Felsgravierer und Töpfer (bläuliche Tonerde bevorzugt). Sie erschienen ganz plötzlich, frühestens um 7000 v.Chr. mit einer bereits höheren Kultur, und sanken allmählich auf immer niedrigere Kulturstufen ab, vermutlich wegen der Ausdörrung Nordafrikas.

Es waren verschiedene Entwicklungszentren, aus denen sie kamen, und verschiedene Einwanderungsbewegungen:

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Von Gibraltar nach Süden: Berber, Tuareg ?

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Von Marokko nach Süden, Richtung Ahaggar: Berber, Tuareg ?

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Von Guinea nach Nordwesten: Negroide ?

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Von Khartum nach Nordwesten: Äthiopier, Araber ?

 

Ab 5000 v.Chr. wurde nicht mehr bevorzugt der Jäger, sondern der Krieger dargestellt: Es kam Krieg auf. Bei allen Entwicklungszentren und Wanderungsbewegungen sind Einflüsse von Populationen Spaniens bzw. des Nahen Ostens sehr wahrscheinlich, außer bei denen südlich der Sahara.

Bei der Kultur von Khartum ab 6000 v.Chr. sind Einflüsse arabischer Völker vom Roten Meer her wahrscheinlich.

Die Ähnlichkeit der Kunstwerke des Tassili n'Ajjer mit denen von Spanien bezieht sich auf die Darstellungsart selber sowie auf die Menschen- und Gruppendarstellungen, nicht aber auf die Tierdarstellungen. Es ist wahrscheinlich, daß die Kunstrichtung der Felsmalerei und -gravur von Spanien aus sowohl nach Nordskandinavien (Komsa-Kultur) als auch nach Nordspanien ausstrahlte.

Ist es möglich, daß die brasilianischen Felsmalereien und -gravuren ebenfalls davon beeinflußt wurden ? Der zeitliche Beginn liegt überall zwischen 8000 und 5000 v.Chr., außer in Spanien und Südfrankreich, wo die Höhlenmalereien des Magdalenien schon um 14500 v.Chr. einen Höhepunkt erreichten.

Kann diese Kunstrichtung mehrfach entstanden sein ?

Um 10500 v.Chr. ritzten Bewohner der Siedlung bei Gönnersdorf am Mittelrhein um die 400 Frauendarstellungen und 200 Tierdarstellungen in Schieferplatten ein, die ihnen als Fußbodenbelag für ihre großen Hüttenzelte dienten. Erfanden sie das selber aus Langeweile oder künstlerischem Sinn, oder waren sie von Kunstwerken des früheren Magdalenien beeinflußt worden ?

Wurden Felsmalerei und -gravur an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten völlig neu erfunden ? Für die Symbole der 3-fachen Schneckenwindung, der Näpfchen und konzentrischen Kreise, die man von Irland bis zum Tassili n'Ajjer in der Sahara findet, kann man annehmen, daß sie auf einen Kulturkreis zurückgehen, und zwar die megalithisch-atlantische Kultur zwischen 5000 und 1500 v.Chr. in Europa. Würde man diese Symbole auch in Südamerika finden, wäre eine Beeinflussung von der megalithisch-atlantischen Kultur Europas her anzunehmen.

Das würde dann erklären, weshalb die Menschen im Mittelmeergebiet um Platons Zeit (400 v.Chr.) eine so gute Kenntnis vom Atlantik besaßen sowie von Amerika und seinen nach Osten vorgelagerten Inseln (siehe Atlantis-Bericht Platons).

 

Malerei oder Gravur auf Fels oder Stein, Plastiken:

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Rußland ab 35000 v.Chr. (?), schlechte Kleinplastiken bei Sungir

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Südafrika ab 30000 v.Chr. (?), Höhlenmalerei

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Deutschland ab 30000 v.Chr., gute Kleinplastiken im Lonetal

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Vom Atlantik bis nach Sibirien von 26000 bis 10000 v.Chr., oftmals recht gute Venusstatuetten aus Stein oder Elfenbein,

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Im Pavlovien Venusstatuetten vielleicht schon aus Keramik um 23000 v.Chr.

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Australien ab 20000 v.Chr., Kennif-Höhle, Koonalda, Höhlenmalerei

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Frankreich um 15000 v.Chr. mit Höhepunkt der Höhlenmalerei

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Deutschland (Gönnersdorf), Gravuren auf Schieferplatten um 10500 v.Chr.

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Spanien ab 9000 v.Chr., Malerei und Gravur auf Felswand

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Brasilien ab 9500 v.Chr., Malerei und Gravur auf Felswand

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Sahara ab 6000 v.Chr. (?), Malerei und Gravur auf Felswand

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Nordeuropa ab 5000 v.Chr. (Komsa-Kultur an der Nordküste Skandinaviens), Gravuren auf Felswand

 

Gepunzte Bilder fanden sich in Spanien, Nordafrika und Italien.

Die Rinderzeit wird auf etwa 6000 bis 1200 v.Chr. angesetzt. Die Rinderhirten besaßen anscheinend sehr große Herden, da zumindest zu Beginn dieser Zeit Nordafrika noch sehr wasserreich und fruchtbar war. In dieser Viehzüchterzeit wurde zuerst der Mensch und später dann auch das Tier künstlerisch dargestellt. Themen und Art der Darstellung sind oftmals denen des Azilien in Spanien (9000-2500 v.Chr.) sehr ähnlich.

Die Besiedlung von Kreta noch vor 9000 v.Chr. zeigt, daß es zu Beginn des Azilien schon Seefahrer gab, die auf See einfach ins Blaue hinein fuhren und sich auch behaupten konnten. Die kleine Wasserstraße von weniger als 25 km Breite bei Gibraltar war demnach für sie kein Hindernis.

Man darf die heutigen klimatischen und kulturellen Beziehungen zwischen großen Regionen nicht auf frühere Zeiten so ohne weiteres übertragen:

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Zwischen 9000 und 3000 v.Chr. gab es eine Nod-Süd-Beziehung von Spanien und Afrika.

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Zwischen 5500 und 1200 v.Chr. gab es eine Ost-West-Beziehung im Megalithikum zwischen Europa und Nordamerika.

 

Verbreitung der Kunstwerke und Siedlungen in Nord- und Ostafrika

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Die ältesten Werkzeuge fanden sich in Abessinien im Omo-Tal.

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Tassili n'Ajjer, algerische Sahara, Gebirgslandschaft

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An seinem Nordrand liegt Ouan Ti-n Bavek, dort wurden Reibstein und –platte gefunden

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Hochebene Tafilalet, im Gebirge

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Aterien Kultur um 7000 v.Chr.

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Tichitt, Mauretanien, viele Höhlen und Halbgrotten mit Beilschleifspuren

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Im Immidir und bei Meniet, Hoggar, in der Zentralsahara, an der Straße von In Salah  Tamanrasset, viel neolithisches Material, Keramik wie bei Es-Schaheinab am Nil (3000 km entfernt !)

 

Vermutung: Wanderung vom Sudan nach Westen entlang Bahr el-Ghazal

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In Guezzam, Meniet und Tilemsi: Funde von Harpunen und Angelhaken aus Knochen und Elfenbein

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Zentralsahara, Acacoos

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Tiout, Moghar-el-Tathani

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Felsbilder der Libyschen Wüste

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Tibesti im Tschad, besiedelt mindestens um 5500 v.Chr. Sehr viele und gute Felsgravuren

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Jabbaren, ein um 3520 v.Chr. bewohnter Abri, große, lange Felszeichnungen

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Höhle Ti-n-Zoumaitak

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Wadi Djerat, von Bergen umgeben Sehr viele Malereien und Gravierungen aus der jüngeren Rinderzeit, Motive wie das Zebu, die Populationen lebten als Jäger und Hirten. Zusammen mit dem Enneri Blaka am bekanntesten wegen der zahlreichen und vielfältigen Kunstwerke.

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Kultur von Khartum im Sudan ab 6000 v.Chr. eine Mischung verschiedener Rassen, dabei Einwanderer vom Roten Meer her ?

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Älteste Siedlungen im Bereich der Mittelmeerküste bei Hawa Fteah in Libyen um 5000 v.Chr.

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Es-Schaheinab am Nil, Kultur um 3500 v.Chr.

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Enneri Blaka, ein um 5000 v.Chr. bewohnter Abri, in der Republik Niger, Reibsteine, Beilschliffspuren an Felswänden

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Am Fuß des Atlas die Capsien-Kultur, bei Gafsah in Tunesien

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Kasr-Amar im Sahara-Atlas Rillenschliffdarstellungen von Tier und Mensch

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Tenere, Bearbeitung grüner Phtanite

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Meniet, Hoggar, Kultur um 3450 v.Chr.

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Einigung Ägyptens unter Menes um 3200 v.Chr., vorher aber schon Kulturen (Reiche) in Ober- und Unterägypten

 

Ausklingen des Megalithikums, Niedergang und Aufspaltung seiner Völker

Die ab 1500 v.Chr. stark ansteigende Metallverarbeitung muß den Stein als Stoff vom Leib der Erdmutter für die Megalithiker zunehmend herabgewürdigt, geradezu entehrt haben. Die Verhüttung von Erz – zuerst ja auch Stein und Leib der Erdmutter – mit den Ergebnissen von verarbeitungsfähigem Metall und Schlacke hat die Vorstellung vom Stein im Verlauf weniger Jahrhunderte total gewandelt. Er wurde von einem heiligen Stoff zu einem profanen. Kupfer, Silber und Gold glänzten, die Geräte beliebiger Art -–Artefakte – sahen viel schöner aus, wenn man sie aus Metall herstellte. Der Stein war letztlich nicht mehr heilig, die Gerätschaften daraus nicht mehr schön.

 

2500 v.Chr.: Schnurkeramik-Kultur bis 1800 v.Chr., Katakombengräber 2100 v.Chr.: Glockenbecher-Kultur, kriegerisch, bis 1800 v.Chr., Schmuck viel aus Kupfer, wenig aus Bronze, auch aus Gold und Silber, Kupferpfriemen, jedoch Pfeilspitzen aus Feuerstein. Zusammenhang mit frühesten Formen der Metallverarbeitung und Megalithkultur. Verwandt mit Chassey-Kultur und Michelsbacher Kultur. Auch Verwendung von Muschelschalen als Stempel für Keramik (Cardium-Keramik). Dieser Brauch war damals weit verbreitet in Europa, Sardinien, Sizilien und Nordafrika (siehe die Capsien-Kultur bei der Kleinen Syrte mit Ausläufern bis Marokko).

2000 v.Chr.: Ab dieser Zeit Bau von Dolmen in Nordafrika, von Berbern errichtet (?) (bei Bou Nouara, Algerien), Bau der Befestigungsanlage von Zambujal in Portugal (Hinweis auf zunehmende Kriege). Um diese Zeit schon geht die atlantische Megalith-Kultur ihrem Ende zu, besitzt aber bis 1500 v.Chr. noch weitere Höhepunkte wie in Stonehenge in England und Gagantija auf Gozo bei Malta. Ursachen des Niedergangs: Klimarückschläge, gewaltige Vulkanausbrüche zwischen 1800 und 1200 v.Chr. bei Vulkanen auf Thera (Santorin) und Sizilien, neue Agrartechniken, Verbreitung von Metallwaren, Verschwinden von Ahnenkult und Kollektivbestattung, Änderung des Totenkults, Fürstenkult nimmt zu, Religion und politisch-soziale Struktur anscheinend nicht auf die zunehmende Bevölkerungsdichte ausgelegt ...

 

1500 v.Chr.:

- - - - - -     Bronzekultur (bis 700 v.Chr.)     - - - - -

 

Bronze ist eine Legierung von Kupfer (90%) und Zinn (10%). Reger Handel mit Kupfer (aus Tirol, Salzburg), Zinn (Fichtelgebirge, Cornwall in England), Bronze und Salz.

 

Höhlenkult und Großsteine verlieren ihre Attraktion.

1500 v.Chr.:

Bildung der Völker der Kelten, Germanen, Slawen, Achaier, Illyrer (spätere Phryger) und Thraker aus der indoeuropäischen Population der Megalith-Völker beendet ?

1250 v.Chr.:

Radikale Klimaverschlechterung in Skandinavien.

1000 v.Chr.:

Kelten (südliche Nachbarn der Germanen) bis 500 v.Chr. zu starker militärischer und Kulturmacht aufgestiegen, in Eisenverhüttung führend.

700 v.Chr.:

Hallstattzeit (Ältere Eisenzeit)

Das Eisen war den Ägyptern schon um 3200 v.Chr. bekannt in Form von Meteoreisen.

Ab etwa 1500 v.Chr. verwendeten die Hethiter eiserne Waffen im großen Ausmaß.

Um 750 v.Chr. gelangte die Kenntnis zur Herstellung eiserner Waffen nach Mitteleuropa. Eines der ersten Zentren war die Gegend um Hallstatt im Salzkammergut am Ufer des Hallstätter Sees. Dort baute man auch um 750 v.Chr. schon Salz mit Pickel und Hammer bergmännisch ab. Etwa 2000 Gräber aus dieser Zeit wurden dort gefunden. Auch bei Hemishofen im Kanton Schaffhausen entdeckte man einen großen Friedhof. Burganlagen aus der Hallstattzeit fand man bei Heuneburg, Grächwil, Wittnauer Horn und Chatillon-sur-Glane.

500 v.Chr.:

- - - - -     Latene-Kultur (jüngere Eisenzeit)     - - - -

Erneute radikale Klimaverschlechterung in Skandinavien.

Aufstieg der Kelten. Der Name der Epoche kommt von La Tene am Neuenburger See (St. Blaise), Port am Bieler See. Über die Kelten liegen bereits historische Berichte von Griechen vor (Hekateios von Milet, Herodot von Halikarnassos im 5. Jahrhundert v.Chr.).

Die Kelten entstanden als Population in Ostfrankreich, Süddeutschland und Schweiz. Sie saßen an den Oberläufen von Rhein, Donau und Rhone. Von dort verbreiteten sie sich im 4. Jahrhundert auf die Britischen Inseln, Frankreich, Oberitalien, Pannonien und Kleinasien (Galater).

Um 387 v.Chr. standen die Kelten unter Brennus vor Rom. Sie schlugen das römische Heer an der Allia, einem Nebenfluß des Tibers. Sie nahmen Rom ein und besetzten die Stadt für 7 Monate.

Ein keltisches Gräberfeld aus der Zeit von 500-150 v.Chr. fand man bei Münsingen südlich von Bern. Die Kelten waren von 1000 bis 300 v.Chr. in Mitteleuropa kulturell führend, erlagen dann aber dem stetigen militärischen Druck Roms. Sie waren Eroberer, aber keine Reichsgründer. Die vielen Siege ihrer großen Zeit (4. Jahrhundert v.Chr.) vermochten sie nicht durch Reichsgründungen zu nutzen.

Kulturelles: Sehr gute Metallarbeiten (Waffen, Schmuckstücke, Geräte), Verwendung der griechischen Schrift, grausame Menschenopfer und Kannibalismus, todesverachtende Kämpfer.

Bedeutende Stammesführer der Kelten waren Divico (Helvetier), Orgetorix (Helvetier) und Vercingetorix (Arvernerfürst).

Nach Herodot entsprang die Donau (Istros) bei Pyrene im Keltenland.

Diodor (V) bezeichnet sie als hoch gewachsen, blond (seiner Meinung nach eine etwas eigenartige Haarfarbe) und protzig. Ihre Mentalität erinnert unbedingt an die der homerischen Achaier, ebenfalls auch ihr Turmschild. Sie gelten als versoffen (Bier, importierter Wein), glauben an Seelenwanderung, balsamieren die Köpfe ihrer besiegten Gegner ein, tragen Röcke oder Hosen mit dem Namen Braken. Ihre Sänger heißen Barden, ihre Priester Druiden. Weiteres siehe Diodor (V).

Die Erinnerung an das megalithische Erbe war also bei etlichen Restpopulationen schon zu dieser Zeit am Verlöschen.

 

Noch während der Zeit der Kelten drangen Stämme der Germanen von Nordeuropa nach Süden, da Blick und militärische Stoßrichtung der militärisch mächtigeren Kelten nach Südfrankreich, Italien, Balkan und Kleinasien gerichtet waren. In den Liedersammlungen, Edden und Sagas der Nordgermanen waren noch große kulturelle Erinnerungen an die megalithische Epoche erhalten. Einige Jahrhunderte später stießen die Germanen und Goten ihrerseits nach Süden vor (bis dahin hatten die Römer die Kelten schon längst als militärische Macht ausgelöscht), verließen ihre Wohnsitze in Osteuropa und slawische Stämme nahmen das frei werdende Land ein.

Rom war durch den Einfall der Kimbern und Teutonen - die von Sturmfluten aus ihren Wohnsitzen in Jütland (= Kimbrien von den eingewanderten Kimbriern ?) vertrieben worden waren - auf römisches Gebiet auf die Gefahr aus dem Norden aufmerksam gemacht worden.

Die Kimbern und Teutonen wurden 101 v.Chr. bei Vercellae und Aquae Sextiae vernichtet.

Römische Versuche zur Vernichtung einiger megalithischer Restpopulationen:

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58 v.Chr.: Germanische Stämme - unter der Führung des Suebenfürsten Ariovist - werden vom römischen Heer unter Caesar in der Absicht des Völkermordes vernichtet.

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Als die Römer Spanien erobern, vernichten sie große Restpopulationen der einstigen megalithischen Kultur.

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Kurz darauf fällt das römische Heer unter Caesar zum ersten Mal in England (Bretannike) ein und vernichtet dort zahlreiche Stämme.

 

Große Schlachten:

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52 v.Chr.: Letzter Keltenaufstand unter Vercingetorix. Die Kelten siegen gegen das römische Heer bei Gergovia in der Auvergne. 51 v.Chr.: Römer dringen erneut vor und zwingen die Kelten bei Alesia zur Schlacht. Kelten werden besiegt und sind von da an keine militärische Macht mehr.

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9 n.Chr.: Der Cheruskerfürst Arminius vermag etliche germanische Stämme zur Schlacht gegen die eingedrungenen Römer zu einen und vernichtet mit seinen Kriegern 6 Legionen (18000 Mann) der Römer. Dadurch verlieren die Römer zwar nicht die militärische Macht, aber die Lust zu einer Eingliederung Germaniens in das römische Reich.

Dadurch bleibt dieses megalithische Restvolk nach Sprache und Kultur erhalten.

In Spanien ist die Religion der Großen Göttin im Glauben an die Muttergottes noch lebendig.

 

Deutungen, Ende und Erbe des Megalithikums

Es war die Religion der großen Muttergöttin (Erdmutter = Demeter, Njörd, Große Göttin ...), als Fortsetzung der Fruchtbarkeitsstatuetten und -symbole ab mindestens 25000 v.Chr. von Westfrankreich bis Sibirien. Die megalithischen Grabbauten symbolisieren das Wiederrückführen des gestorbenen Menschen in den Mutterleib (Leib der Erdmutter). Die Grabkammer symbolisiert die Gebärmutter, der Gang zur Grabkammer den Geburtskanal.

Die Hockergräber müssen nicht unbedingt eine Fesselung der Toten aus Angst vor der Wiederkehr der Toten bedeuten, sie können auch die Bettung des Toten in der Embryo-Haltung im Mutterleib andeuten. Aber die Angst vor der Wiederkehr der Gestorbenen war weit verbreitet und gibt es ja auch noch heute. Die germanischen Sagen erzählen z.B. von dem Widergänger des Gestorbenen, der in dem Grabhügel des Gestorbenen ist und Grabschänder angreift. Der Widergänger hatte die Kraft von 12 Männern.

 

Steine, Gestein, Felsen ...: Seit 2,5 Millionen Jahren war für die Hominiden der Stein der wertvollste Stoff. Aus Stein waren die wichtigsten Werkzeuge, Geräte und Waffen. Darum wählten die Megalithiker den Stein, als Vertreter des Körpers der Erdmutter. Menhire und Dolmen waren keine Steine mehr, sondern standen für den Leib der Erdmutter, für die Seelen von Menschen, oder waren selber beseelte Hüter wie bei den Steinkreisen in Stonehenge. Möglicherweise stellen diese Kreise aus Megalithen Kreise von Priestern dar.

Weitere Symbolik der Megalithiker:

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Die Menhire stehen für Menschen, verzauberte, selige oder verdammte Menschen, sind auch Wächter (siehe Redewendungen wie versteinerter Mensch, Herz aus Stein). Oft haben Menhire Andeutungen von Augen, Armen und Halskette, dann stellen sie eine Skulptur der Erdmutter dar.

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Menhir-Kreise stellen oft tanzende Menschen, auch Jungfrauen, dar.

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Die Toten (Ahnen) sind Mittler zwischen der Welt der Menschen und der der Götter (siehe rezenter Heiligenkult der christlichen Kirchen).

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Der Künstler schafft eine Plastik aus Stein, Holz usw., und diese wird lebendig (siehe rezente Pinocchio-Phantasie).

 

Die Hauptgottheiten waren die Erdmutter (die große Muttergöttin) und Oberhimmel Erke (Er, Erech u.a.). Dieses göttliche Paar findet man eigenartigerweise bei etlichen Indianerstämmen Nordamerikas wieder mit Vater Himmel und Mutter Erde. Das kann auf die Zeit des Megalithikums zurückgehen, als in der Zeit des Atlantikums über England, Island, Grönland und Labrador eine recht leichte Seeverbindung über wikingerähnliche Schiffe möglich war. Aber dieses himmlische Götterpaar wurde auch in Regionen Ostafrikas verehrt (Leo Frobenius).

Man muß anscheinend einen eiszeitlichen Monotheismus bei vielen Völkern von Würm I annehmen, der durch Verschmelzungen von Populationen in einen Polytheismus geändert wurde. Man hatte einfach vergessen, daß einstmals - vor der Teilung von Stämmen - eine Gottheit verehrt wurde, die sich dann im Laufe der Zeit im Geist und nach Tradition wandelte.

Ein Beispiel für die Verschmelzung von ganzen Götterhimmeln sind die Wanen und Asen der germanischen Mythologie. Ein weiteres Beispiel ist die Verschmelzung von Pantheons bei den Siegen und Niederlagen bei Kriegen zwischen sumerischen Stadtstaaten. Jede Stadt hatte ihren Hauptgott und Nebengötter, und je nach dem, welche Stadt gewann, gewann auch die betreffende Gottheit oder das betreffende Pantheon. Dann verschmolzen die Pantheons mit der entsprechenden Hierarchie der Götter. Der Sieger war natürlich immer der Größte.

Um 4000 v.Chr. gab es vielleicht noch den Glauben an einen alleinigen Gott, Wakan Tanka, Poseidon, Thor, Jahwe ...

 

Die weit ausgebreitete megalithische Kultur, die vielleicht alle Völker um den Atlantik nördlich des Äquators umfaßte, ging sicher nicht nur durch klimatische Katastrophen zugrunde, sondern auch durch inneren Verfall. Es ist anzunehmen, daß der innere Verfall den Klimakatastrophen vorausging, denn es ist eigentlich unverständlich, warum sich das Megalithikum nicht dort hielt, wo das Klima weiterhin günstig war, also z.B. in Frankreich.

Zahlreiche Gebräuche und Vorstellungen des Megalithikums müssen mesolithisch gewesen sein der Art, daß Schamanismus und Magie eine vernünftige Weiterentwicklung behinderten.

Ob sie eine Religion voll Kampf und Krieg wie die germanische Mythologie war, wissen wir nicht. Vermutlich ist die germanische Mythologie eine Umformung der megalithischen, als Antwort auf die abnehmende Kraft der mesolithischen magisch-schamanistischen Vorstellungen (was den Zerfall dieser atlantischen Kultur bewirkte) und die Klimaverschlechterung in Nordeuropa (die das Verschwinden der megalithischen Kultur bewirkte).

 

Man kann jede überlieferte Religion lächerlich machen und ihre Glaubensbasis zerstören. Die Anleitung dazu gaben die Sophisten in Hellas, als sie wegen ihres Insistierens auf den Mängeln und Ungereimtheiten ihres Pantheons (mit den wesentlichen Quellen der Genealogie der Götter des Hesiod und der Werke Homers) den Glauben an die alten, lichtvollen Gestalten der achaiischen Himmels- und Berggötter systematisch und mit Genuß zerstörten. Die Erinnerung daran hielten Philologen und Dichter in Redewendungen lebendig wie etwa Johann Wolfgang von Goethe in "Faust I": "Du bist und bleibst ein Lügner und Sophiste."

 

Religionen sind immer den Bedürfnissen der Menschen, den Weltmodellen, dem aktuellen Wissen und den Sinnschöpfungen für Realität, Leben und Zivilisation anzupassen.

Der mesolithische Mensch konnte dann nicht viel mit Begriffen wie Gnade, Verzeihung, Aussöhnung, Milde usw. anfangen, wenn man ihm von Jugend an eintrichterte, daß solche Regungen als unmännlich und verschroben gelten und eher als Verbrechen denn als Tugend eingestuft werden.

In den ältesten Sagen und Mythen schimmern die mesolithischen Vorstellungen durch, daß Selbstjustiz und Blutrache Pflicht seien.

Uraltsymbole stammen aus Epochen, die von Not, Krieg, Überlebenskampf, Haß usw. stark bestimmt waren. Da sie viele Jahrtausende alt sein können wie Spirale, Kreuz, Rad, konzentrische Kreise mit zentralem Näpfchen, Hakenkreuz und Pentagramm, Zickzacklinien, Kammzeichen usw., kann von ihnen schon eine psychisch unheilvolle Macht ausgehen, solange noch Reste von Wissen um ihre einstige Bedeutung vorhanden oder rückerrechenbar sind.

 

Folgerungen aus dem Untergang des Megalithikums

Der mesolithische Kampf der Menschen gegeneinander sollte durch den bewußten Kampf gegen lebensbedrohende und lebensvernichtende Naturprozesse ersetzt werden. Das ist besonders wichtig für spätere Zeiten, wo viele Menschen in künstlich-technischen Lebensinseln wie Weltraumstationen, Mondbasen oder Großraumschiffen irgendwo im planetaren Weltraum leben werden.

Die Bewohner der Wüstengegenden, besonders Nordafrikas, sind die großen Verlierer. Ihr Schicksal nimmt das Schicksal der ganzen lebendigen Schöpfung vorweg, wenn die Oberflächengewässer der Erde in etwa 800 Millionen Jahren zunehmend verdampfen werden, wegen der ansteigenden Strahlungsleistung der Sonne auf ihrem Weg zur Entwicklung zum Roten Riesen in 5 Milliarden Jahren.

Vor über 5000 Jahren brach die Katastrophe über Nordafrika herein, die Vorboten zukünftiger Austrocknung und Überhitzung zeigten sich mindestens vor 7000 Jahren, als die Paradiese Nord- und Südafrika nicht mehr die Regenmengen des vorherigen Pluvials erhielten und nur noch von ihren riesigen Wasserreserven lebten. Vor 7000 Jahren mochten sich die ersten kleinen Sandwüsten bilden, inmitten eines sonst fruchtbaren, riesigen Parks. Heute ist es genau umgekehrt: Die Oasen sind winzige Lebensinseln inmitten einer lebensfeindlichen Sand-, Stein- und Gluthölle.

 

Über die zu unserer Zeit in der Entwicklung befindliche Solartechnik könnte man gerade die Energien, die die Ausdörrung Afrikas bewirken, für die Energieversorgung aller Nationen der Erde und eine Wiederbelebung Nordafrikas verwenden, indem man große Mengen an Meerwasser an der Küste entsalzt und durch Pipelines ins Innere bringt, wobei die benötigte Energie durch Solarenergie geliefert wird. Technisch ist das machbar. Ganz allmählich anfangend, könnte man über viele Menschenalter hin ein Netz von Pipelines für den Wassertransport ins Innere aufbauen.

5000 Jahre nach der schnellen Zerstörung der nord- und südafrikanischen Paradiese hätten wir heute die technische Möglichkeit, diese Paradiese wieder zum Leben zu erwecken, - wenn nicht die sittliche Reifung des Menschen der technischen Reifung hinterher hinken würde.

Das Böse im Menschen verhindert so ein selbstverständliches Projekt.

Nicht nur ist es so, daß die Mächtigen und Reichen ihr Geld lieber für große Paläste und eigenen Triebbefriedigung ausgeben, sondern wenn sie es auch für die Wiederbelebung Afrikas ausgeben würden für den Bau großer Meerwasserentsalzungsanlagen, Sonnenenergiekollektoren, Sonnenbatterien und Pipelines für Wasser, würden Feinde von innen oder außen gerade die Lebensadern bevorzugt als Ziele ihrer Angriffe wählen. Und wer kann über Tausende von Kilometer hin die Wasseradern hinreichend schützen.

Quintessenz der Folgerungen aus dem Untergang des Megalithikums:

Unter Einsatz aller Kräfte sind lebendige Schöpfung, Vernunft und Zivilisation in unserem Sonnensystem über möglichst große Zeiträume hin zu bewahren, zu schützen, höher zu entwickeln und zu verbreiten, gegründet auf Naturwissenschaft, Vernunft, Supertechnik, Superzivilisation, „Superethik“ ... Um Naturgewalten zu bändigen, die erdweit vernichtend wirken können, bedarf es einer Supertechnik, die dem Menschen die entsprechende Macht verleihen würde. Aber der Mensch hat das Böse in sich. Er wird ganz zwangsläufig die Supermaschinen der Superzivilisation so mißbrauchen, wie er das bisher auch getan hat. Das Böse steckt eben im Menschen immanent in den Genen.

Nur und nur dann, wenn man das Böse mit Hilfe der Supermaschinen der Superzivilisation aus dem Genom des Menschen entfernt, befreit man den Menschen davon, als Bestie wüten zu müssen.

Also werden es nicht die natürlichen Menschen sein, die letzten natürlichen Hominiden, sondern künstlich-technisch erschaffene humanoide Vernunftwesen (= Androiden), die das Sonnensystem erforschen und sich darüber ausbreiten werden. Menschen bedeuten Tod und Vernichtung, Androiden Leben und Paradiese ohne Ende.

 

 

3.13  Ägyptens und Mesopotamiens Frühzeit

 

Es gibt über Ägypten sehr gut bebilderte und dokumentierte Bücher, die bei einem Gang durch die nächste Stadtbibliothek sicher zu finden sind. Dasselbe gilt für Sumer.

Besonders interessant sind die Wechselbeziehungen zwischen den Bewohnern der Täler von Nil, Euphrat, Tigris und Niger sowie der Gebiete um das nahe Mittelmeer.

Bevor die Populationen der Regionen dichter wurden, war die mittlere Weglänge (Wanderungsreichweite) der nomadischen Völker und der reisenden Händler bedeutend größer als nachher. Das entspricht ziemlich genau dem Tatbestand in der kinetischen Gastheorie, daß die mittlere Reichweite der Moleküle bis zum Zusammenstoß mit dem nächsten Molekül bei wachsender Gasdichte abnimmt und die Vermischung langsamer erfolgt.

Solange keine ausgeprägten Landesgrenzen existierten, war die Beweglichkeit der Reisenden zwischen Kulturbereichen größer. Je intelligenter die Reisenden waren, je wissender und erfahrener, um so leichter und weiter konnten sie zu den verschiedensten Völkerschaften kommen. Zollbeamten und Schlagbäume, die die Reichsgrenzen festlegten, gab es ja vor Gründung der Stadtstaaten nicht.

 

Nachweisen kann man am Nil die Anwesenheit von Menschen seit über 10000 Jahren, allerdings nur da, wo nicht die Schlammablagerungen des Nils über die Jahrtausende meterdicke Schichten bildeten. Aber an höher gelegenen Stellen der Nilufer konnten Geräte und Waffen aus Stein gefunden werden.

Im Vorderen Orient kann man die Besiedlung durch Menschen seit viel längeren Zeiträumen nachweisen, ebenso ab 8800 v.Chr. die Entwicklung neolithischer Techniken.

Gleichzeitig mit der äthiopischen Kultur von Khartum am Nil im 6. Jahrtausend v.Chr. bildeten sich auf der arabischen Halbinsel - ausgehend von den neolithischen Kulturen wie etwa in Qal'at Djarmu - den Flußläufen aufwärts folgend Weiler und Dorfgemeinschaften wie bei Umm Dabaghiyya südöstlich von Mossul.

Ab 5000 v.Chr. bildeten sich in Samarra und Sawwan Kulturen heraus, die eine ganz eigene Keramik und Bemalung der Gefäße entwickelten.

Mesopotamien erscheint im 5. Jahrtausend als bedeutend fortgeschrittener als das Niltal in seiner ganzen Länge von über 6000 km, von Uganda bis zum Mündungsgebiet.

Die Frauenstatuetten der Hassuna-Kultur von Sawwan in Mesopotamien, die häufig und typisch für diese Kultur im 6. Jahrtausend v.Chr. sind, gehen bis in das 7. Jahrtausend v.Chr. zurück und erinnern sehr stark an die Frauenstatuetten fast 20000 Jahre zuvor.

So etwas findet man aus der vordynastischen Zeit des ganzen Niltales nicht. Die im Niltal gefundenen Kunstobjekte datieren ab 4000 v.Chr., also Jahrtausende später als in Mesopotamien.

 

Es gab sehr wahrscheinlich eine sehr enge Beziehung zwischen dem Oberen Ägyptischen Reich und der Rinderhirtenkultur der Sahara bis 3500 v.Chr., vielleicht repräsentiert durch den Apis-Stier – siehe die Große Kuh von Tinterhert (Tassili n'Ajjer) in der algerischen Sahara. Das ist eine in den flachen Bodenfelsen eingravierte Kuh (Gesamtlänge 5,1 m), mit zahlreichen eingravierten megalithischen Symbolen: viele Spiralen und "Achterbahnen", Näpfchendarstellungen mit konzentrischen Ringen oder Spiralen umgeben, Mehrfachspiralen). Diese Symbole bedeuteten in Nordafrika nicht nur Fruchtbarkeit, sondern auch Wasser - die dringende Bitte an göttliche Mächte nach mehr Wasser. Ganz in der Nähe fand sich das ockerfarbene Bild des "Abbessiniers von Jabbaren".

Es ist durchaus möglich, daß es Menschen dieser Rasse (arabisch-berberisch mit ausgeprägtem Bart, nicht vorragendem Unterkiefer) waren, die dort die Ausdörring ihrer früher so fruchtbaren Heimat miterleben mußten und nun in allerhöchster Not noch einen letzten großen magischen Versuch machten, die Abtötung ihrer Heimat und ihres Volkes durch die Dürre zu verhindern.

Nachdem ihnen das nicht gelungen war, zogen sie dann um 3500 n.Chr. nach Norden oder nach Westen, zum Rettung verheißenden Niltal. Die Darstellungen der Ägypter und Libyer weisen auf den ägyptischen Reliefs einen ausgeprägten Bart auf.

Die gravierten, reliefartigen Felszeichnungen im südlichen Ägypten (Nubien) kann man zeitlich noch nicht genau einordnen. Möglicherweise geben sie an, woher ein wichtiger Teil der ägyptischen Kultur und Population kommt.

 

Die vom indischen Subkontinent her (aus dem Bereich zwischen Mohenjo Daro und Angkor-Vat) nach Mesopotamien einwandernden Sumerer - zwischen 4000 und 3500 v.Chr. - fanden bereits eine hochstehende Kultur mit den Techniken des Neolithikums und Städten vor (El Obeid-Kultur, Ausgräber: Leonard Woolley).Sie kamen vermutlich auf Schiffen vom indischen Subkontinent her, irgendwie nach Völkern und Kulturen verwandt mit denen von Mohenjo Daro bis Angkor Vat, wenn auch diese speziellen Orte erst später zur Blüte kamen.

 

Eine Einwanderung arabischer Völker über das Rote Meer her nach Ägypten ist für 3500 v.Chr. nachgewiesen. Die Kulturen in Mesopotamien und Niltal standen von 7000 bis 3000 v.Chr. in gewisser Wechselbeziehung und gaben sich gegenseitig Entwicklungshilfen. Der Kult um den Himmelsstier in Sumer und der Stiergott auf der Schminkpalette von Narmer in Ägypten ist gewiß kein bloßer Zufall, sondern durch eine Kulturverbindung dieser beiden Regionen entstanden.

 

Ab 3000 v.Chr. wurden dann anscheinend recht schnell die Grenzen zwischen den beiden großen Kulturbereichen geschlossen.

 

Eine Tradition mit bedeutend größerem Alter wird der Seelenvogel in der Religion der Ägypter sein. Die alten Ägypter glaubten an die unsterbliche Seele des Menschen - sein Ka. Dieser Glaube verbindet sie und viele Gläubige heutiger Zeit mit den Vorstellungen der Neandertaler vor 75000 Jahren. Nach dem ägyptischen Glauben fährt die Seele des Verstorbenen in einen Vogel ein - den Seelenvogel (Sumer: Der Verstorbene erhält ein Flügel-Feder-Gewand wie ein Vogel). Nach einiger Zeit kehrt die Seele aus dem Seelenvogel in den Körper zurück – wenn er gut erhalten ist. Ist der Leichnam zu schlecht erhalten, hört die Existenz der Seele auf, weil sie in den alten Körper nicht zurückkann. Daher rührten die enormen Anstrengungen der Ägypter, den Körper der Toten gut zu erhalten. Die Einbalsamierung der klassischen Zeit dauerte 30 bis 70 Tage.

Auch die Sumerer hatten die Vorstellung, daß der Tote ein Vogelgewand anlegt (Gilgamesch-Epos). Und dasselbe steht in der Odyssee, da wo Odysseus am Hadeseingang den Geist des toten Sehers Theiresias beschwörn will: "... und die Seele flattert davon."

In der Höhle von Lascaux künden in der Szene, wo der Stier mit aufgeschlitztem Bauch den Menschen angreift, der vogelartige Kopf des Angegriffenen und der Vogel auf der Stange davor sehr wahrscheinlich vom selben Glauben - 12000 Jahre früher !

Nicht nur diese Vorstellung findet man bei indoeuropäischen und hamitischen Völkern gemeinsam, noch aus frühester Zeit. Auch die Vorstellung in der germanischen Mythologie, daß das verzehrte Tier am nächsten Morgen wieder "aufersteht", wenn man seine Knochen vollständig in sein Fell hüllt und liegen läßt, findet sich in der hamitischen Tradition (Leo Frobenius: "Madsimu Dsangara"). Es ist gut möglich, daß es vor 17000 Jahren einen geschlossenen Kulturbereich von Südfrankreich (Nordeuropa lag unter Eis !) bis Südafrika gegeben hat.

Für die Sumerer war der Skorpion ein Symbol des Schreckens (Skorpionmenschen im Gilgamesch-Epos !). Noch vor Narmer und Horus soll in Ägypten der sagenhafte König Skorpion geherrscht haben. Gibt es da einen Zusammenhang ? Hatte er die Grenzen zu ausländischen Kulturen dicht gemacht und die Sumerer nachhaltig verschreckt ?

Wegen ihres Glaubens an die Seelenwanderung und vielleicht noch aus anderen Gründen waren die Ägypter sehr tierlieb – siehe die Tierliebe der Buddhisten eben auch wegen dieses Glaubens an eine Seelenwanderung. Katzen erfreuten sich einer besonderen Wertschätzung. Die tierhäuptigen Göttergestalten der Ägypter erinnern an eine Erzählung in Bildern von Walt Disney.

Leichen und Grabbeigaben kennt man seit 5000 v.Chr., oft gut erhalten im Wüstensand, die Leichen von der trockenen Luft und Hitze auf natürliche Weise konserviert. Von dieser Zeit an kennt man sowohl in Ober- als auch in Unterägypten die Bestattung der Toten in Hockerstellung.

In Unterägypten fand man als Grabbeigaben Keramik und Schminkpaletten, die Toten mit dem Gesicht nach Osten.

In Oberägypten wurden die Toten in Ziegenfelle und Matten gewickelt, das Gesicht nach Westen, dabei noch Keule, Pfeil und Bogen.

Man kann also sagen, daß entlang des Nils unterschiedliche Völker mit recht unterschiedlichen Begräbnissitten lebten. Nach den Gemälden kann man im Norden Ägyptens ein rothäutiges Volk annehmen, im Süden Niloten und Restpopulationen von Pygmäen.

Sehr alte Gräber fand man auch in Negade, Oberägypten. Im Wüstensand stieß man auf ein 50 m langes Gebäude mit Grabkammer und Nebenkammer, die als Tempel benutzt wurde. Funde bei Negade, el-Amrah, Gerzeh und el-Semaineh führten zur Definition danach benannter Kulturstufen.

Um 4250 v.Chr. entstanden die ersten Dörfer im Niltal. Ackerbau, Töpferei, Sicheln kamen auf, 2000 Jahre später als in Mesopotamien und 4000 Jahre später als im Bereich Libanon bis Iran.

 

Die Kulturstufe Negade I (Amratien) setzt man für den Zeitraum von 4000 bis 3500 v.Chr. in der spätneolithischen (prädynastischen) Zeit Ägyptens an. Sie ist gekennzeichnet durch längliche Tongefäße mit eingeritzten Zeichnungen von Tieren, die gut ausgeführt und poliert sind, und geometrische Muster, die vielleicht das Korbgeflecht nachahmen sollen.

Die geometrischen Muster findet man auch bei den frühen Tongefäßen Mesopotamiens der Halaf-Kultur im 5. Jahrtausend v.Chr., sogar auch auf Kreta um 2500 v.Chr. zusammen mit Spiralenmustern. Auch das Gänseblümchenmuster (Sonnensymbol ?) der Halaf-Kultur um 4800 v.Chr. findet man 3000 Jahre später auf Tonvasen Kretas der mittelminoischen Zeit wieder.

Studien an Skelettfunden weisen für Oberägypten einen klein gewachsenen Menschenschlag mit länglichem Gesicht aus, die Gemälde weisen auf starken Bartwuchs hin.

Die Schädel der Menschen in Oberägypten waren etwas länglich, die der in Unterägypten (Delta) gerundeter.

In Oberägypten war die Keramik höher entwickelt, in Unterägypten die Technik der Grabanlagen.

 

Danach kommt Negade II (Gerzeen) mit den bis dahin gängigen Gefäßen und Bemalungen, aber es kommen neue Muster hinzu: Boote, Flamingos, Strauße. Die früher abgebildeten Tiere waren Schlangen, Nilpferde und Löwen. Es kommen Steingefäße aus Basalt, Syenit, Granit, Porphyr, Serpentin und Diorit auf.

In Mesopotamien gab es bereits im 6. Jahrtausend v.Chr. eine Vielfalt von Schalen, Töpfen und Vasen aus Alabaster (Hassuna-Kultur von Sawwan und Umm Dabaghiyya).

Am Ende der prädynastischen Zeit wird in Ägypten ebenfalls Alabaster als Rohmaterial für Gefäße bevorzugt, zusätzlich noch zartrosa Kalkstein. Diese Gefäße verdrängen bei den wohlhabenderen Schichten sehr stark die Tongefäße.

Negade II endet etwa um 3000 v.Chr. mit den prädynastischen Königen Skorpion, Narmer und Horus.

 

Manche Ägyptologen (wie E.J. Baumgartel) meinen, daß um 3500 v.Chr. Einwanderer von der arabischen Halbinsel über das Rote Meer nach Ägypten gelangten und die Negade II-Kultur schufen.

Ab 3300 v.Chr. gab es 2 Königreiche im schmalen Niltal, die sich für Jahrhunderte heftig bekriegten. Das schlug sich wahrscheinlich in dem späteren Pantheon nieder im Kampf zwischen den jungen Göttern Horus (Oberägypten) und Seth (Unterägypten).

Ermordung und Auferstehung von Osiris, sicherlich sehr eng verwandt mit dem Dumuzi-Tammuz-Kult in Sumer, symbolisierten die Jahreszeiten und den Kreislauf von Leben und Sterben. Von hier bezogen antike Religionsschöpfer ihre Vorstellungen von Seele, Leben nach dem persönlichen Tod und Auferstekung von den Toten.

 

Die Einigung der beiden feindlichen Reiche wurde vielleicht um 3100 v.Chr. durch Narmer (= Menes oder Narmer-Menes) mittels Krieg herbeigeführt. Er war König von Oberägypten mit seiner Hauptstadt Nechem (Hierakonpolis war ihr Name in der späteren hellenischen Geschichtsschreibung). Die Hauptstadt des Nordreiches war Buto. Narmer ist eine historisch faßbare Persönlichkeit. Mit ihm beginnt Ägypten. Die vor ihm lebenden Könige sind Sagenfiguren wie der König Skorpion. Die Einigung Ägyptens war ein bewußt herbeigeführter, willentlicher Akt. So wurde an der Grenze zwischen den ehemaligen feindlichen Reichen Memphis gegründet als die neue Hauptstadt des neuen Ägyptens (z.Z. der 1. Dynastie).

Da man annimmt, daß die Könige der ersten beiden Dynastien (3100-2890 v.Chr. und 2890-2686 v.Chr.) aus This nahe Abydos stammten, nennt man diese Epoche auch die Thinitenzeit.

Danach beginnt das Alte Reich, das klassische Ägypten mit der 3. bis 6. Dynastie.

 

Interessant ist die Entwicklung der Schminkpaletten bis zu König Narmer. Es beginnt mit Votivgaben an Kultplätzen und in Gräbern, wobei diese Schminkpaletten in geometrischen Formen aus Schiefer gearbeitet sind. Dann wird für die Schminkpaletten die Tierform bevorzugt, und am Ende der prädynastischen Zeit werden die Schminkpaletten - immer noch aus Schiefer - reliefartig verziert.

Gleichzeitig findet man Geräte aus Knochen und Feuerstein, aber auch schon aus Kupfer.

An Schmuck gibt es kleine Gegenstände oder Verzierungen aus Gold, Glasperlen, Halsketten, Türkise, Karneol und Elfenbein.

Ein Geschenk an die Nachwelt ist die Schminkpalette von König Narmer. Sie wurde in Nechen (Hierakonpolis) gefunden und ist heute im Ägyptischen Museum in Kairo zu besichtigen. Sie gehört in die Thinitenzeit, 1. Dynastie um 2950 v.Chr. der Frühzeit. Die Palette wurde fein aus Schiefer gearbeitet, reliefiert und poliert. Schon zu dieser Zeit macht die Kunst einen vollendeten Eindruck !

4 Stierköpfe und ein ganzer Stier im Relief erinnern an den Himmelsstier der Sumerer, die um 3200 v.Chr. (Bestimmt kein Zufall !) Staatsgebilde und Schrift zu entwickeln begannen.

Auf den beiden Seiten der Palette ist der König mit unterschiedlichen Kronen Oberägyptens abgebildet. Eine von ihnen trägt eine Spirale, das Symbol, das bei den Megalithen eine Hauptrolle spielte. Auch der Falke (Horus) ist mehrfach abgebildet, einmal so groß wie der Stier - beide sind Sinnbilder von Gottheiten oder Erscheinungsformen des Königs.

Auf der Palette sind mehrfach Kriegshandlungen angebildet. König Narmer holt zum Schlag gegen einen vor ihm halb liegenden Feind aus, auf der anderen Palettenseite marschiert er auf eine Doppelreihe von 10 geköpften Feinden zu, denen ihre Köpfe zwischen die Füße gelegt wurden.

 

Die Pyramiden Ägyptens

Gegenüber Memphis bei Kairo liegt in der Wüste ein frühes Begräbniszentrum. In Heluan, Sakkara, fand man eine unterirdische Grabanlage mit 825 kleinen Einzelgräbern. Die Leichen waren noch nicht einbalsamiert. Sie lagen in Holzsärgen. An Grabbeigaben fand man Salblöffel, Schminktöpfe, Schmuck aus Elfenbein und Tonbehälter.

Bei Sakkara fand man auch eine Stufenpyramide von Pharao Djoser (Zoser) aus Kalksteinen. Sie ist 60 m hoch und enthält eine Grabkammer. Erbaut wurde sie von einem Baumeister mit Namen Imhotep. Nach Entfernen des Sandes fand man noch 30 weitere kleine Pyramiden und eine Stadt.

 

Die Pyramiden von Gizeh:

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Pharao Snefru war der nächste Pyramidenbauer. Er ließ 2 Pyramiden bauen und ließ sich in der größeren bestatten mit 148 m x 148 m Grundfläche und 98 m Höhe. Dabei war ein Totentempel.

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Sein Sohn Cheops baute die größte Pyramide mit 233 m x 233 m Grundfläche und 146 m Höhe. Jeder der verbauten 2,5 Millionen Steine wiegt 2,5 t.

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Die Pyramide von Chephren wurde noch 136 m hoch und bekam eine Prozessionsstraße, von Sphinxen flankiert.

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Die Pyramide von Mykerinos wurde 62 m und die von Chamet 30 m hoch.

Insgesamt wurden 69 Pyramiden erbaut.

 

Das ägyptische Reich

Bis 3100 v.Chr. kann man einen mäßigen, aber stetigen Kulturaustausch zwischen den Regionen des späteren Sumer und Ägypten annehmen. Vom Zeitpunkt der Reichsgründung an - unter dem historischen König Narmer um 3100 v.Chr. - sind die beiden Reiche Unter- und Oberägypten vereint worden. Seit dieser Zeit trugen die Pharaonen die Staatsinsignien beider Reiche:

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Unterägypten (Delta, Nordägypten):

Kobraschlange als Göttin Wadjet, verehrt in Buto und Symbol des Deltas, Lilie als Wappen, Krone des Königs die rote Haube,

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Oberägypten (südliches Ägypten):

Geier als Göttin Nechbet, Pypyrusstaude als Wappen, Krone des Königs die weiße Tiara.

Das dynastische Ägypten hatte eine sehr starke Klassenordnung, der Pharao galt als Gottkönig und war für das gemeine Volk nicht erreichbar. Die praktische Staatslenkung lag in den Händen eines Wesirs, dem eine Unmenge von Staatsbediensteten unterstand.

Die Verwaltung war etwas dezentralisiert: Unterägypten war in 16 Verwaltungseinheiten (Gaue) eingeteilt, Oberägypten in 22.

Der normale Bauer war fast recht- und besitzlos, nicht weit von der Stufe eines Sklaven entfernt, und laufend den Betrügereien und Willkürlichkeiten der Hofschranzen und Verwaltungsbeamten ausgesetzt.

Die Feldmeßkunst kam in Ägypten zu hoher Blüte, weil nach den jährlichen Überschwemmungen durch den Nil eine dicke Schlammschicht auf die Felder kam und die Grenzmarkierungen verrutscht oder zerstört oder bedeckt wurden. Die staatlichen Feldmesser setzten die Grenzmarkierungen neu, und das war eine stetige und zunehmende Quelle für Bestechung, Betrug, Landraub, Gemeinheiten jeder Form ...

Die Regierungszeit von Ramses II (1301-1234 v.Chr.) brachte Ägypten seinen kulturellen und militärischen Höhepunkt. Mit seinem Nachfolger Merenpthah (1234-1220 v.Chr.) beginnt der Abstieg Ägyptens. In seiner Regierungszeit soll der Auszug des Volkes Israel aus Ägypten erfolgt sein (s.u.).

 

Zeitrechnung und Kalender

Die Ägypter kannten mehrere Kalender:

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Nach dem Wiedererscheinen des Sirius (= Sotis oder Hundsstern) am Horizont vor Sonnenaufgang zwischen dem 19. und 21. Juli sagten die Priester das Kommen der Nilüberschwemmung voraus. In dieser Zeit traf die Flut in Heliopolis (gräzisierter Name) ein. Das Erscheinen der Flut lieferte eine definierte Zeitmarke und war der Anfang des Jahres, das auf 365 Tage gerechnet wurde.

 

Da 365 mal 24 Stunden (synodische Rechnung) um 6 Stunden kürzer sind als das reale Sonnenjahr, gab es jedes Jahr eine entsprechende Verschiebung, und nach 1460 Jahren (Sotisperiode) lag der Anfang des Jahres wieder beim heliakischen Frühaufgang des Sirius (der siderische Tag ist 4 Minuten kürzer als der synodische).

 

Es ist bestimmt kein Zufall, daß die antiken Kulturen Südostasiens und die Südamerikas ihre Kalender um 3000 v.Chr. beginnen ließen (Ägypten etwa bei 2937 v.Chr.).

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Nach dem Wechsel der Mondphasen definierten die Ägypter 1 Jahr mit 12 Monaten zu je 30 Tagen, zusätzlich noch 5 Tage pro Jahr, für die Bestimmung der Festtage. Auch hier waren kleinere Korrekturen notwendig.

Um 305 v.Chr. hat der Priester Manetho eine Zeittafel der Dynastien Ägyptens erstellt, die zum großen Teil heute als Grundlage dient.

 

Kultur und Stufenpyramiden Sumers

Um 8800 v.Chr. beginnen Jäger und Sammler in vereinzelten Regionen des Vorderen Orients mit Ackerbau und Viehzucht, Hüttenbau und Anlage von Dörfern. Das Zentrum der entstehenden neolithischen Kultur liegt im nördlichen Mesopotamien, einige Dutzend Kilometer nördlich der Quellflüsse von Euphrat und Tigris. Diese Kulturen breiten sich aus, vor allem den Flußläufen entlang. Zunehmender Wohlstand setzt Kräfte frei für künstlerisches Schaffen.

In den Gräbern werden ab 7000 v.Chr. plump wirkende, kleine Statuetten beigelegt, die Muttergottheiten symbolisieren können, aber auch Ersatzmütter für verstorbene Kinder. Diese kleinen Figuren aus Alabaster werden für die HassunaKultur im 6. Jahrtausend v.Chr. typisch, wie auch Schalen, Töpfe und Becher hoher Formvollendung, ebenfalls aus Alabaster.

Ab 5000 v.Chr. wird die Samarra-Kultur datiert. Die Keramik wird ohne Töpferscheibe aus sandigem Ton hergestellt und fachmännisch gebrannt, Schalen- und Schüsselformen werden bevorzugt. Die Bemalung mit einer Mischung aus geometrischen Mustern und stilisierten Tierfiguren wirkt modern.

Die Keramik der Halaf-Kultur, die einige Jahrhunderte später beginnt, ist durch eine reichhaltige Keramik gekennzeichnet. Teller, Schalen, Schüsseln, Vasen, Pokale usw. werden in vielfältigen Formen mit reicher Bemalung hergestellt. Manche Muster findet man etliche Jahrtausende später bei der minoischen Keramik wieder. Die Keramik der Halaf-Kultur zeigt oft eine reine Bemalung mit geometrischen Mustern in Reihen- oder Schachbrettanordnung.

Zu dieser Zeit gibt es in dem großen Stromtälern schon zahlreiche Dörfer und Bewässerungssysteme über Kanäle.

Ab 4500 v.Chr. soll es dort auch schon erste Städte gegeben haben.

Ab 4000 v.Chr. kommt die Töpferscheibe in Gebrauch.

In der 1. Hälfte des 4. Jahrtausends kommen gänzlich neue Kunstformen auf, wie Schiffsmodelle und Tierfiguren aus Terrakotta. Um diese Zeit setzt man die Einwanderung der Sumerer in das schon vor ihrer Ankunft kultivierte Mesopotamien an. Es beginnt (um 3200 v.Chr. ?) die Epoche der sumerischen Kunst, mit kunstvoll gearbeiteten Statuetten, Tierfiguren, Kannen, Stempelsiegeln und Rollsiegeln.

Die Entwicklung der Schrift beginnt etwa um 3300 v.Chr., um 2900 v. Chr. liegt bereits eine kunstvolle, entwickelte Schrift vor.

Schon um 3300 v.Chr. gibt es Städte mit Verteidigungsanlagen, Tempeln, Häusern und Bewässerungssystemen im Umland.

Um 3000 v.Chr. haben sich die für Sumer typischen Stadtstaaten gebildet und die sumerische Stadtkultur ist bereits voll entwickelt. Zu dieser Zeit kommt die Verarbeitung von Kupfer und Bronze auf. Es beginnt die Entwicklung der Keilschrift aus der Bilderschrift.

Die Entwicklung der Form der Stufenpyramiden soll sich rein aus der Verwendung der ungebrannten Lehmziegel als Baustoff ergeben haben. Da es nahebei keine Wälder und Berge gab, waren Holz und Steine nicht verfügbar, das Brennen großer Mengen von Ziegel für Tempelbauten zu "teuer". Da die Tempel aus Lehmziegeln keine lange Lebensdauer hatten, mußte man sie recht bald wieder erneuern. Dazu ebnete man die alten Tempel ein, was ein Podest ergab, und darauf wurden die neuen Tempel erbaut, etwas massiver. Im Laufe der Jahrhunderte wuchs so der Tempel immer höher, das Podest wurde immer größer, an Höhe und Durchmesser. Die Terrassenform dieses Podestes ergab sich danach auch rein aus technischen Gründen.

Nachdem erst einmal das Konzept der Stufenpyramide mit aufgesetztem Tempel auf der obersten Plattform vorlag, diente sie als Bauvorschrift für künftige Kultplätze. Da man eine ähnlich unbeabsichtigte, ganz zufällige Entwicklung der Pyramidenform in Ägypten ansetzt, entstehen an dieser Deutung etliche Zweifel. In Ägypten begannen die Pyramidenbauten mit dem Beginn des Alten Reiches (auch Beginn der 3. Dynastie) um 2628 v.Chr. unter Pharao Djoser, und gerade zu dieser Zeit scheint auch der Kultbau der Stufenpyramide in Sumer entwickelt worden sein. Hier dürfte eine wechselseitige Beeinflussung - nach anfänglich zufälligen Entwicklungsprozessen - wahrscheinlicher sein. Vermutlich hat irgendeiner irgendwen nachgemacht.

Es wird hier empfohlen, Literatur über Sumer zu konsultieren.

 

Die Thora als wichtigstes Element von Juden, Christen und Moslems zeigt große Partien aus Legenden, die über Jahrtausende in Niltal und Mesopotamien in Umlauf waren:

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Sumerischen Ursprungs: Sage von der Sintflut, Königslisten ... in der Thora, Erinnerungen an Sumer mit Mondgott Nannas Stufenpyramide in UR, Gespräche mit sumerischen Königen wie Abimelech

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Babylonischen Ursprungs: Die über 500 Gebote in der Thora, vermutlich übernommen von den Gesetzen des Hammurabi.

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Ägyptischen Ursprungs: Eingott-Lehre des Pharao Echnaton (Amenophis IV). Sein treuester späterer Schüler war der Moses der Thora. 

Der Ausgräber Leonard Woolley meldete in Ur eine dicke Lehmschicht, die in die Zeit um 4000 v.Chr. datiert wurde und neolithische Schichten bedeckte. Hier hatte eine große Überflutung stattgefunden. Das mag ein beweis dafür sein, daß es „die Sintflut“ wirklich gegeben hat am beschriebenen Ort, aber es gab gigantische Überflutungen auch an anderen Orten, wie z.B. nach Würm II (dem letzten Glazial, bezogen auf unsere Gegenwart) bei der Bildung von Nord-, Ostsee und Schwarzem Meer.

Sicher ist die Sage von der Sintflut eine menschheitstraumatische Erinnerung, aber davon gibt es eine ganze Menge.

 

 

4  Mutmaßliche menschheitstraumatische Erinnerungen an das Megalithikum - Atlantis

 

Die Erzählung von Platon über Atlantis wirkte als Kristallisationskeim für ähnliche Erzählungen vieler Völker der Erde. Durch viele alten Schriften zieht sich die Erinnerung an vergangene Kulturen und Reiche sowie an versunkene Inseln und Kontinente.

Die Sage von der versunkenen Insel und Kultur ist wie ein Menschheitstrauma.

Die Ablösung der Dinosaurier durch die Säugetiere vor 64,5 Millionen Jahren ist ebenfalls so ein Trauma, aber daran kann es keine Erinnerung mehr geben. Gleichwohl ist die Vernichtung der Dinosaurier für den Menschen eine faszinierende und bedrohliche Fiktion. Der Mensch fühlt, daß etwas ähnliches wie ein Damoklesschwert über der Menschheit und allem höheren Leben auf der Erde schweben könnte.

Was ist mit dem Menschheitstrauma Atlantis ? Würde man nicht seit Jahrtausenden die "kyklopischen" Bauwerke der Megalithiker von Island bis Nordafrika und Malta in Form von Tempel- oder Turmruinen, Gräbern oder sonstigen Kultplätzen sehen, könnte man die Erzählung von Platon über Atlantis als Hirngespinste oder Science Fiction abtun.

Aber die Megalithkultur gibt kulturgeschichtlichen Raum für Atlantis. Der Atlantisbericht enthält Fakten, die nur aus echtem, aber verschollen gegangenem Wissen eines Seefahrervolkes stammen können. Seine Formulierung ist aber vieldeutig, da wir heute nicht wissen, was die Leute damals wußten.

Was war z.B. das Festland, das man dem Bericht nach als echtes Festland bezeichnen konnte ?

Was waren die vorgelagerten Inseln ?

Mögliche Deutungen:

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Nordamerika, Südamerika und seine vorgelagerten, "westindischen" Inseln.

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Die britische Inselgruppe, Skandinavien (Thule), Jütland, Norddeutschland.

Welche Überflutungen und Erdbeben sind gemeint ?

 

Es gab Überflutungen großer Bereiche der Festlandsockel von Europa, Nordafrika und der arabischen Halbinsel durch das Schmelzen der Gletscher des letzten Glazials Würm II – aber sind diese gemeint ?

Früheste megalithische Zeugnisse gibt es aus der Bretagne aus der Zeit um 5200 v.Chr. - die Gletscherschmelze war bis 7000 v.Chr. fast abgeschlossen, etwa um 5500 v.Chr. begann das Atlantikum.

Waren die Erzählungen Erinnerungen an die gewaltigen Überflutungen etliche Jahrtausende zuvor ?

 

Auf dem Maximum von Würm II war so viel Eis in den Gletschern gebunden, daß der Meeresspiegel um 110 m tiefer als heute lag. Bauten z.B. die Atlanter als Seefahrervolk ihre Städte bevorzugt dicht am Meer, so mußten sie geradezu mit dem Abschmelzen der Gletscher vom Meer überflutet werden. Es ist jedoch auszuschließen, daß um 9500 v.Chr. (diese Zeit meinten nach Platon die ägyptischen Priester) eine höhere Kultur wie das Megalithikum irgendwo auf der Erde existierte.

Die klimatisch günstigste Zeit nach Würm II war das Atlantikum von 5500 bis 2500 v.Chr., jedenfalls für Europa. Für Nordafrika bedeutete diese Wärmezeit die Austrocknung und Versteppung einer paradiesischen Landschaft mit Savannen, Wäldern, Savannen, Seen, Flüssen und einigen Steppen- und Wüstengegenden vom Nil bis zur Westküste Afrikas.

Wegen dieser Ausdörrung Nordafrikas flohen seine Bewohner ab 4000 v.Chr. in das Niltal, an die West- und Nordküste Afrikas, immer weiter nach Süden in die heutige Sahelzone, und auch nach Europa (Nordwesttrift), wo das Atlantikum ein günstiges Klima bescherte (bis zum Nordkap von Skandianvien).

Gleichzeitig und noch davor drangen große indogermanische Populationen aus der Ukraine in das fruchtbar gewordene Nordeuropa vor. Dazwischen gab es einheimische Mesolithiker (Cro Magnon ?) und donauländische Bandkeramiker, wohl auch noch Nachfahren von Lappen und Samen aus der Rentierzeit am Südrand der abschmelzenden kontinentalen Gletscher.

Ein solches Völkergemisch und die entsprechenden begleitenden Kämpfe legt auch die germanische Mythologie nahe. Sie weiß von der Schlacht der Götter zwischen den älteren Asen und den jüngeren Wanen, vom Eis- und Nebelland Niflheim und vom Hitzeland Muspelheim, von Feuergarben (Vulkanausbrüchen ?) im Süden, die auch Niflheim erreichen und dort das Eis schmelzen und Leben erwecken, von der Weltesche Yggdrasil (Himmelssäule, Weltbaum, Baum des Lebens ?), von Zwergen und Riesen, von Lindwürmern und Flugdrachen, von Überflutungen, Versinken der Erde im Meer, Verschwinden von Sonne und Mond ... 

 

Platons Atlantisberichte

Die wesentliche Quelle für alle Sagen über Atlantis findet man in den beiden Werken Timaios und Kritias von Platon (427-347 v.Chr.):

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"Timaios" (24d-25d) Kurzbericht und

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"Kritias" (113c-Schluß) Großbericht.

Platon berief sich auf Solon (640-560 v.Chr.), der um 565 v.Chr. Ägypten bereist hatte. Priester in Sais hatten ihm über Atlantis erzählt.

Die ägyptischen Priester in Sais, die Solon von Atlantis und den Heldentaten des früheren Athen erzählten, waren

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Sonchis von Theben und

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Psenophis von Heliopolis.

Kritias der Ältere erhielt die Schriften Solons über Atlantis, danach erbte sie Kritias der Jüngere, der sie Sokrates und den anderen erzählte (so berichtet in den Dialogen "Timaios" und "Kritias").

Man liest nicht nur das, was Platon über Atlantis erzählte, sondern auch die interpretierenden Werke rezenter Autoren.

Man findet Angaben der Art, Atlantis habe in einem erloschenen Krater gelegen (siehe die heiße und die kalte Quelle auf der Königsinsel), oder daß Oreichalkos Bleisilber, Messing oder Bernstein gewesen sei.

Das steht oft so nicht im Atlantis-Bericht

Platon: Der alte Priester berichtete etwa: Atlantis war eine große Insel, größer als Asien und Libyen, Zentrum einer herrlichen Kultur und eines blühenden Reiches. Von dieser sehr großen Insel konnte man noch um 9600 v.Chr. zu den Inseln des gegenüberliegenden Festlandes (Amerika ?) hinüberfahren. Das Mittelmeer ist gegenüber dem Ozean draußen mehr wie eine kleine Bucht. Atlantis war sehr reich an Bodenschätzen, Gebirgen, fruchtbaren Ebenen und Flüssen. Es wurde viel Gold - besonders für große Statuen - und Silber verwendet. Es gab dort viele Elefanten. Man verwendete viel Elfenbein. Bernstein wird mit seinem griechischen Namen elektron nicht erwähnt. Das rätselhafte Oreichalkos (= Bergerz, chalkos ist Kupfer) war sehr begehrt. Auf einer Säule aus diesem Stoff waren die Gesetze eingeritzt. An Meerestieren waren insbesondere Delphine und Seehunde beliebt. Kupfer (chalkos), Eisen und Messing (Kupfer-Zink-Legierung) waren ebenfalls bekannt (?). Im Palast gab es eine heiße und eine kalte Quelle. Der Palast war aus schwarzen, weißen und roten Steinen erbaut. Ihr Tempel hatte ein barbarisches Aussehen. Die Stadt lag im Inneren eines erloschenen Kraters, von dreifachen Ringwällen umgeben (?). Die 3-fachen Ringkanäle umgaben die Stadt, aber es gab auch in der Ebene gewaltige Kanalisationen. Der Gott Poseidon hatte die Insel erschaffen und die Stadt Atlantis mit ihren Ringwällen selber erbaut. Es besaß eine große Ebene, die nach Norden durch hohe Berge geschützt war. Die Abmessungen der Ebene waren 540 km x 360 km (etwa halb so groß wie Spanien). Die Kanarischen Inseln haben heute eine Gesamtfläche von 7223 qkm.

10 Könige herrschten über genauso viele Gebiete in Atlantis. Atlas war der oberste König. Er gehörte mit den Atlantern einem Volk von sehr groß (?) gewachsenen Menschen an, die sich allmählich mit kleinwüchsigeren aus den "Kolonien" vermischten. Dadurch verschwand immer mehr die göttliche Sinnesart, Untugend wich der Tugend, und schließlich entarteten die Sitten so, daß Zeus eine Strafaktion befahl, um sie zu bessern.

Es war ein mächtiges Königreich mit einem großen Heer. Atlantis war kriegerisch und besetzte die Länder und Inseln des westlichen Mittelmeers bis nach Malta. Allmählich verdarben ihre Sitten und sie führten immer mehr Krieg gegen die Völker des östlichen Mittelmeers.

Aber die Vorfahren der Athener warfen sie zurück bis nach Gibraltar. Und dann geschah die große Katastrophe: Diese große Insel verschwand während einer Nacht und eines Tages bei schlimmsten Erdbeben und Stürmen vollständig im Meer, das an dieser Stelle seitdem nicht mehr schiffbar ist. Danach ist also diese Insel weitläufig nur überschwemmt, aber nicht tatsächlich in größere Tiefen abgesunken. Gewaltige Regenfluten in Hellas schwemmten die fruchtbare Erde von Berghängen und Tälern fort, so daß nur das gebirgige Skelett übrigblieb. Weite Teile von Griechenland wurden überschwemmt und viele ertranken, dabei alle der Schrift Kundigen.

 

Atlantis bezeichnete

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eine Stadt (auf einer um 10 qkm großen Königsinsel, und nur diese Insel ist in der Flut untergegangen),

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ein Reich und

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einen Kulturkreis (Megalithen), beherrscht vom König Atlas. Sein jüngerer Bruder hieß Gadeiros.

 

Atlantis lag auf einer Insel an der Mündung großer Flüsse mit 3 Häfen. Unmittelbar vor der Königsinsel war ein hoher, wie abgeschnittener Felsen, steil aus dem Meer aufragend, aus rotem, weißem und schwarzem Gestein. Aus diesem Felsen wurde über Bergbau Kupfer(erz) = chalkos gewonnen. Hinter dem Felsen, nach dem nahen Festland hin, lag eine große Ebene mit einem Hügel in der Mitte, auf dem die heilige Burg der Atlanter lag. Dort wurde oreichalkos aus der Erde gegraben, dem Golde nächst am wertvollsten bei den "damaligen Menschen" (das früheste Kupfer des Nordens wurde auf Helgoland abgebaut). Nach dem Untergang bedeckte das Meer die ganze Ebene nur wenige Meter hoch und der viele Schlamm machte die Schiffahrt unmöglich. Die Ausmessungen der Ebene waren 550 x 370 qkm.

 

Älteste Schriften und Erinnerungen:

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Homer von Chios um 800 v.Chr. erzählt in der "Odyssee" vom reichen und kulturell hochstehenden Volk der Phäaken auf Scheria sehr fern von Euböa im Okeanos

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Diodoros von Agyrion auf Sizilien berichtet in seinem Geschichtswerk von großen Reichen und berühmten Königen in "Libyen"

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Gilgamesch-Epos noch vor 2000 v.Chr.: Sintflut, Bau einer Arche

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Ähnliche Erzählungen über eine ungeheure Flut in Ägypten, bei allen Indoeuropäern (besonders den Hellenen) und auch bei den Indianern Südamerikas (u.a. bei den Mayas)

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Ältere Edda, Völuspa: Götterdämmerung, Erde versinkt im Meer, Sonne und Mond verschwinden, dann steigt Midgard wieder aus den Fluten auf und die Asen treffen sich wieder auf dem Idafelde.

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Thora-Erinnerungen: Paradies, Schlange als Versucher, "Damals gab es noch Riesen" (= Megalithiker des Nordens ?).

 

Vorgeschichte, Megalithikum und Geographie

Um 9500 v.Chr. lagen große Teile der heutigen Nordsee trocken, aber auch um Malta, vor der kleinen Syrte und vor Sizilien in Richtung Afrika, zwischen Westafrika und den Kanarischen Inseln und im Persischen Golf.

In Nordeutschland (Hamburg) sind wir zu dieser Zeit bei der Ahrensburger Kultur der Rentierjäger mit einer Kulturstufe der heutigen Samen oder Eskimos - da ist kein Atlantis in Sicht.

Was ist um 9500 v.Chr. im Mittelmeer bei der kleinen Syrte an Kultur anzutreffen gewesen ?

Um 8800 v.Chr. kamen im gesamten Bereich vom Libanon bis Elam der Anbau von Getreidearten, Haustierzucht und Hausbau auf - es wurden die Grundformen des Neolithikums entwickelt.

In Nordafrika gab es Völker, die am Oberlauf des Nilstromes wildes Getreide ernteten, aber die beiden Reiche von Unter- und Oberägypten hatten ihren Ursprung vermutlich nicht vor 5000 v.Chr. - im Gegensatz zu Platons Erzählungen. Die Einigung der beiden Reiche unter Narmer fand um 3100 v.Chr. statt. Weitere Völker lebten im Gebiet der heutigen Sahara, die bis 4000 v.Chr. ein sehr fruchtbares Land war, ein wahres Paradies.

Die Besiedlung von Nordafrika erfolgte vermutlich nicht vor 10000 v.Chr., und für die Zeit ab 6000 v.Chr. lassen sich dort bereits verschiedene und verschiedenfarbige Völker vermuten. Besiedelte Gebiete waren auf jeden Fall in Tassili n'Ajjer und in den Bergregionen von Ahaggar und Atlas.

Die damalige Meerenge zwischen Sizilien und Nordafrika mochte im Gedächtnis der Völker geblieben sein, ebenso wie die leichte Passage über das Rote Meer an seiner engsten südlichen Stelle.

Um 6000 v.Chr. kamen die ersten neolithischen Siedler nach Griechenland. Vorher gab es dort keinen Ackerbau - ebenso im Gegensatz zur Atlantiserzählung.

Nach geologischen und archäologischen Befunden kann man ausschließen, daß Atlantis vor 5000 v.Chr. existierte. Von da an heißt es, aufzupassen. Kulturzentren bilden sich in den großen Stromgebieten Nil, Euphrat und Tigris, Indus und Hwang-ho zwar noch nicht, aber es reichert sich dort allmählich eine neolithische Bevölkerung an, die Keimzelle der späteren Reiche. Daß es primitive Städte schon um 6000 v.Chr. gab, wissen wir von Jericho. Jeder Reisende im Mittelmeer kennt auf den Inseln die megalithischen Bauten aus der Frühzeit Europas. Es ist äußerst verlockend - aber vielleicht falsch - die Sage um Atlantis auf den megalithischen Kulturkreis zu beziehen.

Die Felsengravuren und -malereien in Nordafrika zeigen, daß sich dort ab 3000 v.Chr. eine Katastrophe abgespielt hat, die eine blühende Tier- und Pflanzenwelt verdorren ließ und die Menschen zur Auswanderung trieb.

Skandinavien erlebte im Atlantikum zwischen 5500 bis 2500 v.Chr. eine wunderbare Karibik-Zeit, und dann erfolgte ab 1500 v.Chr. ein schlimmer Klimasturz.

Nachweislich um 4000 v.Chr. gelangen große Einwandererströme vom Mittelmeerraum her nach England und Norddeutschland. Brachten diese das Megalithikum aus Nordafrika nach Irland (3300 v.Chr.) und Skandinavien ? Kaum, denn in der Bretagne soll angeblich das Megalithikum schon ab 5300 v.Chr. nachgewiesen worden sein.

Man könnte eher einen geschlossenen Kulturraum Nordafrika/Spanien/Nord- und Westeuropa annehmen. Das wäre dann das antike Atlantis gewesen. Es war danach kein Staat, sondern der megalithische Kulturkreis, der um 5500 v.Chr. im Atlantikum begann.

 

Als Nordafrika ab 4000 v.Chr. auszutrocknen begann, wanderten mit der Nordwesttrift viele Völker nach Europa aus und es kam zu Kriegen mit der einheimischen Bevölkerung. Das mag in der germanischen Mythologie mit dem in die Zukunft projizierten Angriff des dunkelhäutigen Feuerriesen Surtur mit seinen Scharen auf Midgard kurz vor der Götterdämmerung erhalten geblieben sein.

 

Die ersten Städte gab es ganz sicher in Vorderasen (Jericho, Chatal Hüyük), aber im Gegensatz zur früheren Meinung gab es auch in Europa um 3000 v.Chr. Städte wie bei Los Millares usw. in Südspanien (viele antike Schriftsteller hatten Atlantis bei Cadiz vermutet).

Herodot und Diodor erwähnen Städte auch im westlichen Nordafrika. Gab es Städte auch nahe der Kleinen Syrte, dem Triton-See der Hellenen ? Man denke an die Erzählungen der Hellenen um Pallas Athene (Tritongeneia), Perseus, Dionysos, Herakles, Uranos, Zeus, Amazonen, Gorgonen und Argonauten. Viele Mythen der Hellenen erzählen viel zuviel von den Hesperiden, dem Land oder den Inseln der Seligen im Westen, als daß man diese übergehen könnte: Die Erinnerung an die Kultur der Atlanter schimmert dort sicher durch.

Die Erzählung von der Stadt auf der Insel, die vom Meer verschlungen wird, kann prinzipiell von früheren ähnlichen Erzählungen abgekupfert worden sein, aber das würde die Sache nur zeitlich und örtlich verschieben.

 

Wo können besiedelte Orte ab 3000 v.Chr. überflutet worden sein ? Bei Cadiz sicher, aber auch in den Gebieten von Nord- und Ostsee, den Kanaren und der sagenhaften Insel im Triton-See. Man kann vermuten, daß bis um 2500 v.Chr. in der Region des Triton-Sees ein Macht- und Kulturzentrum der Atlanter war, wie auch der Amazonen, die benachbart leben mochten.

Es gab in Spanien die Voraussetzungen zu dem von Platon geschilderten Königtum in dieser Zeit, vermutlich auch in Nordeuropa.

Ein Kulturzentrum wie bei Stonehenge hat sicher eine jahrtausendelange Vorgeschichte.

Platon: Atlantis ging bei einem Erdbeben in einer entsetzlichen Sturmnacht unter, und an seiner Stelle war das Meer nicht mehr schiffbar.

Nun gibt es aber von den Azoren über die Westküste von Afrika und Europa bis ins Mittelmeer nur wenige Meeresgebiete, die sich durch Watten oder sonstige, weitläufig flache Gebiete auszeichnen, und dazu gehören vor allem das Wattengebiet der Nordsee und das Gebiet um die Kleine Syrte, da wo damals der Triton-Fluß vom Triton-See her in das Mittelmeer mündete.

Beide Gebiete - allerdings auch die Gegend um Cadiz - waren mindestens seit 600 v.Chr. seefahrenden Mittelmeervölkern bekannt. In beiden Gebieten bewirkten geologische Prozesse ein Absinken bzw. Verschwinden von bewohnten Gegenden.

Ebenso könnte es sein, daß man eine Naturkatastrophe im unbesiedelten Gebiet um den Triton-See nach Cadiz verlegte, um Jahrtausende später das Verschwinden der Stadt Atlantis an dieser Stelle zu "erklären".

 

Es gab oder gibt um bzw. seit 9500 v.Chr. im Bereich des Mittelmeers 3 Meerengen: Vom Schwarzen Meer herkommend zuerst die Dardanellen, dann zwischen Sizilien und Nordafrika und endlich die Meerenge bei den "Säulen des Herakles".

Man kann nun die frühen Sagen (wie etwa die Odyssee) so interpretieren, daß sie ursprünglich andere Meerengen gegolten hatten als man später annahm. Es muß aber berücksichtigt werden, daß die Erzählung detaillierte Kenntnisse über den Atlantik mit dem "umliegenden Festland" verrät. Das kann man nicht als SF-Autor (Platon !) erfinden. Diese Kenntnisse können nur durch Seefahrt erworben worden sein. Das weist übrigens wieder sehr auf das Atlantikum zwischen 5500 und 2500 v.Chr. hin, als das Klima in Nordeuropa so milde war, daß Schiffe von England über Island und Grönland leicht nach Kanada und von dort nach Süden zu den Inseln vor Mittel- und Südamerika gelangen konnten. Auf dieser nördlichen Route konnten sie praktisch immer in Sichtweite zum nächsten Landeplatz über See fahren. Vielleicht fuhren ihre Schiffe aber an den Azoren vorbei direkt nach Kuba. Auf jeden Fall verraten dieselben Mounds in England und Maryland die Kennzeichen derselben Kultur, einer nordatlantischen Kultur von Europa und Nordafrika bis Nordamerika. Die Mounds Nordamerikas sind praktisch identisch den langgestreckten Grabhügeln von England bis Polen. Sie werden einer Kultur zugeordnet, die mit Trichterbecher- und Megalithkultur verwandt ist.

Die Steinpyramiden der Indianer Süd- und Mittelamerikas sind um 3000 Jahre später als die von Sumer und Ägypten errichtet worden und vermutlich kam die Anregung dazu von der Kultur von Angkor-Vat nach Amerika. Die Pyramiden von Angkor-Vat wurden ihrerseits sicherlich von Sumer und Ägypten her beeinflußt.

Eine transpazifische Verbindung Indien-Südamerika legen auch eigenartige Parallelen zwischen den Kalendern der Völker dieser Regionen nahe (Beginn etwa bei 3011 v.Chr.).

Die Berichte über weite Seefahrten in Atlantissage, Ilias und Thora (Fahrt der Schiffe nach dem Lande Punt, Dauer der Reise 3 Jahre) sind kaum erfunden. Die Odyssee zeigt sehr deutlich, daß die Seefahrt die Menschen schon zu früher Zeit sehr beschäftigte, und die Odyssee gibt nicht die Mittelmeergegend um 1200 v.Chr. wieder, sondern um Jahrtausende zuvor. Um 1200 v.Chr. gab es für 2000 Jahre schon das vereinigte Königreich (es ist hier Ägypten gemeint !). kretische Flotten hatten das Mittelmeer durchpflügt und waren die Gestade und Inseln des Mittelmeers „zivilisiert“: In der Odyssee werden Skandinavien (Laistrygonen) und die Mittelmeergebiete um etwa 3500 v.Chr. geschildert !

 Wir vergessen immer wieder, daß unsere Vorfahren auch vor 35000 Jahren mindestens so intelligent gewesen sind wie wir heute. Die Paläoanthropologie hat erwiesen, daß die Jungpaläolithiker sogar intelligenter als wir Heutigen waren, mit einem mittleren Gehirnvolumen um 1600 ccm, und das sind 10% mehr Gehirn als beim heutigen Menschen !

Vielleicht erzählten schon vor 35000 Jahren die Alten am nächtlichen Lagerfeuer von längst versunkenen Kulturen, verschollenen Schätzen und untergegangenen Völkern, und vom Großen Jäger, Schlaraffenland, Jungbrunnen und der Wunderpflanze !

 

Diodor von Agyrion, andere Historiker und Fehlerfaktoren

Wie schon zahlreiche andere Autoren festgestellt haben. liegt der Schlüssel zum Verständnis des Atlantisberichts von Platon in Diodors Geschichtsbibliothek.

Diodor von Agyrion auf Sizilien (94-19 v.Chr.) beweist das durchaus schon moderne Denken kurz um die Zeitenwende. Wer die 37 Bände von Plinius' Naturgeschichte liest, findet das bestätigt. Diodor erzählt viele Einzelheiten über die Atlanter, Libyen, die dicht besiedelten und fruchtbaren Gegenden an der Westküste Libyens am Atlantik, ihre Städte, die Amazonen und Gorgonen, Triton-See usw. Er betont aber auch, daß die Erzählungen in so vielfältiger Form anzutreffen sind, daß man jede Sage eigentlich in vielen Fassungen erzählen müßte. Wegen diesem sehr lästigen Tatbestand haben die alten Schriftsteller meistens lieber alles weggelassen, was als vor dem Troianischen Krieg liegend gedeutet wurde – leider !. Das hatte natürlich zur Folge, das im hellenischen Sprach- und Kulturraum alle Sagen aus früheren Zeiten stark gelichtet wurden und nur wenige übrigblieben wie die von Herakles, Dionysos, Theseus, Perseus, Kadmos, Danaos, den Atlantern, Kentauren, Amazonen ...

Nordafrika ist ein riesiges geographisches Gebiet, nur mit den Weiten Asiens vergleichbar, das ab 7000 v.Chr. zunehmend besiedlungsfähig wurde. Bis 3000 v.Chr. wurde dieses große Gebiet zum Kulturraum, und in diesen 4000 Jahren ist sicher eine Menge geschehen, was überlieferungswürdig gewesen ist. 

Was bei Herodot nur undeutlich anklingt, ist bei Diodor klar ausgesprochen: Ägypten ist eine Kolonie der Äthiopier (Kultur von Khartum !). Früher mündete der Nil in einen Golf (Meerbusen), der allmählich über die Jahrtausende mit Nilschlamm aufgeschüttet wurde und gänzlich verschwand. Danach waren die Äthiopier das älteste Kulturvolk, archäologisch wohl mit der Kultur von Khartum im 6. Jahrtausend v.Chr. zu identifizieren. Nun gilt folgendes:

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Da im 4. Jahrtausend v.Chr. im Niltal keine megalithischen Kunstsymbole wie Spiralen und Doppelaxt auftreten, kann man eine Verbindung mit den Megalithikern ausschließen.

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Da bei Tassili n'Ajjer, Hoggar und Atlas in Westafrika zahlreiche megalithische Symbole in Felsgravuren zu finden sind, muß man in Afrika im 4. Jahrtausend v.Chr. verschiedene kultivierte Völker annehmen.

Die westlichen nordafrikanischen Kulturen wie die Capsien- und Aterien-Kultur waren über Kulturen Spaniens mit denen in Nordeuropa irgendwie verbunden - ein lockerer Kulturkreis war möglich. Platon spricht nun aber von den 10 Königreichen der Atlanter, die jedes für sich straff organisiert waren. Daraus würde also folgen, daß dieser Kulturkreis doch sehr zusammenhängend und der von Atlantis gewesen ist.

Platon beharrt mehrfach darauf, daß seine Atlantis-Berichte wahr sind, und das ist auch durchaus wahrscheinlich. Vieles von dem, was Platon über Atlantis und diesen ganzen Sagenkreis berichtet, konnten hellenische Wissenschaftler nicht verstehen, weil das betreffende Wissen in ihrer Epoche und Region verschwunden war.

Platon will bewußt die ältesten Berichte um seine Vaterstadt Athen berichten, zumal diese voll vom Lob über die damaligen Vor-Athener und die Fruchtbarkeit der athenischen und attischen Gaue sind.

 

Man muß hier aber auch das anführen, was die Kritiker auf den Plan ruft: Mit den Atlantis-Berichten wollte Platon seiner Heimatstadt Athen und ihren Bewohnern schmeicheln. Platon proklamiert eine eigenartige Beziehung zwischen Sais in Ägypten und Athen in Hellas mit dem wesentlichen Kennzeichen, daß die saitischen Priester Athen nach Gründungsalter und Entwicklung der Waffentechnik und Staatsform über Sais und Ägypten stellten.

 

Archäologisch ist die im Gebiet von Libanon bis Mesopotamien ab 8800 v.Chr. entwickelte ackerbäuerliche Kultur um 6000 v.Chr. frühestens in Griechenland nachweisbar. Ähnliche Nachweise sind in Ägypten entlang des Nils wegen der Nilüberschwemmungen so nicht möglich.

Es kann sein, daß im 5. Jahrtausend der Ackerbau früher von Attika her ins Niltal gelangt ist als über den bedeutend näheren Weg über die Sinai-Halbinsel.

Aber wer konnte das noch wissen, da die ersten Schreibformen erst kurz vor Narmer (um 3100 v.Chr.) entwickelt worden sind ?

Man kann im 4. Jahrtausend v.Chr. - bevor die "Grenzen" zwischen ägyptischem und sumerischem Kulturbereich geschlossen wurden -, einen Kulturaustausch zwischen Ägypten und Sumer annehmen. Aber auch über das Mittelmeer hin nach Attika ?

Wohl aber ist ab 1600 v.Chr. am Ausgang der mittelhelladischen Zeit ein reger Kulturaustausch zwischen der mykenischen Kultur I und Ägypten zu finden (Schachtgräber von Mykene, Orchomenos usw. mit Mumien, auf den Bandagen aufgenähtem Goldschmuck, ...).

Angeblich halfen auch die achaiischen Mykener, die Hyksos bis 1580 aus Ägypten zu vertreiben, wobei Kreta die Achaier nach Ägypten brachte.

 

Platon berichtet, daß die Priester Ägyptens um 600 v.Chr. von zahlreichen Überschwemmungen, Erdbeben und "Feuern vom Himmel" Kenntnis hatten, ebenso von den um die Erde kreisenden Gestirnen. Dafür mußten sie eine Kugelgestalt der Erde annehmen. Diodor erzählt, daß Atlas durch scharfsinnige Beobachtungen die Kugelgestalt als erster Mensch herausgefunden hatte.

Die Priester sagten, daß eine gewaltige Flut alle der Schrift Kundigen dahinraffte, und danach herrschte eine so große Not, daß die Menschen sich um ihre Nahrungsbeschaffung kümmern mußten und alle Kenntnisse aus früheren Zeiten erloschen. Evans hat mit seinen Ausgrabungen bei Knossos Beweise für ein gewaltiges plutonisches Ereignis – in verschiedenen Quellen in den Zeitraum von 1470 bis 1587 v.Chr. gelegt - auf Kreta erbracht, wobei die Paläste von Knossos und auch die ganze kretische Kultur zerstört wurde. Die kretische Schrift Linear A geriet in Vergessenheit.

 

Die Zeit- und Längenangaben Platons riefen schon in der Antike viel Kritik hervor. Ein großes Problem ist, daß nicht eindeutig bestimmbar ist, welche Umrechnungsfaktoren man nehmen muß, denn Platon läßt die saitischen Priester in ihrer Zeitmessung sprechen.

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Spanuth beruft sich auf die Gleichung "1 Jahr = 1 Monat", d.h. der Fehlerfaktor ist 12. Das ist schon einmal eine gute Idee, um von dem großen Zeitraum von 9000 Jahren wegzukommen. Spanuth’s Gleichung führt zu einer Zeit, die der der Irrfahrt des Odysseus und der des Einbruchs der Seevölker in Ägypten fast gleichkommt.

 

Die megalithischen Bauwerke auf den Mittelmeerinseln sind oft recht spät entstanden, und so mag das nicht so falsch sein.

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Wählt man die Zeit vom Untergang von Atlantis kurz vor dem großen Ausbruch des Vulkans auf Thera um 1470 v.Chr. (das ist das Ereignis, das die minoische Kultur auf Kreta zerstört hat), so ergibt das einen Fehlerfaktor von 10.

So weit vorerst zur Interpretation der Zeitangaben (s.u.).

 

Kann man einen Fehlerfaktor von 10 auch für die Längenangaben nehmen, die besonders bei den Abmessungen der Ringwälle und Ringkanäle um die Stadt Atlantis so phantastisch klingen ?

Platon sagt: Die Priester melden eine Sozialordnung nach Kasten (Priester, Krieger, Werkmeister, Hirten, Jäger, Landwirte) und eine Bewaffnung mit Schild und Speer. Ferner berichten sie über eine sehr hohe sittliche Stufe der Menschen dieser Zeit.

 

Lage und Untergang der Insel Atlantis können der Beschreibung nach nicht auf eine einzige Region zutreffen, sondern müssen eine Mixtur aus verschiedenen geologischen Regionen und Prozessen sein, die die Priester selber nicht verstanden haben.

Aus dem Atlantis-Bericht im Kritias geht eindeutig hervor, daß der jüngere Zwillingsbruder von König Atlas die Gegend zwischen den Säulen des Herakles bis zum Gadeirischen Land erhielt, das identisch mit der südöstlichen Küstenregion Spaniens ist.

Eines der "atlantischen" Königreiche war mindestens ein Teil der spanischen Halbinsel.

Sie war wahrscheinlich sogar die Hauptinsel, denn die übrigen Daten - hohes, großes und waldreiches Gebirge im Norden, große Ebenen, Wasserreichtum, viele Tiere und Pflanzen, Elefanten usw. - sind gut auf Spanien dieser Zeit anwendbar.

England, Schweden und Jütland scheiden dafür zwar aus, aber die untergegangene Insel kann bei der Kleinen Syrte vor Nordafrika oder zwischen England und Jütland gelegen haben. Nur dort haben geologische Prozesse Senkungen ergeben, die zu schlammigen, flachen Untiefen geführt haben.

Da man aber bei der Kleinen Syrte keinen Oreichalkos (Bernstein, Bleisilber, Kupfer-, Zinnerz) aus dem Boden graben kann, wird wohl mit dieser 2. Königsinsel doch die von Spanuth vermutete Region um Helgoland-Steingrund oder eine mehr zu England hin gemeint sein. Wir wissen von Pytheas von Massilia, daß in der Antike bei Cornwall, England, Zinnerzbergwerke waren.

 

Die geologische Katastrophe, die Attika angeblich so heimgesucht hat, kann der Ausbruch des Thera-Vulkans gewesen sein. Dieser mag auch geologisch so gewirkt haben, daß die schon im Versinken begriffene Königsinsel bei Helgoland von Erdbeben und Sturmflut verschluckt wurde (um 1540 bis 1470 v.Chr.).

 

Platon konnte nicht mehr wissen, daß Poseidon (Gott des Meeres, Erderschütterer) einer der ältesten Götter der Indoeuropäer war, und daß seine Kleito wohl die Erdmutter darstellen sollte. Poseidon und Kleito waren vermutlich das megalithische göttliche Paar des Nordens.

Ebenso konnte er nichts mehr von der Bedeutung der Ringstruktur menschlicher Bauwerke und Siedlungsanlagen wissen.

Problematisch erscheinen die Erzählungen von

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zinnverkleideten oder bernsteinbelegten Mauern,

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vielen Goldstatuen,

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elfenbeinernen Decken im Palast und

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riesigen Schiffsarsenalen, in den Felsen gehauen.

Gut einfügen in die nordische, indogermanische und spanische Kultur (hypothetisch mit der Megalith-Kultur gleich gesetzt) kann man

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soziale und militärische Organisation (siehe bei Spanuth),

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die heilige Säule mit den Inschriften,

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den Palast von barbarischem (=  megalithischem) Aussehen,

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die rege Schiffahrt,

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der Wagen mit Poseidon, von sechs geflügelten Rossen gezogen, von 100 Nereiden auf Delphinen begleitet,

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die blauen kostbaren Gewänder.

Der Hain mit den Stieren des Gottes, die man mit Netz und Knüppel fängt und oben auf der heiligen Säule opfert, damit sein Blut über die Inschriften auf der Säule rieselt, mutet kretisch-spanisch an, mit oder ohne Megalithikum.

 

Megalithikum oder Atlantis gehören in eine Epoche, in der der Ost-West- bzw. West-Ost-Kulturaustausch überwog, einer Epoche folgend, in der für Jahrtausende der süd-nördliche Kulturaustausch überwogen hatte.

Ohne Zweifel sind Völker vom Mittelmeer und Nordafrika herkommend in den nördlichen Raum vorgedrungen, auf der Flucht vor Dürre, Hitze, Trockenheit und Vernichtung.

Die anderen Königreiche von Atlantis – vermutlich Westfrankreich, Spanien, Jütland, England und Skandinavien, gingen nicht unter - vorerst.

Es ist also möglich, daß die Süd-Nord-Flucht im 4. Jahrtausend v.Chr. eine Völkerbewegung innerhalb eines einheitlichen Kulturkreises gewesen ist, mit Wissen und Einverständnis von allen Beteiligten in Kenntnis der Naturgewalten.

 

Der Kriegszug der Atlanter gegen die östlichen Mittelmeervölker ist nicht der Kriegszug der Seevölker gegen Ägypten gewesen, über die Ramses II berichtet, sondern das sind Erinnerungen an die Epoche, als die megalithischen Völker des östlichen Mittelmeeres den Versuch machten, sich auch über Tyrrhenien hinaus auf das östliche Mittelmeer auszudehnen.

Man findet die Bauwerke der Megalithen auf den Balearen, Sizilien, Malta usw., warum sollten sie sich auf diese Inseln ohne Notwendigkeit beschränkt haben ?

Ist die Sage vom Kriegszug der Atlanter eine Erinnerung an die Hyksos-Herrschaft in Ägypten (1730-1580 v.Chr.) ? Niemand weiß, was die Hyksos für ein Volk gewesen sind, aber von irgendwoher müssen sie ja nun gekommen sein.

Die nachfolgenden Pharaonen ließen alle Zeugnisse aus dieser Epoche vernichten. Vielleicht entgingen ihnen die Inschriften in Sais.

 

Der historisch faßbare Kriegszug der Seevölker war vielleicht nur der letzte Kriegszug in einer langen Reihe von Eroberungsversuchen von Norden und Osten her, also vom atlantisch-megalithischen Kulturkreis her, und dieser letzte Kriegszug erfolgte aus reiner Verzweiflung heraus, da ihre Heimat durch Klimaverfall und geologische Prozesse stark zerstört worden war.

Vermutlich wurden - durch Kulturverfall und Klimaverschlechterung geschwächt und durch starke Erdbeben und Überflutungen aus ihren nördlichen Wohnsitzen bei Jütland und Umgebung gerissen - die betreffenden Populationen zur Abwanderung gezwungen und zogen nach Süden, wo sie um 1220 v.Chr. in Ägypten einfielen, zurückgeschlagen wurden und die Regionen um Palästina einnahmen (so wieder Spanuth). Sie vermischten sich mit eingeborenen Kanaanitern usw. und schufen die Kultur der seekundigen Phoiniker.

 

Argumentationen in unserer Zeit:

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D. Stichtenoth publizierte 1959 eine sicher gute Arbeit über die verlorengegangene Schrift des Pytheas von Massilia "Über das Meer" von 322 v.Chr. – er versuchte eine Rekonstruktion der Schrift. Stichtenoth behauptet fest, der Eridanus sei die Oder gewesen und eine Insel in seinem Mündungsgebiet Basileia, die Königsinsel Atlantis. Der meiste Bernstein sei zwischen Odermündung und Samland gefunden und in die Gebiete der südlichen Hochkulturen exportiert worden.

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J. Spanuth publizierte 1977 sein Buch "Die Atlanter" und vertrat die Meinung, daß der große Strom im Atlantis-Bericht die Eider gewesen und Atlantis eine heute dort vom Meer überschwemmte Insel gewesen sei. Er schreibt, daß der meiste Bernstein gerade in dieser Gegend gefunden und nach Süden exportiert wurde.

Weiter unten folgen noch weitere Interpreter für die verschwommenen Angaben von Strabo, Plinius, Apollonios, Apollodoros, Homer usw., und Spanuth hat sich in seinem Buch "Die Atlanter" große Mühe gemacht, einer der Besten zu sein.

Spanuth listete in seinem Buch Arbeit anderer Autoren auf wie die von R. Hennig (Seiten 364-371) über die Ähnlichkeiten der Königsinsel der Phäaken Homers mit der Königsinsel der Atlanter Platons.  Es gibt aber vieles, was das Scheria Homers dem Atlantis Platons unähnlich macht.

 

Weitere Diskussion Platons Erzählungen von Atlantis

Für die Ägypter war das Mittelmeer das Nordmeer.

Zur den Himmel stützenden Säule:

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Ägypter: Sie  befindet sich unter dem Polarstern gen Mitternacht, in ewiger Finsternis.

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Germanen : Irmin(sul) (= Weltesche ?).

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Griechen: Der Himmelsstützer ist Atlas. Gut, aber wo ist Atlas und stützt den Himmel ?

 

Hesiod: Atlas ist des Japetos Sohn.